Seniorensesidenz "Sonnleiten" in Namibia für deutsche Rentner

Für immer Safari
Seniorenresidenz Sonnleiten in Namibia

Christine Skowski

Ganz schön viel Deutschland hier in Afrika: deutsche Rentner, Bienenstich und Leberwurst, nur der abendliche Sundowner, der ist eine eher britische Tradition. Ein Besuch in der namibischen Seniorenresidenz „Sonnleiten“

Miitten im namibischen Buschland, wo die Affen toben und die Bismarckberge sich wie ein geschwungener Tierrücken am Horizont abzeichnen, beginnt am Ende einer Sandstraße hinter einem elektrischen Rolltor: Deutschland. Eine Ansammlung von Häusern in gelblichem Terrakotta, zu denen Wegweiser führen. 100–110. 230–240. Gärten, exakt bepflanzt, Rasenstücke. Miniatur­windmühlen. Malven, Tagetes, Kamille, wilder Thymian. An der Rezeption eine Tafel: „Donnerstag, Glühwein an der Bar.“

Es sind 27 Grad Tagestemperatur, und Helmut Corzilius, Bewohner der Seniorenresidenz „Sonnleiten“, trägt Shorts zu Sommersandalen. Auf seine Veranda brennt die namibische Mittagshitze. Die ausfahrbare Markise ist selbst gebaut, die Teleskop­stangen ­dafür hat Corzilius in Windhoek gekauft, der nahe­gelegenen Hauptstadt. „Da gibt es auch so was wie Bau­märkte. Kein Obi, aber gut“, sagt er. Auf dem Gartentisch stehen Apfelkuchen und Bienenstich, kein Problem, weil man in Windhoek, so sagt es Helmut Corzilius’ Frau Birgit, alles kaufen kann. Deutsches Brot, deutschen Kuchen, deutsche Wurst. Sogar Leber­wurst. Und ­Knödel. Und Kartoffelbrei aus der Fertigpackung. ­Diese Sätze von der Kaufbarkeit der Dinge, der gewohnten Dinge, wird man in den kommenden Tagen so oft hören, dass es bald scheint, als seien sie eine Art Beweis. Für beides. Die Nähe der Heimat und die Erträglichkeit der Fremde.

Helmut Corzilius, 72 Jahre alt, ehemaliger Anlageberater, hatte als Vertreter der Eigentümergemeinschaft der Seniorenresidenz am Flughafen gewartet. Hatte gleich alles erklärt, den Geld­automaten und die Währungskompatibilität im Besonderen, Afrika, Windhoek, die Mentalität seiner Bewohner im Allgemeinen. Ganz so, als sei dies sein Land. Schon auf den sieben Kilometern Autofahrt zwischen Windhoek und Sonnleiten erfuhr man, was ihn und seine Frau fortgetrieben hatte aus Groß-Zimmern, einer Kleinstadt im Hessischen. Fort vom Eigenheim, dem deutschen Rentnerdasein und der Verfügbarkeit aller vertrauten Dinge. Fort von Freunden und Familie: ein toter Sohn, das deutsche Wetter, die Gesetzes- und Vorschriftenwut.

Namibia, Heimat der Himba, der Ovambo, der Nama, der ­Herero, der Damara. Und einiger Tausend Weißer. 1300 Kilo­meter Ausdehnung von Nord nach Süd. Ein weites Land, von wilden ­Tieren bewohnt, von großen Flüssen gespeist, nur an wenigen Orten gebändigt. Windhoek, Lüderitz (heute: Naminüs), Swakopmund, Walvis Bay – Orte, die nicht im Laufe der Zeit entstanden sind, sondern von Kolonialherren gegründet wurden. Deutschen, Engländern, der südafrikanischen Apartheidregierung. Als die deutschen Gouverneure die Berge nach dem Reichskanzler ­benannten, wollten sie Präsenz zeigen. Enklaven entstanden, in denen sich alles unterbringen ließ: der Herrschaftsanspruch, die Angst vor dem Fremden, die Hoffnung auf ein anderes, ein ­exotischeres Leben. All das ist noch immer da.

Corzilius hatte bei der Ankunft auf Sonnleiten das Rolltor per Fernbedienung geöffnet und mit der Durchfahrt einen Moment zu lange gezögert, schon war es wieder zugegangen und hatte seinen Seitenspiegel geschrammt. Für einige Sekunden gerieten Bismarcks Berge, die sich darin spiegelten, ins Schwanken. Der Himmel ohne Wolken zitterte. Dann war das Auto durch, das Tor schloss sich, und die Realität stand wieder ordentlich da.

Die Autorin

Andrea Jeska, 50, wollte als Kind Lotse auf der Weser werden. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin – ihr Schwerpunkt sind Themen aus Subsahara-Afrika.

Helmut Corzilius und Birgit, zehn Jahre jünger als ihr Ehemann, wohnen in einem der L-förmig gebauten Reihenhäuser, die zu Sonnleiten gehören. Vor ihrer Terrasse wachsen Rosen, auf die ist Birgit besonders stolz. Helmut hat dazwischen Kiesel gestreut, die halten das Unkraut fern, und er hat ein kleines Windrad aufgestellt. Jenseits des Gartens mäandern die Wege zu den anderen Wohneinheiten. Junge schwarze Männer in grün-gelber Arbeitskluft hantieren mit Schlauchwagen und bewässern die Beete. Ein Mädchen trägt einen Stapel frischer Bettwäsche, und eine schwarze Frau im mittleren Alter geht gemächlich neben einer Frau mit schlohweißem Haar, die sich an einen Rollwagen klammert. „Das ist Frau Fuchs“, sagt Helmut Corzilius, „eine unserer ältesten Bewohnerinnen, und das daneben ist ihre Pflegerin, die ist aus Südafrika.“ Er hebt winkend den Arm. „Hallo, Frau Fuchs!“, und wie aus einem Traum erwachend hebt die den Kopf und erwidert: „Ach, Sie sprechen Deutsch? Sie sprechen meine Sprache?“

Es wird Nachmittag auf Sonnleiten. Lilo und Werner Renz von gegenüber, zugewandert aus Stuttgart, kommen auf einen Kaffee vorbei. Er ehemaliger Lehrer, sie Ergotherapeutin. „Man muss sich hier ja nicht ver­abreden“, sagt Helmut. „Das ist eine große Gemeinschaft“, ergänzt Birgit, und Lilo lächelt ein wenig schief. Später sagt Lilo, dass diese Gemeinschaft nur funktioniert, wenn man nicht sagt, was man eigentlich denkt. Dass einem die anderen bisweilen auch auf den Geist gehen. So wie zu Hause auch. Nur ist dort die Auswahl größer. Lilo sagt auch, dass man immer wieder fort muss von Sonnleiten, entweder kurz nach Windhoek oder länger, hinein in die Weite Namibias, in der keiner die Rasenkanten exakt zieht und das Mittagessen um zwölf Uhr auf den Tisch bringt. „Man hält so viel Gemeinschaft nur aus, wenn man sich ihr immer wieder entzieht.“

Die Fotografin

Christine Skowski, 35, stieg sogar auf ein Türmchen, um die Residenz von oben zu fotografieren. Baby Josephine war mit auf der Leiter

Noch ehe der Kaffee ausgetrunken ist, hat man erfahren, warum es für die Schwarzen gut ist, auf Sonnleiten zu arbeiten. Weil sie krankenversichert sind, Trinkgeld bekommen und auch mal Frühstück. Weil sie saubere Hütten haben, einen halben Kilometer von der Residenz entfernt, und weil Weiße, deutsche Weiße, den Schwarzen mit mehr Achtung begegnen als namibische Weiße. Dennoch falle es schwer, finden die Sonnleitner, in den Schwarzen Brüder und Schwestern auf Augenhöhe zu sehen, denn Schwarze seien wie Kinder und bräuchten eine lenkende Hand. „Ach, lasst das doch“, sagt Birgit schließlich verlegen. „Wie hört sich das denn an?“ – „Aber wenn es doch so ist“, beharrt Helmut, und langsam geht die Sonne unter, Birgit zeigt auf das Buschland, Helmut preist „diesen einmaligen Ausblick“. Die ­Gärtner gehen heim, Frau Fuchs schlurft ein zweites Mal vorbei, ohne den Blick zu heben. Dann wird es Zeit für einen Gin Tonic.

