Flüchtlinge in den Medien

"...wurden zahlreiche Afrikaner verhaftet"
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Foto: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Darf man das so schreiben? Manche Journalisten sagen: man muss es sogar! Weil die Medien es versäumt haben, Probleme mit Flüchtlingen klar zu benennen. Stimmt das?

Nein!, meint Nils Husmann

Nils Husmann

ist Redakteur bei chrismon und hat sich in der Vergangenheit schon öfter über unsachliche Berichterstattung geärgert, zum Beispiel in den Tagesthemen über die Zukunft Griechenlands.

Es ist eine Schande: Allein in der ersten Jahreshälfte gab es in Deutschland 199 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Im gesamten vorigen Jahr gab es 170 Attacken, und auch das waren schon dreimal soviel wie 2013. Besonders verstörend: Die Mehrzahl der Täter war zuvor nie aufgefallen. Der Hass auf Fremde scheint in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, bundesweit, nicht nur im Osten. Journalisten haben eine Verantwortung, diesen Hass nicht weiter zu entfachen.

Auch ich habe mit Kollegen diskutiert: "Müssen wir in Orte reisen, in denen Flüchtlinge nicht zum Deutschunterricht erscheinen und engagierte Helfer frustriert zurücklassen?" Ich finde: Nein, solche Geschichten müssen wir nicht erzählen. Es wären "Vorurteilsbestätigungs-Geschichten", mit denen Journalisten die Welt in ein "Wir" und ein "die Anderen" einteilen. Das wäre – schlimmstenfalls – Nährboden für mehr Hass.

Natürlich gibt es Flüchtlinge, die sich der Integration entziehen, die sogar straffällig werden. Es ist aber eine kriminologische Binsenweisheit, dass unsere Lebensumstände der wesentliche Faktor dafür sind, ob wir uns an Regeln halten oder nicht. Das Klischee von der "schweren Kindheit", die in den Knast führt – es stimmt.

Wie sehen die Lebensumstände der Menschen aus, die bei uns Hilfe suchen? Viele sind traumatisiert. Viele treffen auf selbstlose Helfer, Gottseidank! Aber sie geraten in ein öffentliches Klima, das Politiker wie Horst Seehofer bewusst aufheizen, indem sie unverblümt von "massenhaftem Asylmissbrauch" schwadronieren. Unsere Aufgabe ist es, darüber zu schreiben, dass in so einem Klima nichts Gutes wächst.

 

Ja!, meint Heinrich Maria Löbbers

Heinrich Maria Löbbers

ist Leiter des Ressorts Kultur, Reportage, Gesellschaft der Sächischen Zeitung in Dresden.
Wieder mal Montag, wieder zieht Pegida pöbelnd durch Dresden. Angst vor Islamisierung haben sie, und eigentlich ja nichts gegen Ausländer. ABER! Zur gleichen Zeit am Hauptbahnhof: Drogenrazzia. Wieder werden mehrere Nordafrikaner erwischt. Die Sächsische Zeitung berichtet über beides.

Gießen wir damit nicht Öl ins fremdenfeindliche Feuer? Mag sein. Aber so ist nun mal die Realität. Und wir Journalisten haben die Aufgabe, sie widerzuspiegeln, einzuordnen, zu bewerten – in all ihrer widersprüchlichen Komplexität. Natürlich brauchen Journalisten Standpunkte, sollten für Toleranz und Weltoffenheit eintreten. Vielleicht dürfen sie dabei sogar den Grundsatz missachten, sich nie mit einer Sache gemein zu machen, nicht mal mit einer guten.

Was Journalisten auf keinen Fall dürfen: Verschweigen. Die Medien sind voll von Porträts über die schweren Schicksale netter syrischer Familien mit süßen Kindern. Und das ist gut so. Es gibt viele Beispiele gelungener Integration und vorbildlicher Hilfsbereitschaft. Aber leider gibt es auch das Gegenteil. Wir müssen jene Verbrecher nennen, die Asylheime angreifen, oder wie unlängst in Dresden sogar die Helfer des DRK. Aber wir müssen auch hinsehen, wenn es Probleme mit Flüchtlingen gibt oder sie sogar kriminell werden. Es ist wichtig zu berichten, wenn Migranten zu Opfern werden. Warum verschweigen, wenn sie Täter sind?

Solcher Heile-Welt-Journalismus vermittelt den Menschen das Gefühl, Medien würden bestimmte Probleme ausblenden. Das kostet Glaubwürdigkeit.

"Lügenpresse" schreit es aus hassverzerrten Gesichtern vor der Semperoper. Wir sollten uns nicht von diesen Empörten vor sich hertreiben lassen. Wir sollten unseren Job als Journalisten machen: Hinschauen und berichten, was ist.

