Unterschiede Asyl in Bundesländern

Einer hatte Glück

Fotos: Silke Wernet / Sandra Stein

Musa aus Gambia wurde Baden-Württemberg zugeteilt, der Iraner Amir kam nach Rheinland-Pfalz. Zwischen beiden Bundesländern fließt der Rhein. Für die Flüchtlinge trennt der Fluss Welten

Musa Sonko humpelte an Krücken aus dem Bauch eines Containerschiffs. Als er deutschen Boden betrat, glaubte er, Schutz zu finden. Die Flucht aus Gambia war ihm gelungen, doch bei der Zuteilung seines Wohnorts in Deutschland hatte Musa Pech: Der Computer des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) weist ihm für die Dauer seines Asylverfahrens Baden-Württemberg zu. Musa ist 26 Jahre alt. Seit mehr als zwei Jahren lebt er nun in einem Heim in Biberach an der Riß nahe Ulm, gemeinsam mit zwei fremden Flüchtlingen in einem Zimmer. An drei Tagen in der Woche bringt ihm ein Lastwagen einen Plastikkorb mit Essen.

Auch Amir Bakhshi flüchtete, suchte Schutz vor dem iranischen Geheimdienst. Bis über seinen Asylantrag entschieden ist, lebt er in einer Einzimmerwohnung mit Balkon. Das Essen wird Amir nicht im Plastikkorb geliefert, er bekommt Geld und kauft, was er für richtig hält. Dem 30-Jährigen wurde Rheinland-Pfalz als Wohnort zugeteilt. Seit rund zwei Jahren lebt er in Bad Kreuznach, nahe Mainz.

Ein Gesetz mit großen Spielräumen

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind sich zwischen Mannheim und Ludwigshafen so nahe, wie der Rhein breit ist. Für Asylbewerber jedoch trennt der Fluss Welten. Laut Flüchtlingsrat gibt ein Drittel der Landkreise in Baden-Württemberg Essenspakete aus, fast jeder Flüchtling lebt in einer Sammelunterkunft. Selbst für Traumatisierte und Familien ist es kaum möglich, aus solch einem Heim auszuziehen. In keinem anderen Land haben Flüchtlinge dagegen so gute Chancen, in eine eigene Wohnung zu ziehen, wie in Rheinland-Pfalz. Hier entscheiden die Kommunen frei: Meist gewähren sie Wohnungen und Bargeld.

Dabei müssen sich beide Länder in der Asylpolitik an die Vorgaben des gleichen Bundesgesetzes halten: das Asylbewerber­leis­tungsgesetz, das die Kohl-Regierung 1993 gemeinsam mit der SPD eingeführt hat. Um die Flucht nach Deutschland unattraktiver zu machen, definiert es für Asylbe­werber Hilfsleistungen, die etwa 30 Prozent unter dem normalen Sozialhilfeniveau liegen. Zudem sieht es vor, Flüchtlinge in Heimen unterzubringen und Nahrung, Kleidung sowie Hygieneartikel als Sach­leis­tungen auszugeben. Doch das Gesetz eröffnet Spielräume, die die Länder je nach politischer Führung unterschiedlich gestalten. So entstand in den vergangenen 17 Jahren ein Flickenteppich, der kaum zu überblicken ist: Je nach Bundesland, Kreis oder Kommune leben Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften oder Privatwohnungen; bekommen Bargeld, Gutscheine oder Essenspakte.

Rot oder Schwarz - Glück oder Pech

Für Asylbewerber ist das föderale Chaos reines Glücksspiel.  Die ersten drei Monate leben alle in einer Erstaufnahmeein­richtung, dann wird ihnen eine Unterkunft zugewiesen. Ihren Wohnort errechnet das BAMF über den „Königsteiner Schlüssel“. Wie viele Flüchtlinge ein Bundesland aufnehmen muss, hängt von der Bevölkerungszahl und den Steuereinnahmen ab. Für Asylbewerber ist dieses Verfahren wie Roulette: Der Zufall entscheidet, ob die Kugel bei Rot oder Schwarz landet, ob sie Glück oder Pech haben. 

Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz: Das efeubewachsene Haus liegt zentral. Rote Geranien zieren die Fenster im Erdgeschoss, gegenüber fließt die Nahe. Die Holztreppe des Altbaus knarrt, als Amir Bakhshi in den ersten Stock hinaufsteigt und die Tür zu seinem Zimmer öffnet. Gleich rechts steht ein Holzbett, die Decke liegt ordentlich gefaltet darauf. Vom hellbraunen Sofa ist der Fernseher nicht weit. Er fühle sich hier sehr wohl, sagt Amir.

