FC United of Manchester: Wie englische Fußball-Fans ihren eigenen Klub gründeten

United, das sind wir!

Stuart Roy Clarke

Als ein amerikanischer Investor den legendären Fußballklub in Manchester kaufte, war das für viele Anhänger die schlimmste Niederlage, ein Tiefpunkt. Dann haben sie ihren eigenen Verein gegründet – und sich das Spiel zurückgeholt

"Der Verein hat mir so viel gegeben, jetzt gebe ich etwas zurück"

Jennifer Simmons

 Stuart Roy Clarke
Jennifer Simmons justiert kurz ihr Hörgerät. Alle im Pub schreien längst mehr, als dass sie reden. Aber man lässt einander ausreden, auch wenn es laut ist hier. Die Dame mit den kurzen grauen Haaren erklärt mit fester Stimme: "Ich war auch auf der Chester Road." Ja, die freundliche englische Lady, die jetzt 70 wird, war dabei, bei der Sitzblockade gegen den amerikanischen Unternehmer Malcolm Glazer. Aber es hat nichts gebracht. Und wie alle im Raum weiß sie noch genau, wie sie sich am 12. Mai 2005 fühlte, als Glazer die Mehrheit an Manchester United übernahm. "Es war verheerend."

Nun muss Jennifer Simmons los, es ist noch ein knapper Kilometer zu gehen. Nicht bis Old Trafford, wo Manchester United spielt, sondern in ein zugiges, kleines und nur zur Hälfte überdachtes Stadion im Vorort. Dort treffen die Red Rebels gleich auf Marine AFC. Die roten Rebellen, das sind die Spieler des FC United of Manchester, gegründet vor zehn Jahren, weil frustrierte Fans lieber in der untersten Liga spielen wollten, als ihre Seele an einen Geschäftsmann zu verkaufen.

FC United of Manchester

Auf der Homepage des FCUM ist der Grundsatz des Vereins zu lesen: "FC United of Manchester is a community football club owned and democratically run by its 3894 members."

Nicht nur die Spieler gehören zum Team, sondern alle, auch Jennifer – so empfinden sie in Manches­ter. Genau das hatten sie sich nicht kaputt machen lassen wollen von dem Amerikaner. Der neue Boss des Kultvereins Manchester United, sagen sie, wollte die Fans zu Kunden machen, sie sollten nicht mehr der "zwölfte Mann" sein, wichtig für die Mannschaft, sie sollten nur noch Umsatz bringen. Malcolm Glazer hatte Kredite aufgenommen, um Klubanteile zu kaufen. Das Geld, fast 800 Millionen Pfund, musste ja wieder reinkommen. ­Glazer starb vor einem Jahr, drei seiner Söhne führen heute die Geschäfte.

Glazer hatte einen Mythos gekauft. Am 6. Februar 1958 war ein Propellerflugzeug in München über die Startbahn hinausgeschossen und an einem Wohnhaus zerschellt. An Bord war die Mannschaft von Manchester United. 23 Menschen starben, unter ihnen acht Spieler. Das Unglück hat – zu einer Zeit, als das Fernsehen gerade erst in die Wohnzimmer kam – die Wahrnehmung des Klubs verändert. Nach München kannte jeder Engländer den Klub – auch die, die von Fußball keine Ahnung hatten. Die "Busby Babes", benannt nach ihrem Trainer Matt Busby, wurden zum Kultteam und holten noch viele weitere Titel.

Auch Steve Mills macht sich auf den Weg zum Spiel. Noch muss auch er dafür in den Vorort Ashton-under-Lyne. Nach seiner zweiten Scheidung ist er vor ein paar Jahren in eine Wohnung in Newton Heath gezogen, dem Stadtteil, wo damals alles begann mit Manchester United und wo die Straßen heute die Namen der ­Opfer von "München" tragen. Steve war Fan, seit er denken kann; Newton Heath ist für ihn heiliger Boden. Seine neue Liebe zieht bald in den Nachbarstadtteil. Von seiner Wohnung wird er nur elf Minuten zu Fuß brauchen, handgestoppt. Die neue Liebe ist keine Frau – es ist Broadhurst Park, der erste Stadionneubau im Norden von Manches­ter seit fast einhundert Jahren, die neue Heimat von Steve und Jennifer und den anderen 3800 Mitgliedern des ­ FC United of Manchester.

