Alltag einer Pfarrfamilie

Von sechs Uhr früh bis abends um neun

Jessica Siegel

Am Sonntag ist Gottesdienst. Aber was tun Pfarrer von Montag bis Samstag? Alltagsbesuch bei einer Pfarrfamilie.

Früh um Viertel nach sechs ist es in Schoßaritz noch ganz still. Kein Trecker draußen auf der Landstraße, keine Motorsäge im nahe gelegenen Wald. Auf dem Frühstückstisch der Familie Meinhard stehen leere Müslischalen, Obst, Schokoflakes. Die Jungen am Tisch rühren sie nicht an. Lars, 8, und Finn, 7, nicht, auch nicht der sonst so lebhafte Jens, 4, und der kleine Rune, 3. Cornelia Meinhard faltet die Hände. Ihr Mann zeigt auf den Jüngsten. "Heute darfst du das Lied bestimmen."

"All Morgen", sagt Rune. Sie singen: "All Morgen ist ganz fri-isch und neu, des Herren Gnad’ und gro-oße Treu, sie hat kein End den ganzen Tag, drauf jeder sich ver­­la-a-assen mag." Die Eltern und die großen Jungs kennen die vier Strophen auswendig. Bei den Kleinen hakt es noch. Dann greifen alle nach ihren Lieblingsflocken.

Auf der Brötchentüte steht nicht "Familie Meinhard" sondern "Pfarrer".

Die Meinhards sind Pfarrer, zwei von rund 14 000 evangelischen Gemeinde­pfarrerinnen und -pfarrern in Deutschland. Mark und Cornelia Meinhard wohnen mit ihren vier Jungs in Schoßaritz, Kirchengemeindebezirk Hiltpoltstein, im Herzen der Fränkischen Schweiz. Dort, wo die Straße zu Ende ist und nur noch ein Forstweg ­weiter über die einsamen Hügel führt. Das richtige Pfarrhaus steht im Nachbarort. Aber es wird gerade saniert, also sind die Meinhards für zwei Jahre in ein Mietshaus ausgewichen.

Meinhards Wohnung ist nur provisorisch eingerichtet: Ikea­regale, Krimskrams zwischen den Pflanzen auf den Fensterbänken, eine auf alt getrimmte Emaillewerbung in der Küche mit der Aufschrift "Wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft".

Im Dorf sind sie Zugezogene, dennoch angesehen und respektiert. Kommt Übernachtungsbesuch mit dem Auto, heißt es am nächsten Morgen: "Gell, Frau Pfarrerin, Sie haben Besuch aus Kassel." Holen Lars und Finn samstagmorgens die Brötchen vom Bäcker, steht auf der Tüte nicht der Familienname, sondern "Pfarrer".

Natürlich steht auf der Brötchentüte von der Bürgermeisterin nicht "Bürgermeis­terin", und auf der von der Lehrerin nicht "Lehrerin". Pfarrer ist mehr als ein Beruf, mit ihm verbindet sich noch immer hohes Ansehen. Weil der Bundespräsident Pfarrer war, sei er besonders glaubwürdig, überzeugend und integer, sagt man. Dass die Bundeskanzlerin gelernt hat, ihre Zunge zu hüten, führt man darauf zurück, dass sie ostdeutsche Pfarrerstochter war. Es spielt auch eine Rolle, dass Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, selbst Pfarrerin, aus einem Pfarrhaus stammt, wo Messerbänkchen die weißen Tischdecken schonten und der Vater vor jedem Mahl ein Gebet sprach.

 

 Morgens früh um sechs beginnt der Tag erstmal mit Frühstücken

Wie sich Pfarrer verhalten, könnte für an­dere beispielhaft sein.

Das evangelische Pfarrhaus existiert seit Martin Luther. Es kann in Deutschland vieles sein: Hort der Bürgerlichkeit, Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse, manchmal auch Ort der Rebellion: Pfarrerssohn Friedrich Nietzsche schockierte seine Zeitgenossen mit seinem Nihilismus. Pfarrerssohn Herrmann Hesse fiel schon als unbotmäßiger Schüler auf. Pfarrerstochter Gudrun Ensslin wurde Terroristin.

Pfarrfamilien stehen unter ständiger Beobachtung. Auch Lars, Finn, Jens und Rune, aber noch spüren die Kinder das kaum. Sie profitieren davon, dass in ihrem Dorf viele Kinder leben.

Nicht um den schönen Schein zu wahren, beten und singen die Eltern mit ihnen vorm Frühstück. Pfarrer ist ein Überzeugungsberuf. Wie sie sonntags auf der Kanzel reden, wollen die Meinhards auch leben. Ihre Frömmigkeit, sagen sie, bestehe darin, über Texte nachzudenken. "Von Worten hängt ab, wie man die Welt betrachtet", sagt Cornelia Meinhard. Dafür stehen sie um Viertel nach fünf auf und nehmen sich jeden Morgen Zeit, einen Bibelvers zu lesen und zu singen.

Wie sie sich verhalten, könnte für an­dere beispielhaft sein. Zum Beispiel die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau – in der ersten Wochenhälfte ist Cornelia, in der zweiten Mark Meinhard für den Haushalt zuständig. Oder dass der kleine Rune mit anderthalb Jahren in die neu eingerichtete Kinderkrippe kam – auch Ein- und Zweijährige nehmen in der Obhut von Erzieherinnen keinen Schaden! Ein Signal an alle Eltern, die auswärts arbeiten. Denn in Hiltpoltstein gibt es nur noch zwei Nebenerwerbslandwirte, Kinder werden heute nicht mehr nebenher auf dem Hof groß.

