IS vernichtet christliche Kulturgüter

Assurs Ruinen planiert

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In Mossul und Umgebung vernichten Terroristen alte Kulturgüter

"Wir haben Nimrod gefunden!“, rief ein arabischer Arbeiter dem britischen Archäologen Austen Henry Layard im Februar 1846 aufgeregt zu. Er meinte den im 1. Buch Mose 10,11 genannten legendären Gründer der Stadt Kelach. Ihre Ruinen liegen 40 Kilometer südöstlich der irakischen Stadt Mossul. Als Layard den riesigen Steinkopf im Stichgraben sah, wusste er: Es muss der Kopf eines geflügelten Löwenwesens sein, eines Wächters zum Thronsaal der mächtigen Assyrerkönige, die 2500 Jahre zuvor den ganzen Nahen Osten beherrscht hatten.

Zum Glück nahmen die Engländer damals Skulpturen und Tontafeln für das Britische Museum mit, auch den Steinkopf (mit Zustimmung osmanischer Beamter). Darunter Dokumente von unschätzbarem Wert. Aus Grabungen wie dieser stammen die Sanherib-Prismen, beschriftete Tonzylinder, die den Feldzug gegen Juda zur Zeit des Propheten Jesaja aus assyrischer Sicht schildern. Lägen diese Schätze noch in Mossul und Umgebung, sie wären verloren. Denn die Anhänger des "Islamischen Staates“ (IS) haben die alte Ruinenstadt planiert, Skulpturen im Museum von Mossul zerschlagen und anderes auf dem Schwarzmarkt für Antiquitäten verscherbelt.

"Wenn unsere Geschichte vernichtet, unsere historischen Stätten zerstört, unsere Gegenwart angegriffen und wir niedergemacht worden sind, können wir dann noch eine Zukunft ­haben?“, fragt der Archimandrit Emanuel Youkhana, ein Oberhaupt der assyrischen Kirche des Ostens. Er fürchtet, der ­"Islamische Staat“ erreiche mit seiner Zerstörung alter Kulturgüter, was andere nicht schafften: die Christen für immer aus dem Irak zu bannen. Zunichtemachen, woraus andere ihre ­Legitimität herleiten – auch das ist menschenverachtend. Die jungen IS-Leute stellen nicht den alten Islam wieder her. Sie eifern für eine neue Welt – wie die Kulturrevolutionäre in Maos China, die Nazis, die Radikalen der Reformation.

Alternde Gesellschaften blicken zurück. Sie rekonstruieren historische Innenstädte, Schlossfassaden und Kirchen. Konservieren muss nicht immer richtig sein. Aber wenn es um das kulturelle Gedächtnis der Menschheit geht, um Ausgrabungen von unschätzbarem Wert wie die in Nimrud, dann haben alte Gesellschaften vielen jungen einiges an Weisheit voraus.

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