Jung, fromm, abgeordnet

Von der Kirchenbank in den Bundestag ­ eine solche Karriere ist geradezu typisch für eine Riege junger, gläubiger Politiker. Sie arbeiten in allen Fraktionen ­ und brechen mit der Religionsskepsis älterer Jahrgänge. Nach der Wahl dürfte ihr Einfluss noch steigen

Der junge Bundestagsabgeordnete hebt beschwörend die Hände. Deutsche Leitkultur? Die gebe es doch gar nicht, wettert der Mann am Rednerpult: "Oder glauben Sie ernsthaft, dass Sie die Kultur junger, agnostischer Menschen in der Großstadt ­ ich selber bin bekennender Christ ­ mit der Dorfkultur vergleichen können?"

Moment mal! Was hat der gerade gesagt? Otto Fricke ­ ein bekennender Christ? Einige im Plenarsaal blicken auf. Den 39-jährigen FDP-Mann kennt man als forschen Wirtschaftsliberalen, nicht als christliches Gewissen des Bundestages.

Kurz darauf in seinem Abgeordnetenbüro lässt Fricke sich abgekämpft in einen Bürosessel fallen, springt dann doch wieder auf, um Kaffee zu holen, um in einem Ordner zu wühlen, um rasch ein Dokument auszudrucken. Nein, dieser Rastlose entspricht nicht dem Klischee eines Hyperfrommen, der sich vor lauter Glaubensgewissheit innerlich zur Ruhe gesetzt hätte.

Woher diese Bekennerfreude?

Woher dann diese Bekennerfreude, lange vor dem Wahlkampf 2005? Frickes Antwort überrascht durch ihre Selbstverständlichkeit: "Mir ist es in meinem Leben immer gut gegangen, ich bin dafür unheimlich dankbar. Ich bin mir sicher, dass jemand seine schützende Hand über mich gehalten hat."

Solche Töne waren im Bundestag lange nicht zu hören. Längst vergangen sind die Zeiten, da christliche Abgeordnete während der Plenarsitzungen in Heftchen mit Bibellosungen blätterten. Spätestens seit dem Machtantritt von Rot-Grün 1998 galt explizite Frömmigkeit bei Politikern als exotisch. Dass Bundeskanzler Gerhard Schröder und sieben seiner 15 Minister auf die Eidesformel "So wahr mir Gott helfe" verzichteten, sahen manche als Auftakt zu einer nachchristlichen Epoche. 

Der Lutheraner Schröder machte stets deutlich, dass Religion für ihn Privatsache sei. Andere aus seiner Generation, wie der grüne Außenminister Joschka Fischer oder der Wortführer der Linkspartei, Oskar Lafontaine, witzeln bis heute über ihre Vergangenheit als Messdiener oder Jesuitenzögling. In der FDP herrschte unter Politikern dieser Generation zeitweilig eine offen antiklerikale Stimmung. Und selbst Unionsabgeordneten dieser Altersgruppe war es alles andere als eine Herzensangelegenheit, Glaube und Politik zu verbinden ­ obwohl sie ihre kirchlichen Wurzeln nie verleugneten.

Doch jetzt rumort es im Hintergrund, eine neue Generation drängt nach vorn. "Junge Politiker gehen mit Dingen, die angreifbar machen, offener um, auch mit dem eigenen Glauben", erklärt Otto Fricke seine Bekennerfreude ­ und die etlicher Nachwuchspolitiker, die heute bis etwa 45 Jahre alt sind. Diese Jüngeren sprechen wieder über die eigene Religion, berufen sich auf christliche Werte ­ oder betonen einfach nur, dass sie gläubig seien.

Zufall oder Trend?

Kürschners Volkshandbuch heißt das rot-weiß gestreifte Bundestagsnachschlagewerk mit Bildern und Lebensdaten aller Abgeordneten. In ihm blättern die älteren Parlamentarier, wenn sich ein junger zum Rednerpult vortastet. Wer sich die Mühe macht, Altersangaben und Angaben zur religiösen Orientierung auszuwerten, stellt fest: In den 1994 und 1998 gewählten Bundestagen bezeichneten sich 65 Prozent der Abgeordneten als christlich; von den Abgeordneten der nun endenden Wahlperiode taten dies 68 Prozent; unter den nach 1960 Geborenen liegt der Anteil christlicher Mandatsträger noch höher, bei 75 Prozent. Zufall oder Trend?

