Heinz Rudolf Kunze und Helen Donath: Kirchengemeinde in Brelingen

Diese Gemeinde ist Musik

Fotos: Heinz-Jürgen Weiß

Unter dem Titel 'Stories untold' spielte im April 2012 die NDR-Bigband in der Brelinger St. Martini-Kirche.

Was haben Heinz Rudolf Kunze und Helen Donath gemeinsam? Sie leben beide in Brelingen, einem kleinen Ort bei Hannover. Und dort sind beide aktiv in der Kirchengemeinde. Natürlich hauptsächlich für die Kirchenmusik.

Brelingen ist ein kleiner Ort, eigentlich ein Dorf in Nähe von Hannover. Doch dieses "Dorf" hat prominente Bewohner. Der Rockstar Heinz Rudolf Kunze hat hier sein Tonstudio. Die Operndiva Helen Donath lebt hier mit ihrer Familie. Und beide Stars beteiligen sich aktiv am Musikleben der evangelischen Kirchengemeinde St. Martini Brelingen. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten und Pianisten Klaus Donath, wirkte Helen Donath mit bei der Aufführung einer Tango-Messe durch den Kirchenchor. Heinz Rudolf Kunze schrieb und komponierte zum Kirchentag 2005 in Hannover den offiziellen Kirchentagssong. Der Chor von St. Martini stellte ihn in einer speziell dafür geschriebenen Chorversion gemeinsam mit der Band vor.

Das Besondere daran: Das Arrangement für den Chor hatte Kirchenmusikerin Sabine Kleinau-Michaelis geschrieben – die Frau, die fast ganz Brelingen zum Singen bringt. Denn die Musikerin, die hauptamtlich Fachleiterin in einer Musikschule in Hannover ist, leitet nebenamtlich in Brelingen den Kirchenchor. Daneben ist sie auch noch Chefin des Kinderchores, des Jugendchores, des Chores für die „Betweens“,  und sie führt Projekte wie die Tango-Messe auf und veranstaltet allein mit dem Erwachsenenchor jährlich bis zu sechs Konzerte.

Nachwuchspflege ist wichtig

In Brelingen, dessen Kirchengemeinde beim chrismon-Gemeindewettbewerb einen Sonderpreis für Kirchenmusik gewonnen hat, ist das Engagement der Chorleiterin und weiterer engagierter Musiker eine äußerst glückliche Verbindung mit der Freude vieler Menschen am gemeinsamen Singen eingegangen. Und weil Sabine Kleinau-Michaelis weiß, wie wichtig die Nachwuchspflege für einen guten Chor ist, interessiert sie mit spannenden Projekten wie etwa Kindermusicals schon die Kleinsten für die Musik. Bereits ab der 2. Klasse singen die ersten im Kinderchor, ab 6. und 7. Klasse bei den „Betweens“ und später im Jugendchor, um dann schließlich in den Kirchenchor hineinzuwachsen. Und so kommt es, dass auch die Mitglieder des Erwachsenenchors im Durchschnitt jünger sind als sonst bei Kirchenchören üblich. Das liegt aber auch daran, was gesunden wird. „Wir singen nicht nur Bach und Mendelssohn“, sagt Kleinau-Michaelis. Auch Jazz und Pop gehören zum Repertoire, Modernes wie Musik von Arvo Pärt, ja sogar Sprechstücke, „aber kein Sacropop“. Mit Stücken, die durchaus auch eine Herausforderung für einen Laienchor sein können, bleiben die Chormitglieder gerne dabei, hat die Leiterin festgestellt. „Und wir nehmen dabei auch das Publikum mit.“

Der Orgelbauverein organisiert darüber hinaus Konzerte externer Künstler, etwa die Reihe „Winterjazz“

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Aufnahme der Mizza in Jazz in St. Martini Brelingen am 16.März 2012

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Große Namen wie Klaus Doldinger oder die NDR-Bigband waren und sind zu nennen. Gast. Dabei arbeitet der Verein eng zusammen mit dem anderen Kulturakteur am Ort, der Brelinger Mitte. Auch beim Kultursommer in der Region Nordhannover engagieren die beiden Vereine sich gemeinsam. Sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, wäre kontraproduktiv. Für kleinere Veranstaltungen mit Clubatmosphäre ist die einstige Gastwirtschaft, die vom Kulturverein Brelinger Mitte gekauft und ausgebaut wurde, bestens geeignet. Als Veranstaltungsort für größere Konzerte dagegen ist die 1849 erbaute St. Martini-Kirche ideal, ist sie mit 800 Plätzen doch außerordentlich groß. Den Bauetat der kleinen Gemeinde überschreiten die Kosten für die Unterhaltung der Kirche allerdings erheblich. So konnte die schon lange überfällige Innenrenovierung bisher nur teilweise vorgenommen werden. Die abblätternde Farbe an Himmel  und Wänden muss dringend ersetzt werden. Das Preisgeld vom chrismon-Wettbewerb soll nun einen ersten Grundstock dafür bilden.

 

Ein ganz besonderes Erlebnis hatte der Kirchenchor mit der Teilnahme am Sängerfest 2009 in Tallinn (Estland). Unter 30.000 Sängern konnten die Teilnehmenden Gänsehaut pur erleben und genossen es, von 180.000 Menschen gehört zu werden.

Musik schafft Kontakt zur Gemeinde

Auch die Pastorin der 1.400 Mitglieder umfassenden Gemeinde schätzt die musikalische Arbeit. „Viele, die zu unseren Konzerten kommen, finden über diesen Weg auch Kontakt zur Kirchengemeinde“, sagt Debora Knoblauch. Ebenso wie die Chorleiterin betont sie, dass die Chöre keineswegs nur „Konzertchöre“ sind. Besondere Gottesdienste werden immer von einem der Chöre mitgestaltet. Aber auch die Gemeinschaft untereinander kommt nicht zu kurz. „Viele kommen gerade deshalb in einen unserer Chöre“, sagt die Leiterin.

Und trotzdem besteht die Gemeinde nicht nur aus Musik. Da wäre zum Beispiel auch der Brelinger Mittagstisch zu nennen. Dieser hat nicht, wie etwa die Tafeln, eine diakonische Ausrichtung. Er richtet sich also nicht in erster Linie an Menschen, die wirtschaftlich schlecht gestellt sind. Vielmehr geht es darum, nicht alleine zu essen, Jung und Alt, Arm und Reich, Freunde und Fremde an eine Tisch zu bringen. Alle zwei Wochen bekochen abwechselnd zwei Teams zwischen 30 und 40 Gäste und servieren ein dreigängiges Menü zu einem günstigen Preis. Und so findet hier das statt, was auch die musikalische Arbeit zusätzlich auszeichnet: Gemeinschaft und Austausch.

 

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