Pfarrer ist kein Teilzeitjob. Pfarrer ist man immer.

Um sieben verlässt der Vater mit den großen Jungs das Haus. Mark Meinhard muss jetzt eine Dreiviertelstunde Auto fah­ren, er gibt montags und dienstags acht Stunden Religion in einem Nürnberger Gymnasium. Lars und Finn warten in der Dorfmitte auf den Schulbus. Cornelia Meinhard hat noch eine Viertelstunde Zeit, die Kleinen für den Kindergarten fertig zu machen. Dann befreit sie den dunkelblauen Mercedes-Van vom Maschendraht, der den Marder abhalten soll, legt ihre Gitarre in den Kofferraum, schnallt Rune und Jens auf den Kindersitzen fest.

Das Ehepaar Meinhard teilt sich die Pfarrstelle in Hiltpoltstein, dem größeren Nachbardorf von Schoßaritz. Zusammen mit Mark Meinhards 16 Stunden Religion in einem Nürnberger Gymnasium macht das 1,66 Stellen für zwei Pfarrer.

In Wirklichkeit sind beide von früh bis spät im Beruf. Pfarrer ist kein Teilzeitjob. Pfarrer ist man immer. Auch während der 15 Minuten, in denen Cornelia Meinhard ihre Jungen im evangelischen Kindergarten abgibt: Eine Erzieherin fragt die Pfarrerin etwas zum anstehenden Ausflug. Und eine Spende über 100 Euro muss korrekt quittiert werden.

Zu jeder bayerischen Pfarrstelle gehören sechs Stunden Religionsunterricht, Cornelia Meinhard erteilt sie in der Grundschule Hiltpoltstein. Um Viertel vor acht steht sie im Klassenzimmer. Sie packt ihre Gitarre aus, prüft den Tafelanschrieb. Die 18 Schüler sind schon an ihren Plätzen, auch ihr Sohn Lars. Eine Schülerin teilt die Gesangbücher aus.

 

 Cornelia und Mark Meinard unterrichten beide Religionsunterricht am Gymnasium und an der Grundschule

"Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt o Gott von dir."

"Guten Morgen, dritte und vierte Klasse", sagt Cornelia Meinhard um zehn vor acht. Die Kinder schlagen die Gesangbücher auf und singen: "Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe." Sie zählen Bibelgeschichten auf und sagen, welche im Alten und welche im Neuen Testament steht. Sie malen die Tafelaufschrift ab: "Im Anfang war das Wort", steht da auf Altgriechisch. Dazu der Merksatz: "Das Neue Testament wurde auf Griechisch verfasst."

Nach der Doppelstunde sagt Cornelia Meinhard: "Als wir in Hiltpoltstein an­kamen, dachte ich, wir stehen mit vielen religiösen Traditionen auf brüchigem Eis. Aber mit Liedern, Geschichten und Gebeten gibt man den Kindern ja was fürs Leben mit. Ich sage ihnen: Wenn ihr bei einer Hochzeit den Posaunenchor hört, wie er ,Lobe den Herren‘ spielt, wär’s doch schad, wenn keiner mitsingt. Und sie tun es gern."

Halb elf ist Zeit für Einkäufe: beim Metzger, Bäcker. An der Käsetheke beim Edeka spricht eine Mutter mit behindertem Kind die Pfarrerin an: "Kann meine Tochter am Konfirmationsunterricht teilnehmen?" Auf dem Weg zum Auto kommt ein Ehepaar der Pfarrerein entgegen. Cornelia Meinhard guckt überrascht: Der Mann ist ja gar nicht bei der Arbeit! – Er habe eine Operation gehabt und sei krankgeschrieben. Auf dem Heimweg holt Cornelia Meinhard die Kleinen vom Kindergarten ab. Rune fragt: "Was gibt es zu essen?" – "Bratwurst", sagt Cornelia Meinhard. Jens singt: "Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt o Gott von dir." Zu Hause springen die Jungen aus dem Auto. "Sagt ihr grüß Gott zu der Frau Hopfen­gärtner!", ruft die Mutter hinterher. 

Frau Hopfengärtner ist die Pfarramtssekretärin. Vormittags erledigt sie die Arbeit im Pfarrbüro, im Erdgeschoss des Schoßaritzer Übergangspfarrhauses. Sie nimmt Tauf- und Trauanmeldungen entgegen, Anfragen nach Toten­aussegnungen und Beerdigungen. Sie bereitet Quittungen für das Rechnungsamt im Dekanat vor. Heute müssen die Einladungen für den neuen Konfirmandenjahrgang raus.

Das Pfarrerehepaar duzt sich mit niemandem in der Gemeinde.

Cornelia Meinhard schleppt die Einkaufs­taschen zur Wohnung hoch. Unterm Arm klemmt der Briefkasteninhalt: Umschläge, die "Nürnberger Nachrichten", die Mitgliederzeitung von Pro Asyl.

