Forschung zu Prozessen des Alterns

Es geht darum, besser zu leben - nicht ewig

iStockphoto / Yuri Arcurs

In 10 Jahren wissen wir mehr über die Prozesse des Alterns. Aufhalten können wir sie aber noch nicht.

chrismon: Jeder will im Alter gesund und fit sein. Wie stehen die Chancen?

Björn Schumacher: Momentan nicht gut. Das Risiko, an Krebs, Demenz und Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken, steigt im Alter dramatisch an. Fast die Hälfte der über Neunzigjährigen leidet an Alzheimer.

Und das wollen Sie ändern?

Ja. Mein Fernziel ist, zu verhindern, dass diese Krankheiten ausbrechen. Jetzt sind wir aber erst bei der Grundlagenforschung. Wir müssen verstehen, wie Altern überhaupt funktioniert.

Ist doch schon bekannt: Die Zellen sterben und werden nicht mehr erneuert...

Über die Hintergründe wissen wir wenig. Die Altersforschung in der Molekularbiologie ist ganz jung. Erst in den neunziger Jahren bewies ein Experiment mit Fadenwürmern: ­Altern ist ein genetischer Prozess. Die Tierchen lebten länger und blieben gesünder, wenn man ein bestimmtes Gen veränderte. Heute kennt man schon eine Reihe solcher Gene, die das Altern beeinflussen.

Verändert dieses Wissen die Schöpfung?

Nein. Die Grundlage unserer Arbeit ist eine ethische Norm: Wer leidet, dem muss man helfen. Es geht nicht darum, ewig zu leben, sondern besser.

Untersuchen Sie selbst Fadenwürmer?

Ja, schon als Doktorand habe ich damit angefangen. Sie bieten ein gutes Modell für bio­logische Prozesse im Menschen. Zurzeit sitze ich auch viel am Schreibtisch. Ich bereite meine Professur vor und koordiniere ein Projekt mit Altersforschern aus internatio­nalen Universitäten und Unternehmen.

Und in zehn Jahren?

Wissen wir genauer, wie sich Schäden an der Erbsubstanz auswirken und wie wir die Folgen regulieren können. In der Biologie ist die Entwicklung oft schnell. Aber bis die Pharmaindustrie Therapien auf den Markt bringt, dauert es sicher noch Jahrzehnte. Irgendwann werden die Menschen vorsorglich Medikamente nehmen, die das Altern verlangsamen.

Die Anti-Aging-Industrie boomt. Haben wir ein Problem mit dem Alter?

Nur mit der einen Seite der Medaille: mit dem körperlichen und geistigen Verfall. Ein hohes Alter an sich ist erstrebenswert, das wollen alle erreichen. Erinnerungen sortieren, Erfahrungen mitteilen – ist doch schön, wenn wir dafür noch Zeit und Kraft haben.

Sie sind 37 Jahre alt, werden Sie noch die Früchte Ihrer Forschung ernten?

Durchaus möglich. Auch ich wünsche mir ja, lange gesund zu bleiben.

Björn Schumacher

Dr. Björn Schumacher, Jahrgang 1975, ist Molekularbiologe; er arbeitet als Altersforscher in einem Exzellenzcluster an der Universität zu Köln.

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