Ägypten vor der Wahl

APAImages / Polaris/laif/Mohammed Bendari/Polaris/laif

Jetzt herrschen Hardliner. Doch der nächste Umbruch kommt bestimmt

Er heißt Mahmoud Abu Zaid, aber alle nennen ihn Shawkan. 27 Jahre alt, Fotograf. Seit Mitte August sitzt er im Gefängnis. Ohne Prozess, nicht einmal  Anklage wurde erhoben. Shawkan wurde verhaftet, als Sicherheitskräfte die Protestlager der Anhänger des im Juli gestürzten Präsidenten Mohammed ­Mursi stürmten. Hunderte wurden getötet, Tausende verletzt, mehr als 10 000 sollen seitdem verhaftet worden sein. Muslimbrüder und Leute wie Shawkan, der quasi aus Versehen ­dazwischengeraten ist. Eigentlich dürfte er auch nach ägyptischem Recht nicht hier sitzen. Er ist Fotoreporter. Allerdings glaubt ihm die Staatsanwaltschaft nicht: Er hatte keinen ­gültigen Presseausweis. Und dass sein Name unter Bildern in internationalen Magazinen steht? Na, das kann ja jeder sagen!

Ein Hardliner kann das Land nicht befrieden

Die neuen alten Herrscher nehmen Rache an denen, die sie 2011 von der Macht vertrieben. Sie gehen mit Willkür vor und halten Leute wie Shawkan lange fest, um Oppositionelle abzuschrecken. Es soll niemand mehr auf die Idee kommen, eine Revolution anzuzetteln. Die Rechnung geht auf, zumindest für den Moment. Das zeigte sich ganz deutlich Ende März, als ­ein Richter in einem Schnellprozess 529 Angeklagte zum ­Tode verurteilte. Proteste blieben aus. Die Menschen stehen unter Schock. Sie haben Angst vor einer Staatsgewalt, die unberechenbar geworden ist.

Besserung ist nicht in Sicht. Bei den für Mitte Mai geplanten Präsidentschaftswahlen wird aller Voraussicht nach Ex-Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi gewählt werden. Er tritt mit dem Versprechen an, mit starker Hand Ägypten wieder in sichere Bahnen zu lenken. Doch auch dieser Hard­liner kann das Land nicht befrieden. Schon jetzt kommt es täglich zu Anschlägen. Radikale Islamisten nehmen blutige Rache für Mursis Sturz. Die Situation scheint aussichtslos.

Doch Ägypten wäre nicht Ägypten, wenn alles so käme wie vorhergesagt. Wie hoffnungslos war die Stimmung genau vor einem Jahr! Mit Mursi schien Ägypten in eine neue Diktatur zu schlittern. Nicht einmal zwei Monate später war er abgesetzt. Zwar sieht es heute nicht sehr viel besser aus als damals, aber immerhin besteht Hoffnung: Der nächste Umbruch kommt bestimmt, und vielleicht wird aus Ägypten doch einmal ein freies Land.

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