Es ist eine atmosphärische Veränderung, die sich da vollzieht, keine, die sich eindeutig in Zahlen messen ließe. Sie habe in den neunziger Jahren bei den Jusos eine wachsende Zahl von Leuten bemerkt, die aus der evangelischen Jugendarbeit kamen, erinnert sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, 38. Der CDU-Abgeordnete Günter Krings, 36, reformiert, meint, heute sei Kirchenmitgliedschaft ­ anders als noch bis vor zehn Jahren ­ in der Jungen Union wieder üblich. Damals hätten auffällig viele aus dem Nachwuchs die Union als reine Wirtschaftspartei angesehen. Heute wundert sich niemand mehr über Andachten und Gottesdienste. Und der katholische Grüne Josef Philip Winkler, 31, berichtet: "Vor 15 Jahren konnte ich damit provozieren, dass ich als Christ zu den Grünen gegangen bin, auch in der eigenen Partei. Gleichzeitig war das ein Signal an die C-Parteien, dass die das Christliche nicht für sich gepachtet haben. Heute ecke ich damit bei keinem mehr an."

Viele der Jungen kennt man in ihren Parteien längst als explizite Christen. Thomas Rachel, 43, trifft man auf CDU-Parteitagen am ehesten am Stand des Evangelischen Arbeitskreises. Auch sein SPD-Kontrahent im nordrhein-westfälischen Wahlkreis Düren, Dietmar Nietan, 41, ist bekennender Protestant. Ebenso die evangelischen Abgeordneten Volker Wissing, 35, FDP, und Hermann Gröhe, 44, CDU, der zugleich "chrismon"-Herausgeber ist. Oder die katholischen Abgeordneten Ute Vogt, 40, SPD, und Julia Klöckner, 32, CDU.

Die Katholikin Tanja Gönner, 36, CDU, übernahm nach 21 Monaten im Bundestag das baden-württembergische Umweltministerium. Der evangelische Theologe Christoph Matschie, 44, SPD, hat nach 14 Jahren Bundestag die Kärrnerarbeit des thüringischen Oppositionsführers übernommen. Beiden ist eine Rückkehr in die Bundespolitik zuzutrauen. Über die kirchliche Friedens- und Ökobewegung haben bei den Grünen auch einige fromme Nachachtundsechziger den Weg in die Bundespolitik gefunden: Zu ihnen zählen die Katholikin Christa Nickels, 53, und die Protestanten Thilo Hoppe, 47, und Friedrich Ostendorff, 52.

"Wer ist der beste Christ?"

So viel christliche Bekennerfreude bereitet manchem Verdruss. Die Abgeordnete Gesine Lötzsch, PDS, klagt, ihre Kollegen im Bundestag spielten das Spiel "Wer ist der beste Christ?". Diedrich Diederichsen, Kommunikationswissenschaftler in Stuttgart, zeigt sich vom Ausbruch der Frömmigkeit so irritiert, dass er in der "tageszeitung" einen "neuen Kulturkampf" ankündigt: Nun werde wohl eine "globale Gläubigkeit" in Deutschland Einzug halten. Nüchterner analysiert der Direktor der Akademie für politische Bildung in Tutzing, Heinrich Oberreuter, die Lage: "Ein pragmatischer Pluralismus kennzeichnet die neue Politikergeneration. Sie nehmen religiöse Motivationen als gesellschaftlich gegeben hin. Und sie haben keine Scheu, sich auch selbst als religiös zu bezeichnen."

Werteorientierung ist wieder gefragt. Die Gesellschaft bedürfe einer "religiösen Musikalität" für die anstehenden Grundwertediskussionen, meint der Frankfurter Philosoph Jürgen Habermas. Tatsächlich beschäftigt seit dem Machtwechsel von 1998 eine Vielzahl von Wertedebatten die Politiker: Kann ein Militäreinsatz dem Frieden dienen? Verstößt embryonale Stammzellforschung gegen die Menschenwürde? Dürfen Forscher ihr Wissen über genetische Abläufe patentieren lassen? Dürfen Ärzte das Sterben erleichtern, indem sie medizinische Hilfe verweigern?

