Bebe Cool, Superstar aus Uganda

Hip-Hop macht reich und glücklich

Kathrin Harms, Zeitenspiegel/Kathrin Harms / Zeitenspiegel

Uganda ist arm. Aber auch in den ärmsten Ländern gibt es schicke Villen und dicke Autos. Super­stars wie Bebe Cool können hier besser leben als in Hollywood: aufregender, näher dran. Für die Kids aus dem Ghetto ist der harte Rhythmus eine Chance. Er trägt sie in eine andere Welt, vielleicht sogar in die Welt der Erfolgreichen

Das Menschenknäuel treibt eine Weile hin und her. Die Fans wollen an ihn ran, an ihren Star. Bebe Cool schreitet durch die Menge. Vor ihm die Bodyguards, sie schlagen den Weg frei. Mit einer Art Bambus­stange und mit ihren Fäusten. Eine Backgroundtänzerin stolpert noch durch das Getümmel, schimpft. „Oh, my God. Crazy shit, man!“

Bestimmt hunderttausend Menschen ­warten auf ihn im alten Flughafen von Kampala: Bebe Cool, der Superstar in Uganda. Er springt auf die Bühne. Beats, Jubel, irre Lautstärke, dann in den ersten Reihen Panik. Gedränge. Leute stürzen. Das Konzert wird unterbrochen. Die Polizei schlägt auf die Masse ein. Die Leute sollen sich auf den Boden setzen, das tun sie auch. Dann wird es ruhiger. Bebe Cool legt wieder los.

Hip-Hop, Ragga, Dancehall – diese Musik gehört zu Uganda, auf der Straße und in den Clubs.

Hauptstadt Kampala. Am nächsten Morgen rufen wir Bebe Cool an. Sein
Geburtsname: Moses Ssali, geboren 1977. Bebe Cool: „Jaaa, ist doch kein Problem, Mann, kommt jetzt vorbei.“ Wo? „Krebsstation, Krankenhaus.“ Bebe Cool trägt eine schwarze Lederkappe, ein rotes T-Shirt, bedruckt mit einem Hund, Sonnenbrille und Wollmütze auf dem Kopf. Der Hund fletscht die Zähne.

„Hallo, Mann, wie geht es euch?“ Ein Freund von Bebe Cool ist auch dabei, Tom aus Kalifornien, ein massiger, großer Typ, er sagt: „Alter, ist das krass, das habe ich noch nie gesehen. Das ist grausam. In der Halle dort, die ist voller sterbender Menschen. Die liegen überall.“ Bebe Cool: „Wir müssen los, zur Bank. Geld holen, für Medikamente. Für ein Kind. Ich kümmere mich um das Mädchen. Sie hat Krebs.“

Bebe Cool sitzt in diesem riesigen Geländeprotzwagen, Hummer H2, über dreihundert PS, zwanzig Liter Benzinverbrauch, TV-Monitore an der Decke und in den Rücksitzen. Die Bodyguards folgen uns in einem anderen Wagen. „Oh Mann, es ist immer so heiß im Februar. Immer wenn es heiß ist, schmerzen meine Beine wie verrückt.“

Zum Verlieben, dieser Typ!

Die Kugeln, letztes Jahr, trafen ihn vier Mal. Er zeigt auf seine Beine und auf die Leistengegend. Es hatte einen Kampf gegeben mit einer anderen Musikergang. Die Polizei schritt ein. Ein Polizist verlor die Nerven, fing an, mit dem Maschinengewehr um sich zu feuern.

„Und gestern, das war auch ein verrückter Tag, da haben sie mein Auto geklaut. Es gab ganz schönen Trubel, meine Security-Jungs schnappten sich diese Typen und schlugen sie zusammen. Oh Mann. Ich bin so müde, wenn es zu heiß ist, bin ich nicht ich selbst.“ Wir halten an einer Geschäftsstraße. „Wo ist meine Security, wo sind die?"