"Fußball ist Fan sein, das gibt Halt – gegen den Rest der Welt"

Steve Mills

 Stuart Roy Clarke
Steve Mills, 58, ein stämmiger Kerl mit kurz geschorenen Haaren und Goldkette um den Hals, war Gründungsmitglied des FC, vor zehn Jahren gab er 50 Pfund, fast 70 Euro – ohne zu wissen, ob er je etwas dafür bekommen würde. Er hatte Vertrauen in die Menschen, die er vom Namen her kannte, weil sie bei Manchester United gegen den Aufkauf gekämpft hatten. "Ich habe drei Scheidungen hinter mir, zwei von einer Frau, eine von einem Fußballklub. Rate mal, welche am schlimmsten war!" Seine Ehe mit Manchester United war schon vor 2005 in eine Krise geraten. Nicht immer war der Verein dran schuld. Da war 1989 die Tragödie von Hillsborough. Bei einem Pokalspiel in Sheffield verloren 96 Fans ihr Leben, weil die Sicherheitskräfte zu viele Anhänger in den Stehblock gelassen hatten. Nur Tage später kündigte der Innenminis­ter an, die Stehplätze in den Stadien der Profi­klubs abzuschaffen. "Wir wurden nicht mal gefragt, was wir für die beste Lösung halten", sagt Steve Mills. Die erste Liga heißt nicht mehr First Division, sondern Barclays Premier League, benannt nach einer Bank. Eine Marke.

Das hat den Medienunternehmer Rupert Murdoch angezogen, der die Fernsehrechte an den Spielen erwarb. Die Vermarktung konnte sich aber nur rechnen, wenn die Spiele nicht mehr zur gleichen Zeit stattfinden würden. Heute kommt es vor, dass sich der Spieltag auf zwei Tage verteilt, mit fünf unterschiedlichen Anstoßzeiten.

Das Spiel des FC United gegen Marine fängt um 3 pm an, Samstagnachmittag um 15 Uhr, wie früher. Die ersten Spielminuten hat Steve verpasst, weil er Lose verkauft hat, für den Stadionneubau. Nun steht er an einer Eckfahne. Wenn auf dem Platz eine Aktion gelingt, schreit er: "Well done, United!" Wie früher. Der Name ist geblieben, die Farben auch, die Spieler spielen in roten Trikots und weißen Hosen, wie ­Manchester United. Aber der Gegner heißt Marine AFC und nicht Chelsea FC. "Manche Spieler in der Premier League verdienen 200 000 Pfund in der Woche, dafür muss ich acht Jahre lang arbeiten. Für mich ist das nicht zu rechtfertigen."

Der FC United of Manchester - mehr als nur Fußball

 Stuart Roy Clarke

Fangesänge und zusätzliche Bilder finden Sie unter
chrismon.de/manchester

Steve Mills war Kammerjäger, heute verkauft er Zubehör für die Jagd auf Ungeziefer. Er bereist ganz England. Sein Auto ist sein Büro und manchmal auch sein Bett. Überall hört er die Klagen der Fans, der Kommerz zerstöre ihr Spiel. "Wenn wir Engländer uns nichts zu sagen haben – über Fußball können wir immer reden, wir haben ihn erfunden." Steve will nicht mehr wissen, wie weit sich die Kommerzschraube des Spiels drehen lässt. Er will sie zurückdrehen.

Die meisten Mitglieder beim FC United sind ehrgeizig. Angefangen hat der Verein mit vielen Erfolgen und sehr guten Zuschauerzahlen – aber dann hat die Mannschaft vier Mal den Aufstieg verpasst. Nun wollen sie hoch in die nächste Liga. Steve ist unsicher. Im Fußball geht es darum, Spiele zu gewinnen, klar. Aber mit einem Aufstieg würde es wieder losgehen mit den Restriktionen, mit einem festen Kontingent für Auswärtsspiele zum Beispiel. Das ­habe doch mit dem Spiel nichts zu tun. Was Fußball für ihn, Steve, bedeutet? "Es geht ums Fansein, die Gemeinschaft, das gibt Zusammenhalt, auch ein bisschen gegen den Rest der Welt."

Dass die Welt es nicht immer gut meint mit den roten Rebellen, haben sie in ­Moston, ihrer künftigen Heimat, schon erfahren. Es gab viele Gerüchte in der Nachbarschaft. Wenn das Stadion kommt, parken die Fans alles zu und pinkeln in die Gärten! Die Grundstücke werden an Wert verlieren! Sie haben deshalb an jeder Tür in der Nachbarschaft geklingelt und jedes Gerücht zu widerlegen versucht. Der Verein hat eine Art Grundgesetz, ein Leitsatz lautet: Es geht nicht nur um Fußball, es geht auch um Nachbarschaftshilfe. Es gibt FC-United-Mitglieder, die in Altersheime gehen. Oder ins Obdachlosenhaus. Sie wollen Menschen rausholen aus der Isolation.

