Rosa Parks gegen die Rassentrennung in den USA

Sitzen bleiben, damit’s weitergeht

Marco Wagner

„In einem einzigen Augenblick hat sie mit der einfachsten aller Gesten geholfen, Amerika zu verändern – und die Welt.“ Mit diesen Worten enthüllte im vergangenen März US-Präsident Barack Obama das Denkmal zu Ehren von Rosa Parks im Statuensaal des Weißen Hauses in Washington – wenige Wochen zuvor, am 4. Februar, hatte sich ihr Geburtstag zum 100. Mal gejährt.

Am 1. Dezember 1955 kam Rosa Parks zurück von der Arbeit in einem Kaufhaus in Montgomery/Alabama. Sie war Näherin. Im Bus setzte sie sich gleich hinter das Zeichen, das die vorderen Sitzplätze für Weiße von den Sitzplätzen für Schwarze trennte. Im Laufe der Fahrt füllte sich der Wagen, weiße Mitreisende standen im Mittelgang. Der Busfahrer lief nach hinten, um die Trennline weiter zurückzuverlegen. Drei schwarze Mitreisende standen auf, um ihren Platz Weißen zu überlassen. Rosa Parks blieb sitzen.

Weil sie ihren Sitzplatz im Bus nicht räumen wollte, benachrichtigte der Busfahrer die Polizei, Rosa Parks kam in Untersuchungshaft. Später am Abend wurde sie gegen Kaution freigelassen, ein Gerichtsverfahren sollte folgen.

Am Morgen des 5. Dezember 1955 beschloss eine Gruppe von Bürgerrechtsaktivisten, die Anklage zum Anlass für Proteste zu nehmen. Der Baptistenpfarrer Dr. Martin Luther King, zu dieser Zeit noch wenig bekannt, sollte die Aktion anleiten. 500 örtliche Unterstützer begleiteten Rosa Parks zu ihrem ersten Gerichtstermin. Die 42-Jährige wurde für schuldig befunden, die Anweisung eines Stadtbediensteten missachtet zu haben. Das Urteil: 10 Dollar Bußgeld und 4 Dollar Gerichtsgebühr.

Später berichtete Rosa Parks, nicht aus Müdigkeit sei sie sitzen geblieben. „Ich war es einfach leid, nachzugeben.“ Damals ­redete der Busfahrer auf sie ein. „Warum stehen Sie nicht auf?“ – „Ich glaube nicht, dass ich aufstehen muss“, erwiderte Rosa Parks. Tatsächlich, so stellte sich im Gerichtsverfahren heraus, gab es in Mont­gomery trotz offizieller Rassentrennung keine solchen Regeln. Es war einfach üblich, dass die Busfahrer schwarze Mitreisende von den Plätzen verwiesen.

Mehr als spontane Eingebung

Mit ihrer Beharrlichkeit löste Rosa Parks den größten Busboykott der Geschichte aus. 381 Tage weigerte sich die Mehrzahl der rund 40 000 schwarzen Pendler in Montgomery, Busse zu besteigen. Sie behalfen sich mit Sammeltaxis, Fahrgemeinschaften – und viele Menschen liefen zu Fuß zur Arbeit. Am Ende musste die private Busgesellschaft klein beigeben. Sie konnte – ebenso wie viele Geschäfte in der Innenstadt – die Einnahmeverluste nicht länger verkraften.

Rosa Parks’ Protest war mehr als eine spontane Eingebung. An ihre Großeltern mütterlicherseits, frühere Sklaven, bei denen sie längere Zeit wohnte, hatte sie prägende Erinnerungen. Einmal zogen Mitglieder des rassistischen Ku-Klux-Clans an ihrem Wohnhaus vorüber – und der Großvater zeigte sich wehrhaft. Er stellte sich mit geladener Waffe vor das Haus, für die schwarze Bevölkerung damals eine ­ungewöhnliche Demonstration der Stärke.

Die Mutter brachte Rosa schon im Vorschulalter das Lesen bei. Rosa besuchte Schulen mit Rassentrennung bei und in Montgomery, doch weil ihre Großmutter krank wurde, verließ sie die Highschool vor dem Abschluss. Mit 19 Jahren lernte sie ihren späteren Mann kennen, der sie unterstützte, den Schulabschluss nach­zuholen. Raymond Parks war Mitglied der NAACP, der „Nationalen Vereinigung zur Förderung farbiger Menschen“. 1943 wurde Rosa Parks aktives Mitglied der Bürgerrechtsbewegung.

Ein Symbol des Widerstands zu sein, brachte für Rosa Parks zunächst nur Nachteile. Sie verlor ihren Job im Kaufhaus. Ihr Mann wurde gefeuert, weil er gegen das Verbot seines Chefs verstoßen hatte, über seine Frau und ihr Gerichtsverfahren zu reden. Die Parks zogen nach Michigan. ­Rosa fand Arbeit bei einem Kongressabgeordneten. Später gründete sie ein „Institut für Selbst-Entwicklung“, führte Touristen auf „Freiheitspfaden“ zu Erinnerungsorten der Bürgerrechtsbewegung. Als sie 83 Jahre alt war, verlieh Präsident Bill Clinton ihr die „Freiheitsmedaille des Präsidenten“, die höchste Auszeichnung der USA. Eine Anerkennung für eine kleine Geste, welche die Weltmacht Amerika veränderte.

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