Bebe Cool humpelt. Wir müssen über die Straße. Überall Autos. Bebe stellt sich an den Rand der Straße, streckt seine Hand raus, stoppt die Autos. Sie sollen gefälligst anhalten. Er hat Schmerzen, sein Körper rebelliert, Bebe läuft gebeugt. Zum Verlieben, dieser Typ. Weil er so verrückt ist, immer wieder aufsteht. Weil er gute Witze macht. Weil er in einem Jahr, 2010, ein Bombenattentat, einen schlimmen Autounfall und eben die Schießerei überlebte.

"Entwicklungsländer sind echt unterschätzt"

Er ist ein netter Angeber. „Oh Mann, ich liebe Uganda so sehr. Ich war in Kalifornien. Als ich wieder hierherkam, hab ich gedacht, ja, lieber eine Drei-Millionen-Dollar-Villa hier in Uganda als eine Fünfzig-Millionen-Dollar-Villa in Kalifornien. Entwicklungsländer sind echt unterschätzt, du kannst hier ein super Leben haben.“

Bebe Cool muss in die Schlagzeilen, will im Gespräch ­bleiben. Und dafür macht er eine ganze Menge. Er hat Mühe mit den Treppen, hoch zum zentralen Lager eines Pharmakonzerns. „Dreihundert Dollar zahle ich dem kleinen Mädchen für die Medikamente. Das reicht für drei Wochen.“ Sein Handy klingelt. „Oh, da ist mein nächster Patient dran. Der braucht Hilfe, das ist mein Fahrer, nach unserem Unfall querschnittsgelähmt.“

Einem Mann, hinter einer Luke in der Tür, zeigt er das Rezept. „Bitte sieh zu, dass du das hier besorgst.“ Der Mann an der Ausgabe kann es gar nicht fassen, dass es Bebe Cool ist. „Mann, Bebe, ich habe dich erst gar nicht erkannt, weil du die Haare unter der Mütze hast. Pass auf: Das Medikament muss zwischen zwei und acht Grad gelagert werden.“ Bebe Cool: „Mann, das ist doch ein Krankenhaus, das sind doch Ärzte, die wissen, was sie tun.“ Mann am Schalter: „Ja, pass auf, dass der Kühlschrank in Ordnung ist.“

"Jobs in Japan"

Bebe Cool schlurft wieder über die Gänge, die Treppen hinunter und setzt sich in sein Auto. Wenig später hält der Hummer auf einem Parkplatz. Bebe gibt einem Typen ein Bündel Geldscheine. „Das ist der Junge, sie haben ihn mit mir zusammen angeschossen. Auch er braucht seine Medikamente.“

Das Handy klingelt. „Honey, ja. Ja. Ich komme.“ Er muss wegen dieser Schießerei zum Gericht. Bebe Cool verabschiedet sich. „Kommt heute Abend mit uns auf die Party. Geht nur in Nachtbars, die sicher sind. Es ist gerade eine gefährliche Zeit. Du kannst hier alles verlieren, auch dein Leben.“

Bebe Cool reißt die Augen auf, starrt uns an und fährt sich langsam mit der Handkante über die Zähne. „Wir sehen uns.“ Wir fahren los, haben eine Verabredung im Ghetto. Wellblechhütten, grünliche, blubbernde Brühe. Gestank. Urin, Müll, brennendes Plastik, viel Rauch. An einer Mauer hängen Plakate: „Jobs in Japan.“ Unter einem Blechdach sitzen ein paar Jungs, kiffen. Die Polizei kommt selten rein ins Viertel.

"In die Straße könnt ihr nicht rein. Da nehmen sie euch die Kamera!"

Und wenn, dann kennen die Jungs die Fluchtwege über ­Mauern und Dächer.
Einer fragt: „Irgendwelche Jobs heute?“ – „Nein“, sagt der andere. In der Nachbarhütte verscheucht ein Fleischer Fliegen von einer abgehackten Rinderschulter. Kinder rollen ihre alten Reifen durch die Straße. Männer spielen Brettspiele. Im Ghetto brauchen wir nicht lange zu suchen, um Rapper und Breaker zu finden.

Wir warten auf Abraham Tekya, Künstlername: Abramz. Er hat uns am Handy gesagt, wir sollten bei den Kindern aus seiner Breakdance-Crew auf ihn warten – mit denen seien wir hier sicher. Wir gehen durch die Geschäftsstraßen im Ghetto. Ein Baby fällt in den Matsch. Eric, einer der Jungen aus der Breakdance-Crew, 16 Jahre, wischt ihm Schleim und Matsch aus dem Gesicht.

