Schwarzwälder Moral

Foto: Saba Laudanna

Die Kirche und das Thema Sexualität: oft ein Trauerspiel

Mit dem Thema Sexualität tun sich die Kirchen in Deutschland schwer. Während die katholische weiter mit dem Thema pädophile Priester kämpft, scheinen in der evangelischen die Beratungen über eine schon lange geplante „Sex-Denkschrift“ zu stocken, die kirchlichen Flügel sich gegenseitig zu blockieren.

Bei einem Punkt zeigten die Katholiken und Protestanten aber verblüffende Entschlossenheit, jedenfalls in Baden-Württemberg: in ihrer Kritik an einem Bildungsplan des Landes für  2015. Der Unterricht, so war dort angedacht, solle neben vielen grundsätzlichen „Leitprinzipien“ (zum Beispiel die der Medienkompetenz, Berufsorientierung, Nachhaltigkeit) auch die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ fördern. Nicht als Hauptthema, sondern als Querschnittsthema, das ­also immer mal wieder vorkommt. Die Landeskirchen warnen allgemein vor ­einer Indoktrination „im sensiblen Bereich der sexuellen Identität“. Ein religiös konservativer Realschullehrer aus Nagold im Schwarzwald schießt übers Ziel hinaus. Er hat eine Onlinepetition gegen die „Ideologie des Regenbogens“ ins ­Rollen gebracht, unterstellt eine Umerziehung der Schüler.

Gibt es da einen Schulterschluss der Landeskirchen mit den evangelikalen Kritikern der Homosexualität? Nein. Aber die Kirchen, sonst um moderne Pädagogik bemüht, müssen höllisch aufpassen, dass ihr Lawieren beim Thema Sexualität nicht von evangelikalen Minderheiten ­genutzt wird, ihre rückwärtsgewandte Sexualethik zu propagieren. Gut, dass die Kirchen im Südwesten auch nun wieder das hohe Lied der Toleranz und Menschenrechte angestimmt haben. Mehr Mumm erfordert es, gegen die populistischen Pressionen von Moralisten direkt Position zu beziehen.

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Lesermeinungen

Raymond Hinton schrieb am 25. Februar 2014 um 17:09: "Ganz eindeutige Sprache!" Sehr richtig! Nicht nur eindeutige Sprache, sondern vor allem eindeutiger Inhalt, nämlich astreine biblische Hetze gegen Homosexuelle. Wem so was gefällt, ist bestens aufgehoben bei den Gläubigen, die sich an solcher Lektüre erfreuen. Früher waren das weitgehend alle Christen. Heutzutage richtet sich der christliche Zorn mehrheitlich nicht mehr gegen Sexualsünder, sondern gegen Ökosünder, die mit Auto und Plastiktüte im falschen Geschäft die falschen Produkte kaufen. Der Glaube ist eben zu allen Zeiten eine recht lebendige Angelegenheit mit unterschiedlichen Fraktionen.

Mehr mumm erfordert es, gegen die Moralisten direkt Position zu beziehen?!

Römer 1:24 Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, sodass ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden, 25 sie, die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen.26 Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; 27 desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

Ganz eindeutige Sprache! Aber man kann in einem antichristlichen Onlineblatt wonsavon die Rede ist, dass die Schriften um Jesus nur Legenden sind auch nicht mehr erwarten...

Die Aussage, chrismon sei antichristlich, ist anmaßend. Ferner ist die Behauptung, in chrismon sei die Rede davon, die Schriften um Jesus seien nur Legenden, falsch und nicht nachweisbar. Eine solche Aussage hat es in chrismon nie gegeben und wird es in chrismon nie geben. Dass einige biblische Erzählungen - etwa die um die Geburt Jesu - legendarischen Charakter haben und um alttestamentliche Zitate herum komponiert wurden, dafür gibt es sehr gute Argumente. Wer täglich in seiner Bibel liest, dem wird es leichter fallen, solche Argumente nachzuvollziehen, als jemandem, der aus dogmatischer Voreingenommenheit heraus urteilt. Burkhard Weitz, chrismon Redakteur