Um halb eins sind auch die Großen wieder daheim am Esstisch. Mark Meinhard fehlt, er kommt erst spät aus Nürnberg zurück. Bratwurstduft zieht durch die Wohnung. "Alle guten Gaben", schmettert Jens. – "Jens, hör auf", schimpft Lars. Cornelia Meinhard tischt das Essen auf. "Finn, heute darfst du das Lied aussuchen." Finn will aber nicht singen. "Ich hol den Tisch­gebets­toaster", sagt er. Auf der Fensterbank steht ein gelbes Plastikgehäuse in Toasterform, darin Karten mit Tischgebeten. Finn nimmt eine und liest vor. – Der Tischgebets­toaster. Ein Kirchenältester hat ihn dem Pfarrerehepaar geschenkt, aus Jux.

Eine Stunde später ist Mittagsstille. Nur auf dem Nachbargrundstück führt jemand lauthals Selbstgespräche. Irgendwo in der Ferne knattert hin und wieder eine Kettensäge. Lars beugt sich am Wohnzimmertisch über seine Mathehausaufgaben. Jens will eine Legofigur aus dem Kinderzimmer holen, das geht aber nicht, weil Rune dort Mittagsschlaf hält. Finn muss zum Tischtennistraining. Cornelia Meinhard fährt ihn mit dem Auto hin. Lars soll in der Zwischenzeit auf Jens aufpassen. Sie vertraut den Jungen, dass sie ruhig bleiben und Rune nicht wecken.

An der Turnhalle trifft Cornelia Meinhard die Schulleiterin. Sie plaudern, eine Viertelstunde, eine halbe Stunde. Mit viel Verspätung kommt sie wieder heim. "Mit der Schulleiterin habe ich eine Wellen­länge", sagt sie. Doch weder mit ihr noch mit sonst jemandem in der Gemeinde duzt sich das Pfarrerehepaar. "Das haben wir so beschlossen, als wir herzogen. In der vorigen Gemeinde haben sich etwa hundert Leute aus dem inneren Kreis geduzt. Das war ein eingeschworener Kreis."

 

 In dem kleinen Ort kennt man sich, so muss auch immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch sein

"Man muss Leute bewundern, die es in einem anderen Beruf  neben einem Pfarrer aushalten."

Cornelia und Mark Meinhard sind weder im Schützenverein noch bei der frei­willigen Feuerwehr noch im Sportclub Mitglied. Der Vorteil: Sollten sich Nachbarn oder Vereinsmitglieder streiten oder Ehepaare trennen, bleiben sie unparteiisch. Gleiche Nähe, gleicher Abstand zu allen.

Umso wichtiger sind Plaudereien mit Gleichgesinnten wie die mit der Schullei­terin. Denn ihre Verwandten und Freunde sehen die Meinhards fast nur noch im Urlaub. Fragt man Lars nach den letzten Ferien, weiß er von Kassel zu erzählen, wo sie mit der Patentante im Naturkunde­museum, im Zoo und in der Sternwarte waren. An die Woche in Berlin erinnert er sich kaum. Sie waren ständig in irgend­welchen Wohnungen, bei Geschwistern und Freunden der Eltern.

Wichtig ist dem Pfarrerehepaar auch der Meinungsaustausch mit anderen Theo­logen. Cornelia Meinhard engagiert sich im bayerischen Pfarrverein, ihr Mann in der Pfarrbruderschaft. Vor einigen Wochen fuhr die ganze Familie zum Studientag der Pfarrbruderschaft in ein ehemali­ges Klos­ter. Die Erwachsenen diskutierten über Schuld und Strafe. Für die Kinder gab es eine Schatzsuche.

Die Pfarrkollegen aus den umliegenden Gemeinden des Dekanats sehen sich bei monatlichen Besprechungen. Die meisten sind Pfarrerehepaare wie die Meinhards. Weitere drei Pfarrerinnen arbeiten in Teilzeit und sind mit Nichttheologen verhei­ratet. Der Mann der Dekanin zum Beispiel ist Ingenieur im Außendienst einer süd­badischen Firma. In Kirchrüsselbach ist im Sommer ein Pfarrer mit seinem Lebens­partner ins Pfarrhaus eingezogen, der als Lehrer in einem Gymnasium bei Nürnberg arbeitet. "Man muss die Leute bewundern, die es in einem anderen Beruf oder ohne Beruf neben einem Pfarrer oder einer Pfarrerin aushalten. Allein schon wegen der vielen Abendtermine und wegen der öffentlichen Beobachtung", sagt Cornelia Meinhard.

Ob sich noch jemand an den Ausflug in der vorigen Doppelstunde erinnert?

Dass ein Pfarrer die Gemeinde führt und seine Frau ehrenamtlich mitarbeitet – früher der Normalfall –, ist selten ge­worden. In Igensdorf ist das so. Und dann wäre da noch der Kollege für Ermreuth und Walkersbrunn. Er ist ledig.
"Strebt nach der Liebe", so beginnt der Bibelabschnitt, den Cornelia Meinhard am kommenden Sonntag in ihrer Predigt auslegt. Schon den ganzen Tag macht sie sich Gedanken, was sie sagen will. Später am Nachmittag will sie außerdem eine Frau und ihren demenzkranken Mann besuchen. Unten im Pfarrbüro kramt sie ein Mitbringsel aus dem Regal. Sie blättert einen Bildband mit Tulpentitel durch, "Gemeinsam durchs Leben". Nein, das nicht. Das von der früheren Bischöfin Margot Käßmann ist besser: "Was im Leben trägt".

Am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg beginnt unterdessen die achte Stunde. Mark Meinhard kann in Nürnberg viel mit Schülern unternehmen: die St.-Lorenz- und die St.-Sebaldus-Kirche besichtigen, einen Bestatter oder eine dia­konische Einrichtung besuchen.

