Gewalt im Südsudan

Tage der Gewalt

Ruandische Soldaten der UNMISS Mission bewachen am 18. Januar 2014 das IDP (Internally Displaced Person) Camp in Tom-ping, Juba, South Sudan. Foto: picture alliance, UN Photo/Isaac Alebe Avoro Lu'ba

Als vor 30 Jahren Bürgerkrieg im Sudan ausbrach, flohen viele Familien in den Norden. Nachdem der Südsudan 2011 unabhängig wurde, kehrten sie voller Hoffnung in den jungen Staat zurück. Doch nun bricht auch hier wieder Gewalt aus

Vor einem Jahr bin ich mit meiner Frau und den Kindern zurückgekehrt in den Süden Sudans. Als ich vor dreißig Jahren dort wegging, herrschten Bürgerkrieg, Gewalt und Armut. Zehntausende flohen in den Norden, wir siedelten uns in der Hauptstadt Khartum an. Nachdem der Südsudan 2011 ein eigener Staat wurde, zieht der Flüchtlingsstrom nun dorthin zurück.

Wie es uns hier geht? Fast vierzigtausend Menschen leben in Flüchtlingscamps. Wir haben fürs Erste bei meinem Bruder Ambrose in der Hauptstadt Juba einziehen können. Etwas außerhalb der Stadt baue ich ein kleines Häuschen, das aber noch nicht fertig ist. Ich habe hier keine Gemeinde, bin aber viel als Seelsorger und Vermittler unterwegs, etwa bei ethnischen Konflikten. Mit meinem Bruder habe ich einen Verein gegründet, der sich für Friedenserziehung einsetzt. Seit dem 15. Dezember ist der Frieden aber wieder weit weg gerückt. In Juba und anderen Städten begannen tage­lange blutige Unruhen, Hunderte Menschen starben. Seitdem flammt die Gewalt immer wieder auf. Es bekämpfen sich Rebellen und Regierungstreue und, davon ausgehend, die beiden großen ­Ethnien Dinka und Nuer.

Es waren sehr traurige Weihnachtstage. Die Menschen haben ihre Toten begraben, nach Angehörigen gesucht, einige waren auf der Flucht oder versteckten sich. Die Angst vor der Nacht war groß, wegen der Überfälle. Viele Familien in Juba haben Weihnachten im Krankenhaus verbracht, bei ihren Verwundeten. Auch wir: Einer meiner Neffen war schwer am Bauch verletzt worden. Ihm geht es immer noch schlecht. Er muss wohl zur Weiterbehandlung nach Khartum ausgeflogen werden. Wir beten und hoffen für ihn – und für Frieden in unserem Land.

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