Amir kauft selbst ein und Musa bekommt ein Esspaket

„Hier habe ich mein privates Leben, nicht wie in den ersten drei Monaten im Heim.“ Amir ist schlank. Er hat seine schwarzen Haare mit Gel nach hinten gekämmt. Stolz präsentiert er seinen Kleiderschrank, fährt mit dem Handrücken über längsgestreifte und karierte Hemden. „Ich liebe Kleidung“, sagt er. Natürlich muss er mit knapp 220 Euro, die er monatlich bekommt, sparsam umgehen. Er sucht immer nach Angeboten. „Die hat nur vier Euro gekostet“, sagt Amir und zeigt auf seine Jeans.

Amir öffnet die Tür zu seiner Küche. Die Armaturen sind sauber geputzt, das Edelstahl glänzt. Er bückt sich und öffnet den Kühlschrank: Zwei Äpfel liegen darin, frische Vollmilch, ein Glas Essiggurken, eine Packung Margarine, Ketchup und türkischer Käse in einer Dose – wenn Amir Lust hat, geht er zum kleinen Importladen in der Stadt.

Drei Mal pro Woche wird geliefert

300 Kilometer südöstlich, Biberach an der Riß: Um 7.30 Uhr wird das Essen geliefert. Ein weißer Lastwagen fährt rückwärts auf den Hinterhof der Gemeinschaftsunterkunft im Industriegebiet. Durch weiße Wolkenschleier blitzt die Sonne, die meisten Vorhänge hinter den Fenstern des Heims sind zugezogen. Der Lastwagenfahrer lässt die hydraulische Laderampe herunter und beginnt, blaue Plastikkörbe mit Essen aufeinanderzustapeln. ­Musa Sonko schlurft verschlafen zur Laderampe und nimmt den Plastikkorb mit seiner Ration entgegen.

Heute ist Mittwoch, bis Freitag muss sie reichen: sechs Aufbackbrötchen, vier kleine Aludosen Marmelade, jeweils ein Liter Milch und Apfelsaft im Tetrapak, eineinhalb Liter Wasser in der Plastikflasche, ein Putenschenkel, zwei Äpfel, 500 Gramm Nudeln und passierte Tomaten. Dreimal die Woche kreuzt Musa auf einer Liste an, was er essen möchte – drei Mal die Woche kommt der Lieferwagen.

40 Euro Taschengeld

Musa geht zurück in sein Zimmer. Er trägt ein weißes Unterhemd – wie üblich. Auch die Kleidung wird geliefert. Im Frühjahr und im Herbst kommt ein Lastwagen voll mit Pullovern, Hosen und anderen Kleidungsstücken. Für 140 Euro darf er sich dann  für die kommende Jahreszeit eindecken. Aber die Sachen passten selten und gingen schnell kaputt, sagt Musa. Er läuft den Flur entlang. Vorbei an Türen, hinter denen andere Flüchtlinge leben. Familien, junge Männer, alleinerziehende Mütter. Auf dem grauen Laminatboden steht ein rotes Spielauto quer, Schuhe liegen verstreut herum. Die Türe zur Gemeinschaftsküche steht offen, in einer Ecke stapelt sich dreckiges Geschirr. Der Duft von Spülmittel mischt sich mit dem von geschmorten Zwiebeln.
In seinem Zimmer stellt Musa den blauen Korb auf einen Beistelltisch.

„Sie sorgen dafür, dass wir satt sind. Aber Essen soll man doch auch genießen können“, sagt Musa. „Wir wollen selbst entscheiden, was wir essen.“ Wenn er könnte, würde er öfter ­Bananen oder Salat essen. Aber die Auswahl auf der Liste ist beschränkt, und die 40 Euro Taschengeld, die er im Monat bekommt, sind meist schnell verbraucht. Nicht für Essen, sondern für Busfahrkarten oder seinen Anwalt. Neulich hat er sich ein eigenes Deo gekauft. Es gibt auch eine Liste für Körperpflege und Hygiene­artikel.  „Alle bekommen das gleiche Shampoo, alle das gleiche Deo.“ Von dem Deo bekommt Musa Ausschlag. Und er will selbst entscheiden, wie er riecht.

