Essay von Thomas Straubhaar

Von wegen Katastrophe!

Staffan Larsson

Die besten Jahre kommen noch, sagt Thomas Straubhaar. Die Menschen waren schon immer zu gigantischen Innovationen fähig

„Grenzen des Wachstums“ war ein Buch, das meine Jugendzeit veränderte. Es prophezeite in den frühen 1970er Jahren den Anfang vom Ende der guten Tage: „Schon vor dem Jahr 2000... muss selbst unter der optimistischen Annahme, dass alles potentiell bebaubare Land landwirtschaftlich genutzt würde..., eine hoffnungslose Landknappheit auftreten.“ Nahrungsmittel und Rohstoffe würden dadurch nicht mehr ausreichen, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Das war eindeutig und genauso unmissverständlich wie viele andere apokalyptischen Voraus­sagen von Dennis L. Meadows und seinen Mitautoren vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Selbst wenn damals in meiner Heimat, der Schweiz, nichts von einem drohenden Weltuntergang zu erkennen war, beeindruckte mich eine von den MIT-Wissenschaftlern benutzte Lilien-Parabel.  Sie beschreibt, wie in einem großen Gartenteich eine kleine Seelilie jeden Tag auf die doppelte Größe wächst: Innerhalb von 30 Tagen hat sich die Lilie so weit ausgebreitet, dass sie den ganzen Teich bedeckt, mit der Folge, dass alles andere Leben im Wasser erstickt wird. Noch am 29. Tag erkennt niemand die Gefahr, denn noch ist die Hälfte des Teiches lilienfrei. Erst am nächsten Tag ist dann schlagartig kein Wasser mehr zu sehen, und das Öko­system kollabiert. Wie dumm, niemand hat rechtzeitig gewarnt, das ­exponentielle Wachstum gestoppt und das Wuchern der Seelilie unterbunden – lange bevor der Sauerstoff knapp wird.

Die Forscher hatten unterschätzt, wie ideenreich Menschen sein können

Für Meadows und sein Team war Tag 29 für die Menschheit schon lange angebrochen – für mich als 15-Jährigen keine wirklich erfreuliche Lebensperspektive. Die Prophezeiung, dass die besten Jahre vorbei sind, bevor das Leben richtig beginnt, deprimierte mich. Dass dann doch alles anders und vieles besser wurde, als von den Pessimisten befürchtet, hatte mehrere Gründe. Die MIT-Forscher hatten die menschliche Fähigkeit unterschätzt, auf Veränderungen im Umfeld rasch zu reagieren, das Verhalten anzupassen, nach anderen Lösungen zu suchen und rechtzeitig mit neuen Ideen Engpässe zu überwinden oder zu vermeiden. Plötzlich gab es autofreie Sonntage, wurde der Müll getrennt und Abfall wieder- und weiterverwertet. Motoren wurden kleiner und effizienter. Der Katalysator wurde alltäglich, Kühlschränke gab es nur noch ohne FCKW. Ertragreicheres Saatgut, besserer Dünger, künstliche Bewässerung und leistungsfähigere Erntemaschinen, Lager- und Vertriebssysteme vergrößerten die Hektarerträge dramatisch. Angebotszunahme wie Nachfragerückgang sorgten dafür, dass kaum eine der pessimistischen Voraussagen von ­Meadows eintrat. Im Gegenteil: Dank neuer Fördertechnologien ist die zeitliche Reichweite (definiert als bekannte Vorkommen ­dividiert durch den weltweiten Jahresbedarf) für die meisten Rohstoffe heutzutage länger und nicht kürzer als vor 40 Jahren.

Waren die MIT-Forscher und sind wir Angsthasen, wenn wir fürchten, dass ausgerechnet unserer Generation der Schnauf der Innovation ausgehe? Dass wir es erstmals in der Menschheitsgeschichte nicht schaffen, unseren Kindeskindern eine bessere Welt zu hinterlassen? Für Optimismus spricht die historische Erfahrung. Es geht uns heute materiell besser als jeder Generation vor uns. Die Kindersterblichkeit ist niedriger, die Lebenserwartung höher. Jedes zweite Mädchen, das 2014 in Deutschland geboren wird, darf auf eine Lebensspanne von 100 Jahren hoffen. Mehr Menschen haben bessere Lebensbedingungen als ihre Vorfahren. Das gilt nicht nur für Europa und Nordamerika. Selbst in Afrika haben heute die meisten Menschen bessere Chancen auf ein längeres und gesünderes Leben als ihre Eltern.
Ist die Zukunft nur einigermaßen eine Fortschreibung der Vergangenheit, gibt es wenig Grund für die pessimistische Annahme, dass es nicht gelingen sollte, die kommenden Heraus­forderungen erneut mit Erfolg zu bewältigen. Natürlich wird die Weltbevöl­kerung noch lange weiter wachsen – von heute knapp sieben Milliarden auf acht Milliarden im Jahr 2025 und auf neun Milliarden nach 2040. Die zwei zusätzlichen Milliarden

Die zunehmenden Bedürfnisse der Menschen erhöhen das Innovationstempo

Erdenbürger wollen essen, wohnen und sie brauchen Kleider, Fahrzeuge, Spiel- und Werkzeuge. Vor allem aber ist die Masse der Menschen immer noch arm. Drei, vier Milliarden sind mausearm mit wenig mehr als dem Nötigsten, um den Alltag gerade so überleben zu können. Sie alle haben einen riesigen Nachholbedarf. Wie wir wollen sie mehr von allem haben. Sie wollen ein besseres Leben, für sich und für ihre Kinder.