Ob sich noch jemand an den Ausflug in der vorigen Doppelstunde erinnere? Widerwillig antwortet eine Schülerin der neunten Klasse. "So ein Haus, irgendwie für Taubstumme." – "Taubstumm sagt man nicht", widerspricht eine andere. "Mann, dann eben taub", antwortet das Mädchen und lässt den Kopf genervt auf ihre Handtasche fallen, die vor ihr auf dem Tisch liegt.

"Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass sich der Herr B. das Leben genommen hat."

Meinhard scheint die Geste zu über­sehen, er spricht leise. "Ich habe mir dein Referat für heute eingetragen", sagt er zu einer anderen Schülerin, "über die Deutschen Christen." – "Ich habe es aber nicht da", antwortet sie patzig. "Dann musst du es nächste Woche mitbringen." – "Nächste Woche fällt Reli aus", ruft eine andere Schülerin dazwischen, "da machen wir einen Ausflug in die Gedenkstätte Flossenbürg."

Mark Meinhard ist nur zwei Tage die Woche in Nürnberg. Manchmal vergessen die anderen Lehrer, ihm etwas mitzuteilen. Kurz überlegt er, dann sagt er: "Bitte schick mir das schriftlich ausgeführte Referat in zehn Tagen zu."

Im Lehrerzimmer findet er nach der Doppelstunde eine Benachrichtigung der Schulleitung: "Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass sich der Vater der Schüler A. und B. das Leben genommen hat." Mark Meinhard stockt, dann steckt er den Brief in seinen prallen Aktenkoffer. Er unterrichtet beide Schüler. Aber als Externer ist er nicht ihre erste Ansprechperson. Vermutlich geht er auf die Kinder zu. Auf jeden Fall bespricht er sich mit den Kollegen, vielleicht wollen sie auch einen Rat.

Im Autoradio porträtiert der Kultursender BR2 Christian Bruhn, den Autor von "Marmor, Stein und Eisen bricht". Mark Meinhard steuert den grauen Suzuki Swift über den dicht beparkten ­Egidienplatz und über die Bayreuther Straße. Hinterm den Autohäusern und dem Industriegebiet beginnt der Nürnberger Steckeleswald. Erst nach den Kreiseln in Eckental-Eschenau ist man richtig auf dem Land.

Ab Gräfenberg führt die Straße bergauf, letzte Tankstelle, letzte Bahnstation. Alle weiteren Dörfer sind nur noch mit dem Bus oder PKW zu erreichen. Mark Meinhard biegt in den Weg zum kirchlichen Freizeitheim für Jugendliche ein. Eine ­riesige Rasenfläche, begrenzt von hohen Birken, durch die der Wind rauscht, ein großes Kreuz aus Baumstämmen.

 

 Noch eine Baustelle, das alte Pfarrhaus

Die Denkmalschutzbehörde fordert: Die verseuchten Balken bleiben drin!

Vorm Hauseingang stehen alte Heizkörper und leere Farbeimer. Drinnen Rohbau, Rigipsplatten, Tapetenreste, dazwischen Handwerker. In den 1970er Jahren hat man so was noch in Eigenarbeit gemacht. Heute ginge das schon wegen der Brandschutzverordnungen gar nicht. Meinhard macht Aufnahmen für den Bauausschuss. Der tagt noch diese Woche. Auch darum muss sich der Pfarrer kümmern.

Weiter geht es zum eingerüsteten alten Pfarrhaus in Hiltpoltstein. Im Untergeschoss ist der feuchte Fels freigelegt, auf dem das Haus steht. Überall fehlen Türen, Kabel ragen aus den Wänden, auf dem Boden liegt Bauschutt. Auf dem Dachboden wurden die morschen Balken von 1635 verstärkt und verkleidet. In den 1970er Jahren hatte man sie mit hochgiftigem Lindan und PCP getränkt. Die Denkmalschutzbehörde fordert dennoch: Die Balken bleiben drin! Was die Sanierung nur verteuert.

Den Dachboden wird man versiegeln, um die Pfarrfamilie zu schützen, die nächstes Jahr wieder einzieht. Ein Pfarrer muss im Pfarrhaus wohnen, die bayerische Landeskirche zieht die Miete dafür auch gleich vom Gehalt ab. Wieder macht Mark Meinhard Fotos für den Bauausschuss.

Oberhalb des Pfarrhauses steht die Matthäuskirche. Ehrenamtliche schließen sie tagsüber auf, damit Pilger und Touristen hineinkönnen. Das längliche Hauptschiff ist rechts und links von Emporen eingerahmt, der spätmittelalterliche Altar vorne ist alarmgesichert.

Mark Meinhard steigt auf die obere Empore, um die Zeitschaltung für die Glocken einzustellen. Einmal kurzes Geläut für die Trauung am Samstag um 12 Uhr und siebenminütiges Geläut für die Beerdigung um 14.30 Uhr. Während dieser Zeit am Samstagnachmittag muss seine Frau im Talar zusammen mit einem Kreuzträger, einem Konfirmanden, von der Kirche durch das Dorf zum Friedhof schreiten. 80 bis 100 Trauergäste werden erwartet, der Posaunenchor spielt, anschließend geht die Pfarrerin mit den ­Angehörigen ins Gasthaus. Mark Meinhard wird seine Teilnahme an der Hochzeits­feier am Samstag absagen. Er ist dann für die Kinder da.

