Gemeinde 2013: Opstahn, Lüüd!

1. Preis für die Evangelisch-Lutherische Apostelkirche Neuburg und... Fotos: Isabela Pacini

chrismon suchte die Gemeinde 2013 - zahlreiche Bewerbungen gingen ein. Nun wurden auf dem Kirchentag in Hamburg die Preise übergeben. Ein Nachmittag mit Gedanken zur Gemeinde der Zukunft und "Dat Plattdüütsche Hoochgebeed"

Gunda Herrmann  ist eine der ersten am Donnerstagnachmittag, die sich im Ökumenischen Forum in der Hamburger HafenCity einfinden. Ihre Gemeinde, die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bargteheide, hat den dritten Platz im chrismon Gemeinde-Wettbewerb belegt. "Alle haben geklatscht in der Kirche, wir haben uns so gefreut, dass unsere Gemeinde unter den Siegern ist!", sagt sie.


Etwa hundert Mitglieder der Gewinner-Gemeinden, Kirchentagsbesucher und Interessierte sind zur Preisverleihung gekommen. Für bunte musikalische Begleitung sorgt ein der ghanaische Chor der Methodistischen Gemeinde Berliner Tor in Hamburg. chrismon-Chefredakteur und Jury-Mitglied Arnd Brummer führt durch den Nachmittag: "Im vergangenen Jahr hatten wir die Schnapsidee, einen 'Gemeinde-Oscar' zu verleihen." Die Resonanz war sehr gut, also ging der Gemeindewettbewerb 2013 in die zweite Runde. 135 Gemeinden aus ganz Deutschland hatten sich beworben, über 235.000 Menschen haben sich an der Abstimmung beteiligt, so die Bilanz in diesem Jahr. Das Besondere diesmal: Es gibt zwei erste Plätze, zwei Gemeinden erhalten je 3750 Euro.

QR-Code und Werbung beim Fußballclub


Die Evangelische St. Matthäus-Gemeinde Bremen und die Evangelisch-Lutherische Apostelkirche Neuburg an der Donau, die beiden Erstplatzierten, nehmen das Preisgeld unter Applausvon Jürgen Mathuis, dem Vorstand der Pax Bruderhilfe, entgegen. Die Entscheidung der Jury fiel auf die Bremer Gemeinde, weil sie ein offenes Kinder- und Jugendzentrum inmitten eines sozialen Brennpunktes eingerichtet hat, dafür rund 1,6 Millionen Euro Spenden sammelte und "die Fähigkeit besitzt, immer wieder Neues zu probieren", so Arnd Brummer. Die Matthäus-Gemeinde teilt sich den Platz mit der Apostelkirche, die als evangelische Kirche in einem vorwiegend katholisch geprägten Umfeld den Neubau des einzigen evangelischen Kindergartens im Landkreis erwirkt hat. Johannes de Fallois, Pfarrer in der Neuburger Gemeinde, weist auf die Möglichkeit hin, die der Wettbewerb mit sich brachte: "Wir sind auf die Menschen zugegangen und haben sie gebeten, uns beim Publikumsvoting zu unterstützen – schon waren wir im Gespräch mit ihnen." Gemeindemitglieder haben einen QR-Code erstellt, ausgedruckt und verteilt, damit Smartphone-Besitzer direkt auf die Abstimmungsseite gelangen konnten. Und sein Sohn habe sogar bei seinem Fußball-Verein für die Abstimmung geworben.

Weil sie ein Thema in den Blick rückt, das wenig Beachtung findet, hat die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bargteheide den dritten Platz erreicht. Die Gemeinde, so Arnd Brummer, habe die "Himmlische Stadt der Kinder" geschaffen – ein Ort für sogenannte "Sternenkinder", die kurz vor oder nach der Geburt gestorben sind.

Pastor und Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, betont in seinem "Wort zur Zukunft der Gemeinde" wie wichtig es für Gemeinden sei, Kooperationspartner zu finden. Ehrenamtliche sollten nicht nur als Helfer einbezogen werden, sondern vielmehr als Mitbestimmer. Er wünscht sich, dass die Gemeindemitglieder fröhlich, offensiv und lebendigt von ihrem Glauben erzählen – ohne zu bedrängen, und Verantwortung in der Stadt sowie in der Gesellschaft tragen.


Weiter geht es mit der Preisverleihung: Acht Gemeinden erhalten einen mit je 500 Euro dotierten Förderpreis. Unter anderem gewann die Hamburger Syrisch-orthodoxe Kirche St. Maria & St. Shmuni von Antiochien in der Kategorie "Jugend". "Opstahn, Lüüd!" – Jan Roßmanek, Pastor der drittplatzierten Siegergemeinde aus Bargteheide, bittet die Menschen, zum Gebet aufzustehen, um zusammen "Dat Plattdüttsche Hoochgebeed" zu sprechen. Und am Ende gibt es dann noch ein gemeinsames Lied für die Songbox-Aktion von evangelisch.de: "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt"  - passender hätte dieser Titel nicht sein können.

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