Eric sagt: „Da in die Straße könnt ihr nicht rein, da nehmen sie euch die Kamera. Und wenn du in diese Straße gehst, da klauen sie dir erst die Ohren, dann die Nase.“ Unsere „Bodyguards“, diese Kinder, sind schlau, höflich und ziemlich locker. Abramz hat ihnen erzählt, von Gästen erwarte man kein Geld. Bill Gates könne in das Viertel kommen, trotzdem könne man von ihm nichts erwarten.

Die Crew verachtet die Posen der Stars, ihre Goldketten und dicken Autos

Motorradtaxen knattern um Schlaglöcher und Menschen herum. Shadia, ein Mädchen aus der Crew: „Ziemlich ungerecht, dass Frauen kein Taxi fahren dürfen. Ich will kämpfen, für alle Frauen in der Welt.“ Hupen, bunte Lichter und in jeder Hütte Musik. Hitze. Cola trinken. Warten. Ein Taxi­fahrer erzählte, Unpünktlichkeit sei ein echtes Problem in Uganda, wirtschaftlich gesehen. Und: Ein Kenianer arbeite schneller als acht Ugander.

Super, er ist da. Abramz kommt zwei Stunden zu spät zur Verabredung. Er nimmt uns mit zum Treffpunkt am Rande des Ghettos, einer Bühne neben einer Kapelle. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, akrobatische Sprünge, karatemäßig. Sie drehen sich auf dem Kopf, Windmill. ­Freeze. Stop.

Breakdance. Von hier oben, auf einem der Hügel Kampalas, sieht man hinunter auf die Lichter der Stadt. Rauchwolken. Dunst. Musik, Megafondurchsagen in der Ferne. Sirenen. Abramz ist achtundzwanzig Jahre alt, war einer der Ersten in Uganda, die mit Rap und Breakdance anfingen. Er ist vielleicht einer der besten Hip-Hop-Künstler in Uganda, verkauft seine Musik aber nicht, will nicht mitspielen im Showgeschäft. Die Leute in der Crew verachten das Posen der Stars mit ihren dicken Autos und goldenen Ketten.

Gestank von Armut und Brutalität

Als Kind, sagt Abramz, stand er in dieser Wellblechhütte, einem Shop, wo sie Videos abspielten. Irgendwann sah er dort so ein Hip-Hop-Video, „Check the Rhime“, von der amerikanischen Hip-Hop-Gruppe A Tribe Called Quest. „Das war neu, so was hast du damals nicht so häufig in Uganda gesehen.“ Immer wieder kam Abramz in diesen Shop. Sie sahen dort Videos der Gruppe Rock Steady Crew. Abramz begann in dieser Zeit zu rappen, heimlich auf Englisch.

­Später, als er mit seinem Bruder seine ersten richtigen Auftritte hatte, rappten sie wieder in ihrer Muttersprache Luganda, einer von zig Sprachen in Uganda.

Hip-Hop. Das ist für diese jungen Leute alles, was sie ­haben. Niemand kümmert sich um sie. Abramz’ Rap ist die Botschaft, nie aufzugeben, ein Ziel vor Augen zu haben. „Am Anfang sind viele hier überrascht, dass ich das Gleiche durchgemacht habe wie sie.“ Kinder fliegen von der Schule, Eltern können das Schulgeld nicht zahlen. Armut, Krankheit und Gewalt. Abramz vermittelt einigen Kindern Sponsoren, die Schulgeld zahlen. Leute aus der westlichen Welt, die sich für die Kunst und die Menschen aus dem Ghetto interessieren. Diese jungen Typen hier beim Breakdance sind wirklich beeindruckend. So herzlich und locker, umgeben von dem ganzen Gestank von Armut und Brutalität. Abramz ist wie das Happy End aus dem Ghetto.