Wenn die Alten sterben, ist niemand da, um das Grab zu pflegen

Jetzt wartet Meinhard in der Kirche. ­Eine Solistin hat sich angekündigt. Sie will am Samstag bei der Trauung singen und sich vorher die Gegebenheiten ansehen. Sie kommt mit einem Keyboarder, beide steigen die Emporen hoch, überlegen, wo sie musizieren können. "Von unten hört das Paar Sie besser. Stellen Sie sich doch vorne links in den Altarraum", ruft ihnen der Pfarrer zu.
Zum Abendbrot sitzt die ganze Familie Meinhard wieder am Küchentisch. "Segne, Vater, diese Speise, a-aa-amen, a-aa-amen", singen alle sechs im Kanon. Dann geben sie sich die Hand: "Guten Appetit!"

Der Arbeitstag ist für Mark Meinhard noch nicht vorbei. Um 19 Uhr trifft sich der Vertrauensausschuss für die Kirchenvorstandswahl im Herbst. Dann bespricht er noch mit zwei Herren vom Bauausschuss die neue Bestuhlung im Jugendheim. Und die neue Urnenwand auf dem kirchlichen Friedhof. Junge Familien ziehen aus Hiltpoltstein fort; wenn die Alten sterben, ist niemand da, um das Grab zu pflegen, daher die Urnen. Eine beschriftete Platte ist bereits eingefügt. Zwei weitere sind bestellt, aber noch nicht da. Mark Meinhard will wissen, was los ist. Um acht trifft sich die Gemeindebriefredaktion, eine 16-Jährige will da jetzt mitmachen.

Um neun liegen die Kinder längst im Bett. Im Wohnzimmer lassen Mark und Cornelia Meinhard bei einem Glas Rotwein den Tag Revue passieren. Der krankgeschriebene Mann vorm Edeka. Der Besuch bei der Dame mit dem dementen Mann. Der Zettel in der Schule, ein Vater habe sich das Leben genommen. Was für ein Tag!

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Lesermeinungen

Vielen Dank für den interessanten Artikel in der aktuellen Chrismon über das Pfarrehepaar Meinhard.

Die Gesellschaft und viele Gemeindemitglieder wissen nicht mehr, was ein Pfarrer/ eine Pfarrerin den lieben langen Tag alles macht und dessen/ deren Aufgaben sicherlich in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden sind. Deshalb finde ich es hilfreich, dass Sie diesen Artikel geschrieben haben.

Doch leider unterstützt es das pfarrerzentrierte Denken, das mittlerweile in der Praxis gar nicht mehr in allen Gemeinden Realität ist. In der badischen Landeskirche gibt es z.B. einige Gemeindediakone, die teilweise in Gruppenämtern mit den Pfarrern die Gemeinde leiten. Natürlich spielen auch die Kantoren (in manchen Gemeinden auch die Sozialpädagogen) eine wichtige Rolle im Gemeindeleben. Schön fände ich, wenn auch diese Berufsgruppen und ihr „Alltag“ dargestellt werden könnten. Das würde das Bild der hauptamtlich tätigen Berufsgruppen in den Gemeinden vervollständigen.

Ich würde mich freuen, wenn die verschiedenen Berufsgruppen in den Gemeinden gelegentlich auch in der Chrismon widergespiegelt würden.

Um zur Klärung beizutragen: Der festgesetzte Mietwert einer Wohnung im Pfarrhaus gilt als Gehaltsbestandteil und wird mit dem übrigen Gehalt versteuert. (als geldwerter Vorteil)
In der ELKB (und meines Wissens auch in den anderen ev. Landeskirchen) gibt es zwei Besoldungstabellen für Pfarrer/innen.
Eine für Inhaber einer Dienstwohnung (mit geringerem Bruttogehalt; dafür kommt dann der geldwerte Vorteil des "mietfreien" Wohnens hinzu) und eine für Pfarrer ohne Dienstwohnung (das Bruttogehalt ist höher, vom Nettogehalt hat aber der Pfarrer dann die Miete zu begleichen - ist dann der Fall, wenn aus welchen Gründen auch immer, die Kirchengemeinde keine Pfarrdienstwohnung, die nicht immer im Pfarrhaus sein muss, zur Verfügung stellen kann.)
Was auf jeden Fall von Jedem bezahlt werden muss, sind die Nebenkosten (Heizung, Strom etc.)
Viele Grüße
Dr.Lippmann

...unser Herr Pfarrer erträgt charakterfest und tapfer, dass jeder Büromitarbeiter ganz selbstverständlich seine Privat Toilette benutzen darf. Natürlich auch jedes Kindergartenkind, dass auf dem Spazierweg noch schnell "mal muss" - nebst Erzieherin.

Dass jeder Vorbeigehende die Äpfel im Pfarrgarten pflücken darf, versteht sich von selbst.

"Ach ja, so ein kleines bisschen anstrengend ist das Leben im Pfarrhaus ja, aber es ist doch viel idyllischer als man denkt. Denn wer genießt schon das Privileg, dass die Brötchen an "Pfarrer" adressiert sind." So könnte man den oben stehenden Artikel zusammenfassen.

Und ähnlich intoniert sind auch die nachfolgenden Kommentare. Einerseits staunt man ungläubig über die Arbeitszeiten und den daraus resultierenden mickrigen Stundenlohn (Gotteslohn, statt Mindestlohn), aber da der eigene Pfarrer ja eh wenig arbeitet, hat er auch nicht so viel verdient, das portraitierte Pfarrerehepaar natürlich ausgenommen.