Am Morgen nach dem Spiel gegen Marine guckt Steve an der Zufahrt zum neuen Stadion den Leuten vom "FC Digger" zu. Das sind Freiwillige, die das Gelände rund um Broadhurst Park mit ­Heckenscheren, Schaufeln und Hacken verschönern – zur Befriedung der Nachbarn. An der Straße gucken schon die Narzissen raus, das sieht schön aus im Frühling, besser als vor dem Bau. Ein Hobbyimker kommt vorbei, auch er ist FC-Mitglied und hat einen Kilometer entfernt seine Bienenstöcke. "Die Narzissen sind nutzlos für Bienen, aber ich hätte Ideen für Pflanzen, die sie lieben. Wir könnten FC-United-Honig haben." Steve, der ehemalige Kammer­jäger aus Manchester, nickt.

"Der FC United fühlt romantisch, ist aber sehr professionell"

Taffy Jones

 Stuart Roy Clarke
Als Taffy Jones ein Junge war, kam der Hausmeister an seiner Schule manchmal mit dem Messer auf den Schulhof, schlitzte den Ball auf, mit dem Taffy und seine Freunde kickten, und schrie: "Dies ist Wales, und wir spielen hier Rugby!" Seitdem ist Taffys Fußballleidenschaft nur noch gewachsen. Mit 21 kam er nach Manchester, heute ist er 67 und drückt sich in der Snackbar des Stadions herum. Er möchte mit Karl Marginson sprechen, dem Trainer. Aber das wollen viele. Die Red Rebels haben 5:2 gewonnen, die Gratulanten stehen Schlange. Taffy hat sich Notizen auf die Rückseite seines Stadionmagazins geschrieben, was war taktisch gut, was nicht? Er hat Karl groß gemacht, er war sein Trainer. Ein Strich in der Landschaft war Karl damals, sagt Taffy. Also gab er ihm vor den Spielen immer Chips. Karl wurde stämmiger – und Profi.

Taffy hat ein Auge für gute Spieler. Eine Weile beriet er sogar Manchester United als Scout. Fast wäre seine Ehe daran zerbrochen, weil er den Sommerurlaub absagte, um Talente zu sichten. Seit vier Jahren ruft ihn aber niemand mehr an. Er sagt das ohne großes Bedauern. Ist nun mal so. Er hat den Wandel im englischen Fußball miterlebt. Der Samstag, erzählt Taffy, war immer der entscheidende Spieltag, auch in den unteren Ligen. Aber es gab auch den Sonntag. Da spielten die "lads", die Kumpel, untereinander. Und danach ging es in den Pub, Kuchen essen, Bier trinken, reden. Taffy coachte beide, Samstags- und Sonntagsmannschaften. Er hatte Spieler, die das Zeug zum Profi hatten, die samstags wichtige Spiele bestritten – und sich sonntags die Knochen kaputt hauen ließen, nur um mit ihren "lads" zusammen zu sein. Romantisch war das, sagt Taffy, und gefährlich, wegen der Verletzungen, die man sich holen konnte.

Früher wuchs auf den Sportplätzen in Taffys Nachbarschaft im Sommer kein Gras mehr, so wurde da gebolzt. "Heute ist es überall grün, das sagt doch auch was aus." Den Sonntag als "lads"-Tag gibt es in Manchester kaum noch – wieder so ein Stück Fußballkultur, das verloren ist. Heute sieben die Jugendakademien der großen Klubs die Talente. "Die haben ein Niveau, von dem wir damals nur träumen konnten!"

Solche Akribie begeistert ihn. Taffy hatte viele Berufe, und was Neues kam immer nur infrage, wenn er zu 110 Prozent davon begeistert war. 20 Jahre lang hat er mit seiner Frau einen "Fish and Chips"-Shop betrieben, sie wurden "North West Chippy of the Year", der beste Laden im Nordwesten! Heute überführt er Autos, quer durch England. Ein "working class ­hero", und deshalb mag er Menschen, die ihre Idee durchziehen. 

Jennifer Simmons hatte Staus erwartet, aber nun fließt der Verkehr, trotz der Feierabendzeit. Immer dienstags kommt sie in das alte Industriegebäude, von denen es in Manchester viele gibt. Heute sind hier ­keine Arbeiter mehr, sondern Hipster, die in Fotostudios und Werbeagenturen jobben. Jennifer will unbedingt pünktlich am Stadion sein, sie will die Einnahmen aus den Eintrittskassen zählen und verbuchen. Sie macht das ehrenamtlich. "Der Verein hat mir so viel gegeben, so kann ich was zurückgeben."

