Elias Bierdel

"Das ist schändlich. Das halte ich nicht aus"
Ehemaliger Chef der Hilfsorganisation "Cap Anamur" und Mitbegründer der Initiative "Borderline Europe", Jahrgang 1960

"Typisch Bierdel". Das hat er wohl selbst­ gedacht, als er kürzlich Freunde auf der griechischen Insel Lesbos besuchte. Ein Buch wollte er dort schreiben. Aber dann sah er Flüchtlinge, die zu Tausenden von der türkischen Küste aus übersetzen. Er sah Karawanen an Menschen, die Richtung Inselhauptstadt laufen, viele barfuß. Wegsehen? Kann er nicht.

Website

Die Website von Bierdels Initiative "Borderline Europe" finden Sie hier: www.borderline-europe.de

Statt eines Buches schrieb er einen Projektvorschlag für "Borderline Europe", eine Initiative, die er 2006 mitgegründet hat und die zum Ziel hat, die Zustände an der streng bewachten EU-Außengrenze zu dokumentieren. Er hat das Innen- und Verteidigungsministerium in Athen miteinander ins Gespräch gebracht.  Eine kleine Sensation! Soll ein leerstehender Armeeposten Platz für Flüchtlinge bieten? "Es wäre ein Musterfall, dass griechische Militärs eine Liegenschaft für einen Friedenszweck räumen."

Früher war Bierdel Korrespondent für die ARD in Wien. Als er nicht mehr nur reden, sondern helfen wollte, meldete er sich bei "Cap Anamur“. Erst ging er für die Hilfs­organisation nach Afghanistan, später wurde er ihr Geschäftsführer – und berühmt, als er an Bord des gleichnamigen Schiffes 37 Flüchtlinge aus Seenot rettete und gegen den ­Willen der italienischen Behörden nach Sizilien brachte. Er kam ins Gefängnis.

Seitdem treibt ihn ein Gedanke an: "Heute wird ­pauschal jeder, der Menschen dabei hilft, ein in Europa verfassungsrechtlich verbrieftes Grundrecht in Anspruch nehmen zu wollen – nämlich um Schutz und Hilfe zu bitten – als Schlepper kriminalisiert. Das ist schändlich. Das halte ich nicht aus."

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