Der Bürger verlangt wieder Trittfestigkeit in Wertefragen. Mancher jüngere Politiker besinnt sich da auf seine christlichen Wurzeln ­ dies aber nicht im Stil eines Erhard Eppler, Norbert Blüm, Johannes Rau, Heiner Geißler oder Richard von Weizsäcker, die bibelfest und in den Kategorien christlicher Ethik zu argumentieren wussten. Die Jungen wollen sich keinen Ruf als neue Friedenspolitiker, Versöhner oder als moralische Instanz erwerben. Sie wollen auch nicht in eine Schublade gesteckt werden, auf der "Christ" als pauschale Rollenerwartung steht. Schon gar nicht lassen sie sich im Stil amerikanischer Konservativer für evangelikale Einzelinteressen einspannen ­ etwa ein striktes Abtreibungsverbot oder die Abschaffung der Homo-Ehe.

Das Vorrücken der jungen Frommen ist kein organisierter Kreuzzug, eher eine Prozession von Einzelgängern. Keine christliche Lobby drückt sie in die vorderen Reihen. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten: Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sich mit Andersdenkenden auseinander zu setzen, haben sie frühzeitig in Kirchengemeinden unter Beweis gestellt. Wenn nicht, sind sie zumindest christlich erzogen worden. Bei allen ergibt sich die religiöse Bindung schlüssig aus den Lebensgeschichten.

Schon vor sieben Jahren, im Wahlkampf 1998, wurde die Veränderung erstmals sichtbar. Damals musste ein Tross von Journalisten, der dem 68er-Star Joschka Fischer auf Ostdeutschlandreise folgte, im thüringischen Dorf Ingersleben Halt machen. Fischer war zu einem Termin nach Berlin abgerauscht. Die Journalisten ließen sich im urigen Pfarrgarten der Pfarrfrau Katrin Göring-Eckardt nieder, wie Jürgen Leinemann in seinem Buch "Höhenrausch" berichtet. Die damals 32-jährige Gastgeberin stand auf der thüringischen Landesliste der Grünen für den Bundestag.

Die Reporter erlebten an diesem Sommerabend ein klassisches Familienidyll. Der blondbärtige Pfarrer gab den Gastgeber, die Söhne bewirteten, die Pastorenfrau widmete sich ihren Gästen. Spielerisch-bürgerlich zeigte sich die Vertreterin der jungen Generation. Vier Jahre später war Göring-Eckardt zur Fraktionsvorsitzenden aufgestiegen. Eine Spitzenpolitikerin, die sich nach Feierabend ins Pfarrhaus, den Hort protestantischer Bürgerlichkeit, zurückzieht ­ so viel Konvention hat sich kein grüner Achtundsechziger erlaubt, nicht einmal die Polit-Theologin Antje Vollmer.

"Ich beanspruche, von einer christlichen Wertebasis aus Politik zu machen"

Wer sich so präsentiert, an den werden besondere Erwartungen gestellt. "Weil ich beanspruche, von einer christlichen Wertebasis aus Politik zu machen, fragen mich oft Leute aus der Kirchengemeinde, wie ich meine Politik mit dem Christentum vereinbare", sagt Göring-Eckardt. "Dann muss ich darauf irgendwie antworten." Tatsächlich wiesen ihr christliche Werte nur bei wenigen politischen Entscheidungen den Weg, beeilt sie sich zu erklären. Meist gäben Zahlen und Fakten den Ausschlag. Natürlich manchmal auch der Glaube. Am meisten noch, als der Bundestag über die embryonale Stammzellforschung abstimmte. Der Respekt vor dem Leben habe ihr geboten, diese kompromisslos abzulehnen.

