Wolfgang Schäubles Äußerungen zu Zypern

Bürger als Spielbälle
Wolfgang Schäubles Äußerungen zu Zypern sind gefährlich für Europa

Wolfgang Schäubles Äußerungen zu Zypern sind gefährlich für EuropaZyperns Geschäftsmodell ist gescheitert, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble – und niemand widersprach. Zyprische Banken hatten Unternehmen und Vermögende dazu verleitet, Briefkastenfirmen auf der Mittelmeerinsel einzurichten, um Steuern zu sparen. Logisch, dass diejenigen, die Zypern nun im Zuge der Eurokrise zehn Milliarden Euro leihen (nicht schenken!), Änderungen fordern.

Was macht ein "Geschäftsmodell" aus den Bürgern eines Staates?

Abgesehen davon, dass sich vorher offenbar niemand mit dem Problem dieser Steuersparstrategie befasst hat – da ist etwas in Schäubles Äußerung, das empören muss: das Wort „Geschäftsmodell“. Staaten, Länder und Regionen haben ihre eigene Geschichte, ihre eigene Kultur. Die kann man nicht zu Geschäftsmodellen degradieren. So ein Sprachgebrauch wirft Fragen auf: Was wird in  einem Geschäftsmodell aus den Bürgern, dem Souverän einer Demokratie? Mitarbeiter? Konsumenten? Oder Kostenfaktoren? Wie sieht so ein Europa der Geschäftsmodelle aus? Die Staaten wären Konkurrenten, ­hierarchisch geordnet – oben die Erfolgreichen, unten die ­Verlierer. Lieber Herr Minister, vielleicht erwächst aus Ihrer Sprache ein Europa der Wirtschaft, der Standorte. Aber ein Europa der selbstbewussten, solidarischen Bürger? Niemals.

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Lesermeinungen

Wa(h)re s Dreamland, die Vorstellung, die Ihnen vorschwebt. Wahr oder nicht wahr, die Globalisierung war reiner Wirtshaftsgedanke, wir fortschrittlichen Bürger flogen der Täuschung entgegen. Die Irrtümer fliegen uns nun wiederum ihrerseits um die Ohren ! Herr Husmann nennt den Bürger den "Souverän der Demokratie ", welch eine wunderbare Bezeichnung ! Nun scheint dieser Souverän in diese seine zukünftige Rolle noch nicht völlig hineingewachsen zu sein. Hoffen wir auf eine gute und starke Zukunft.

Die Empörung von Herrn Husmann ist verständlich. Die selbstbewussten Bürger Europas sind nicht nur Bürger, auch - hoffentlich engagierte - Mitarbeiter, Konsumenten und differenzierte wie selbstbewusste Zeitgenossen, die wissen, welche Dienstleistung sie der Welt verkaufen können. Wer der Welt keinen Dienst leisten kann, ist schlecht dran und muss sich bemühen. Europa ist auch ein Europa der Wirtschaft, oder nicht?