"Der Vermieter von Remys Mutter sagte, sie sei eine Hexe"

Ein bekannter Regisseur für Musikvideos aus den USA drehte über Abramz und die Crew einen Film. Das Idol von Abramz trat darin auf. Die Breakdance-Legende Crazy Legs von der Rock Steady Crew, die sich Ende der siebziger Jahre in der Bronx, New York, gründeten. Die Legende weint in diesem Film. Crazy Legs kann das Elend um ihn herum nicht fassen.

Und dann diese Typen hier, die in all dem Mist auch noch so feine Kerle sind. Das rührt die Legende. Die ersten Kinder aus dem Ghetto werden durch das Engagement von Abramz und seinen Kontakten aus dem Ausland bald studieren.

Abramz: „Wenn man auf diese jungen Menschen schaut, sieht, wie sie sich entwickeln, dass sie wieder zur Schule gehen, eine Chance bekommen. Wenn ich das sehe, ist das Wort Glück nicht ausreichend für das, was ich fühle. Dann finde ich, ich bin echt erfolgreich. Das Materielle bringt mir nichts.“

Abramz stellt uns Remy vor, eine junge Frau, achtzehn Jahre alt. Sie war in keinem guten Zustand, als sie Abramz kennenlernte, irgendeins von diesen Mädchen aus dem Viertel, sie saß da, sprach nicht. Die Vermieter der Hütte, in der sie mit ihrer Mutter wohnte, sagten, ihre Mutter sei verhext. Remy dachte immer, es sei Malaria. Zwei Jahre dauerte das, dann war die Mutter tot. Aids. Remy war damals elf Jahre alt. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Die Verwandten jagten Remy fort wie einen Straßenköter. Remy zog von Hütte zu Hütte, sie hatte kein Geld, die Schulgebühren zu bezahlen.

"In Uganda kannst du ganz offen korrupt sein und bist trotzdem hoch angesehen.“

Sie war immer eine gute Schülerin gewesen. Das sagen die Lehrer. Manchmal gaben die Leute aus dem Viertel ihr ein wenig Geld oder Essen. Remy wusste nicht wohin, wollte sich der Kirche anschließen. Sie landete aber irgendwann bei den Breakdancern und Abramz. Sie hat in der Hip-Hop-Crew die Fa­milie gefunden, die sie nicht hatte, sie wird bald studieren. Remy: „Ich will der weibliche Abramz werden, möchte was verändern, für immer für die Kinder da sein.“

Wir verabschieden uns von Remy und Abramz, steigen in ein Taxi, wollen in den „Cayenne“-Club, Bebe Cool und ein paar andere Stars sagten, sie wären heute Abend dort. Wir fahren raus aus dem Ghetto, durch ein Viertel der Reichen. Hohe Mauern, verzierte Tore. Stacheldraht. „Häuser aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert“, sagt Isaac, der Taxifahrer. Um die dreitausend Dollar kostet die Miete. „Willst du lieber nicht wissen, woher manche Leute hier ihr Geld haben. Korruption ist ein Problem. In vielen Ländern wird das verachtet, aber in Uganda kannst du ganz offen korrupt sein und bist trotzdem hoch angesehen.“ „Cayenne“-Club, Parkplatz: VW Touareg, BMW, Mercedes, Bentley.

Sicherheitsschleuse am Eingang. Roter Teppich. ­Angestrahlte Bäume, brennende Fackeln. In einem Innenhof tanzen Menschen um Tische mit weißen Decken. Auf der Bühne steht Navio, ein Nachwuchsstar. Die Gäste: viel Schmuck, lange Kleider, Miniröcke, hohe Absätze. Anzüge. Und Hip-Hop-Style – große Kapuzen mit Wollmützen darunter, weite Hosen, Ketten. Grimmig gucken.

"In Europa gehen die Leute zum Psychologen – hier nicht"

Bunte Anzüge, weiße Fliegen, schön abgefahren. Societyreporter laufen hektisch durch die Menge. Blitzlichter. An einem der Tische sitzt Chameleone, auch einer dieser Superstars. Cinzano-Kübel mit Feuerfontänen werden an die Tische geliefert. Chameleone zündet sich an einer davon eine Zigarette an. Neben ihm sitzt Meddie, der reichste junge Ugander, sagen die anderen, Immobilien mit dreiundzwanzig Jahren, dicke Autos, dicke Show.