Die zunehmenden Bedürfnisse einer wachsenden Weltbe­völkerung müssen gedeckt werden. Es muss auch in Zukunft mehr Menschen besser gehen. Das kann gelingen, wenn auf allen Ebenen das Innovationstempo erhöht wird. Denn klar ist, dass nicht jeder Chinese und Inder – zusammen mehr als zweieinhalb Milliarden Menschen – ein Auto, einen Kühlschrank und vieles mehr haben können, wie sie im Westen seit langem selbstverständlich sind. Neue Technologien müssen helfen, Verschwendung zu verringern, Effizienz zu steigern und mit weniger ökologischem Aufwand dafür zu sorgen, dass auch in China und Indien die Menschen ihre Wünsche nach Mobilität, Gesundheit, Wohlstand realisieren können. Dafür müssen Autos, Kühlschränke und elektronische Geräte anders, besser und um Dimensionen effizienter werden, als sie es heute sind. Dieses Ziel ist nicht durch Verzicht oder Einsparung, sondern nur durch Innovation zu erreichen.

Viele halten das Vertrauen in die Innovationskraft der Menschen für naiven Ökonomismus. Ihnen mag ein ungebrochener Fortschrittsoptimismus blauäugig scheinen. Wieso eigentlich? Die Erde ist kein geschlossenes System, kein Raumschiff, ­dessen Ressourcen begrenzt sind und eines Tages aufgezehrt sein werden. Gerade das menschliche Innovationspotenzial ist nicht endlich. Fortschritt hat mit Wissen und Können zu tun. Und beides wird durch nichts begrenzt. Je mehr wir wissen, umso besser. Wissen ist nichts, was durch Gebrauch abgenutzt und geringer wird. Hierin liegt die Logik der Wissensgesellschaft: Vom Wissen profitieren alle und nicht nur die Wissensträger.

Unvorstellbar war vor 100 Jahren, wie rasch wir heute kommunizieren

Auch naturwissenschaftlich gilt es die Endlichkeitsthese der Pessimisten zu relativieren. Der Erde fließt von der Sonne ständig Energie zu. Diese zusätzliche Strahlungsenergie kann genutzt werden, um ­erschöpfbare durch erneuerbare Rohstoffe zu ersetzen. Technisch ist das heute schon machbar. Schlimmstenfalls lassen sich knapp werdende Mineralien oder Metalle auf anderen Himmelskörpern abbauen. Es mag verrückt klingen, kann aber bald schon Realität werden, dass Menschen den Mars erschließen, so wie die Europäer Amerika besiedelten.

Wer hätte sich vor 100 Jahren auch nur im Entferntesten ausmalen können, wie wir heute leben, wie rasch wir um die Welt reisen und in Echtzeit miteinander rund um die Uhr kommuni­zieren? Selbst vor gut 40 Jahren war es für die MIT-Forscher um Dennis Meadows noch unvorstellbar, dass wir heute das intellektuelle Universum in der Hosentasche bei uns tragen und jederzeit und überall darauf zugreifen können. Und wir stehen erst am Anfang. Virtuelle Wolken ersetzen physische Güter. Dienst­leistungen in Bildung, Gesundheit, Finanzierung und Versicherung sowie in den Handel können ohne persönlichen Kontakt von Herstellern
und Kunden geliefert werden. Das macht Geschäftsreisen zu­nehmend überflüssig.

Es ist falsch, von der Endlichkeit der Welt und den Grenzen des ökonomischen Wachstums auszugehen. Die Fantasie ist frei, alles zu denken. Nur: Ob es in Zukunft mit einer Gesellschaft nach oben oder unten geht, wird sich am Bildungssystem entscheiden. Für eine Gesellschaft sind Bildungsausgaben die wichtigste aller Investitionen. Werden kluge Köpfe gefördert, wird es auch künftig jenen Fortschritt geben, der dafür sorgt, dass die besten Jahre nicht hinter, sondern vor uns liegen.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Heinrich Ruhemann schrieb am 11. August 2014 um 18:29:" dass immer neue "Finanzprodukte" erfunden werden, mit deren Hilfe das Geld von den Armen zu den Reichen gescheffelt wird." Die meisten der neuen Finanzprodukte scheffeln nicht das Geld von den Armen zu den Reichen. Arme haben nämlich kein Geld, das weggescheffelt werden könnte. Insofern sind die Credit-Default-Swaps und die Optionen auf den DAX-Future in Normalverdienerkreisen, von anerkannten Armen ganz zu schweigen, eher unbekannt. Es gibt allerdings ein modernes Finanzprodukt, mit dessen Hilfe tatsächlich auch noch von den meist weiblichen Hungerleidern der heißeren und schwüleren Weltregionen Geld abgeschöpft werden kann. Das ist der Mikrokredit. Die Grameen-Bank war eine der ersten. die dieses Kunststück fertig brachte. Heute ist dieser Finanzsektor auch bei traditionellen Instituten beliebt. ________________________________________________________
Zitat: "Ob es mit einer Gesellschaft bergauf oder bergab geht, hängt davon ab, ob es gelingt, das Verhältnis von Arm und Reich so zu regeln wie in der Schweiz oder in Skandinavien" Wer sich Sorgen um das Gelingen der Gesellschaft macht, findet immer irgendwelche Länder, die nach seinem Geschmack sind. Wer es allerdings bescheuert findet, selber arm zu sein, ist schlecht beraten, wenn ihm direkt oder indirekt die Ausreise zu den Eidgenossen oder den kühlen Nordlichtern empfohlen wird. Die Armut selber ist nämlich eklig, auch in der Nähe des Matterhorns oder benachbart zu den Rentieren. Das Verhältnis von Arm und Reich geht sachlich nur die Reichen etwas an.

