Gerhard Schröder: Suchend und zweifelnd

Dirk von Nayhauß

Haben Sie eine Vorstellung von Gott? Das ist eine Frage, über die ich ungern rede – und mit der ich nicht fertig bin. Ich begreife mich sozusagen als Suchenden und gleichwohl Zweifelnden.

Ich denke, dass uns auch in den Zweifeln ein Bild Gottes erscheinen kann, so verstehe ich das jedenfalls, und damit kann ich gut leben. Vor Menschen, die im Glauben Halt finden, die dieses Gottvertrauen haben, das mir – noch – fehlt, habe ich aber großen Respekt.

Und was mir am Protestantismus vor allem gefällt, ist die Klarheit, die Nähe zur Vernunft und die Abwesenheit von Brimborium. Trotz meiner Zweifel habe ich zu keinem Zeitpunkt erwogen, aus der Kirche auszutreten.

Auch weil in der Kirche und der Diakonie so viele Menschen eine großartige Arbeit leisten. Als Bundeskanzler habe ich nie um den Beistand Gottes gebeten.

Auf die Idee, politische Entscheidungen aus einem Zwiegespräch mit Gott abzuleiten oder Kritik mit Gottes Hilfe zu verarbeiten, wäre ich nie gekommen.

Gerhard Schröder

Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und fünf Jahre lang SPD-Vorsitzender. 1944 geboren, machte er zunächst ­ eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, holte das Abitur nach und studierte Jura. Seine Regierungszeit als Bundeskanzler war geprägt von der Agenda 2010 und seiner Weigerung, an der Seite der USA in den Irakkrieg zu ziehen. Heute arbeitet Schröder als Berater in der Wirtschaft, hält Vorträge und ist im Aufsichtsrat der von Gazprom dominierten Nord Stream AG. Gerhard Schröder hat mit seiner Frau, Doris Schröder-Köpf, zwei Kinder aus Russland adoptiert und lebt ­ in Hannover.

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Lesermeinungen

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht an Geschichten, die relativ ungebildete Leute vor 2000 Jahren aus dem Hörensagen aufgeschrieben haben. Aber ich bewundere die Art, wie Gerhard Schröder damit umgehen kann. Es ist ein seltenes Talent, zwischen Religiösen und Atheisten geistige Bande knüpfen zu können.

Iselinde schrieb am 1. November 2014 um 18:23: "Es ist ein seltenes Talent, zwischen Religiösen und Atheisten geistige Bande knüpfen zu können." An welche geistigen Fesselspiele zwischen Gottesfürchtigen und Gottlosen Sie denken und was daran so begrüßenswert sein soll, weiß ich nicht. Der Herr Lobbyist und Altbundeskanzler Dr. Gerhard Schröder spricht in seiner Stellungnahme nirgendwo von den Ungläubigen. Er bekundet stolz, dass er nie an Kirchenaustritt auch nur gedacht hat. Ebenso weist er stolz auf die Markenzeichen jedes anständigen Gläubigen hin, Suche und Zweifel nämlich, Weiterhin verbeugt er sich vor denen, die den Schwerpunkt lieber auf Gottvertrauen legen. Selbstredend lobt er die schlecht bezahlten Diakoniebeschäftigten. Und schließlich sieht er eine Nähe zwischen Vernunft und Protestantismus. Für diese Aussage braucht er den Staatsanwalt nicht zu fürchten, denn im Gegensatz zur Gotteslästerung ist Vernunftlästerung nicht strafbewehrt. Also eine rundum gelungene Selbstdarstellung eines gläubigen Zeitgenossens.

Da kann ich meinen evangelischen Glauben aufgeben wenn in der Bildergalerie Menschen dargestellt werden, die total fehl am Platze sind. Einen "Altbundeskanzler" als gläubigen Christen in den Mittelpunkt zu stellen ist für mich so fatal, dass ich kaum Worte dafür finde, dies zu beurteilen. Einen Menschen, der Selbstmächtigkeit, Selbstsucht und nur dem Profit nachjagende Eigenschaften hat und dem Land mehr Schaden als Nutzen brachte eine solche Aufmerksamkeit zu schenken, ist bestes Beispiel dafür, wie oberflächlich und eine nur dem Eigennutz nacheifernde Gesellschaft besteht!

Die ersten Christen waren Augenzeugen des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu und haben ihr Zeugnis mit dem Leben bezahlt, freiwillig. Es gibt sehr viele Dokumente darüber und die Sache ist noch nicht einmal 2000 Jahre her. Dass das intelligente Menschen nicht beherzigen, kann ich nur so verstehen, dass sie es nicht WOLLEN. :-(