Pietätloser Protest

Die Berliner Kuenstler- und Aktivistengruppe "Zentrum fuer politische Schoenheit" hat am Dienstag (16.06.15) eine im Mittelmeer ertrunkene Frau auf einem Berliner Friedhof bestattet. Ein weisser Sarg mit den vermeintlichen Ueberresten der

Foto: Christian Ditsch / epd-bild

Merkwürdige Bestattung – die Ehrenplätze für die politische Elite blieben frei

Die Künstlerinitiative "Zentrum für Politische Schönheit" karrt tote Flüchtlinge durch Europa

Die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ hat Leichname, einen oder mehrere, von im Mittelmeer er­trunkenen Flüchtlingen exhumiert, nach Deutschland gebracht und sie öffentlich in Berlin bestattet.

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017
Braucht es eine so radikale Aktion, um auf das Flüchtlingsdrama aufmerksam zu machen? Ist das legitim? Natürlich!, könnte man sagen, denn wer wollte vorschreiben, welche Form des – gewaltfreien – Protests erlaubt ist? Aber die Frage ist falsch – genau wie die Aktion als solche. Die Aktivisten missachten die Würde der Menschen, die sie auch im Tod noch haben. Die Sprecher der Ini­tiative argumentieren, sie hätten Angehörige der Toten um Erlaubnis gebeten. Die Verwandten hätten gesagt: „Bitte bringt sie nach Deutschland, sie wollten dorthin.“ Würdelos sei, sie wochenlang in Kühlhäusern zu verwahren und sie dann anonym irgendwo zu bestatten.

Das stimmt. Aber um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hätte es keinen Leichentransport durch halb Eu­ropa gebraucht. Die Künstler haben Tote instrumentalisiert, um Politik zu machen. Sie wollen offene Grenzen, sie wollen, dass die Menschen Europa auf legalem Weg erreichen können, damit niemand mehr im Meer ertrinken muss. Das ist ein hehres Ziel, aber die Wahl der Mittel ging leider fehl. Manch einer mag nun erst recht die Augen vor dem verschließen, was an Europas Grenzen passiert.

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Lesermeinungen

Pietätlos ist vor allem der Tod der Flüchtlinge und das, was an Europas Grenzen geschieht. Dank dem Zentrum für Politische Schönheit wissen nun einige Menschen mehr davon.