Die Volkswirtschaftslehre zeichnet sich – gegenüber der Betriebswirtschaftslehre – dadurch aus, dass sie langfristig, also ganzheitlicher, denkt. Dennoch sind Prof. Straubhaar einige Punkte entgangen:
1. Wir haben schon effizientere Autos, Kühlschränke, Mobiltelefone, jeder Effizienzfortschritt wurde jedoch in der von ihm überschaubaren Periode der letzten 30 Jahre durch die Zunahme der verkauften Produkte überkompensiert. Ausserdem zeigt der Vergleich: Wenn sich die Fahrzeugtechnik wie die Computertechnik miniaturisieren liesse, würde man längst mit einem VW-Motor auf den Mond fliegen können.
2. Die Lebenserwartung ist gestiegen und steigt weiter. Aber die (berechtigte) Angst wächst mit. – Es ist der Menschheit nicht gelungen, den Meinungsführern die Gier auszutreiben, deren Effizienz sich nur dadurch steigern lässt, dass immer neue „Finanzprodukte“ erfunden werden, mit deren Hilfe das Geld von den Armen zu den Reichen gescheffelt wird.
3. Wie Herr Straubhaar richtig bemerkt, wären die Ausgaben für Bildung die wichtigsten aller Investitionen, aber wohin fliessen die Ausgaben tatsächlich? – In Rüstungs- und Weltraumtechnik. – Ich habe über mehrere Jahre in einer „Bürgerlobby“ mitgearbeitet, um die Haushaltsentscheidungen des Deutschen Bundestags zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit (EZ; diesen Begriff vermisse ich bei Prof. Straubhaar) zu beeinflussen. In einer besonders aussichtslosen Situation sagte uns deren Sprecher in den 80er Jahren: „Uns geht es wie in der Bundesliga: Wir sind auf dem letzten (18.) Platz. Nur absteigen können wir nicht!“. – In der Tat ist der Posten für EZ inzwischen geklettert, aber nicht weil sie mehr bekommen hätte, sondern weil die anderen Etatposten stärker gesenkt wurden.
4. Wenn es darum ginge, die zunehmenden Bedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, müsste sich vor allem das Banksystem ändern. Die Grameen Bank und ihr Gründer Prof. Muhammad Yunus werden zu Unrecht wegen hoher Zinsen und >>sozialem Gruppendruck<< kritisiert. Weil die Banken normalerweise nur Darlehen gegen Sicherheiten ausreichen, hat Yunus ein System entwickelt, in dem „Sicherheit“ durch Solidarität ersetzt wird. Dass auch hier Zinsen erwirtschaftet werden (und zwar höhere als zurzeit in den USA oder Europa) sollte eigentlich nicht zu Kritik, sondern zur Anerkennung führen. Ausserdem sorgt hier das exponentielle Wachstum dafür, dass ausschliesslich Armen, also den Meistbedürftigen, geholfen wird.
5. Die Grameen Bank ist zugleich ein fast einzigartiges Beispiel, wie den Armen aus der Bildungsmisere geholfen wird: Die Kinder der Grameen Ladys gehen inzwischen auf alle Schulen des Landes, einschliesslich der Universitäten.
6. Die Grenzen des ökonomischen Wachstums – das habe ich aus dem Artikel von Prof. Straubhaar gelernt – liegen in der Tat nicht in der Begrenztheit der Ressourcen, sondern in der Beschränktheit einiger Oligarchen oder Plutokraten, die sich für befugt halten, ein System fortzuschreiben, das Reiche reicher und Arme zahlreicher macht. Ob es mit einer Gesellschaft bergauf oder bergab geht, hängt davon ab, ob es gelingt, das Verhältnis von Arm und Reich so zu regeln wie in der Schweiz oder in Skandinavien – oder ob wir weiterhin einen „Raubtierkapitalismus“ bei uns herrschen lassen. Jedenfalls traue ich denen, die uns in die Krise geführt haben, nicht zu uns auch wieder herauszuführen.

Von einem Studierten kann man mehr Einsicht erwarten.