Drei Mann in einem Zimmer

Musa sagt, die Gemeinschaftsunterkunft mache ihn krank. In dem Siebzigerjahrebau leben auf drei Etagen rund 80 Menschen. Der Blick aus dem ehemaligen Bürogebäude fällt auf einen ver­rosteten Kran, ausrangierte Baufahrzeuge, alte Kanalrohre, Schrott. In dem Haus ist es oft laut, wird wegen Kleinigkeiten gestritten, überall hängen Zettel mit Verboten und Anweisungen.

Musas Zimmer ist 20 Quadratmeter groß, auf einer Doppelmatratze am Fenster schläft er gemeinsam mit einem Flüchtling aus Afghanistan. Ein anderer Flüchtling aus Gambia schläft auf dem Zweisitzersofa an der Wand. Zwischen Sofa und Kleiderschrank dient eine Holzplatte auf wackligen Beinen als Tisch. Wenn die Freundin des anderen Gambianers zu Besuch kommt, geht Musa nach draußen. „Ich habe nichts, was für mich bleibt. Hier kann jeder reinkommen. Ein Mensch ohne Privatsphäre hat doch kein Leben.“

Monatelang gefoltert, dann geflohen

Musa sitzt auf einem abgewetzten grauen Sessel und raucht eine selbst gedrehte Zigarette aus Tabakverschnitt. Oft sitzt er einfach nur da und wartet auf den Moment, an dem es in seinem Leben wieder weitergeht. Für ihn ist das Warten ein Kampf gegen die Zeit, die ihm endlos lange erscheint. Bevor Musa floh, hatte er in der Hafenstadt Bakau Wirtschaft studiert, stand kurz vor dem Abschluss. In Deutschland darf er im laufenden Asylverfahren nicht studieren. Langsam, sagt Musa, vergesse er, was er gelernt habe. Manchmal liest er im Buch „Principles of Marketing“, das ihm eine Freundin geschenkt hat. Für eigene Bücher reicht sein Geld nicht.

Musa erzählt die Geschichte seiner Flucht. Sie begann mit dem – möglicherweise vorgetäuschten – Putschversuch gegen Präsident Jammeh im Jahr 2006. Der Geheimdienst war eigentlich hinter Musas Bruder her, der die Gräueltaten von Jammehs Leuten verraten haben soll. Weil die Agenten seinen Bruder nicht finden konnten, sperrten sie Musa ein, um aus ihm den ­Aufenthaltsort seines Bruders herauszupressen. Sie schlugen ihn, traten ihn mit Militärstiefeln in die ­Rippen, zertrümmerten sein rechtes Schienbein und drohten, ihn zu ermorden, falls er nicht redete.

"Hier bist du total isoliert"

Musa wusste nichts. Nach neun Monaten Folter ließen sie ihn frei. Musa floh in den Senegal und von da aus Richtung Europa. „Ich wusste nicht, wohin die Reise gehen sollte. Nachts stieg ich in das Containerschiff, und achtzehn Tage später war ich da.“ Musa sagt, der Kapitän habe ihn in Hamburg aus dem Bauch des Schiffes an Land geschmuggelt, ihm 100 Euro in die Hand gedrückt. Mit völlig Unbekannten fuhr Musa dann im Auto nach Karlsruhe,  beantragte Asyl und wurde nach Biberach an der Riß geschickt – ins Heim, wo das Leben für ihn eine Qual ist.

„Ich habe das Gefühl, die Stadt distanziert sich von den Flüchtlingen. Du bist hier total isoliert und hast fast ­keine Chance, mit den Menschen in Kontakt zu kommen oder gar Freundschaften zu schließen.“ Meist bleiben die Flüchtlinge unter sich. „Oft fühle ich mich unsicher, und ich fühle mich allein und verlassen, weil ich keine Freunde habe.“

In der Kirchengemeinde Freunde gefunden

„Ich fühle mich integriert“, sagt Amir Bakhshi. Er hat einen Ein-Euro-Job im Ausländerpfarramt, wo er anderen Flüchtlingen bei Behördengängen hilft, übersetzt, Formulare ausfüllt. Vor gut einem Jahr hat sich Amir taufen lassen und ist jetzt Christ. Als Muslim werde man geboren. „Man kann nicht wählen. Das ist für mich nicht akzeptabel.“ Er sagt, er sei nicht konvertiert, um bessere Chancen auf einen Aufenthalt in Deutschland zu be­kommen. „Ich bin Christ aus Überzeugung. Ich habe das für mich gemacht – eine Herzensangelegenheit.“ In der Kirchengemeinde hat er Freunde gefunden. Einiges, sagt Amir, fehle aber noch, um endgültig anzukommen: wieder in seinem früheren Beruf zu ­arbeiten, unabhängig zu sein von staatlicher Unterstützung oder reisen zu  können. Die Residenzpflicht verbietet ihm als Asyl­bewerber, Rheinland-Pfalz ohne Genehmigung zu verlassen.