"Was hält uns denn in Deutschland?"

Über ein Jahrhundert lang war Sonnleiten eine Rinderfarm, begründet 1900. Die Deutschen hatten sich 16 Jahre zuvor das Land genommen, die Kolonie Deutsch-Südwestafrika genannt und in Windhoek ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Sie brachten Jugendstil und Sauerkraut, Bier nach deutschem Reinheitsgebot, den christlichen Glauben und ermordeteten Zehntausende beim Hereroaufstand.

Sybille Rückleben, Nachfahrin des Gründers der Farm, ist ­Mitte vierzig und weit entfernt von jener Erdschollenromantik, wie man sie sonst bei weißen Farmern in Afrika findet. Sie und ihr Mann konnten nicht mehr von der Landwirtschaft leben. Deshalb beschlossen sie, Sonnleiten zu einer Seniorenresidenz zu machen. Für „Südwester“, wie die Namibia-Deutschen heißen, und für „Deutschländer“, die Deutschen aus Deutschland. Die Idee entstand auf Reisen durch Europa. „Dass dort niemand weiß, wer für die Alten sorgen soll, ist ganz offensichtlich.“

Nach Afrika kamen Helmut und Birgit Corzilius zum ersten Mal als Pauschaltouristen. Die afrikanische Wirklichkeit haben sie damals nur gestreift, wenn überhaupt, in der Erinnerung ­blieben die grandiosen Landschaften, das warme Klima, das strahlende Licht. Schon damals dachten sie, wie angenehm es wäre, unter afrikanischer Sonne ihr Alter zu verbringen. Als 2006 ihr jüngster Sohn mit knapp 30 Jahren an einem Hirntumor starb und der ältere für ein Forschungsprogramm nach Amerika ­gegangen war, schien das große Haus auf einmal leer. Als sie bei Internetrecherchen das Sonnleiten-Projekt fanden, buchten sie sofort einen Flug. „Die Ellbogengesellschaft und immer Stau, das hat mich ohnehin geärgert“, sagt Helmut. „Und in Namibia ist es so sauber. Das ist richtige deutsche Sauberkeit“, sagt Birgit, und man müsste bei so einem Satz zusammenzucken, verstünde man nicht, dass das Fremde wohl erst dann aufhört, beängstigend zu sein, wenn man darin etwas vom Eigenen erkennt.

Anfang des Jahres 2010 wohnten die Corzilius aus ­Groß-Zimmern drei Monate zur Probe in Sonnleiten. Als sie wieder in Deutschland saßen, grauer Himmel, kalte Temperaturen und überall die Erinnerung an den ­toten Sohn, sagte Birgit: „Was hält uns denn?“ Vier Wochen ­später hatten sie Haus und Hausrat verkauft, sich von den Freunden verabschiedet. Sie flogen in ein neues Leben. Dass es kein Leben in der Wildnis ist, haben einige der zurückgebliebenen Freunde nicht verstanden. Namibia ist nicht Afrika, finden die Bewohner. Namibia ist Afrika light.

Die ersten Häuser auf Sonnleiten waren schon verkauft, bevor der Dachstuhl stand, so groß war die Nachfrage. Die deutschen Rentner, die wenig später einzogen, bezeichnet Sybille Rückleben als „Menschen mit hohen Ansprüchen“. Die Südwester-Bewohner mit ihrem Pioniergeist sind einfacher, lässt die Farmersfrau durchblicken, sie kennen ein härteres Leben, kargere Umstände als die verwöhnte Wirtschaftswundergeneration aus Deutschland.

Im Laufe der Jahre entstanden auf acht Hektar Grund 53 Häuser, dazu Rezeption, Restaurant, Bar, Bibliothek, Pool und Pflegestation. 72 Menschen leben heute dort, davon 17 Deutsche, zwei Schweizer und drei Österreicher, fast alle deutschsprachig, alle weiß. Ein Elektrozaun trennt dieses Musterdorf von der Wildnis. Auf der anderen Seite leben Kudus, Oryx, Warzenschweine, Affen, Schakale, sogar Geparden. Die Rücklebens haben Aussichtspunkte, Grillplätze und Wasserstellen bauen lassen, damit man von der Terrasse aus die Tiere beim Trinken beobachten kann.

Die unterste Altersgrenze für neue Bewohner wurde auf 55 festgelegt, wohlweislich so niedrig. Ein Land wie Namibia reizt eben nur die, die fit genug für Abenteuer sind. Tatsächlich sind viele der Sonnleitner noch vergleichsweise jung. Sie haben sich ihre Lebensversicherung auszahlen lassen, eine Abfindung von der Firma bekommen, das Frührente-Modell gewählt. Aus dem Lebens­abend haben sie einen Lebensnachmittag gemacht, haben die eigene Sonne wieder ein Stückchen höher an den Himmel geschoben, wo ginge das besser als in Ländern, in denen die Sonne ohnehin immer scheint.

Einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung zufolge wird an mehr als 220 000 Deutsche im Ausland Rente über­wiesen. Die meisten Überweisungen gehen in die Schweiz. Das zweit­beliebteste Auswandererland im Alter sind die USA, gefolgt von Österreich und Spanien.

Ein Abschied für immer

Die Senioren-Auswanderer lenken den Blick auf einen Konflikt zwischen den Generationen, für den man bislang eher die Jungen verantwortlich machte. Weil die alles, was schwächlich und gebrechlich ist, als störend empfänden. Weil sie sich der ­Verantwortung für die alternden Eltern entzögen. Sich einfach nicht mehr kümmerten.

Bleibt den Alten im schwindenden Reservoir der Gemeinsamkeiten nur die Flucht? Oder ist es gar keine Flucht, sondern Lust und Wille? In den USA bleiben Rentner in eigenen Senioren­städten unter sich, mit allem Komfort, den man sich im Alter wünschen kann. Sie kaufen riesige Wohnmobile und kleben Sticker darauf: Wir verjubeln das Erbe unserer Kinder. Die heutige Rentnergeneration ist zwar keineswegs so reich, wie ihr oft unterstellt wird, aber laut Untersuchungen von Soziologen und Marktforschern so frei und selbstbestimmt wie keine Generation vor ihr. 

Namibia hat so viele Bewohner wie Hamburg, ist aber mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Etosha-Pfanne, Sossusvlei, Namibwüste, Skelettküste, die Sonnleitner sprechen die Namen dieser Landschaften betont beiläufig aus, als würden sie Lüne­burger Heide oder Schwarzwald sagen. Dass die Orte, an die sie ihre Kurztrips machen, so exotisch klingende Namen haben, das hebt sie heraus. Ja, sie sind Rentner. Aber das Alter zwingt sie noch nicht in Grenzen, sie stehen noch mitten im Leben, nicht am Rand.

„Alter wird hier in Namibia anders bewertet“, sagt Helmut ­Corzilius. „Es stört nicht, wenn man alt ist.“ Birgit erzählt, für Rentner gebe es auf Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung Rabatt, und dass man sie in jeder Supermarktschlange vorlässt. „In Deutschland wird man eher beschimpft: Müssen die ausgerechnet jetzt einkaufen gehen!“

Als Helmut und Birgit Corzilius ihre Sachen packten, war es ein Abschied für immer, ein Verzicht auf die Idee des Kreises, den ein Leben schlagen sollte. Sie, wie auch viele andere Be­wohner von Sonnleiten, werden keinen Familientafeln vorsitzen und ­keine Lebensweisheiten an die Enkel weitergeben.