Keine menschliche Innovationen koennen die rasante Zubetonierung der Landschaft, den Verlust von Natur, das durch Menschen verursachte groesste Aussterben von Tier Spezies seit 65 Millionen Jahren ausgleichen. Bei einer jaehrlichen Zunahme der Erdbevoelkerung von 80 Millionen Menschen ist der GAU vorprogrammiert. Das sieht selbst ein Hauptschueler.

Die besten Jahre kommen noch.
Selbstverständlich für die, die noch geboren werden. Für die, die schon näher am Ende sind, gab es schon die besten Jahre, wenn sie nicht leichtfertig vertändelt wurden.

Wenn alle nicht ersetzbaren Ressourcen verbraucht sind, wird man sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner wieder finden und sich dann auch wohl fühlen müssen. Das alle Menschen dann auf einmal auföhren zu lachen, ist ja wohl nicht anzunehmen. Das war in der Vergangenheit nicht anders.

Für alles andere und die Zukunft ist Orwell da.

Es ist vor allem wichtig, die Technologie nicht überzubewerten. Und Geistiges Heilen (gemäß C. G. Jung) zu fördern.

Sehr geehrter Herr Straubhaar,

jawohl, die Welt ist schön - man muß sie nur versteh'n. Richtig verstehen nämlich, und nicht dahin gucken, wo wegen knapper werdender Rohstoffe Kriege geführt werden, Menschen ihre Existenz verlieren, die Landschaft zerstört wird. Ja, es stimmt auch, den Menschen sind immer wieder technische Lösungen für Probleme eingefallen, die allerdings notorisch neue Probleme mit sich brachten. Und wenn es nicht reicht, muß einfach das Innovationstempo aufgedreht werden - bis zur Lichtgeschwindigkeit, eine Grenze, die menschliche Fantasie sicher auch noch überwinden wird (in Science Fiction längst geschehen). Und ja, aus der Vergangenheit ist zu schließen, dass es immer so weiter gehen wird mit der Problemlösungskraft. Mit dieser Erwartung hat man sich der Logik des Fensterputzers angeschlossen der beim Sturz aus dem 30. Stock nach der halben Strecke sagt "es ist doch noch alles gut gegangen".

Wem "ein ungebrochener Fortschrittsoptimismus blauäugig" erscheint, hat nicht erkannt, dass die Welt jenseits der Erde noch viel zu bieten hat, und er glaubt nicht, dass der Rohstoffabbau auf dem (ebenfalls endlichen) Mars jemals zu erschwinglichen Kosten möglich sein wird. Warum sollte die Zukunft nicht "eine Fortschreibung der Vergangenheit" mit ihrer Fülle von Innovationen sein? Uns wird doch immer wieder etwas einfallen! "Die Fantasie ist frei, alles zu denken", nur folgt ihr die Realität nicht immer. Dann bleibt die Fantasie Fiktion. Das "menschliche Innovationspotential ist nicht endlich. Fortschritt hat mit Wissen und Können zu tun. Und beides wird durch nichts begrenzt". Deshalb können wir fest damit rechnen, in nicht zu ferner Zukunft über effiziente Stromspeicher mit ungeahnter Energiedichte zu verfügen. Und wenn nicht, haben wir bis dahin doch erst einmal gut gelebt. Wer wird sich denn von physikalischen Gesetzen oder Knappheiten in unserem System aufhalten lassen?

Nun mal ohne Ironie: Es wissen wohl schon alle, dass "Bildungsausgaben die wichtigste aller Investitionen" sind, nur wenige handeln allerdings danach. Weil wir außerdem für Investitionen schnell mit Gewinn belohnt werden wollen, wird Bildung auf ihren kommerziellen Nutzen reduziert. Persönlichkeitsbildung hat keinen solchen Nutzen - denkt man.

Zum Schluß noch ein Zitat aus Goethes Faust.
Wagner: " ... und wie wir's dann so herrlich weit gebracht."
Faust: " O ja, bis an die Sterne weit!"

Mit freundlichen Grüßen
Reiner Durchholz

Endlich mal eine Stimme, die Mut macht und versucht, wenigstens ein bißchen Optimismus für die Gestaltung der Zukunft zu verbreiten. Das heißt ja nicht, dass wir vor den existierenden Problemen den Kopf in den Sand stecken sollen. Aber bei den vielen miesepetrigen Nachrichten, die täglich auf uns einstürzen, hat man ja schon bald ein schlechtes Gewissen, dass man überhaupt auf dieser Welt ist und Spuren darauf hinterlässt. Der Mensch kann viel - im Positiven wie im Negativen. Ermutigen wir vor allem die jungen Menschen, mit Freude nach Problemlösungen zu suchen, und ermöglichen wir ihnen die beste Ausbildung, damit sie innovativ daran arbeiten können. Und unterstützen wir sie dabei verantwortungsvoll und nach Kräften!

