E-Mail aus Serbien

Donauschwaben
Serbien

Foto: Milos Milosevic / flickr.com

Hans-Frieder Rabus mit einer E-Mail aus Serbien

Deutsche Lehnwörter im Serbischen wie „knedla“ (Knödel) oder „schrafziger“ (Schraubenzieher) bringen mich öfter zum Schmunzeln. Aber bei „generalstab“ oder gar „logor“ (Lager) vergeht mir das Lachen. Wörter zeigen die doppelte Geschichte der Deutschen in diesem Land: Zum einen haben deutsche Besatzungssoldaten von 1941 bis 1944 in Jugoslawien furchtbar gewütet, Zivilisten erschossen, Menschen in Konzentrationslager gebracht. Zum anderen lebten Deutsche ­bereits seit zwei Jahrhunderten in der ­Voj­vodina, einer Provinz in Nordserbien, die bis 1918 zu Österreich-Ungarn gehörte. Im 18. Jahrhundert hatte Wien Menschen angeworben, das entvölkerte und versteppte Land an der Grenze zum Osmanischen Reich zu besiedeln.

Viele Donauschwaben gehörten zur Waffen-SS

Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten dort eine halbe Million Deutschstämmige. Bei jedem Anflug auf Belgrad freue ich mich an den akkuraten Straßenzügen der ehemals deutschen Dörfer. Sie existierten weithin friedlich und in gegenseitigem Respekt miteinander – der Švaba und der Rác. „Schwabe“ nannten Serben alle Deutschsprechenden. Nach ihrem Stammesgebiet „Raška“ benannten Deutsche die Serben.

Hans-Frieder Rabus

Rabus lebt und arbeitet als Auslandspfarrer in Belgrad belgradevangelisch.de
„Unsere Küche wäre fad, hätten wir uns nicht von der Kochkunst unserer serbischen Nachbarn anregen lassen“, sagt  Hildegard G. Sie erlebte in der Voj­vodina eine glückliche Kind, bis sie das Land mit vielen anderen Deutschen im Herbst 1944 verlassen musste. Die Donauschwaben ­ galten kollektiv als schuldig – viele Männer hatten zur berüchtigten Division „Prinz Eugen“ der Waffen-SS gehört.

Die Deutschen, die im Land blieben, ­kamen in Lager, die zum Teil in ihren Dörfern errichtet wurden. In Gakovo bei Sombor etwa starben bis 1948 8500 Donauschwaben an Hunger und Schwäche. 2004 wurde dort endlich eine Gedenkstätte errichtet. Bei einer Gedenkfeier im vergangenen Herbst betonte der Parlamentspräsident der Vojvodina: Von einer Kollektivschuld der Deutschen zu reden sei falsch. Für die Donauschwaben ist das ein wichtiges Zeichen. Ihre Geschichte dringt in Serbien erst langsam ins öffentliche Bewusstsein.

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