Neben den Corzilius wohnt Ingrid Ryser, 81 Jahre, die erste Bewohnerin von Sonnleiten. Ryser kommt aus der Schweiz, sie zog 2006 gemeinsam mit ihrem Mann Willy nach Namibia. Zuvor hatten sie in Spanien gelebt, wollten dort ihr Alter verbringen. Aber Willy wurde schwächer, und Ingrid bekam Arthrose. Die Pflegekosten waren hoch, nicht viel niedriger als in der Schweiz, und die Pflegekräfte sprachen nur Spanisch. Es kam der Tag, da konnten sich die Rysers das Leben in Spanien nicht mehr leisten. Namibia kannten sie von einer Rundreise, es hatte ihnen gut gefallen. Sie kauften ein Haus in Sonnleiten, 65 000 Euro zahlten sie für gut 100 Quadratmeter. Zwei Jahre später legten die Corzilius für ihre Einheit schon 80 000 auf den Tisch, und die Häuser, die jetzt noch errichtet werden, kosten fast 200 000 Euro. Drei Wochen nach dem Einzug erlitt Willy Ryser einen Herzinfarkt, war dem Tod näher als dem Leben. 1000 Euro im Monat kostet eine, wie Ingrid sagt, „aufopfernde Vollpflege“ im Krankenhaus in Windhoek. Danach kehrte er nach Sonnleiten zurück. Vor einem Jahr starb er mit 89 Jahren.

Der Tod ist auf Sonnleiten so groß und endgültig wie in Deutschland auch. Wer mit den Sonnleitnern spricht, der fragt sich, ob ihnen bewusst ist, dass sie nicht auf einem Abenteuerspielplatz für jung gebliebene Rentner gelandet sind, sondern sich für die meisten hier die letzte Phase seines Lebens voll­ziehen wird. Auf Sonnleiten gibt es seit neuerdings auch einen Friedhof, eine Art Friedwald, nur statt Wald eben Busch, und das Pflegeangebot soll ausgebaut werden. Noch sind die Betten der Pflegestation nur ­gelegentlich belegt, die pflegebedürftigen Patienten werden in ihren eigenen Häusern gepflegt, das wird nicht lange so bleiben.

Drei fest angestellte Krankenschwestern haben für die Alten alle Zeit der Welt. Einmal im Monat kommt ein Arzt für jene, die nicht mehr nach Windhoek fahren können. Für andere, die noch gehen, aber nicht mehr Auto fahren können, gibt es einen Shuttle­service. Ungefähr 380 Euro kostet auf Sonnleiten ein Monat Pflege, wenn man die Pflegerin nur ein bis zwei Stunden am Tag in Anspruch nimmt. Bei drei bis vier Stunden am Tag steigt der Preis auf 460 Euro.

Schon jetzt gibt es auf Sonnleiten Bewohner, die an Demenz leiden. Frau Fuchs und noch zwei andere. Die Geschäfts­leitung liebäugelt mit der Idee, auf Sonnleiten eine Demenzklinik zu ­errichten – die Bewohner finden das nicht so gut. Als neue ­Interessenten für zwei freistehende Häuser kommen, raunt ­Helmut seiner Frau Birgit zu: „Wir sollten mal mit der Leitung reden, dass die hier nicht vermehrt Demenzkranke einkaufen. Wir sind ja keine Demenzresidenz.“

Das Gleichgewicht der Gemeinschaft ist nicht einfach zu ­halten. Man kann verreisen. Aber man muss zurückkehren, ­irgendwann, und klarkommen mit den anderen, die aus ähnlichen Erinnerungen schöpfen und einem daher einfach näher sind als die Afrikaner jenseits des Eingangstors. Auch auf Sonnleiten gibt es den Querulanten, den Alkoholiker, den Gescheiterten, den Egozentriker, das Waschweib. „Die Probleme, die jeder mitgebracht hat, verschwinden hier nicht“, sagt Lilo Renz. Es wird gemeckert über das Essen und die Gärtner, den zu kalten Pool und jene, die aus ihrem Grundstück eine Rumpelkammer machen. Und es gibt ein spürbares soziales Gefälle zwischen den Südwestern und den Deutschen, weil manche der namibischen Witwen mit einer ­Rente von 150 Euro im Monat auskommen müssen und neidisch sind auf die „Eurorentner“, die vom Wechselkurs profitieren.

Ein bisschen Deutschland in Namibia

Ein einziges Mal nur kam ein schwarzes Ehepaar aus Windhoek zur Besichtigung. Sie haben aber kein Haus gekauft. Die Sonnleitner haben das nicht bedauert. „Sie würden sich nicht wohlfühlen, das wäre ja, als lebten wir unter lauter Türken“, sagt Helmut Corzilius. „Da sind die Ansichten doch zu verschieden. Die Schwarzen lassen zum Beispiel endlos das Wasser laufen, obwohl in diesem Teil von Namibia Wasser eine knappe Ressource ist. Da fragt man sich, können die nicht logisch denken?“

Am Donnerstagabend ist es kühl geworden. An der Bar ver­sammelt sich die Clique, die immer an der Bar ist, ­Corzilius, Werner und Lilo Renz, Ingrid Ryser gehören dazu. Es gibt Glühwein, auf der Speisekarte stehen Strammer Max und Toast ­Hawaii. Witze und Sprüche fliegen über den Tresen. Plötzlich wird das Gespräch ernst. Es geht um die Kinder, die zurück­gebliebenen oder zurückgelassenen, je nach Standpunkt.

„Nach Afrika zu gehen war eine egoistische Entscheidung. Ich finde, im Alter sollte man egoistische Entscheidungen treffen“, sagt Ingrid Ryser. Die Kinder seien schließlich erwachsen und keine Kinder mehr. Man sei ja nicht aus der Welt, sagt Helmut. Zehn Minuten bis zum Flughafen, zehn Stunden bis Deutschland. Lilo erzählt, wie sie im ersten Jahr viel Heimweh hatte, vor allem nach den Enkelkindern. Auf die hatten sie und Werner lange aufgepasst. Dann wurden die Enkel groß, die Freunde waren ihnen wichtiger. „Irgendwann habe ich erkannt, dass man loslassen muss. Ob man will oder nicht, es gehört dazu.“

Jene, die es noch können, fahren mindestens einmal in der ­Woche nach Windhoek. Wenn das Rolltor von Sonnleiten aufgeht, sieht man rötliche Erde, öffnet sich die Welt, 35 Minuten Fahrt durch Afrika. Keine Staus. Kaum Ampeln. Die Landschaft: Namibia. Im Auto Deutschland. Auf UKW 99,5 die Musik von Hitradio Namibia, privater und deutschsprachiger Sender.

In Windhoek braucht man kaum Englisch. Viele der besseren Geschäfte sind in deutscher Hand. „Guten Tag, wie geht es Ihnen“, ist die Standardbegrüßung. Man kennt einander, umkreist einander. Deutsch sind auch die Höhere Privatschule, die Alte Feste, die wilhelminische Prachtstraße, die heute nicht mehr Kaiserstraße, sondern immerhin schon Independence Avenue heißt. Deutsch ist die Tafel, die einst am heute demontierten Reiterdenkmal hing: Zum ehrenden Andenken an die tapferen deutschen Krieger. ­Gemeint sind jene, die für Kaiser und Reich starben, nicht ohne zuvor die Herero abgemetzelt zu haben.