Sehr geehrter Herr Straubhaar, liebe Chrismon Redaktion,
auch ich bin, wie wohl einige Leser vor mir, erstaunt über den Artikel "von wegen Katastrophe". Ich gehe gerne konform mit positiven Gedanken zu Effizienz und Innovation. Warum nur im Umkehrzug Aspekte wie Verzicht, Reduzierung aufs Wesentliche etc. so negativ belegt werden, ist mir ein Rätsel. Ich denke es ist unfair allen Menschen dieses Planeten unseren Lebensstandart zu wünschen (denn das wäre gerecht), und gleichzeitig zu behaupten, wir könnten in dem Stile weiter konsumieren wie bisher. Frei nach dem Motto die Innovation wirds schon richten. Sie kann sicher ihren Beitrag leisten, aber ohne die oben bereits erwähnten Prinzipien von Konsistenz und Suffizienz wird es, so denke ich, nicht gehen. Im übrigen gibt es viele Beispiele, die belegen, wie wir uns die Effizienz gerne schön rechnen. Wir sprechen von der Effizienz unserer Wirtschaft, weigern uns aber, alle nötigen Kennzahlen für die Berechnung der solchen einzusetzen. Oder warum fließen Kennwerte wie ökosystemare Dienstleistungen, bzw. auch deren Zerstörung nicht in unsere Wirtschaftsbilanzen mit ein? Ich gebe zu, dies ist schwierig zu berechnen und es gibt auch Ansätze dies zu tun, von einer Lösung des Problems sind wir weit entfernt. Wenn dann z.B. einer der führenden Evolutionsbiologen dieses Planeten Edward O. Wilsnon ("Der Wert der Vielfalt") wissenschaftlich darlegt, dass wir uns bezüglich der Aussterberate auf der Erde mitten im sechsten großen Artensterben der Erdgeschichte befinden (vergleichbar mit dem des Dinosauriersterbens), so formt sich bezüglich unseres Umgangs mit unserem Planeten bei mir doch ein bedenkliches Bild. Wie wir das, sollten wir so fortfahren, bei aller Inovationskraft des Menschen wieder richten wollen, bleibt mir ein Rätsel. Den Glaube unser wunderbares System Erde, allein durch die Kraft des menschlichen Intellekts begreifen, immer wieder neu formen und völlig beherrschen zu können halte ich für schlicht gefährlich. Da tut bei allem Optimismus über die Fähigkeiten des Menschen auch ein Portion Demut gut, womit wir wieder beim Gedanken der Suffizienz wären.
MfG
Hendrik v. Riewel

Die Schweiz (nicht Deutschland) ist die innovationsstärkste und wettbewerbsfähigste Nation der Welt
Deutschland hat nichts, als den Rohstoff „Wissen und Bildung“ seiner kreativen Arbeitskräfte. Wir können also als führende Industrienation anderen Ländern helfen, dass sie sich entwickeln, klimafreundlich leben und Arbeitsplätze schaffen. Obwohl wir anderen immer ein Stück voraus sind, tun wir uns sehr schwer, weil wir Wirtschaft nur als hochrentierliche Kapitalwirtschaft verstehen. Zukunftsfähige Innovation darf dabei fast nichts kosten. Ein Beispiel dazu ist die angekündigte Wende zur regenerativen Energie oder regenerativ-mobilen Gesellschaft.

Wer nicht wagt, der aber nicht gewinnt!
Die Deutschen sind eine vom Erfolg der Nachkriegsentwicklung verwöhnte und inzwischen langweilige Gesellschaft geworden. Statt mit neuen Ideen und Tatkraft die Welt in Staunen zu versetzen, läuft Deutschland immer mehr Gefahr zu einem „Museum für Arbeit und Technik“ zu werden, in dem die sozialen und technischen Errungenschaften des ausgehenden 19./20. Jahrhundert gepflegt werden.
Vor allem wird mit den ständig wachsenden Handelsüberschüssen das Ungleichgewicht innerhalb der Europäischen Union verstärkt. Arbeitsplätze / Renten / Gesundheit / Energieversorgung wollen wir sichern etc., wissen aber heute schon genau, dass dies nicht mehr möglich ist - bei dem Schuldenberg den wir haben. Die Deutschen gleichen zunehmend einer Gesellschaft in der Abwehrschlacht, die in Wahrheit mental völlig in der Defensive ist. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Deutschen sich bewusst werden, welche verheerenden Konsequenzen diese Risikoscheue für die Gesellschaft hat. Eine Gesellschaft, die Innovation durch Beharrung ersetzt, Bildung durch vollgestopfte Lehrpläne und Arbeit durch billionen-faches Finanzkapital, das (fast) nicht versteuert wird, verliert über kurz oder lang die Unterstützung durch all die Menschen, die nicht zum Establishment gehören. Die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft wird den Sprung in das 21. Jahrhundert nur schaffen, wenn sie bereit ist, vieles in Frage zu stellen und mehr Risiken in Entwicklungen und mehr Investitionen das Bildungssystem einzugehen.