Jedem, der Zweifel an der Arbeitsbelastung von uns Kanzelschwalben hat, dem rate ich, mal seinen Pfarrer für drei Tage zu begleiten oder sich mal auflisten zu lassen, was da an Tätigkeiten anfällt. Es reicht aber auch schon nach "Dienstvereinbarung Teildienst Pfarramt" zu googeln, um einmal eine grobe Aufstellung an pfarramtlichen Tätigkeiten zu bekommen, von denen die Gemeinde, die den Pfarrer ja allenfalls sonntags sieht, i.d.R. nichts ahnt.
Übrigens kann man auch nur der Teildienstregelung entnehmen, dass die Arbeitszeit des Pfarrers überhaupt eine Begrenzung kennt. Halbe Stellen werden dort mit 27 Stunden wöchentlich beziffert, woraus sich ablesen lässt, dass ganze Stellen dann 54 Wochenstunden betragen müssen. Eine klare Ansage der Arbeitszeit hat aber bisher jede Landeskirche vermieden, gut evangelisch aus gutem Grund, schätze ich ;-) Nur zum Vergleich, Pfarrer in Skandinavien - Staatsbeamte - haben eine 37,5 Wochenstunde und Anspruch auf zwei freie Tage in der Woche und ein freies Wochenende im Monat. Auf Einhaltung dessen wird penibelst geachtet.

Aber vielleicht kommt auch schon der ein oder andere bzgl. der Attraktivität des Pfarrberufes ins Zweifeln, wenn er daran erinnert wird, dass keinesfalls "Miete" fürs Pfarrhaus erhoben wird, sondern als Bestandteil der Besoldung eine Dienstwohnung gestellt wird. Und dass die Kirche nur "überfürsorglich" den evtl. zu versteuernden geldwerten Vorteil einbehält und ans FA abführt, genauso, wie sie bei uns in der EKHN im Voraus monatlich eine Abgabe von knapp 90€ einbehält, damit dann der Pfarrer alle paar Jahre mit seiner Gemeinde über die Renovierung der Pfarrhausräumlichkeiten diskutieren darf (die in den seltensten Fällen von den KVs eingesehen wird - wohnt man doch selbst in Bruchbuden und renoviert wenn dann selbst) und ob altweiß weiß als Wandfarbe vorzuziehen ist. Ein Recht auf MIetminderung, Kündigungsschutz etc. gibt es nicht, genausowenig ein Recht auf Privatsphäre, da dem KV immer ein Zugang auch zu den Privaträumlichkeiten möglich sein muss, ebenso wie manches Gemeindeglied den Pfarrgarten als öffentlichen Park betrachtet.

Mir blieb jedoch bei diesem Artikel die Semmel bei besagter Brötchentüte im Hals stecken. Hört man als Pfarrer wirklich auf, als Privatperson zu existieren und mit einem gleich die ganze Familie? Und in der Tat, ich kenne auch viele ähnliche Beispiele aus meinem eigenen Leben. Auch ich bin mit niemanden in meiner Gemeinde per Du, da ich in meiner Anfangszeit die Erfahrung machen musste, dass private Freundschaft mit Gemeindegliedern nur schwer möglich sein kann, da weder für die befreundete Person noch für die umgebende Gemeinde eine Trennung zwischen Amts- und Privatperson zu vollziehen ist.

Das Podest das manche einem bauen und um das einen viele beneiden, macht verd*mmt einsam! Auch weil es bei immer kleiner werdenden Familien und immer größer werdenden Entfernungen zu den Angehörigen und Jugendfreunden zunehmend schwieriger wird, einmal nur die XY oder der Z zu sein. Ich höre meinen Vornamen (und Nachnamen) manchmal wochenlang nicht, weil ich 24/7 die Frau Pfarrer bin.

Teilweise stimmt die Terminologie in dem Artikel nicht, oder sollte das in der EKiB anders sein als bei uns in der EKHN? Miete fürs Pfarrhaus? Das ist mir neu. Ich bin kein Mietverhältnis eingegangen, man hat mir eine Dienstwohnung zugeteilt. Gemeint sein kann doch wohl nur der Betrag sein, den unser lieber Arbeitgeber - fürsorglich wie immer - vom Gehalt abzieht, den sonst das Finanzamt als geldwerten Vorteil einfordern würde. Dazu natürlich noch die Nebenkosten und knapp 90€ Renovierungspauschale, damit ich (sofern es der KV für nötig befindet und genehmigt) alle paar Jahre meine Wände weiß oder altweiß streichen lassen kann - vom billigsten Anbieter, versteht sich.
Ich habe auch keineswegs die Rechte eines Mieters. Mir sind keine Mietminderungen möglich, wenn was im Argen liegt, ich habe keinen Kündigungsschutz, muss mit Mischnutzung leben und damit, dass immer Dritte einen Schlüssel zu meinem Wohnbereich haben, die ich selbst nicht dafür ausgesucht habe (wobei die sich immer sehr respektvoll verhalten und sich vorher ankündigen.)