Wenn Helmut und Birgit ihre Einkaufs- und Restaurantrunde in Windhoek hinter sich haben, wenn sie beladen wieder ins Auto steigen mit deutschem Brot und Souvenirs, die sie auf dem Markt gefunden haben, wo entwurzelte Himba-Frauen leicht ­bekleidet auf dem Asphalt hocken und ihre Kinder an der Brust säugen, dann fahren sie manchmal noch bei Gerti vorbei. Die hält auf einem Hügel einige Hundert Schafe und Ziegen und ­betreibt ein Schlachthaus, wo das Fleisch kühl gelagert und ­hygienisch verpackt wird. „Weil“, sagt Birgit Corzilius, „man in Afrika mit der Hygiene vorsichtig sein muss und nicht bei jedem kaufen darf.“

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Lesermeinungen

Es ist schon seltsam: Anscheinend gilt für eine Mehrheit der Artikelschreiber immer noch die alte Wahrheit "Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen" (Goethe). Wird denn alles geglaubt, was heute so alles veröffentlicht wird?
Wir die Interviewten und auch andere Sonnleiten Bewohner waren sehr verärgert über die sehr tendenziöse und teilweise falsche Berichterstattung der Frau Jeska.
Schon die Überschrift "Flucht nach Afrika", lässt einen völlig falschen Eindruck entstehen.
Die Weite öffnet den Horizont, im Gegensatz zur deutschen Engstirngkeit.
Wir sind mit Sicherheit nicht wegen der hier erhältlichen Leberwurst nach Namibia gekommen.
Es wurden keinerlei rassistische Äußerungen gemacht, auch wurde das schwarze Interessentenehepaar nicht abgewiesen, sondern hat sich nicht für Sonnleiten entscheiden können.
Sonnleiten ist eine traumhaft schöne Wohnanlage im namibischen Buschland gelegen, in der sich die Bewohner sehr wohl fühlen.
Wir wissen sehr genau, dass wir Gäste in diesem Land sind
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit unseren schwarzen Angestellten und behandeln sie mit Respekt und nicht wie dumme Kinder, wie das im Artikel dargestellt wird. Ich könnte noch einige falsche Darstellungen aufführen, jedoch würde das den Rahmen sprengen.
Es wurden viele Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen und falsch zitiert.
Darüber haben wir uns bei der Redaktion von Chrismon und auch bei Frau Jeska beschwert. Von ihr wurde uns damals zugesagt, uns den Text vor Drucklegung zur eventuellen Korrektur vorzulegen. Daran hat sie sich nicht gehalten. Auch ist es gute Sitte bei Journalisten, die Namen der Personen nicht voll auszuschreiben.

"Mir will das kranke Zeug nicht munden, Autoren sollen erst gesunden".
- Johann Wolfgang von Goethe

Mit freundlichen Grüssen
Helmut Corzilius

Sehr geehrte Damen und Herren!
 
Der o. g. Artikel von Frau Andrea Jeska hat mich ob seines Themas angesprochen.
 
Leider versteht es die Autorin nicht, ihren plaudernden Ton mit korrekten Informationen zu hinterlegen.
Da wird das Land erstaunlicherweise "von großen Flüssen" (Welchen? Etwa dem Swakop, dem Kuiseb, dem Nossob?) gespeist, Windhoek ist "nicht im Laufe der Zeit entstanden" (Wann sonst? Es war schon lange vor der offiziellen Stadtgründung 1890 ein Siedlungsplatz.), die Deutschen "ermordeten Zehntausende beim Hereroaufstand" (Ein weites Feld, das man nicht mit drei Worten abhandeln kann und ohnehin in der Forschung differenzierter betrachtet wird.) und schließlich erinnerte das ehemalige Reiterdenkmal an "deutsche Krieger", die "zuvor die Herero abgemetzelt" hätten (Es erinnerte auch an die vielen von Hereros ermordeten Frauen, Kinder und Farmer, aber für die interessiert sich Frau Jeska wohl weniger.).
Auch ansonsten versprüht der Artikel einen wenig liebevollen, schon eher boshaften Charme, aber das mag die Autorin bewußt so gewollt haben, muß ihr also zugestanden sein. Ich frage mich nur, ob ein entsprechender Artikel z. B. über britische Senioren in Australien ebenfalls diesen Zungenschlag gehabt hätte.
 
Insgesamt: Schade um das Thema. Ich hatte mir mehr Substanz erhofft.
 
Mit freundlichem Gruß
 
Roger Kunert

 

Deutsche Journalisten tun sich immer schwer, wenn sie über Namibia schreiben. Man schnappt irgendwo eine Information auf und stellt diese, oft fälschlich, als Tatsache hin. Die Aussagen über die Herero sind in diesem Artikel sehr überspitzt und reißerisch dargestellt. Zumal Historiker verschiedene Standpunkte über den Umgang der Schutztruppe mit diesem Volk vertreten.
Weitere Anmerkung: Noch heißt Lüderitz nicht Naminüs. Lediglich der Wahlkreis wurde umbenannt. Offiziell wird der Küstenort noch Lüderitz genannt.
Weiterhin ist der Beitrag sehr auf die Seite der Deutschen fokussiert. Hat die Autorin auch nur einmal mit dem Personal auf Sonnleiten gesprochen? Wie sehen die Bediensteten die deutsche Seniorenresidenz? Diese Seite wird überhaupt nicht beleuchtet. Das Thema hier ist ein Politikum, es geht schließlich nicht um einen Urlaubsbericht. Krankenversicherung haben auch manche Hausangestellten in Privathaushalten. Übrigens gilt ab April 2015 ein Mindestlohn für Hausangestellte in Höhe von 1218 NAM-Dollar.
Unnötiger Weise bohrt dieser Bericht in alten Wunden und greift die Überreste Deutscher Kultur klischeehaft auf.
Die Überschrift "Für immer Safari" ist für mich nicht nachvollziehbar, da sie mit dem Inhalt ncihts zu tun hat (auch hier wieder ein Klischee). Im Text wird lediglich beschrieben, wie eine Handvoll Senioren hinter einem Zaun beim Kaffeklatsch sitzt und deutsche Bräuche zelebriert.
"Viele der besseren Geschäfte sind in Deutscher Hand": Wie definiert sich ein "besseres Geschäft"? War die Autorin schon einmal bei Nitzsche-Reiter in Windhoek? Das einzig professionell ausgestattete Fotogeschäft der Stadt. Bisher bin ich dort noch nie auf einen deutsch sprechenden Verkäufer gestoßen. In Swakopmund kommt man ohne Englisch dagegen schon eher durch.
Auf Seite 4 findet sich ein Zitat des Herrn Corzilius. Darin geht es um den Wasserverbrauch. Es gehört zur journalistischen Sorgfaltspflicht, solchen pauschalisierten Aussagen nachzugehen. Ist das tatsächlich so? Was sagen "die Schwarzen" zu der Konfrontation? Stattdessen wird die Aussage eines einzigen Rentners in den Raum geworfen.
Die "Höhere Privatschule" heißt übrigens Deutsche Höhere Privatschule Windhoek (DHPS). Der Satz "... die wilhelminische Prachtstraße, die heute nicht mehr Kaiserstraße, sondern immerhin schon Independence Avenue heißt. " ist nicht korrekt formuliert. In den letzten Jahren wurden viele Straßen umbenannt, auch in Klein Windhoek. Die Independence Avenue trägt ihren Namen schon weitaus länger, als viele andere Straßen. Der Satz erzeugt durch die Wörter "sondern immerhin schon" den Eindruck, die Umbenennung der Kaiserstraße hätte diesen Prozess gerade erst in Gang gesetzt.
Warum kritisiere ich diesen Text? Ich habe selbst mehrere Monate in Windhoek gelebt und dort als Journalist gearbeitet. Und dennoch kann ich einige Besonderheiten der namibischen Gesellschaft nicht vollständig nachvollziehen, da die Gesellschaft so vielschichtig ist. Ich weiß jedoch, dass man mit vielen Aussagen sehr vorsichtig sein muss, wenn man sie nicht korrekt belegen kann, oder damit alte Wunden unnötigerweise aufkratzt. Der Beitrag gibt mir nicht das Gefühl, als hätte sich die Autorin tiefgreifend mit der dortigen Gesellschaft und Kultur befasst. Das ist schade, da so ein falsches Bild diesen wunderbaren Landes in den Köpfen der Deutschen entsteht.