Schwache technologische Wettbewerbsposition Deutschlands
Die Deutschen müssen Neues zulassen und sich aktiv daran beteiligen, statt ängstlich von der
Zuschauertribüne aus zuzusehen, wie die Welt sich verändert. Dazu gehört Neugierde und Mut zur Veränderung. Das heißt auch, Fehler als etwas Normales zu behandeln, als eine Gelegenheit zum Lernen und nicht als Anlass zur Häme. Die Übernahme von Risiken muss wieder belohnt werden. Das Prinzip „Verantwortung“ für die kommenden Generationen gilt nicht nur für vermiedene Risiken, sondern für vertane Chancen. Ich sehe jedenfalls die reale Gefahr, dass die junge Generation für das zahlen muss, was heute versäumt und ängstlich verhindert wird. So hat die dt. Industrie und der Staat die nachhaltige Reduzierung der CO2-Emissions-Werte über mehr als 20 Jahre in der EU verhindert. Auch hinkt Deutschland in den meisten Schlüsseltechnologien hinterher.
Förderung von Innovation und Bildung
Z. Zt. Findet eine Regierung in der Bevölkerung um so mehr Beifall, je weniger sie den Bürgern
Neuerungen zumutet, wie z.B. umweltgerechte Energie, Fahrzeuge, Produktion, Recycling etc.
Innovationen – und indirekt auch neue Arbeitsplätze – werden bestimmt von der Aufgeschlossenheit der Bevölkerung und Politik gegenüber neuen Technologien. Immer noch glauben 1/3 der Deutschen, dass der globale Fortschritt das Leben schwieriger macht (Hans Reich, Vorsitzender des Vorstands KfW-Gruppe). Auch dauert in Deutschland die Umsetzung von Wissen und neuen Ideen viel zu lange…“nur jedes 10. Patent wird in Deutschland realisiert...“
Zwei von Drei westdeutschen Firmen brauchen für die Markteinführung technischer Neuerungen bis zu drei Jahre, 20% der Unternehmen sogar 5 Jahre. Die Deutschen forschen lieber, als dass Sie ihre Ideen/Produkte verkaufen. Heute sind aber Technologie + Dienste die treibende Kraft für die starke Expansion des Welthandels und der Direktinvestitionen. Jede umwelttechnische
Qualitätsverbesserung stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und schafft neue Arbeitsplätze. Die teilweise starke Unterkapitalisierung dt. Betriebe + Banken ist aber der Grund dafür, warum für notwendige Investitionen, die unsere demographischen und klimatechnischen Probleme lösen sollen, nicht genügend Investitionskapital in Deutschland zur Verfügung steht, um gegenüber dem Wettbewerb durchzuhalten. So verlagern immer mehr Firmen Teile ihrer Forschungs- & Entwicklungsabteilungen nach China und investieren eher in (verlustreiche) Unternehmenskäufe (Innovationsindikator DIW /Nation Branding). Nach dem Weltinnovationsindex der US Universität Cornell / INSEAD führt die Schweiz die Weltliga in der Innovationsstärke an, gefolgt von Schweden, Großbritannien, Niederlande und den USA.

Deutschland ist nur Mittelmaß auf dem 15. Platz. […] Wie sollen unsere Ingenieure erschöpfbare
Rohstoffe durch erneuerbare Rohstoffe ersetzen, wenn es ihnen an innovativer Erfolgskraft mangelt. Dass die deutsche Wirtschaft in Technologiebereichen, denen weltweit große Wachstumschancen eingeräumt werden, Schwäche zeigt, lässt sich damit erklären, dass Betriebe Innovations- und Bildungsaktivitäten zuwenig unterstützen. Damit neues Wissen, das ein Unternehmen in allen Bereichen bzw. moderner Führung dringend benötigt „produziert“ wird, wird z.B. in eidgenössischen Organisationen + Betrieben jeden Monat - 2 Tage dazugelernt. So schicken z.B. SAP u. a. regelmäßig ihre (angehenden) Führungskräfte zum mehrtägigen „Eignungstest“, in dem eigenes Denken + Verhalten reflektiert und aufgefrischt und die professionelle Suche + Auswahl + Bindung von Mitarbeitern „neu“ gelernt werden. Der Kern des Problems liegt wohl darin, dass früher eine breite Angebotspalette mit technisch und qualitativ hochwertigen Investitionsgütern als solide Basis für ein dauerndes Wachstumspotential gesehen wurde. Eine Konzentration auf das Wissens- und Innovationsmanagement erscheint vielen
Firmen weniger dringlich. Unternehmen müssen heute aber global den Horizont nach neuen
technischen Entwicklungen absuchen, um neue Marktnischen zu finden. Sie müssen „Technology
Sourcing“ betreiben und die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern und Kunden (Reverse (open)
Innovation) verbessern.

