Wie viele Emissionen verursacht meine Kirchengemeinde?

Eine pragmatische Lösung

Frank Gärtner - www.frankgaertn

Die Kohlendioxid-Emissionen vermeiden, reduzieren, ausgleichen - das ist das Motto des kirchlichen Kompensationsfonds Klima-Kollekte. Wie das geht, wenn man z.B. die Weihnachtsfeier der Kirchengemeinde umweltfreundlicher gestalten will, erläutert Rike Schweizer.

Frau Schweizer, eine emissionsfreie Gemeindeweihnachtsfeier – was ist das und wie funktioniert das?

Emissionsfrei kann leider keine Feier stattfinden. Aber eine Gemeinde tut schon sehr viel, wenn Sie durchdenkt, wo Emissionen eingespart und reduziert werden können: beispielsweise durch vegetarische Verpflegung oder vegane Weihnachtskekse. Ziemlich klimaschädlich sind gewöhnliche Kerzen aus Palmöl, viel ökologischer sind Bienenwachskerzen.

Und kauft man noch Emissions-Zertifikate für das gute Gewissen?

Wir finden, das ist eine pragmatische Lösung, wenn man den Kohlendioxid-Ausstoß verringern will. Dann wird das wirklich eine klimafreundliche Weihnachtsfeier, auf die eine Gemeinde stolz sein kann.

Und was macht dann die Klima-Kollekte mit dem Geld für die Zertifikate?
Mit diesem Geld ermöglichen wir Klimaschutzprojekte. In Indien sparen zum Beispiel Bauern dank des Einsatzes von Solarlampen und Biogasanlagen Kohlendioxid ein. Alle Projekte haben weitere Vorteile. Sie schaffen Arbeitsplätzen und dienen dem Gesundheits- oder Naturschutz. Wir arbeiten in Regionen, in denen der Klimawandel als erstes spürbar ist und wo häufig große Armut vorherrscht.

Was genau ist denn so ein Zertifikat – eine Aktie? Ein Gutschein?
Es ist eine Art Bestätigung, dass durch dieses Projekt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid um zum Beispiel eine Tonne reduziert wurde. Diese eingesparte Tonne wird sozusagen stillgelegt.

Und wer beweist mir als Käufer, dass da irgendwo in Indien wirklich der CO2-Ausstoß reduziert wurde?
Die Kontrollen sind sehr streng. Jährlich kommen unabhängige Gutachter zu unseren Projekten. In Indien sind das zum Beispiel die indischen Kollegen vom TÜV-Süd oder TÜV Rheinland.

Und wie errechne ich als Kirchengemeinde, was und wie viel Treibhausgase ich verursacht habe?

Mit dem Emissionsrechner auf der Website der Klima-Kollekte gGmbH. Sie geben ein, wie weit Sie geflogen sind, wie viel Strom Sie verbraucht haben – oder eben Ihr Gemeindefest.

Was kostet mich der Ausgleich für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach München?
Mit diesem Flug emittieren Sie etwa 220 Kilogramm Kohlendioxid. Ein Ausgleich durch den Kauf von Zertifikaten bei uns kostet Sie circa 5 Euro. Mit der Bahn lägen Sie viel besser: Da stoßen Sie nur etwa 50 Kilo Kohlendioxid aus.

Und das funktioniert wirklich?

Wir brauchen mehr Nutzerinnen und Nutzer. Deshalb wenden wir uns jetzt an Kirchengemeinden. Bei Großveranstaltungen wie dem Deutschen Katholikentag konnten schon mehr als 800 Tonnen kompensiert werden. Und unser Anliegen wurde bekannter.

Rike Schweizer

Rike Schweizer, Jahrgang 1984, ist  Diplom Sozialwissenschaftlerin und seit 2,5 Jahren für wissenschaftliche Begleitung, CO2-Bilanzierung und Öffentlichkeitsarbeit  bei der Klima-Kollekte GmbH, des christlichen CO2-Kompensationsfonds der evangelischen und katholischen Kirche  
Foto: privat

Leseempfehlung

Bundesregierung und Wissenschaftler streiten um Rolle des Emissionshandels
Es gibt genug Lebensmittel auf der Erde. Dennoch hungert eine Milliarde Menschen: Das lässt sich ändern
Sauberen Strom wollen alle. Aber Überlandleitungen und Windräder – die verschandeln die Landschaft! Oder?

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.