- Benjamin Linsner via Facebook -

Liebe chrismon Redaktion,
als eher ungläubige Katholikin lese ich dennoch sehr gerne Ihr fast immer sehr interessantes und äußerst lesenswertes Magazin.
Allerdings hat mich obiger Artikel ziemlich entsetzt; Herr Corzilius´ Aussagen, v.A.  über "die Schwarzen könne man nicht auf Augenhöhe betrachten", der Unwille gegenüber Demenzkranken im eigenen Blickfeld und "ein einziges schwarzes Paar, das sich fühlen würde, wie wenn man selber unter lauter Türken leben würde" zeigen eine Arroganz, Hochmut und ein sich Erheben über Andere, die in einer auch nur irgendwie christlich orientierten Denkweise überhaupt keinen Platz haben sollte!
Es zeigt einen Egoismus ("Man muß in Afrika mit der Hygiene vorsichtig sein und darf nicht bei jedem einkaufen..") der fast an bekannten Herrenmenschen-Glauben reicht! Diese Menschen stoßen mich ab; man fühlt ein Fremdschämen für solches Deutschtum!
Solche Menschen sollten in Ihrem Magazin keinen Raum bekommen.

Mit freundlichen Grüßen aus München,
Fania Petropoulos-Murr

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich konnte die Sprache in Ihre Ausgabe vom 03.2015 in die Artikel, "Im Namen der Familie", sowie "Flucht nach Afrika" ignorieren. 
Als englische Muttersprachler, empfinde ich den Ausdruck, "Menschen mit Migrationshintergrund" rassistisch und verachtend.
Sie haben es auch nicht erwähnt, dass Mord aus Leidenschaft auch in deutsche Familien auch vorkommen. Die Tatsache, dass Sie den Begriff "Ehrenmord" Ausländer (Muslime) zuordnen, ist engstirnig. 
 
"Echte deutsche Sauberkeit" ist nicht nur eine Luge, sondern Subjektiv und auch rassistisch. Das Bild auf Seite 16 zeigt eine lächelnde Afrikanerin. Grenzwertig und besonders peinlich ist dieser Artikel. Die Afrikaner werden als "Kinder" beschimpft. Herr Fuchs sagt das Gleiche, wie die Europäer über 500 Jahre kolonialismus, gehen alte, ausgetrocknete deutsche nach Afrika um die Afrikaner zu zeigen, 'was gut für sie ist' - "Weil sie krankenversichert sind, Trinkgeld bekommen und auch mal Frühstück." 
Peinlich, ist dieser Artikel. 
Glauben Sie, dass sie mit dieser Mentalität dort willkommen sind? Rassismus gibt es nicht nur in eine Richtung: es gibt auch Afrikaner, die Europäer für abartig und unerzogen halten und so kommen Sie in Ihre Artikel an.
 
Mit freundlichen Grüßen
A. Baldeosingh

Liebe Redaktionsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen

 

In ihrer wunderbaren Zeitschrift Chrismon, die ich als Beilage der Wochenzeitung Die Zeit erhalte, lese ich gerne.

Durch gute und durchdachte Artikel werden meine Gedanken beflügelt und regen mich selber zum Schreiben an.

In meinen Artikeln, die wöchentlich in der elektronischen Zeitung www.ha-ber.com, in türkischer Sprache erscheinen, empfehle ich gegebenenfalls diese Zeitschrift zum Nachlesen.

 

Trotz allem möchte ich hier einige kritische Anmerkungen machen, die vielleicht zum Nachdenken und zu Änderungen führen können.

In der Ausgabe März 2015 auf Seite 9 kommt im Artikel von Frau Dr. Carina Agel Im Namen der Familie der Begriff „Ehrenmorde“ vor. Dieser Begriff ist ein Schlagwort und sollte nicht verwendet werden. Mord hat keine Ehre! Mord ist Mord und muss vor Gericht gebracht werden (§211 ff. StGB). Auch in Hinblick auf die Mordtaten sogenannten Dschihad-Terroristen sollte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und wir immer zur Kenntnis nehmen, dass im Koran in einer Sure sinngemäß steht: „Einen Menschen umzubringen, heißt die Menschheit umzubringen“.

In der gleichen Ausgabe Ihrer Zeitschrift steht in dem Artikel „für immer Safari“ auf Seite 22 in Bezug auf „Schwarze“ der Satz :Sie würden sich nicht wohlfühlen, das wäre ja, als lebten wir unter lauter Türken.

Den Autorinnen Andrea Jeska und Christine Skowski empfehle ich in die Türkei nach Alanya oder sonst wohin zu reisen, um zu sehen, wie deutsche Senioren dort mit Türken wohnen und leben.

Dort könnten Sie feststellen, dass nicht nur Deutsche, sondern auch Türken zivilisiert leben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ilter Gözkaya-Holzhey

Der Artikel "Flucht nach Afrika" Senioren Residenz Sonnleiten in Namibia ist hervorragend recherchiert, beobachtet und geschrieben.

Ich habe mich gleich darauf gestürzt. Ich kenne Sonnleiten zwar nicht, da es sehr wahrscheinlich entstanden ist, als ich nach 7 Jahren, 2006, Namibia wieder verlassen habe um in Deutschland mit meinen Kindern und Enkelkindern alt zu werden. Ich habe viel in mich hinein gelächelt, bei der Wiedergabe der Unterhaltung, der Meinungsäußerung der deutschen Bewohner und der Namibia Deutschen.

Sehr, sehr gut. Mir fällt auf Anhieb nichts ein, was fehlt! Selten einen so zutreffenden Artikel gelesen. Chapeau und danke.

 

Gloria Ziller

 

Guten Tag!
Insgesamt  hat der sehr interessante Artikel ja einen durchaus angenehmen kritisch-distanzierten Tenor. Aber dann schlägt die Kolonial- Mentalität ganz zum Schluss doch noch durch: Wo weisse Frauen ihre Kinder stillen würden, machen's die Himba-Frauen wie's liebe Vieh und säugen sie. Schade, dass darüber auch beim Gegenlesen niemand in der Redaktion gestolpert ist.
Mit freundlichen Grüssen
Heidrun Miltzlaff

Sehr geehrte Damen und Herren, beim Lesen Ihres Artikels war ich entsetzt über Äußerungen, die befürchten lassen, dass sich in dieser Seniorenresidenz die „neuen Kolonialherren“ zusammengefunden haben. Welch eine Arroganz, die schwarzen/farbigen Angestellten als Kinder zu bezeichnen. Ich war zum ersten Mal 1975 in Namibia und habe hautnah erlebt, wie Schwarze behandelt wurden und ihnen keinerlei Wertschätzung entgegengebracht wurde. 2007  war ich zu einer Rundreise in Namibia. Ich habe gut ausgebildete, kompetente  und engagierte farbige Mitarbeiter in unterschiedlichen Bereichen erlebt. Mir ist bewusst, dass nach dem Ende der Apartheid nicht für alle goldene Zeiten ausgebrochen sind. Für zugewanderte Europäer ist es m. E. eine Pflicht weitere Verbesserungen mit voranzutreiben. Mit freundlichen grüßen Dietlind Ehrke

Als regelmässiger ZEIT-Leser freue ich mich zusätzlich immer wieder über Chrismon.
 
Meistens sehr nachdenkliche, berührende Gedanken und Interviews wie diesmal z.B.  mit Frau Özdaglar und Herrn Geißler.
 
Umso erschrockener bin ich über Ihren (Werbe-) Artikel über die Seniorenresidenz in Namibia.
So viel unterschwellige und direkte Abwertungen, kommentarlos – ich bin verärgert und sehr irritiert.
 
Walter Herter

Nach der Lektüre des Artikels über die Luxus-Rentner in Namibia bleibt bei mir ein Unbehagen.
Es ist doch eine Auflösung des Generationenvertrags, was da läuft: Wir sind denn mal weg.
Seht zu, wer sich um eure Kinder (unsere Enkel) kümmert - wir skypen ab und zu mal und gut is.
So kommt das rüber. Unterm Strich zähl nur ich, das wird hier zum Motto erhoben. Schwarzes Personal ist nett und günstig zu haben, aber schwarze Nachbarn - nein danke! Was soll man dazu sagen? Gruselig. Fakt ist, dass die meisten von uns Babyboomern sich das sowieso nie werden leisten können, und so wird Sonnleiten (und andere Orte dieser
Art)  nur eine kurze
Episode in der Neokolonialgeschichte bleiben.
U.Schlegel, Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren!
 