"Ich kenne keine Jungs, die so zusammen­halten wie meine"

Karl Marginson

 Stuart Roy Clarke
Schon Jennifers Mutter war Fuß­ballfan und ging ins Stadion. United gehörte zu den ersten Klubs überhaupt, die weibliche Fans hatten. Jennifer Simmons erzählt das mit ruhiger Stimme, dieser Teil der Geschichte ist absolut in Ordnung. Und diesen Teil wirft sie auch nicht einfach weg. Sie weiß nicht, wann sie sich in Manchester United verliebt hat. Sie ist da hineingewachsen, es gab kein Entkommen. In einem Internetforum verfolgte sie ­ nach dem 12. Mai 2005, wie sich zwei Fraktionen bildeten. Auf der einen Seite standen die, die bleiben wollten. Auf der anderen Seite diskutierten Fans die Idee, einen eigenen Klub zu gründen. Und ­immer las Simmons die Aufforderung heraus: "Du musst dich entscheiden – und wer geht, ist ein Verräter."

Sie hat sich entschieden, mit ihrem Mann Tony. Zumindest das Neue mal anschauen – das musste doch gehen. Gleich beim ersten Spiel waren sie gefangen. Fußball wie früher! Von Manchester United konnten sie trotzdem nicht lassen. Ein alter Freund, der ebenfalls konvertiert war, brach einen Streit los: "Du musst deine Dauerkarte an Man United zurückgeben, du kannst doch nicht die Glazers verdienen lassen!", forderte er. Es dauerte Jahre, bis sie sich bei einem Bier versöhnten.

Tony hat das alles nicht mehr erlebt. Nach einem Stadionbesuch im November 2006 setzte Jennifer ihn an einem Pub ab. Sie wollte zu Hause noch ein Spiel im Fernsehen schauen. Plötzlich standen zwei Polizisten vor ihrer Tür. "Ihr Mann ist tot, er ist an der Bushaltestelle kollabiert."

Ihre Töchter kümmer­ten sich um sie, aber sie leben beide weit weg. Jennifer Simmons ist in vielen Vereinen, das hat sie ab­gelenkt. Nur: Die Vereine machen alle Sommerpause, und Fußballspiele gab es auch keine. 18 Monate nach Tonys Tod, im Sommer, als alle fröhlich waren, kam das große Loch. Sie erinnerte sich an den herzlichsten Beileidsbrief, den sie bekommen hatte. Andy Walsh war der Absender, der Vereinschef der Red Rebels. Klar, sie hatte darum gebeten, dass die Beerdigungs­gäste das Geld dem Klub spenden, da war so ein Dank natürlich angebracht. Und doch: "Der Brief war einer der schönsten, die ich je bekommen habe." Sie bedankte sich bei Andy Walsh. Und er sagte: "Wenn es dir hilft, uns zu helfen, finden wir eine Aufgabe für dich." Einmal die Woche hilft sie in der Buchhaltung. Dafür fährt sie 60 Kilo­meter, eine Strecke. Und bei jedem zweiten Heimspiel zählt sie das Geld.

Andy Walsh fiebert mit auf der Tribüne, im Spiel geht es um viel; der Gegner hat den Red Rebels schon einmal den Aufstieg versaut. Es steht noch 0:0, und beide Mannschaften spielen verkrampft, als die Fans zum ersten Mal ihr Selbst­vergewisserungslied anstimmen.

This is our club, belongs to you and me //
We’re United! United FC! //
We may never go home, but we’ll never feel down //
When we build our own ground, When we build our own ground

"Demokratie muss man lernen – und richtig streiten auch"