Wettbewerbsfähigkeit heißt Innovationsstärke
Dies alles ist aber nur möglich mit motivierten und flexiblen Führungskräften + Mitarbeitern, die
regelmäßig im Jahr fortgebildet werden, vor allem in Beziehungs-, Kreativitäts- und Projektkompetenz. Warum sollen sich unsere nachfolgenden Generationen um Klima und Ressourceneinsparung bzw. Recycling (cradle to cradle) Gedanken machen, wenn die heutige Führungsriege, nur wenig Motivation zur ökologischen Veränderung zeigt. Leider sind kurzfristiges Denken + Wirtschaften (Shareholder Value, Mengen-Wachstum, zweistellige Renditen und überhöhter Ressourcenverbrauch) immer noch wichtiger…
Die Führungskräfte in den dt. Unternehmen sollten mit gutem Beispiel voran gehen und unseren
wichtigsten Wettbewerbsfaktor „Wissen“ an die erste Stelle setzen. Deutsche Betriebe investieren im Durchschnitt nur ca. 1.000 € p. a. in die Weiterbildung eines Mitarbeiters. Sie investieren immer noch das 10-100-fache in die Instandhaltung Ihrer Maschinen + Anlagen, als in die Instandhaltung des Wissens ihrer Mitarbeiter. So bildet in Deutschland nur noch jeder 5. Betrieb überhaupt noch Lehrlinge aus.
In Zusammenarbeit mit der Executive School der Hochschule St. Gallen / Schweiz veröffentlicht das World Economic Forum Davos / Schweiz den „Global Competitiveness Report“. Darin bestätigt die Schweiz allen Industrienationen, dass sie die wettbewerbsfähigste Nation der Welt ist. Vor allem die überdurchschnittlich hohe Innovationskraft des schweizerischen Werkplatzes sowie die überdurchschnittlichen Investitionen in den Bereichen Forschung & Entwicklung & Bildung der Mitarbeiter sorgen für diesen Spitzenplatz. So wird die Schweiz bis 2025 das erste komplettregenerative Land Europas. Das Freihandelsabkommen mit China wird noch zusätzliche Potentiale freisetzen. Bei der Eroberung des Weltmarktes nehmen sich zwischenzeitlich unsere Wettbewerber eine Schlüssel-Branche nach der anderen vor. In den 80/90er Jahren die Unterhaltungselektronik- / Chip- / Mobilfon-Industrie, heute die IT/Kommunikations-, Medizin-, Solar-Industrie, zukünftig die Fahrzeug-, Energie- und Umwelttechnik u.s.w. Vom schnellen Umdenken in den Führungsetagen wird es abhängen, ob Deutschland diesen Innovations-Wettbewerb überhaupt noch gewinnen kann.

Prof. Günther H. Schust, München

Mir sind die Äußerungen von Herrn Straubhaar zu optimistisch.
Fortschritt ist oft auch ambivalent.
Technischer Fortschritt kann auch technokratisch sein.
Medizinischer etwas frankensteinmäßiges oder zu hinterfragendes haben.
Beispiel in vitro Medizin.
Oder auch Computer... Autos... Hat doch mindestens zwei Seiten.
Bald gibt es auch 10 Milliarden Menschen.
Fakt ist doch, die Erde leidet, siehe die Umwelt...
Fakt ist doch auch, viele Menschen sind arm.
Mir sind die Aussagen von Herrn Straubhaar zu nahe am mainstream der Politik.
Die Rückseite, die Kehrseite der Medaille wird da gerne unterschlagen.
Also, ich teile die Auffassungen in der Form nicht.

Könnte mich da viel differenzierter und länger zu äußern...
Ist ja auch eine Wertefrage.
Eine Systemfrage.

Freundliche Grüße Martin Hoeren, Mainz

In der Bibliothek des HWWI scheinen (u.a.) zu fehlen:

Schmidt-Bleek, Friedrich: Nutzen wir die Erde richtig.
Paech, Niko: Befreiung vom Überfluss.
Wuppertag Institut: Fair Future.
Felix Ekardt: Theorie der Nachhaltigkeit.
Jackson, Tim: Wohlstand ohne Wachstum

...und vieles mehr.
Jedenfalls: Ja, Innovation für Effizienz brauchen wir. Aber ohne Konsistenz und Suffizienz kommen keine besseren Jahre mehr für unsere zukünftigen Generationen. - Somit: (vorsichtig:) "Verwunderlich" dieser Beitrag.