Der o. g. Artikel von Frau Andrea Jeska hat mich ob seines Themas angesprochen.
 
Leider versteht es die Autorin nicht, ihren plaudernden Ton mit korrekten Informationen zu hinterlegen.
Da wird das Land erstaunlicherweise "von großen Flüssen" (Welchen? Etwa dem Swakop, dem Kuiseb, dem Nossob?) gespeist, Windhoek ist "nicht im Laufe der Zeit entstanden" (Wann sonst? Es war schon lange vor der offiziellen Stadtgründung 1890 ein Siedlungsplatz.), die Deutschen "ermordeten Zehntausende beim Hereroaufstand" (Ein weites Feld, das man nicht mit drei Worten abhandeln kann und ohnehin in der Forschung differenzierter betrachtet wird.) und schließlich erinnerte das ehemalige Reiterdenkmal an "deutsche Krieger", die "zuvor die Herero abgemetzelt" hätten (Es erinnerte auch an die vielen von Hereros ermordeten Frauen, Kinder und Farmer, aber für die interessiert sich Frau Jeska wohl weniger.).
Auch ansonsten versprüht der Artikel einen wenig liebevollen, schon eher boshaften Charme, aber das mag die Autorin bewußt so gewollt haben, muß ihr also zugestanden sein. Ich frage mich nur, ob ein entsprechender Artikel z. B. über britische Senioren in Australien ebenfalls diesen Zungenschlag gehabt hätte.
 
Insgesamt: Schade um das Thema. Ich hatte mir mehr Substanz erhofft.
 
Mit freundlichem Gruß
 
Roger Kunert

 

Ich möchte mich meinem Vorschreiber anschließen und bin teils Sprachlos über die, meiner Meinung nach, grotesken Fehlinterpretationen was die Ausrichtung des Artikels angeht.
Nach den ersten 2 Absätzen habe ich den Artikel schon als zu "kritisch" betrachtet. Der Widerwille gegen die Residenz und den dort lebenden Bewohnern ist der Authorin so sehr anzumerken, dass ich nur weitergelesen habe um zu sehen, wie weit sie geht und welche Klischees noch bedient werden.

Vielleicht hätte eine Überschrift wie "Sonnenkinder im Paradies" oder plakativer "Rechtskonservative unter Afrikas Sonne" für mehr Klarheit gesorgt ;-)
In den Jahrgängen 1930-1950 ist sicherlich noch jede Menge Rassismus aus Unwissenheit und Erziehung vorhanden - dafür brauche ich den Herren Corzilius nicht.
Was mir fehlt, ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Blickwinkeln, Gespräche mit den dortigen Pflegekräften, der Versorgungsmöglichkeiten im Pflegefall sowie der Zusammenhang zur Schieflage des deutschen Pflegesystems (Kostenpunkte). Man hätte auch auf die Quote von schwarzen und weißen Ärzten in der Region näher eingehen können und dem afrikanischen Ausbildungssystem.
Frau Jeska hat aber gar nicht die Absicht irgend etwas positives im Zusammenhang mit der Residenz zu berichten, denn ihr einleitender Satz "Ganz schön viel Deutschland hier in Afrika." läßt von Anfang an keinen Zweifel, wie "willkommen" Rentner/Kolonialherren/Pauschaltouristen jeder Art aus ihrer Sicht in Afrika sind.
Aus meiner persönlichen Sicht ein unnötiger Artikel.
Mit freundlichem Gruß
Wolf

Liebe Mitkommentatoren,

mir fällt bei der Lektüre der Kommentare zum Artikel auf, dass häufig verlangt wird, die zweifellos problematischen bis indiskutablen Äußerungen der vorgestellten Residenten doch bitteschön "nicht unkommentiert stehen zu lassen". Als Steigerung wird dann auch noch konstatiert, dass der Artikel einen "unterschwelligen rassistischen Duktus" habe. Schließlich wird als Sahnehäubchen dann noch eine einzelne nicht "politisch korrekte" Vokabel kritisiert.
Ich möchte dazu folgendes festhalten: Wenn man den Lesern des Artikels nicht einmal mehr zutraut, die geistig-moralischen Probleme dieser Residenten ohne betroffen mit dem Zaunspfahl vorgetragene Kritk an deren Äußerungen zu erkennen, nimmt man die Leser wohl nicht ganz ernst. Gerade die trockene, nicht kommentierte Wiedergabe dieser teilweise unsäglichen Kommentare rüttelt noch nicht abgestumpfte Leser erst recht auf und zwingt sie, selber die Einstellungen der Residenten zu hinterfragen, ohne bequem auch noch das dazu passende Denken vorgekaut zu bekommen.
Auch mit dem Abstraktionsvermögen scheint es teilweise nicht weit her zu sein. So ist z.B. die Darstellung problematischer Einstellungen nicht auch selbst problematisch, sondern eben zunächst nur dokumentarisch.
Ich finde die Reportage gerade wegen der zurückhaltenden Kommentierung und der ungefilterten Darstellung der Residenten journalistisch sehr gelungen.

Den Bericht über das Wohnprojekt "Sonnleiten" in Namibia habe ich nur mit Kopfschütteln gelesen. Es wird in einem "evangelischen Magazin" vorgestellt und atmet nach meinem Eindruck an mehreren Stellen kaum den Geist christlicher Barmherzigkeit und Nächstenliebe: "Wir sind keine Demenzresidenz" oder : ein schwarzes Ehepaaar wird abgewiesen mit der Begründung "...das wäre ja, als lebten wir unter lauter Türken". Da ich glaube, Namibia ganz gut zu kennen, spüre ich hier den alten Ungeist der Apartheid.

Gleich vorweg: Ob man von der Autorin, wie es auch in der Diskussion durchdringt, eine Distanzierung von den offensichtlich verfehlten Äußerungen der Auswanderer erwarten konnte, ist Geschmackssache. Ich persönlich hätte es getan. Jedoch bestätigt der Artikel - und deshalb bin ich dankbar über die vorliegende Aufbereitung - meine These über die ungenügende Geschichtsaufarbeitung zum deutschen Kolonialismus beziehungsweise die Korrelation von Kolonialismus und Rassismus in Deutschland. Die hier zitierten Äußerungen der Senioren überraschen mich dabei keineswegs. Man braucht sich nur in München in die nächste Air Berlin-Maschine nach Windhoek zu setzen und sieht sich mit einer überwältigenden Mehrheit gut situierter "Sandalenträger" konfrontiert, die sich in einem fremden Land mindestens grob fahrlässig keine Gedanken zu diesem Problem machen. Den Vorwurf müssen sie sich jedoch gefallen lassen. Denn Sprüche, wie "das läuft da unten so gut, weil wir noch da sind" oder "in unserer Lodge in Swakopmund haben wir auch wieder unseren eigenen Afrikaner. Der macht 'nen Superjob" sind inakzeptabel. Ich bin regelmäßig in Afrika und war davon zwei Mal beruflich und privat in Namibia. Derartige Sätze habe sie so oft zu hören bekommen und dabei stets in ahnungslose Gesichter geblickt, dass ich es kaum glauben konnte. Es handelt sich dabei um eine ganz interessante Sorte Deutscher, mit denen man es zu tun hat - und ich pauschalisiere hier absichtlich: sehr freundlich, regelmäßig Akademiker im Ruhestand, nationalliberal und eben leider Gottes hochgradig rassistisch. Besten Gruß, Jörg Kleis

Da kann man Herrn Gabler nur zustimmen. Zwar liest sich der Bericht wie ein Verkaufsprospekt, aber die persönlichen Probleme der "Auswanderer" sind ja deren Sache.