Der studierte Jurist arbeitete im Iran als Journalist. Im Jahr  2004 saß er bereits für neun Monate im Gefängnis, weil er über eine illegale Demonstration berichten wollte. Die Wärter schlugen und beschimpften ihn. Amir ließ sich nicht einschüchtern: Er schloss nach der Haft sein Jurastudium ab und arbeitete weiter als Journalist. 2006 kritisierte er in einem Artikel die Todesstrafe im Iran. Bei einer Razzia in der Redaktion fand der Geheimdienst den noch unveröffentlichten Text. Der Chefredakteur warnte Amir umgehend. Amir sagt, er konnte sich nicht mal mehr von seiner Mutter verabschieden. Über Teheran floh Amir zu Fuß in die Türkei, flog direkt nach Frankfurt, beantragte Asyl und kam nach Bad Kreuznach. Hier, sagt er, habe er Schutz und Menschenrechte gefunden.

Der weiße Streifen steht für Frieden

Musa Sonko legt eine Musik-DVD ein. Er liebt Trommeln, ­Reggae und Rap. Aus dem Fernseher, den er mit seinen Mitbewohnern auf dem Sperrmüll gefunden und selbst repariert hat, klingt Jaliba Kuyateh – ein gambischer Musiker, der bekannt ist für sein Spiel auf der 21-saitigen Kora. Musa wippt leicht mit dem Fuß zum Rhythmus. Er beginnt zu lächeln. Er erzählt von seiner Studentenzeit in Bakau und gerät ins Schwärmen: Essen mit ­exotischen Gewürzen, Treffen mit Freunden am Meer.

Seine Hände wirbeln durch die Luft, fahren auf der Tischplatte die Umrisse einer Schlange nach – die Form seines Heimatlands in Westafrika. Er erklärt die Flagge Gambias: Rot steht für die ­glühende Sonne, Blau für die Farbe der Flüsse und Grün für die fruchtbare Landschaft. Die weißen Streifen dazwischen stehen für Frieden. „Das wollen doch alle Menschen“, sagt Musa. „Alle Menschen wollen doch einfach in Frieden leben.“

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Lesermeinungen

Seit diesem Bericht sind viele Monate vergangen und immer noch ist der Artikel aktuell.
Als Ergänzung zum obigen Bericht muss ich hinzufügen, das wer in Deutschland gestrandet ist als Asylant, sich noch lange nicht in Sicherheit befindet. Genauer hingesehen hat Deutschland kein Interesse daran Asylanten eine neue Heimat zu bieten, egal ob es sich um Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge handelt oder um desertierte Soldaten , z.B. aus Gambia. Selbst letztere, die politisch Verfolgte sind, werden Gnadenlos wieder in ihre Heimatländer zurück geschickt, selbst dann, wenn ihnen die Todesstrafe droht. So geschieht es auch in dem kleinen Land Gambia. Desertierte Soldaten, die aus Deutschland abgeschoben werden nach Gambia, werden bei Ankunft in Banjul, der Landeshauptstadt, sofort inhaftiert und im Anschluss erschossen.
Wer sich mal der Problematik hiesiger Asylanten angenommen hat, diese auch zu Behördenterminen begleitet hat, wird feststellen, wie viele Gehirne hinter Schreibtischen sitzen mit Nationalsozialistischem Gedankengut und auch danach handeln.
Das Baden-Württemberg kein asylfreundliches Bundesland ist, habe ich selbst erlebt.
Ich schäme mich heute dafür eine Deutsche zu sein. Die Hitler-Jahre sind in unserem Land noch lange nicht vorbei. Heute hat Deutschland seine Henker in anderen Ländern.