Zum Artikel „Von wegen Katastrophe“ – CHRISMON 03.2014, Seite 40

Sehr geehrter Herr Straubhaar, liebe Chrismon-Redaktion,
dieser Appell an die Innovationsfähigkeit des Menschen war schon lange überfällig, und man kann dem Tenor nur voll zustimmen. Dennoch zeigt ein Abschnitt in der Mitte der rechten Spalte, dass Sie vermutlich Krokodilstränen vergossen haben. Leider entwertet das den ganzen Artikel.
Innovationen sind vielleicht fast unbegrenzt möglich, aber sie haben doch eine scharf definierte Grenze. Sie können mit Innovation nicht fundamentale und grundlegende physikalische Gesetze unterlaufen. Ich betone dies ausdrücklich vor dem Hintergrund, dass Sie in besagtem Abschnitt von „Erneuerbaren“ reden (abgesehen davon, dass dieser Begriff Unsinn ist; siehe den 2. Hauptsatz der Thermodynamik!).
Der Weg mit den Erneuerbaren ist m. E. ein absoluter Irrweg, der uns alle noch teuerst zu stehen kommen wird. Auch durch noch so viel Innovation werden Sie den Wind nie dazu bringen, stets und immer mit der gleichen Geschwindigkeit zu wehen. Auch durch noch so viel Innovation werden Sie die Sonne nie dazu bringen können, auch nachts zu scheinen! Und genau darum ist das mit den „Erneuerbaren“ ein sündhaft teurer Irrweg mit schweren gesellschaftlichen und politischen Folgen; von den flächendeckenden verheerenden, auf Jahrzehnte hinaus nicht reparierbaren Umweltschäden (auch nicht durch Innovation rasch reparierbar!) mal ganz abgesehen.
Wenn Innovation dazu führt, dass aus einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung eine immer unsicherer und teurer werdende Energieversorgung führt, dürfte das kaum im Sinne des Erfinders sein!
Stichwort Energieversorgung – hier gibt es einen Bereich, der geradezu nach Innovationen schreit! Und diesen Bereich erwähnen Sie mit keinem einzigen Wort: Kernkraft!
Immer wieder denkt man bei diesem Stichwort an Fukushima, aber das war eine Havarie und keine Katastrophe. Durch die Havarie ist nämlich kein einziger Mensch zu Tode gekommen. Gegenteilige Behauptungen oder deren suggestive Unterstellung sind eine Lüge, die auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer wird – und diese Lüge ist ziemlich pietätlos gegenüber den zehntausenden Opfern, die das Erdbeben und der Tsunami gefordert haben.
Stichwort radioaktiver Abfall – ja kruzitürken, wenn das ein Problem ist, muss es natürlich innovativ gelöst werden! In Deutschland ist das zwar seit Jahrzehnten verboten, aber im Ausland (Europa und weltweit!) IST dieses Problem bereits gelöst. Es gibt inzwischen Kernkraftwerke, die vergleichsweise klein und handlich sind, die keine Schutzhülle, keine Kühlflüssigkeit und keine „Endlagerung“ mehr benötigen. Mehr noch, für diese neue Generation von Kernkraftwerken ist das, was in Deutschland als „radioaktiver Abfall“ bezeichnet wird, ein dringend benötigter und auch sehr wertvoller Rohstoff zur Energiegewinnung. Nur in Deutschland redet man sich die Köpfe heiß, wie man das Zeug einfach in der Erde verbuddeln kann. Mal ‘ne Frage: Was in aller Welt bitte schön ist daran innovativ?
Das glauben Sie nicht? Dann googeln Sie doch mal nach „Dual Fluid Reactor“. DAS ist Innovation! Und auch das ist sicher gerade erst der Anfang. Da ist wirklich noch sehr viel Raum für weitere Innovationen (was außer in Deutschland ja auch weltweit mit Hochdruck praktiziert wird) – hin zu einer umweltfreundlichen, abfall- und abgasfreien (!) Energieversorgung, die sicher, bezahlbar und unerschöpflich ist – und die GANZ OHNE SUBVENTIONEN auskommt. Was die Sicherheit betrifft: Diese neue Generation von Kernkraftwerken ist sozusagen „unkaputtbar“. Man kann sie auch beim besten Willen nicht dazu bringen, Radioaktivität freizusetzen – nicht einmal mit einer noch so innovativen bösen Absicht – es geht einfach nicht! Auch nicht mittels eines Erdbebens oder eines Tsunamis – und schon gar nicht, wenn man ein Düsenflugzeug darauf schmeißt.
All dies haben Sie mit keinem Wort erwähnt. Und das nennen Sie Innovation? Also, vergießen Sie nicht so viele Tränen über fehlende Innovation! Vergießen Sie Ihre Tränen lieber, weil Innovation in einem zentralen Gebiet unserer Wirtschaft in Deutschland verboten und unser technisch einst führendes Land diesbezüglich längst ins Hintertreffen geraten ist – allein aus ideologischen, alle Fakten leugnenden Prinzipien!
-------------------
Liebe Redaktion, unten stellen Sie die Frage, wie ich unsere Zukunft einschätze. Meine Antwort:
Im globalen Maßstab sehr positiv. In Deutschland aber katastrophal, solange das EEG nicht abgeschafft wird!
Freundliche Grüße Chris Frey

Ernsthafte Wissenschaftler sprechen auch nicht von Katastrophe, sondern entwickeln faktenbasierte Szenarien, um zu wahrscheinlichen Zukunftsprognosen zu kommen.
Aber das, was Herr Straubhaar hier äußert, ist eine Katastrophe. So viel wissenschaftliche Ignoranz, noch dazu in einem christlichen Magazin, das läßt sich nicht mit naivem Glauben entschuldigen.
Da kann ich Herrn Straubhaar nur empfehlen, wenigstens mal die letzte gemeinsame Erklärung der EKD und der Bischofskonferenz vom Februar 2014, "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft", zu lesen, da werden doch sehr viel realistischere und empirisch fundierte Aussagen getroffen.

Dass alle Vorhersagen des Berichts "Grenzen des Wachstums" nicht eingetroffen seien, ist schlicht falsch. Auch hier wäre als Lektüre der neue Bericht an den Club of Rome "2052" von Jorgen Randers zu empfehlen, der schon bei dem Report von 1972 mitgeschrieben hat.
Schade, dass so ein "blauäugiger Fortschrittsoptimismus" von einem Wirtschaftsprofessor alle zarten Pflänzchen einer beginnenden Postwachstumsökonomie niederwalzt.