Chrismon-Gemeinde 2012: Professionelle Gemeindebriefe

"Stille Bestseller" professionell gestalten
Chrismon-Gemeinde 2012: Die Andreasgemeinde in Niederhöchstadt und die Kottenforstgemeinde bei Bonn nehmen ihren Gemeindebriefe ernst

Gemeindebriefe sind die „stillen Bestseller“ der evangelischen Kirchen. Die vierteljährlich, halbjährlich oder manchmal sogar monatlich erscheinenden Blättchen werden gern und gründlich gelesen – auch von denen, die dem kirchlichen Leben eher fernstehen oder die keiner evangelischen Kirche angehören. Dies hat eine Untersuchung der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau vor einigen Jahren statistisch untermauert. Die evangelische Andreas-Kirchengemeinde im hessischen Niederhöchstadt richtet daher ihren Gemeindebrief sowohl auf die Kerngemeinde als auch auf diejenigen aus, die vielleicht erst einmal von außen betrachten wollen, was die Gemeinde ihnen bieten könnte.

Der Gemeindebrief der Andreas-Kirchengemeinde, kurz und knapp "Andreas" genannt, kommt vier Mal im Jahr zu jedem Mitglied der Gemeinde. Seit zehn Jahren gibt es ihn in diesem Jahr. Seit gut anderthalb Jahren sind Wilfried und Hiltrud Weiß für die Gestaltung zuständig und auch im Redaktionsteam aktiv. „Unser größtes  Lob war in jüngster Zeit, dass uns gesagt wurde: schön, dass man den Gemeindebrief jetzt richtig lesen kann“, sagt Hiltrud Weiß. Sie nimmt das als Bestätigung dafür, dass das Blatt im letzten Jahr kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Statt nur Terminen und Informationen findet sich immer ein Themenschwerpunkt mit vielen Lesegeschichten. Die aktuelle Ausgabe etwa befasst sich mit dem Ehrenamt – ein Thema, das ganz konkret auch in der Redaktions- und Gestaltungsarbeit die Hauptrolle spielt. Wie viele Stunden etwa Hiltrud Weiß und ihr Mann Wilfried an einer Ausgabe sitzen, lässt sich kaum beziffern. „Als Ehepaar haben wir ja den ‚kleinen Dienstweg’“, sagt Hiltrud Weiß. „Vieles besprechen wir z. B. bei einem Spaziergang oder wir planen am Frühstückstisch. Und in der Endphase der Produktion sitzen wir auch schon mal bis nachts um drei Uhr am Computer“.

Verantwortlich für den „Andreas“ zeichnet offiziell Cornelia Köstlin-Göbel, wie Wilfried Weiß Kirchenvorsteherin in der Andreasgemeinde. Ihr ist wichtig, dass die Visionen und Schwerpunkte, die die Gemeinde kennzeichnen, auch im Gemeindebrief „rüberkommen“. Die Schwerpunktsetzung ist dazu eine gute Möglichkeit. So waren etwa die „Guten Vorsätze“ auch Thema einer Predigtreihe oder des Projekts „Glaube am Montag“, mit dem das Christsein im Alltag thematisiert wurde.

Jede Gemeindegruppe soll vorkommen

Neue Ideen werden bei größeren Treffen mit Pfarren, Kirchenvorstand und Vertretern aus jeweils allen Gruppen der Gemeinde gesucht. Dort können auch Wünsche eingebracht und an Wichtiges erinnert werden – wie etwa den im Oktober anstehenden Besuch aus der Partnergemeinde in Nairobi, was sicher auch ein Schwerpunkt sein wird. Jeder soll die Möglichkeit haben, mit seiner Arbeit vorzukommen und beachtet zu werden.

Bei der Gestaltung des in einer Auflage von 2.000 gedruckten „Andreas“ wird auf hohe Qualität Wert gelegt. Aber: „Wir können und wollen nicht mit professionellen Produkten konkurrieren“, sagt Köstlin-Göbel. Die erkennbare Anbindung ans Dekanat und an lokale Gegebenheiten werde ebenso ernst genommen wie die an die Landeskirche. So sei es selbstverständlich, dass auch gesamtkirchliche Veranstaltungen wie etwa der Jugendkirchentag angekündigt werden.

Zeitdruck und hohes Engagement der Beteiligten gehören zu jeder Ausgabe dazu. „Wenn das Ergebnis da ist und man das gedruckte Werk in Händen hält, dann freut man sich immer und genießt es“, sagt Hiltrud Weiß. In den Briefkasten eingeworfen wird der „Andreas“ bei allen Gemeindemitgliedern. Damit ihn andere Interessierte ebenfalls lesen können, liegt er auch im Gemeindebüro und im Buchladen 7. Himmel aus, den die Gemeinde betreibt.