Christina Wischmann schrieb am 23. Mai 2015 um 4:58: "wie viele Gehirne hinter Schreibtischen sitzen mit Nationalsozialistischem Gedankengut.......Die Hitler-Jahre sind in unserem Land noch lange nicht vorbei." Doch, der Faschismus ist seit längerem vorbei in Deutschland. Das vorherrschende Gedankengut, auch bei Asylentscheidern und sonstigen Beamten und Richtern ist das demokratische, nicht das faschistische. Und gerade deswegen fließt reichlich Blut.
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Das demokratische Deutschland sorgt unter Führung der Oberdemokraten im Weißen Haus und im Verbund mit sonstigen potenten demokratischen Staaten für eine politische und wirtschaftliche Weltordnung, bei der Blut, Elend, Krieg und Bürgerkrieg weite Landstriche für die dortige Bevölkerung unbewohnbar machen. Ein geringer Bruchteil von diesen Elendsgestalten schafft es dann nach Deutschland. Die meisten werden wieder zurückgeschickt in ihre Misere, wo sie bisweilen gleich bei der Ankunft einen Kopf kürzer gemacht werden. Ein ganz kleiner Anteil bekommt staatliches Asyl oder Kirchenasyl in der BRD. Damit schmücken sich Staat und Kirche gleichermaßen als Wohltäter der Menschheit. Dass Staat und Kirche Arm in Arm Urheber der Zustände sind, die weltweite Flüchtlingsströme in Millionengröße am Laufen halten und neu hervorbringen, kann die Verfechter von Asylrecht und Kirchenasyl nicht beirren.
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Diese Zustände sind originär demokratisch, nicht faschistisch.

Hier geht es nicht um faschistisch oder demokratisch. Denn ob jemand aus faschistischen oder aus anderen Gründen zur Gewalt bereit ist, macht kaum einen Unterschied. Hier geht es um die unbelehrbar Dummen gegen die Gutmütigen.

Man rechnet in jedem Land mit einem Bodensatz an extremen Idealisten. So wird es immer 3->?? % besonders Gläubige, immer auch 5->?? % treue total Linke und Kommunisten, immer auch 5->?? % hoffnungslos Rechtsextreme und 10-> ?? % unbelehrbare Dumme geben. In den USA und England, sicher auch in Frankreich und Spanien, wird mit 15-> ?? % Rechtsextreme und noch mehr Rechte gerechnet. Die Extreme bedienen sich auch gegenseitig. Wir haben es also mit einer Gemengelage zu tun, die mit einer anderen Überzeugung, mit Erfahrung und Logik nicht mehr zu erreichen bzw. zu verändern ist. Damit abfinden wäre Verrat an unseren Werten. Was ist zu tun? Mit dem steten Tropfen der Mahnung und Verfolgung sind diese Gruppen zu überwachen. Das ist nicht leicht und könnte immer schwerer werden. Denn um jemand zu erreichen, um gehört zu werden, müssen diese Gruppen auch ein Ohr für die Rufe haben und nicht nur dem Echo aus den eigenen Reihen glauben.

Wenn aber immer wenige die normalen Nachrichten hören, sich jede Katastrophenmeldung wollüstig reinziehen und komplexe Zusammenhänge (die oft ein ganz anderes Bild ergeben!) vermeiden oder nicht mehr begreifen wollen und können, dann haben wir ein Problem der Bildung. Die Zahl Derjenigen, die die Verkaufskanäle als ein vollwertiges Unterhaltungsprogramm verstehen, nimmt kontinuierlich zu. Den Beweis dafür können Sie sehr leicht finden, wenn Sie die Teilnehmer an Kaffefahrten der Kirchen und Kommunen befragen. Da lauert die Gefahr des Desinteresses, auf dessen Boden die künftigen Gefahren wachsen.

Die Gläubigen in unseren Kirchen sind davor gefeit? Mitnichten. In Südamerika, Afrika und USA (warum künftig nicht auch bei uns?) gibt es schon die total intoleranten Freikirchen (politisch die Tea Party), die offen jeden Andersgläubigen in die Hölle beten. Von da bis zum Gewaltaufruf ist es so weit (in 10-> 20-> Jahren?) nicht. Mit beten und süßlichem Wunschdenken sind diese Probleme nicht zu lösen.

OCKENGA schrieb am 30. Mai 2015 um 18:42: "Denn ob jemand aus faschistischen oder aus anderen Gründen zur Gewalt bereit ist, macht kaum einen Unterschied." Es macht immer den wesentlichen Unterschied aus, warum einer was tut. Das gilt um so mehr, wenn ein Individuum oder ein Staat zur Gewalt greift. Wenn der Grund für die Gewalt nämlich schnuppe sein sollte, dann kann die Antwort auf die Gewalt nur noch klein beigeben oder Gegengewalt sein. Beides keine berauschenden Aussichten.
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Zitat: "Hier geht es um die unbelehrbar Dummen gegen die Gutmütigen." Überhaupt nicht. Frau Wischmann brachte die Deserteure aus Gambia zur Sprache, die nach Deutschland fliehen, nach allen Regeln des demokratischen Rechtsstaates wieder nach Gambia zurückgeschickt und dort nach allen Regeln des Staates Gambia getötet werden. Da würde ich dringend davon abraten, in ein Gejammere darüber abzugleiten, dass angeblich so viele Dummköpfe in der Welt herumlaufen und an Kaffeefahrten teilnehmen. Es gilt zu erkennen, was warum in der ach so großartigen Bundesrepublik Deutschland los ist und was sich warum in gerne als Bananenrepubliken gescholtenen Staaten wie Gambia tut.

