Warten auf die Franzosen

Lutz Widmaier

Naemi, 14, ist im Frühjahr in Südfrankreich zur Schule gegangen. Bald kommt der Gegen­besuch an die Elbe

Im März war ich für zehn Tage in Cugnaux, einem Vorort von Toulouse, zusammen mit 13 Mitschülern. Am Flughafen in Toulouse war mein erster Gedanke: „Mann, sind die Franzosen klein!“ Ich war noch nie so lange von zu Hause weg und bekam Heimweh. Aber nur am ersten Abend. Und nur ein bisschen. Maelys, meine Austauschpartnerin, war sehr nett. Und der Gastvater konnte Deutsch. Ich lerne erst seit zwei Jahren Französisch, da war so ein Gemisch aus Deutsch und Französisch gut für mich.

Mit den Franzosen war es sehr entspannt. Sie wollten viel über uns wissen. Ich glaube, das hat nichts mit der besonderen Vergangenheit zu tun. Wir waren einfach eine Abwechslung vom Schulalltag. Und sie sind auf Deutschland gespannt, im September kommen 14 Franzosen zu uns zum Gegenbesuch.

Es gibt wirklich immer­zu Baguette

Wir Schüler sind uns als Menschen sehr ähnlich, egal ob Deutsche oder Franzosen. Aber es gibt Unterschiede im Schulsystem. Die Lehrer in Frankreich sind viel strenger. Wenn gekichert wird, werden die sofort laut. Ich finde es nicht gut, wenn man vom Lehrer angeschrien wird. Aber es hat mir gefallen, dass es ruhiger im Klassenzimmer ist. Ich konnte mich besser konzentrieren. Bei uns ist es schon sehr unruhig. Was mir auch aufgefallen ist: Es gibt wirklich immer­zu Baguette. Und die französischen Eltern machen alles mit dem Auto. Die Familie meiner Freundin war nur zwei Gehminuten von meiner entfernt. Aber sie wurde immer mit dem Auto gebracht. Merkwürdig! Vielleicht haben sie sich auch nur Sorgen gemacht, dass uns was passiert.

Einem Teil unserer Gruppe ist auch was ­Blödes zugestoßen, sie wurde im Park ange­pöbelt. Aber nicht, weil sie Deutsche waren, sondern einfach nur so. Hat aber nichts daran geändert, dass alle aus unserer Gruppe die Tage in Frankreich sehr genossen haben. Partys gab es übrigens nicht wirk­lich. An einem Abend haben wir uns bei einer Familie getroffen, die einen Whirlpool hat. Da saßen wir dann alle drin. Aber nur die Mädchen aus dem Austauschprogramm!

Wenn Maelys und die anderen im September zu uns kommen, freue ich mich am meisten auf die Ausflüge. Die Franzosen haben fast jeden Tag etwas mit uns unternommen. Am schönsten fand ich es am Canal du Midi, da haben wir eine Rallye gemacht. Sehr lustig! Maelys möchte ich unbedingt den Hamburger Hafen zeigen. Und mit ihr zum HSV-Spiel gehen. Aber das hängt davon ab, ob es in der Zeit ein Heimspiel gibt. Sie bleibt ja nur zehn Tage. Leider!

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