Insgesamt scheint mir der Bericht objektiv zu sein. Wenn man diese Siedlung beschreibt, mußt man ja nicht zwingend zur Rechtfertigung des Berichtes auch das ganze afrikanische Elend aufführen. Die ganze süßlich esotherische Soße des allumfassenden Mitleids ist ja gut gemeint und sicherlich auch dann berechtigt, wenn kritisch über die Poiltik in diesem Land berichtet werden soll. Wenn sich 2 vollkommen unterschiedliche Wertesystme so hautnah begegnen, dann gibt es auch Situationen, die nach unseren Maßstäben so hier nicht sein sollten. Rassistische Bemerkungen kann ich nicht finden. Es sei denn, dass objektive Unterschiede als rassistisch bezeichnet werden. Wenn wir dort nach den Gewohnheiten der Einwohner leben wollen, müßten die uns auch an die Hand nehmen. Finden Sie es als rassistisch, wenn jemand nicht in einem Ghetto nur unter Fremdsprachigen (wie es in einigen No-Go-Areas in Deutschland der Fall ist) leben will?

Das erninert mich dann doch sehr stark an den Pfarrer, der von Kanzel daran erinnert, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind und es aus christliche Nächstenliebe nicht gestattet ist zwischen Schwarz, Wess, Gelb und sontig andersartig zu unterscheiden. Die 18jährige Tochter beruft sich auf die Kanzelrede und präsentiert der Familie 1 Tag später einen waschechten Namibier als den Auserwählten. Pfarrer: Konsterniert, nimmt er die Tochter beiseite und sagt, ja, das habe ich gesagt, aber zwischen den Zeilen können Antworten sehr vielschichtig sein. Du bist unser einziges Kind. Muß das wirklich sein?

Außerdem ist dann auch jede Entwicklungshilfe (Wort und Anspruch sind unter diesem Aspekt zutiefst arrogant) ein "an die Hand nehmen". Es ist richtig, dass die Kolonisation aus Gewinnsucht großes Leid über die Völker gebracht hat. Aber ebenso gewiss ist auch, dass häufig die "Eroberer" den Ländern Verwaltungsstrukturen und eine gemeinsame Sprache vermittelten. In Indien ist Englisch eine einende kulturelle Klammer, die das Land erst regierungsfähig macht. Das könnte bald auch für China denkbar sein. Wenn die Menschen in Namibia heute noch von der Kolonialzeit profitieren, kann die so schlecht auch nicht gewesen sein.

Fremden Ländern und Menschen das eigene System aufzupressen ist immer schlecht. Aber dann ist ja auch die religiöse Mission etwas zutiefst Böses. Die Welt ist eben anders, als es die "Gutmenschen" in ihrem grünlich lieblichen Umfeld sehen möchten.

Ockenga schrieb am 13. März 2015 um 18:02. "Es ist richtig, dass die Kolonisation aus Gewinnsucht großes Leid über die Völker gebracht hat. Aber ebenso gewiss ist auch, dass häufig die "Eroberer" den Ländern Verwaltungsstrukturen und eine gemeinsame Sprache vermittelten.....Wenn die Menschen in Namibia heute noch von der Kolonialzeit profitieren, kann die so schlecht auch nicht gewesen sein." Genau diese Argumentation war sehr beliebt, wenn man mit denen diskutierte, die den Rechtsvorgänger der BRD noch im Erwachsenenalter erlebten. Es wurde zugestanden, dass der Adolf manches verbockt hatte, aber die Autobahnen, die er bauen ließ, belegen doch, dass der Faschismus so schlecht auch nicht war.
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Wem dazu dann nur der Einwand einfällt, dass der Autobahnbau keine Nazierfindung war, der verpasst den Witz der Angelegenheit. Es ist ein grundlegender Fehler, sich die Welt gedanklich zurechtzulegen als Ansammlung von guten und schlechten Seiten, von Risiken und Chancen. Weil diese Untertanenperspektive aber sehr nützlich für die jeweilige Herrschaft ist, wird sie besonders vom demokratischen Regime schon der Jugend eingebläut. Im Deutschaufsatz wird abgefragt, ob auch jeder die Tour beherrscht, überall Vorteile und Nachteile zu entdecken, die es gegeneinander abzuwägen gilt. Wer dann als Fan des Faschismus oder des Dschihads endet, hat sich eben beim Abwägen etwas vertan. Wer Anhänger von Demokratie und Marktwirtschaft bleibt, hat sehr weise abgewogen.

IWAN, unterlassen Sie bitte Ihre "Schrecklichen" Unterstellungen. Sie wissen nicht, was Sie da schreiben. Es ist mit Ihnen wohl schon mangels besserer Argumente soweit gekommen, dass jemand, der ohne linke, rechte, süßlich-grünliche Bewertungen schreibt und spricht, oder als konservativ einzuschätzen ist, gleich mit der braunen Keule gedroht wird. Mit dieser linken Methode wird Gleichschaltung betrieben. Ich weis nicht wie alt Sie sind, aber ich habe vermutlich mehr unter den Nazis gelitten als Sie sich je vorstellen können.

Ockeng schrieb am 16. März 2015 um 16:06: "ich habe vermutlich mehr unter den Nazis gelitten als Sie sich je vorstellen können". Ich stelle mir überhaupt nichts vor bezüglich des Lebensweges der Kommentatoren, sondern beziehe mich auf das, was geschrieben wird. Da Sie es aber für mitteilenswert halten, dass Sie unter den Nazis gelitten haben, empfehle ich erst recht, nochmals über das Autobahnargument in Richtung Kolonialismus nachzudenken, das Sie gebraucht haben und von dem Sie in Ihrer Erwiderung keinerlei Abstriche machen. Allgemein ist anzumerken, dass Opfer gewesen sein keineswegs automatisch zur Folge hat, Einsicht zu besitzen. Sonst gäbe es nämlich Einsicht in Hülle und Fülle auf der Welt.

Einen herzlichen Dank an die Redaktion und Frau Jeska
Danke daß sie dem Meinungsterror getrotzt haben. Die Leserbriefe bezeugen es. Ich habe selten soviel unqualifizierte politisch indoktrinierte Gutmenschen erlebt - DDR Light.
Danke für ihren Mut. Ich sollte wohl besser keinen Namen drunter schreiben, sonst werden ich eines Morgens abgeholt von der Meinungspolizei. Pfr. H. GABLER

Guten Tag,
auch mich hat der unterschwellig rassistische Duktus des Artikels unangenehm berührt. Eine deutlichere Distanzierung der Autorin von den Äußerungen der Bewohner, die zitiert werden, hätte ich absolut notwendig gefunden.
Der Artikel hinterließ bei mir viele Fragen, vor allem die, warum er nicht sorgfältiger rezensiert wurde? Wie kann es sein, dass in einem christlichen Magazin ein so tendenziös geschriebener Artikel abgedruckt wird? Es sind leider sehr viele Stellen, an denen eine verzerrte Wahrnehmung der Autorin zum Ausdruck kommt. Einige möchte ich hier aufführen:
Z.B.:
„Winhhoek, Lüderitz (heute: Naminüs), …“ Warum steht der aktuelle Name in Klammern und nicht der kolonialistische?
„Die Deutschen hatten sich 16 Jahre zuvor das Land genommen, die Kolonie Deutsch-Südwestafrika genannt und in Windhoek ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Sie brachten Jugendstil und Sauerkraut, Bier nach deutschem Reinheitsgebot, den christlichen Glauben und ermordeten Zehntausende beim Hereroaufstand “ Der lakonische Teilsatz, in dem der Genozid an den Herero in einem Atemzug mit der Einfuhr von „typisch deutschen“ Errungenschaften aufgezählt wird, degradiert den grausamen Völkermord an vielen zehntausenden Angehörigen des Hirtenstammes zu einer Lappalie.
Weiterhin erweckt der Ausdruck „das Land genommen“ den Eindruck, dass Namibia ein freies Stück Erde war, in dem niemand lebte und das man sich einfach so nehmen konnte, weil es keinem gehörte.
Andrea Jeska lässt bei ihrer einseitigen Darstellung einer deutschen Rentneridylle in Namibia die Tatsache außer Acht, dass diese nur auf Kosten einer jahrzehntelangen Unterdrückung der Einheimischen existieren kann. Die einheimischen Stämme wurden 1884 von den weißen Siedlern verdrängt, ihrer Lebensgrundlagen beraubt und gezwungen, ihr Land zu räumen. Sie wurden als Menschen zweiter Klassen behandelt und praktisch entrechtet. Dieses Denken existiert immer noch in den Köpfen genau der Menschen, die nun in der Seniorenresidenz leben und die mit derartigen Äußerungen im Artikel zitiert werden:

„ „Die Ellenbogengesellschaft und immer Stau, das hat mich ohnehin geärgert“, sagt Helmut. „Und in Namibia ist es so sauber. Das ist richtige deutsche Sauberkeit“, sagt Birgit,..“ ebendiese Ellenbogenmentalität hat dazu geführt, dass das heutige Namibia zu 1884 zu einer deutschen Kolonie ausgebaut, in „Deutsch-Südwestafrika“ umbenannt und in der Folge mithilfe von Rassentrennung und Unterdrückung von der deutschen Kolonialverwaltung regiert wurde. Einheimische Stämme wurden gezwungen, ihr Land zu räumen. Deren lebenswichtiges Weideland ging in die Hände der Siedler über.
Doch die Autorin Andrea Jeska distanziert sich nicht etwa deutlich von dieser Äußerung, sondern bleibt im Konjunktiv:
„…und man müsste bei so einem Satz zusammenzucken, verstünde man nicht, dass das Fremde wohl erst dann aufhört, beängstigend zu sein, wenn man darin etwas vom Eigenen erkennt.“
Ich bin der Meinung, man muss bei so einem Satz nicht nur zusammenzucken, sondern seinem Gegenüber klar und deutlich sagen, dass er die eigene Überhöhung und Arroganz gegenüber anderen ausdrückt. Etwas Fremdes muss keineswegs beängstigend sein. Wenn ich die Entscheidung treffe, in einem anderen Land zu leben, ist das Fremde für mich das Spannende, Überraschende, Bereichernde.
So aber entsteht der Eindruck, dass auch die Autorin Menschen aus anderen Kulturen aus der Sicht der eigenen Gruppe und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe betrachtet und ihre eigene Gruppe überhöht darstellt.
Mit freundlichen Grüßen, Katrin Larisch.

Hallo, Lüderitz heißt immer noch Lüderitz. Den Rest des Beitrages habe ich garnicht gelesen, wer andere maßregelt wegen schlechter Information und selber nicht weiß was läuft, sollte ruhig sein.
Viele Grüße

Karsten Sodmann

Dennoch falle es schwer, finden die Sonnleitner, in den Schwarzen Brüder und Schwestern auf Augenhöhe zu sehen, denn Schwarze seien wie Kinder und bräuchten eine lenkende Hand. „Ach, lasst das doch“, sagt Birgit schließlich verlegen. „Wie hört sich das denn an?“ – „Aber wenn es doch so ist“, beharrt Helmut.

„Sie würden sich nicht wohlfühlen, das wäre ja, als lebten wir unter lauter Türken“, sagt Helmut Corzilius. „Da sind die Ansichten doch zu verschieden. Die Schwarzen lassen zum Beispiel endlos das Wasser laufen, obwohl in diesem Teil von Namibia Wasser eine knappe Ressource ist. Da fragt man sich, können die nicht logisch denken?“

Wie kann man solche Passagen unreflektiert in diesem Artikel stehen lassen, Frau Jeska? Sie bieten dadurch als Autorin Menschen mit einem überholten Überlegenheitsgefühl gegenüber nicht weißen Menschen eine Plattform, um pauschalisierendes rassistisches Gedankengut zu verbreiten.

Natürlich geht aus dem Text hervor, dass das nicht ihre Meinung ist. Aber solche Sätze völlig unkommentiert in den Artikel zu übernehmen, suggeriert, ein derartiges Denken hätte in unserer heutigen Zeit noch Daseinsberechtigung.

Über Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Bernhard Paping

Schönen guten Tag,
der Rassismus des letzten Absatzes ist beschämend. Nur Tiere SÄUGEN ihre Kinder. Hoffentlich betrachten auch Sie die Himba-Frauen als Menschen. Demzufolge STILLEN sie ihre Kinder!
Mit freundlichem Gruß
Lieselotte Müller

Nur im Deutschen gibt es den Begriff des Stillens. Warum wohl? Weil Deutsche immer Andere zum Schweigen bringen wollen, sogar ihre Babys.

also meine Frau hat unsere Säuglinge immer gesäugt, weil gestillt ist ein diskrimierender Ausdruck, der nahelegt, dass der Säugling mundtot gemacht werden müsste - ge-"stillt".

Warum wollen Sie denn Kinder zum Schweigen bringen? Dürfen die keine eigene Meinung haben?

Marco Vogt schrieb am 24. März 2015 um 13:04: "Dürfen die keine eigene Meinung haben?" Die zur jeweils aktuellen Herrschaft gehörige Gesinnung muss spätestens mit der Muttermilch aufgesogen werden. Deshalb darf ein demokratisches Baby/Babyine selbstverständlich wählen. Dockt es an der rechten Brust an, wird es gesäugt, nuckelt es an der linken Brust, wird es gestillt. Kommt nirgendwo mehr Milch, hat es eben Pech gehabt. Es hat ja wählen dürfen.

Dann darf man wohl den Ausdruck "Säugling" für ein kleines Kind in der neuen deutschen Sprachweise auch nicht mehr verwenden?

So ist es. Stillkind oder gar Stillling statt Säugling. Dann folgt sofort die Genderfrage, ob (das) Stillkind oder (der) Säugling nun weiblich oder männlich ist und wie man denn weiblich zu beiden Begriffen sagen soll. Vorschlag: Die Stilling, dass könnte dann sowohl die Mutter als auch der weibliche Säugling sein. Genug dieses Schwachsinns.

Ich habe den Eindruck, dass speziell aus dem protestantischen Norden (ich komme von dort und kenne den Süden recht gut) diese bohrenden Zweifel um alles und nichts kommen. Darüber lacht dann der größte Teil des Südens.

Man wird mir vehement widersprechen, aber das muß man aushalten können:

Ist vielleicht doch die unterschwellig vorhandene protestantische Sucht der Weltverbesserung die wahre Ursache solcher Ansprüche? Und bis hin zur Selbsterniedrigung permanent bei sich nach der vermeidbaren Schuld zu suchen, statt hierfür auch einmal an die naturgegebenen und nicht veränderbaren menschlichen Schwächen zu denken? Zugegeben, diese Volte ist nicht in jede Denke zu bekommen. Aber schon mal darüber nachgedacht, dass in der deutschen Kultur der Norden die Schützenfeste und der Süden den Karneval und die Lebenslust hat? Wer sich getroffen fühlt ist nicht gemeint. Deshalb wäre der Nockherberg in München im Norden wohl auch kaum denkbar.

Es ist wohl schon so, dass der Protestantismus traditionell (nochmal, wer sich getroffen fühlt ist nicht gemeint) eher für den Ernst des Lebens und die Ideale zuständig ist, während der Katholizismus mit dem Gasthaus neben der Kirche die Lebensfreude nicht vergisst. Auch die protestantischen Enklaven/Exklaven in Württemberg bestätigen nur diese Annahme. Denn auch aus deren Pfrarrhäusern kamen nicht wenige der ersten forschen ideelen Weltverbesserer. Diese Beobachtung, die bis in die politischen Parteien greift, ist auch in der Literatur zu finden. Dieses alte Erbe ist zwar durchlässiger geworden, aber der Hintergrund zieht noch immer seine Fäden.

Guten Tag,
wir haben Ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen.
Haben Sie eine aktuelle Kontaktadresse oder eine Homepage, wo man sich weiter informieren kann?
Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen,
Ulrich K. Ellwart