Die beiden Männer werden von vielen Frauen geherzt, Küsschen, Küsschen. Die Frauen schütten einen Wodka nach dem anderen hinunter, tanzen um den Tisch herum. Eine große, schlanke, mit gebleichter Haut leckt den Rest aus dem Schnapsglas.

Bebe Cool steht an der Bar, bestellt auch noch einen Wodka. Das Ausgehen nervt ihn, sagt er. Jeden Tag. Er muss das machen, für die Schlagzeilen, will Musik ver­kaufen. „Weißt du, in Europa, da gehen die Leute zum Psychologen – hier nicht. Die Menschen wachsen so auf: gut und schlecht. Das Hirn stellt sich darauf ein. Heute gibt es Essen, morgen nicht. Einen Tag läuft es gut, am anderen schlecht. Africa balances your brain.“

"Ein dummer Song, aber die Leute gehen dazu ab."

Bebe Cool dreht sich um, begrüßt eine große, schlanke, hübsche Frau, blond gefärbte Haare. Wer ist das? Eine Partyveranstalterin, ein Model. Eine Society­-Lady aus Kampala. Judith Heart bestellt Gin Tonic. Doppelte Ladung, Kübel Eis. „Sie sollen aufhören, mich eine reiche Frau zu nennen. Alles, was ich habe, ist ein Mann und eine Kreditkarte.“ Der Mann ist Amerikaner, ein Professor mit Immobilien. Alle paar Minuten meldet ihr iPhone eine Nachricht.

„Die wenigsten Weißen, die Uganda besuchen, kennen so einen Ort wie diesen. Sie werden in die Dörfer geführt, dahin, wo die Elendsprojekte sind, in arme Viertel. Sie können sich nicht vorstellen, dass es auch hier Leute gibt, die Spaß haben.“ Früher fuhr sie einen Mercedes 350. Jetzt fährt sie Bentley. Sie ist immer nach Mailand zur Modewoche geflogen. Aber das macht sie nicht mehr. „Kein Gucci mehr. Die Italiener sind mir zu rassistisch.“

„Keep moving. This is the industry, I am the Lord of“, rappt Navio auf der Bühne. Neben mir am Tisch steht Patrick. Er ist in Kampala ein bekannter Comedian. Gefällt ihm diese ­„Industry“, mag er die Hip-Hop-Songs in den Clubs, auf Partys, diese Texte wie „Ich will Millionär sein“? Patrick: „Ja, genau, ein dummer Song, aber die Leute gehen dazu ab, die Texte sind irgendein Blabla. Super produziert.“ Die Enter­tainmentbranche gibt es in Uganda noch nicht so lange, der kulturelle Wandel verläuft rasend schnell.

"Konsum, Bling-Bling. Glamour. Das ist alles, was die Leute wollen."

Patrick sagt: „Schau mal: Navio da auf der Bühne. Sein Akzent, seine Bewegungen, alles Hip-Hop, amerikanisch, westlich geprägt. Das ist unser Anschluss an die Welt.“ Navio nahm einen Song mit dem US-amerikanischen Star R. Kelly auf. „Dieses Yo, Yo, hey, what’s up, man – das ist auf eine Art prätentiös. Aber es ist Rap, verstehst du? Das sind die Vorbilder. Konsum, Bling-Bling. Glamour. Das ist alles, was die Leute wollen.“ Nach seinem Auftritt umarmt Navio Judith Heart. Sie betastet seine Kette, an der ein großes Kreuz baumelt, nimmt einen Schluck Gin, sagt: „Er ist unser Popstar. Unser Land entwickelt sich weiter.“ Uganda ist eines der ärmsten Länder, mit dem zweithöchsten Bevölkerungswachstum der Welt.

Spät in der Nacht, die Party ist vorbei. Draußen auf dem Parkplatz lässt ein Mercedes, der von Meddie, die Reifen durchdrehen. Chameleone sitzt in seinem BMW-Cabrio, gibt Vollgas, will weiter, auf eine andere Party. Ein Typ aus seiner Crew springt im letzten Moment in den bereits übervollen Wagen, kann sich in der Kurve gerade noch so festhalten. Stimmen. Gelächter, Musik im Hintergrund.

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