Andy Walsh

 Stuart Roy Clarke
Das eigene Stadion, der große Traum der Fans, endlich eine ­Heimat – es gibt viele Fans, denen ein Bild in den Kopf kommt. Irgendwie seien sie doch wie das Volk Israel auf dem Marsch durch die Wüste. Und nun sind sie fast da. Andy Walsh ist kein Mann, dem man die Emotionen ansieht. Ein freundliches ­Lächeln, ein Handschlag, dann ergreift die Konzentration wieder Besitz von seinen Gesichtszügen. Manchmal verzweifeln die Fans selbst am Spagat zwischen Romantik und Erfolgswillen. Neulich haben sie Teile einer alte Tribüne für ihr neues Stadion aus der Konkursmasse eines anderen Vereins gekauft. Genau ­dieses Bauteil macht nun Probleme, es muss kompliziert in die Architektur eingepasst werden. "Jeder Zehnjährige zankt. Wir tun das auch. Es reicht nicht zu sagen: Das hier ist eine Demokratie. Man muss eine Kultur finden, in der man  Konflikte lösen kann," sagt Andy Walsh. Er muss allen gerecht werden, jedes Mitglied hat eine Stimme, jeder zählt gleich viel, egal ob man zu den 300 engagierten Freiwilligen gehört oder nur zahlendes Mitglied ist. "Wenn jemand bei einer Frage mal anderer Meinung sein sollte, gibt es ja noch genug Fragen, bei denen man einer Meinung ist." Haupt­sache, sie haben hier überhaupt etwas zu sagen. Abgestimmt wird über alles, was nicht Tagesschäft und Sache des Trainers ist. So kommt es, dass die Spieler keine Shirts mit Trikotwerbung tragen.

"Deutschland, das gelobte Fußballland"

 Stuart Roy Clarke

Hat das, was die Fans in Manchester bewegt, mit der Bundesliga nichts zu tun? Nein! Der jünste TV-Vertrag setzt den europäischen Fußball unter Druck. Warum und wie lesen Sie hier: Ein "Deutschland, das gelobte Fußballland"
96 Prozent sind dagegen – auch wenn es Geld einbrächte. Es war schlau von den Mitgliedern, Andy Walsh zum General Manager zu machen. Er war anfangs gegen die Idee, einen eigenen Verein zu gründen, er wollte Manchester United von innen verändern. Viele kannten ihn aus seinem Engagement 1998; damals zählte er zu den Fans, die eine Übernahme durch den Medienmogul Rupert Murdoch abwenden konnten. Walsh ist nicht nur Enthusiast, sondern auch ein zweifelnder Fleißarbeiter. So einen braucht man wohl.

Das Spiel an diesem Abend gewinnt der FC United mit 3:0. ­Jennifer hatte viele Helfer, sie musste die Einnahmen nicht allein zählen und hat ­alle drei Tore gesehen. Taffy musste morgens ein Auto nach London bringen, er hat es gerade noch rechtzeitig zurück geschafft und muss wieder lange warten, bis Karl Zeit hat. Und Andy Walsh? Weiß er eigentlich, dass er den freundlichsten Brief geschrieben hat, den Jennifer je bekommen hat? "Nein, aber es bedeutet mir viel." Er geht weiter, er hat viele Hände zu schütteln auf dem Weg nach oben, aber dann bleibt er noch mal stehen und dreht sich um. "Es bedeutet mir wirklich sehr viel."

Nils Husmann zum FC United of Manchester und seinen Fans.

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Lesermeinungen

Thank you for your kind words!

It was interesting for me to see what football is about in England and Manchester - and what we are about to risk if we simply follow the path of commercialization. The circumstances in England and Germany still do differ a lot, but it is inspiring to get to know the answers FCUM-owner have given to what they call modern football.

Die Story ist unter Fans schon länger bekannt - die Reportage ist aber sehr lesenswert!! Gut zusammen gestellt und sehr inspirierend geschrieben. Vielen Dank an die Autoren!
Leidenschaft für Fußball, Identifikation, Zusammengehörigkeitsgefühl, Einsatz für andere und letztlich für die Gesellschaft. Das waren noch nie vorrangige Ziele von Fußballvereinen, zumal im Profifußball. Aber mit der zunehmenden Kommerzialisierung (international extrem mit der Transformation von Europapokal zu Championsleague) stehen diese Werte natürlich noch viel weiter hinten an. Vor diesem Hintergrund bildet der FCUM ein interessantes Experiment ab.
Beispiele wie die Gründung der Hamburger FC Falken nach der Profi-Ausgliederung beim Hamburger SV mögen andere Hintergründe haben, auch wenn die Initiatoren den FCUM als Vorbild betrachten. Bei der Frage wie Menschen dazu zu bringen sind sich miteinander zu engagieren, kann man aber von beiden lernen - als Verein, Kirche oder in der Kommunalpolitik. Es geht am besten, einfachsten und nachhaltigsten über Begeisterung und Identifikation. Geht das verloren, mag das Spiel weiter funktionieren. Wer damit nicht einverstanden ist, muss aber nicht gleich die Sportart wechseln. In HH nimmt man sich evtl. künftig auch schließlich ein Beispiel an der Beschriebeben Versöhnung zwischen den United-Fans: so kann man Samstags den HSV supporten und Sonntags mit den "lads" abhängen. Wünschen würde ich es ihnen.
Nochmals danke für die tolle Reportage!