Bzgl. der Arbeitszeiten im Pfarrhaus kann man festhalten, dass es in keiner der Landeskirchen klare Regelungen gibt - wahrscheinlich gewollt. Lediglich aus den Regelungen zum Teildienstverhältnis, das eine halbe Pfarrstelle mit 27 Arbeitsstunden pro Woche beziffert, kann man schließen, dass der volle Dienst 54 Stunden umfasst, der im Idelafall in 3x3 Stunden-Blöcken an 6 Tagen zu absolvieren ist. Ein Tag in der Woche "soll" frei bleiben. Jüngste Erhebungen (unabhängiger Institute) haben gezeigt, dass das den wenigsten gelingt und die wirklich erbrachte Arbeitszeit bei weit über 60 Stunden wöchentlich liegt. Zum Vergleich, in Dänemark, wo Pfarrer Staatsbeamte sind, beträgt die vorgeschriebene Arbeitszeit 37,5 Stunden, bei sehr viel klarer formuliertem Auftrag.

Wer wegen dem Salär, dem Beamtenstatus oder dem Ansehen den Pfarrberuf anstreben sollte wird nicht weit kommen. Zur Erklärung reicht eigentlich ein Zitat meines Vaters (65, Maler- und Lackierer) aus der letzten Woche: "Wenn ich gewusst hätte, was du für ein Leben führst, hätte ich dich nicht aufs Gymnasium geschickt. Ich dachte, es geht dir mal besser!"
Denn mit all dem, was sich Otto-Normal-Gemeindeglied so unter den Pfründen des Pfarramtes vorstellt, ist es nicht weit her. Das Salär liegt bei uns in der EKHN unter dem eines Gymnasial-Lehrers (Studienrat kann man nur von träumen), der Beamtenstatus hat längst keine Privilegien mehr und das Ansehen mag auf den Dörfern noch hoch sein, aber längst haben die Spezialisten uns Universaldilletanten doch abgelöst.

Das einzig Schöne an diesem Beruf ist das Privileg seiner Berufung zu folgen. Das Gefühl bei einem Seelsorgegespräch einem Menschen etwas gegeben zu haben oder predigend auf der Kanzel genau das zu tun, wozu ich bestimmt bin. Das ist in der Tat eine Erfahrung, die in der heutigen Zeit, wo der "Job" nur zum Geldverdienen und fürs Ansehen da ist, nur wenige machen können: seiner Berufung folgen!

Genau das macht für mich das Pfarrersein aus und den kirchlichen Dienst erträglich.

Wir sollten endlich die 40-Stunde-Woche auch für Pfarrer einführen! Plus Nacht und Feiertagszulage plus Sonntagspauschale!

Bei einer 150 Stunden Woche bleibt grade mal ein Stundenlohn von 3,50 Euro übrig. Da verdient der Lehrling im ersten Ausbildungsjahr wesentlich mehr als Herr Pfarrer. Das kann`s ja wohl nicht sein!

Eine 40-Stunde Woche wird wohl auch innerhalb der Kirche üblich sein.

Wenn der Pfarrer eine 105 Stunden Woche hat (einschliesslich Sa + So) dann stimmt irgend etwas nicht.

Umgerechnet wäre das nämlich ein Stundenlohn von 3,50 Euro ohne Nachtzulage, Feiertagszulage, Sonntagszulage. Soviel verdient grade mal ein Lehrling im ersten Ausbildungsjahr!

Unser Pfarrer hat in seiner Gemeinde so gut wie nichts zu tun, weil hier Ehrenamtliche die Gemeinde leiten. Deshalb hat man ihn jetzt zum Vorsitzenden eines Vereins gewählt, damit er weg vom Kerngeschäft der Ehrenamtlichen ist.

Die Kirchenpflegerin beobachtet ihn genau, ob er seinen Lohn auch verdient hat.

Autor des folgenden Beitrages ist Iwan der Schreckliche. Zitat aus dem Artikel: "In den 1970er Jahren hatte man sie mit hochgiftigem Lindan und PCP getränkt." Also bei Menschen wie du und ich - der Artikel legt Wert darauf, dass sogar Pfarrer in diese Kategorie gehören - löse ich die Abkürzung PCP nach Pentachlorphenol auf, ein ziemlich ungesundes Zeugs, das der erfolgreiche freie Markt in Deutschland bis 1985 Holzschutzmitteln zugesetzt hat. Da Pfarrer aber eben nicht nur schnöde Arbeitnehmer sind, sondern eine göttliche Berufung haben, ist mit PCP vielleicht Phenylcyclohexylpiperidin gemeint. Das wird auch Engelsstaub (angel dust) genannt. Diese Partydroge kann u. a. zu Wahrnehmungs- und Ich-Störungen führen.... ____________________________ Zitat: "Auf der Brötchentüte steht nicht "Familie Meinhard" sondern "Pfarrer"." Mein Weltbild gerät ins Wanken. In Schoßaritz gibt es beim Bäcker Brötchen? Keine Semmeln, Weckla, Kipfla, Laabla usw.? Ich lerne gerne dazu.

Zitat "Ein Pfarrer muss im Pfarrhaus wohnen, die bayerische Landeskirche zieht die Miete dafür auch gleich vom Gehalt ab".

Ups! Hat die Landeskirche Bedenken, dass der Pfarrer sein Gehalt verprasst und kein Geld für die Miete mehr übrig bleibt?????? Kann der Pfarrer möglicherweise nicht mit Geld umgehen?

Jedoch frage ich mich, aus welchem Grund der Arbeitgeber (bayrische Landeskirche) hier einschreiten will ??? Sollte der Pfarrer nicht selbst den Umgang mit seinem Geld lernen?

