Raif Badawi

"Weil ich sage, was ich denke"
Saudi-arabischer Blogger, Jahrgang 1984

Dreckiges Klopapier am Boden, die Wände beschmiert: Die Toilette der Sammelzelle. Raif Badawi kann noch gar nicht fassen, was mit ihm passiert ist. Der Mitgründer der Onlineplattform "Die Saudischen Liberalen" hatte über das harte Vorgehen der Religionspolizei geschrieben und sich für eine Diskussion über die strikte Auslegung der Scharia eingesetzt, unter anderem. Plötzlich ist er hier, im Gefängnis von Dschidda, zwischen Mördern, Vergewaltigern und Dieben, so beschreibt er es in seinem Buch. Aber da steht etwas an dieser Toilettenwand: "Säkularismus ist die Lösung". Er merkt, hier ist jemand, der ihn versteht.

Buchtipp

Raif Badawi, Constantin Schreiber: 1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke, Ullstein Verlag, 2015.

Zehn Jahre Gefängnis, 194 000 Euro Strafe, 1000 Stockschläge – das Urteil des saudi-arabischen Gerichts. Badawi sei "vom Glauben abgefallen", außerdem zeige er "Ungehorsam gegenüber dem Herrscher".

Als Raif Badawi verhaftet wurde, ist seine Frau Ensaf Haidar mit den drei Kindern nach Kanada geflüchtet. Sie dürfe immer wieder einmal für drei Minuten mit ihrem Mann sprechen, sagt sie in Interviews. Dann erzähle sie ihm von der großen inter­nationalen Unterstützung, dass sein Foto auf den Titelseiten sei – und von den vielen Preisen, die ihm verliehen werden. "Da hat er geweint."

Die ersten 50 Stockschläge hat er knapp überlebt. Jetzt drohen ihm die nächsten.

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