Favio Chávez baut aus Müll Musikinstrumente

Foto: Landfill Harmonic

Virtuos auf Bürsten, Ölkanistern und Löffelstilen

Im Armenviertel Cateura, in der Nähe von Asunción, liegt die größte Müllkippe Paraguays. Hier leben etwa 2 500 Familien, ohne Strom und fließend Wasser. Nicht wenige Jugendliche nehmen Drogen, weil ihnen Arbeit und Perspektiven fehlen.

Die Idee? Favio Chávez  gründete 2006 eine Musikschule, um die Jugendlichen von der Straße zu holen. Schon als Kind war Chávez musikbegeistert: Mit elf Jahren übernahm er den Chor seiner Kirchengemeinde.


Woran fehlt es? An Instrumenten. Immer mehr Kinder möchten Musik machen und kommen in Chávez’ Schule.

Die Rettung? Müll! Ein Freund von Chávez arbeitet auf der Deponie. Als Chávez ihm von seinem Problem erzählte, kamen sie zusammen darauf, Instrumente aus Müll ­zu basteln. Seitdem lautet das Motto des Orchesters: „Die Welt schickt uns Müll. Wir schicken Musik zurück.“

Und das hört sich gut an? Einige der jungen Musiker sind wahre Virtuosen auf ihren Müllinstrumenten. Sie beweisen: Improvisation ist alles! Blechdosen verwandeln sich in Gitarren, gespannte Plastikfolien werden zu Trommeln. Die Flöten waren mal Wasserrohre, der Klangkörper eines Cellos ein Ölkanister. Die Wirbel, mit denen die Saiten gespannt werden, bestehen aus alten Bürsten und Löffelstielen.

Wie entwickelt sich das Orchester? Inzwischen geben die jungen Musiker Konzerte auf der ganzen Welt. Sie bekommen Spenden, manchmal sogar konventionelle Instrumente. Doch das Wichtigste: Sie gewinnen Anerkennung – und eine Zukunft jenseits der Mülldeponie.

Das Landfill-Harmonic-Orchester anhören: http://vimeo.com/52711779

Leseempfehlung

Über Lateinamerika schwappt eine Liberalisierungswelle. Auch in den Kirchen bröckelt die Anti-Homosexualität-Haltung
Chrismon berichtete - chrismon-Leser spendeten für ein Jugendorchester im argentinischen Elendsviertel

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.