Und wie wäre es mit einem Dauerauftrag für die Miete - gleich am Monatsanfang, wenn das Geld noch da ist???

Äh! Mir drängt sich folgende Frage auf: Welche Vorteile hat die Landeskirche dadurch, dass die Miete gleich vom Gehalt eingezogen wird? "Die Sache" hat doch sicher eine Vorgeschichte......kein einziger Arbeitgeber in unseren 16 Bundesländern belastet sich eigentlich mit solchen - EXTRA - Arbeiten.

Als nächstes zieht die bayrische Landeskirche auch die Kfz-Versicherung, Handy-Flat-Pauschale, Ratenvertrag, Strom, Müllgebühren, GEZ, Bausparer-, Riesterrente und Urlaubsrücklagen ab. Das verbleibende Geld händigt der Personalchef der Landeskirche dann gleich bar aus... aber nicht zum verprassen!!

Grundsätzlich sollte man mal festhalten, dass das eine (Arbeitsverhältnis) mit dem anderen (Mietverhältnis) rechtlich nichts zu tun hat. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Arbeitgeber muss dem Pfarrer in Folge natürlich den vereinbarten Arbeitslohn auszahlen.

Mein persönlicher Tipp: Der Pfarrer sollte bei seinem Arbeitgeber, Bayrische Landeskirche, schriftlich den ausstehenden Lohn einfordern! Wegen der Ausschlussfrist darf da nicht viel Zeit ins Land gehen. Falls die Landeskirche nicht reagiert, sollte der Pfarrer und seine Frau (ebenfalls Pfarrerin) diese Ansprüche beim Arbeitsgericht umgehend einklagen. Vielleicht hilft auch schon ein deutliches Schreiben eines Rechtsanwaltes ... Viel Glück!

Zitat: "
Die Denkmalschutzbehörde fordert: Die verseuchten Balken bleiben drin!"
RESPEKT! RESPEKT

Dazu kann ich nur eins sagen:
"Pfui Gitti"
Mit Krankheitserregern, Gift und Bakterien verseuchtes Gebälk!

Eigentlich sollte man das Denkmalschutzamt einschliesslich der Kultursenatorin in diese übelriechende Pest- und Cholera Bude einquartieren! Unter dem verpesteten Dachbalken wäre gewiss gnoch Platz für das Büro des Denkmalpflegers!

Ich habe so langsam den Verdacht, dass man unsere Pfarrer mit Formaldehyd ausrotten will.

Einmal mehr nötigt mir der Arbeitsalltag eines Pfarrers Respekt ab. Hohe zeitliche Belastung und ständige Erreichbarkeit gibt es z. B. im Management auch, aber dort kann man wenigstens emotional irgendwann mal die Tür hinter sich schließen.

Auf der anderen Seite habe ich nun mehr Verständnis dafür, dass viele Pfarrer weder Zeit noch Lust haben, sich mit Menschen in der Lebensmitte und deren grundsätzlich glaubenskritischen Fragen ernsthaft auseinanderzusetzen.

Unser Pfarrer wollte eigentlich Arzt werden. Leider haben die Noten nicht gereicht. Die Begabung und Begnadung hat "nur" zum Gottesdiener und Seelenhirten gereicht.

Das Ansehen eines Quacksalbers und Medizinmanns ist wesentlich höher als das Ansehen eines Schwarzrocks: Denn, die Leute brauchen ihn regelmässig. Würden sie sich vorrangig um ihr Seelenheil kümmern und um Gott, dann bliebe ihnen so manche Stunde im Wartezimmer erspart. Tja! Wer nicht hören will - muss fühlen!

Leider ist es mittlerweile so, dass auch auf der Kanzel irgendwelche Kurpfuscher und Dilettanten stehen, die dummes Zeugs daher reden!
Der Weg des Pfarrers ist dornig, vor allem in der heutigen Zeit, wo die Leute eher ihr Herz beim Onkel Doktor ausschütten und von Gott nichts wissen wollen.

Einige Aussagen in ihrer Absolutheit lassen mich schmunzeln.
1. Der Pfarrberuf ist Berufung.
Sicherlich sollte er das sein, sicherlich ist er das für das beschriebene Paar.
Tatsache ist auch, dass es genügend PfarrerInnen gibt, die diesen Beruf nicht aus Berufung, sondern aus anderen, pragmatischen Gründen wählen. Sei es im Hinblick auf die damit verbundene Reputation, den damit verbundenen gesellschaftlichen Aufstieg, die beamtenähnliche Versorgung. Das sind dann die AmtsinhaberInnen, die auch im privaten Umfeld auf den Hinweis, sie seien doch PfarrerInnen, sehr empfindlich reagieren. Ich habe es erlebt, dass auf meinen Hinweis, das gezeigte Verhalten sei mit Blick auf das Pfarrerdasein bemerksenswert, so reagiert wurde, dass man sich diesen Vorhalt verbitte, der ausgeübte Beruf habe mit dem Verhalten im privaten Bereich nichts zu tun.
Oder wann man aus PfarrerInnen Mund hört: "Gott vergibt, ich nicht."
Berufung? Eher unglaubwürdige Schauspielerei.

2. Pfarrer ist man immer
siehe eben, es gibt StelleninhaberInnen, die da sehr sauber trennen.

Aus der beschworenen Berufung folgt der Trend zur Selbstausbeutung, den sich die Landeskirchen wie man am beschriebenen Beispiel sehen kann, bewußt und gezielt ausnutzen.