Kindheit im Hochhaus

Foto: privat

Wenn der familiäre Rückhalt auf Sizilien wegfällt, geraten viele Kinder und Jugendliche leicht in die Fänge der Mafia und rutschen in die Kriminalität ab. Das Jugendzentrum "Centro Iqbal Masih" möchte das verhindern und springt ein

„Es ist so was wie Freundschaft ent­standen“, sagte Marco, ein Betreuer vom „Centro Iqbal Masih“ in Catania. Das Jugendzentrum, das wir als Gemeinde unterstützen, liegt im Hochhausviertel Librino am Rande der Großstadt. Im Erdgeschoss eines unbewohnten und nie ­­fertig gewordenen Hochhausskeletts aus Beton kümmern sich junge Studenten und Studentinnen der Sozialarbeit täglich um zahlreiche Kinder zwischen fünf und 15 Jahre. Sie helfen bei den Hausaufgaben und spielen in der benachbarten Ruine eines Stadiums mit ihnen Fußball, Rugby, Volley- oder Basketball. 

Normalerweise erleben sizilianische Heranwachsende eine liebevolle, aufmerksame Betreuung, zumeist durch die Großfamilie. Doch wenn die familiäre Struktur nicht mehr trägt, wenn man verwahrt wird im anonymisierten Hochhaus und die Eltern die Erziehung der Kinder nicht gewährleisten können, greift kein Sozialplan und keine staatliche Fürsorge. Das „Centro Iqbal Masih“ ist die einzige Institution, die auch zwischen den Kindern und den direkten Anwerbungen der Mafia für Kleinkriminalität steht. Es ist nach einem Jungen in Pakistan benannt: Er wurde getötet, weil er die verheerende Kinderarbeit in den Teppichknüpfereien öffentlich bekannt machte. 

Seit zwei Jahren fließt der Erlös unseres Adventsbasars in das Zentrum. Letztes Jahr konnten wir damit den Kauf zweier Generatoren ermöglichen, um Licht in die fensterlosen Räume zu bringen. Die wichtigste Aufgabe unserer kleinen Gemeinde ist es aber, die Kinder zu begleiten und auch die Sozialarbeiter mit ihrer kräfte­zehrenden Arbeit. Obwohl unsere Ge­meinde auf Sizilien weitverzweigt ist und auch andere Projekte betreut, wollen wir diese Freundschaft weiter pflegen und demnächst sogar Deutschkurse anbieten. Vielleicht gibt es ja ähnliche Einrichtungen in Deutschland, die an einem regen Austausch mit den Kindern von Librino interessiert sind?

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