Es ist schon seltsam zu beobachten, wie sich der Schreckliche Iwan immer an einzelnen Personen abarbeitet. Von Ihm selbst kommt kaum etwas Originäres. Vermutlich will er sich nicht mit den Kollumnenschreibern anlegen. Die angeblich marode eigene Republik anzuprangern ist ja so einfach. Von außen betrachtet, wird eigenartigerweise das Gegenteil festgestellt. Irgendwas in der objektiven Wahrnehmung kann da doch wohl nicht stimmen. Auch nicht wenn man nur den Finger auf die von ihm selbst vermuteten Wunden der Anderen legt. Konstruktiv ist er nicht. Er kann wohl nicht anders.

OCKENGA schrieb am 6. Juni 2015 um 13:22: "Die angeblich marode eigene Republik anzuprangern ist ja so einfach." Wenn ich Ihnen in der Formulierung behilflich sein darf, lieber Herr Ockenga: Der anständig rechtschaffene Bürger hat an der Herrschaft in fernen Ländern, in feindlichen oder verflossenen Systemen und in vergangenen Zeiten viel auszusetzen. Kommt die Sprache jedoch auf die aktuelle ortsansässige Herrschaft, der er unterworfen ist, gilt nur ein von Herzen kommendes Hurra. Alles andere ist Nestbeschmutzung.
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Zitat: "Von außen betrachtet, wird eigenartigerweise das Gegenteil festgestellt." Genau auf diesen tödlichen Fehler wollte ich hinweisen. Die BRD geht weltweit Reklame für sich machen, was sie für ein toller Laden sei. Der Werbeslogan heißt Menschenrechte. Wenn dann ein desertierter Afrikaner darauf reinfliegt und nach Deutschland flieht, durchläuft er das menschenrechtlich verfasste Asylverfahren, wird wieder heimgeschickt und ist bald nach der Rückkehr tot. Ganz ohne dass die BRD Henker bezahlen müsste, wie Frau Wischmann bereits zutreffend bemerkt hatte.

Ich habe mehr fremdländische Freunde als Deutsche. Heute plauderte ich mit einem Senegalesen. Er wohnt in einer Asylunterkunft in X. , wenige km von der österreichischen Grenze.
Wir plauderten. Sein Französisch ist flüssig aber mit Akzent, den ich nicht so gewohnt bin. .. Seine Geschichte: .. aus Senegal.. kam er nach Portugal und dann nach Deutschland, wie weiß ich nicht, aber er wollte nach Deutschland und schaffte das auch.
Er hatte in Portugal Asyl beantragt. Er lernt jetzt jeden Tag deutsch, soviel er kann, da kommen auch ehrenamtliche Helfer, die ihn unterstützen. Warum er nicht Asyl in Frankreich gesucht habe, da er ja fließend Französisch spricht, frage ich ihn. Da hätte er es doch leichter sich zu integrieren und nach Anerkennung Arbeit zu finden. Nein, Französisch, das könne er ja schon. Wenn er dazu noch deutsch spricht, dann hat er mehr Aussichten später in seinem Land. Er hat Zweifel ob er hier bleiben soll. Grund: Es ist so langweilig. Senegal ist so gut wie ein sicheres Land. Gegen einen negativen Asylbescheid wird er Widerspruch einlegen. .. wenn wieder negativ, sagte er mir, dann geht er halt die paar km zu Fuß nach S, über den Inn, nach Österreich und beantragt dort Asyl. Er will vorher anständig deutsch lernen. ok. Manchmal ärgere ich mich über mein Engagement für Asylanten. Einziger Grund des Asylantrags: Eine oder mehrere Fremdsprachen zu lernen. Naja, ein paar Fremdsprachen hätte ich auch gerne gelernt um dann beruflich erfolgreicher zu sein. Kein Geld für Auslandsaufenthalte hatte ich.