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Lesermeinungen

Der Journalist O. Janich weist nach, wie mit Steuermitteln der deutschen Bürger illegale Einreise und Schlepperei staatlicherseits gefördert werden. Fazit: Die derzeit stattfindende Invasion kulturfremder Transferempfänger in die Sozialsysteme der wirtschaftlich stabilen EU-Länder wird durch die Europäische Union, die Stadt München, die Lobbyorganisation Pro Asyl (angeblich vom amerikanischen Multimilliardär Soros gefördert) und weitere Akteure unterstützt. Den Bürgern bleibt nur, diese Akteure wegen Beihilfe zum illegalen Grenzübertritt anzuzeigen und deren Motive offenzulegen.

Beitrag "Flüchtlingskrise ist staatlich inszeniert und gewollt"
https://www.youtube.com/watch?t=373&v=LoQopLg10KA

"Empört Euch" schrieb am 9. Oktober 2015 um 21:36: "diese Akteure wegen Beihilfe zum illegalen Grenzübertritt anzuzeigen". Na so was! Die Akteure mit ihrer Beihilfe zum illegalen Grenzübertritt zwischen 1961 und 1989 wurden Fluchthelfer genannt und genossen großes Ansehen. Jetzt müssen sie sich als Nepper, Schlepper und Bauernfänger beschimpfen lassen.

Die Bundeskanzlerin erlaubt es sich, aus persönlichen Launen heraus das GG (kein Bundeswehreinsatz im Innern) und internationale Vereinbarungen (Schengen, Dublin, Genfer Flüchtlingskonvention) vorübergehend außer Kraft zu setzen mit dem Hinweis auf persönliche Emotionen. So macht sie sich an einer verantwortungslosen, ungesetzlichen und antieuropäischen Migrationsmisere mitschuldig, die man nur noch als Putschversuch gegen den eigenen Staat und das eigene Volk beziehungsweise als entsicherte Kriegs- oder Terrorwaffe gegen Europa interpretieren kann. Die Förderung einer Masseninvasion mehrheitlich illegaler und kulturfremder Eindringlinge und zukünftiger Transferempfänger nach Europa, wie sie sich zurzeit abspielt, hat mit Regierungspolitik einer deutschen Bundesregierung nichts mehr zu tun, sondern nimmt Formen rechtsbrecherischen, kriminellen Landesverrats an, der derzeit weder durch Neuwahlen (wegen mangelnder Opposition zur GroKo) noch Anklage (Immunität der Beteiligten) noch durch Bürgerentscheid (keine direkte Demokratie auf Bundesebene) beendet werden kann. Ein Albtraum! Wie sollen Bürger gegen die ungesetzliche Politik der Regierung grundgesetzkonformen Widerstand leisten?

https://helmutmueller.wordpress.com/2015/09/14/offener-brief-von-general...

Könnten Sie bei einer solchen Diskussion bitte auch über Übergriffe auf Einheimische Auskunft geben, die von Zuwanderern/Flüchtlingen begangen werden (in Zahlen)? Ansonsten kann man sich kein vollständiges Bild machen.

Hilla schrieb am 22. August 2015 um 10:07: "Könnten Sie bei einer solchen Diskussion bitte auch über Übergriffe auf Einheimische Auskunft geben, die von Zuwanderern/Flüchtlingen begangen werden (in Zahlen)?" Die Übergriffe auf Einheimische, die von Flüchtlingen begangen wurden, die aus der Zone zwischen dem 13. August 1961 und dem berühmten Fall der Mauer rübergemacht hatten, sind nirgendwo zahlenmäßig erfasst worden. Ich vermute, die meisten dieser Flüchtlinge waren brave Bürger und einige werden kriminell gewesen oder geworden sein. Nicht anders als bei den augenblicklichen Flüchtlingen, die aus Afrika und anderswoher nach Europa rübermachen.
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Ein wichtiger Unterschied besteht allerdings. Der hat aber nichts mit den Flüchtlingen zu tun und dem, was die machen oder nicht. Die Einheimischen und ihre Obrigkeit wollten die Zonenflüchtlinge nicht beargwöhnen. Deswegen war es sowohl der Regierung wie auch den gewöhnlichen Westdeutschen ziemlich wurscht, wenn unter den aus der Zone Geflohenen auch Schlägertypen und Ladendiebe waren. Den jetzigen Flüchtlingen soll aber alles Schlechte zugetraut werden. Und deswegen schreit der brave Bürger nach Statistiken. Er will sich gerade kein vollständiges Bild machen, sondern will seinem Argwohn, seiner Abneigung oder Schlimmerem gegenüber den zeitgenössischen Elendsgestalten einen objektiven Anstrich verpassen.