„Gemeinsam“ für alle

Auch die Kottenforstgemeinde bei Bonn  - beim Gemeindewettbwerb erhielt sie einen Sonderpreis in der Kategorie "Jugend" - bietet ihren Gemeindebrief allen an, die daran interessiert sind. Mit dem Neuanfang der Gemeinde im Jahr 2007 war „Gemeinsam“ entstanden. Der Gemeindebrief für die rund 5.100 Gemeindemitglieder wird auch hier nur den Mitgliedern in den Briefkasten geworfen. Doch können Menschen aus anderen Konfessionen oder Religionen mitlesen. „Gemeinsam“ liegt beim Bäcker aus und auch bei der Sparkasse – eigentlich überall dort, wo Menschen vorbeikommen oder sich treffen.

Zwei Ziele hat sich das Redaktionsteam gesetzt, sagt Pfarrer Andreas Schneider. Zum einen solle der Gemeindebrief nicht nur Informationen über Veranstaltungen und Gottesdienste oder Familiennachrichten enthalten: „Unser Wunsch ist es, das Blatt journalistisch zu gestalten, so dass es den Lesegewohnheiten der Menschen entgegenkommt und man es gerne in die Hand nimmt.“ Zum anderen gehe es um die Verknüpfung der Themen mit dem Leben in der Gemeinde und im Wohnort. Und so arbeitet das Redaktionsteam auch hier mit Schwerpunktthemen.

Lokales und Überraschendes

„Genieße das Leben“ heißt es zum Beispiel in der neuesten Ausgabe. Eine im Ort angesiedelte Genuss-Schule wird vorgestellt, die in einer umgebauten alten Dorfschule Seminare für besonderen Genuss etwa bei Speiseölen anbietet. Und es ergibt sich durchaus auch mal Überraschendes. So stellten etwa zwei Presbyter (Kirchenvorsteher) bei der Frage nach ihrem Lieblingsort fest, dass sie beide für die Käsetheke im örtlichen Supermarkt schwärmen.

Zur Herbstausgabe des vier Mal pro Jahr erscheinenden „Gemeinsam“ wählt das Team immer ein theologisches Thema aus. So standen schon die großen Theologen Calvin und Melanchton im Mittelpunkt. Im Sommer etwa wurden einmal alle Beiträge unter Liedzeilen aus Paul Gerhards Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ gestellt. Dabei erhielt ein Bericht aus einem Hospiz in Afrika den Titel „…auf dieser armen Erden“, und „die unverdrossne Bienenschar“ diente als Überschrift für das Porträt einer Imkerin aus der Gemeinde. Freiheit und Glaube, Stille, Spiritualität oder Kirche geht zur Schule waren weitere Schwerpunktthemen.

Auch in der Kottenforstgemeinde weiß man um die Bedeutung und Wertschätzung der Gemeindebriefe. Daher legt das immerhin neun Personen starke Redaktionsteam großen Wert auf professionelle Gestaltung. „Wir haben einige Fortbildungen beim Pressesprecher unseres Kirchenkreises mitgemacht“, sagt Pfarrer Andreas Schneider. Dabei habe er gelernt, dass mit dem Gemeindebrief mehr Menschen angesprochen werden könnten als mit einem Gottesdienst. Er habe gelernt, wie Artikel gut und lesenswert geschrieben werden und etwa Überschriften als Hingucker dienen könnten. „Wir versuchen auch, konsequent mindestens ein Bild pro Seite einzuplanen“, sagt Schneider. Interviews und Umfragen, grundlegende theologische Artikel oder Aktionen wie „Schreibt uns aus dem Urlaub“ – die genutzten Genres sind so vielfältig wie die Mitglieder im Redaktionsteam. Hilfreich dabei – vor allem, wenn die Zeit bis zum Drucktermin mal wieder knapp wird – sind auch hier die Möglichkeiten der neuen Medien. Texte und Fotos werden von den Autoren jeweils auf einem Internetserver hinterlegt, so dass sich die Layouterin jederzeit an die Gestaltung machen kann. Und wenn mal eine Panne passiert, dann ist das auch keine Katastrophe, denn immerhin „arbeiten alle ehrenamtlich“, sagt Chefredakteur Pfarrer Andreas Schneider.
 

Information

Wie gestaltet man einen Gemeindebrief so professionell wie möglich? Der Gemeindebrief ist Deutschlands großes Gemeinde-Magazin, dass mehrmals erscheint. Auf der Website finden Sie die größte Bilddatenbank für Kirchengemeinden. Die Seite bietet Inhalte, Informationen und Praxis-Tipps, die Sie für die Produktion Ihres Gemeindebriefes und Ihrer Homepage benötigen. Brauchen Sie Informationen? Dann wenden Sie sich an die Redaktion, Telefon: 069/58098-164

Eine Karte mit der Übersicht aller Teilnehmer-Gemeinden und ihre Bewerbungsprofile finden Sie hier.

 

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