Costa Rica bei WM in Brasilien

Ein tanzender Präsident

Foto: Markus Platte

Der Underdog Costa Rica hat bei der WM in Brasilien die Massen begeistert. Die Mannschaft hat sich als Vorbild für den Küstenstaat präsentiert.

Markus Plate

Markus Plate ist Journalist und arbeitet für „Brot für die Welt“ in einem Kommunikationszentrum in Costa Ricas Hauptstadt San José.
Costa Rica war die Überraschung der WM. Gestartet als Außenseiter, zog das kleine Land an ehemaligen Weltmeis­tern vorbei bis ins Viertelfinale. Und der „Fuente de la Hispanidad“, ein nüchterner Kreisverkehr mit Mall, Fastfood-Drive-in unter einer hässlichen Autobahnbrücke, mutierte zum Jubelareal. Selbst der Präsi­dent jubelte von der Brücke und tanzte durch die Menge. „¡Si se puede!“ war das millionenfach skandierte Motto dieser WM, frei nach Obamas „Yes, we can!“.

Costa Rica war plötzlich im globalen Gespräch, und kaum jemand wird in Zukunft das Land mit einer Karibikinsel verwechseln. Jenseits dieser öffentlichen Fröhlichkeit hatte der Turniererfolg aber auch Schattenseiten: Die häusliche Gewalt nahm während der WM deutlich zu, wohl bedingt durch den Cocktail aus Fußballhys­terie, Machismo und Alkohol. Während des Achtelfinales gegen Griechenland gingen unter der Notrufnummer 911 doppelt so viele Hilferufe ein wie an Durchschnittstagen. Die Regierung stockte daraufhin die Zahl der Einsatzkräfte auf. Und die Mannschaft reagierte aus Brasilien mit einer Anti-Gewalt-Kampagne.
 

Ein hart arbeitender Freundeskreis

Der Erfolg der Sele – der Nationalmann­schaft – hat einen weiteren Preis. Die Spieler werden nun in Europa zu millionenschweren Objekten des legalen Menschenhandels, die kleine nationale Liga wird wohl ihre letzten National­spieler an potente Clubs jenseits des Atlantiks verlieren.

Doch noch feiert Costa Rica seine Mannschaft, in der sich verschiedene soziale Gruppen wiederfinden können: Stürmer Joel Campbell ist Afrokaribier. Torjäger Bryan Ruiz stammt aus einem ­Armenviertel. Innenverteidiger Óscar Duarte gehört zur Gruppe nicaraguanischer Migranten, die oft diskriminiert werden. Und Trainer Jorge Luis Pinto ist Kolumbianer – auch die kolumbianische Gemeinde ist nicht wohlgelitten. Diese Elf präsentierte sich als buntes Kollektiv und als enger, solidarischer und hart arbeiten­der Freundeskreis. Und gilt bereits als Rezept für ein erfolgreiches und friedliches Costa Rica.

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