Katrin Göring-Eckardt formuliert schnell und präzise ­ als habe sie dieses oder jenes Detail schon hundert Mal erklärt. Visionär klingen ihre Auskünfte nicht, eher abgeklärt. Sie blickt ihren Gesprächspartner eindringlich an. Fast schon, als müsste sie ihr Engagement für die Sache innerlich bändigen, um Andersdenkende nicht zu verschrecken ­ das Modellbild einer engagierten Protestantin. Eine Mission macht sie aus ihrer Grundhaltung jedenfalls nicht: "Das ist mein Verständnis von christlichen Werten, andere haben da vielleicht ein anderes Verständnis."

Sie seien Pragmatiker, nicht auf die klassische Rechts-links-Denkweise festgelegt, lobt ein Parteienforscher; sie seien angepasst, weniger an Inhalten als an ihrer Karriere interessiert, bemängelt ein anderer. Sicher ist: Die Jungen machen sich keine Illusionen über Machtfragen. Sie nehmen die Schattenseiten des Politikbetriebs wie selbstverständlich hin.

Fehlt ihnen deshalb die Prinzipientreue? Die 38-jährige CDU-Abgeordnete Hildegard Müller ist ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei Donum Vitae, der katholischen Beratungsstelle für Schwangere. Sie stellte sich gegen den nordrhein-westfälischen CDU-Chef Jürgen Rüttgers, als der die Präimplantationsdiagnostik befürwortete, die Selektion befruchteter Eizellen vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Im Frühjahr unterschrieb die Düsseldorfer Katholikin einen Antrag an den Bundestag, Spätabtreibungen nach der 23. Schwangerschaftswoche zu erschweren.

"Bei Abtreibungen von Kindern mit Behinderung müssen wir die Hürden so hoch halten, dass sich die Mutter eines behinderten Kindes nicht fragen lassen muss, ob sich das nicht hätte verhindern lassen", sagt Müller. Sie hat sich in einer Art Schneidersitz auf ihren Bürostuhl geklemmt. Nicht wie eine Managerin der Dresdner Bank und Abgeordnete sitzt sie da, eher wie eine leidenschaftlich diskutierende Studentin, mit gestrecktem Rücken und gekräuselter Stirn.

Müller ist ein politischer Jungstar der CDU. Im November 1998 wählte die Junge Union sie als erste Frau an ihre Spitze. Im April 2000 schaffte sie den Sprung in den Parteivorstand. Heute hält mancher in der CDU sie für ministrabel. Ob ihre markanten ethischen Positionen die Karriere fördern oder behindern, diese Frage wehrt Hildegard Müller ab. Sie gibt zu verstehen: Das alles ist nicht bloß Selbstmarketing, es ist Teil ihrer christlichen Identität.

"Ich habe die ganze katholische Sozialisation durchlaufen"

"Ich habe die ganze katholische Sozialisation durchlaufen: Kirchenchor, Pfarrgruppe, Firmgruppe." Müller erklärt das mit einer Mischung aus Selbstironie und Selbstsicherheit, als wolle sie sagen: Ist mir egal, wie Sie darüber denken, ich fand es gut.

Seit in Deutschland über Geburtenmangel diskutiert wird und der Kanzler entdeckt hat, dass Familienpolitik mehr als "Gedöns" sein kann, ist der Vorsitz des Bundestagsausschusses für Familienpolitik ein Amt von Bedeutung. Die Vorsitzende Kerstin Griese war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und stellte so ihren politischen Instinkt unter Beweis. Die nordrhein-westfälische SPD dankte es ihr mit einem sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl 2005. Hat ihr dabei auch das Markenzeichen "christlich" geholfen? Griese wehrt ab. Als offensive Christin sieht sie sich nicht. "Vielleicht bin ich ein bisschen wertkonservativ", sagt sie vage.

Stattdessen erzählt sie von ihrem Vater, einem Pfarrer: "Der war mal bei den religiösen Sozialisten aktiv. Aber nur kurzzeitig." Stolz erinnert sie sich an ihre Jugend in der Kirchengemeinde: "Sieben Jahre habe ich Sonntag für Sonntag im Kindergottesdienst eine biblische Geschichte erzählt." Durch sämtliche Ämter der evangelischen Jugendverbandsarbeit hat sich Griese hochgerackert. Kirchenkreisverband, Delegationsreisen der evangelischen Jugend nach Polen, Gedenkstättenarbeit in Auschwitz und Düsseldorf, Jugenddelegierte zur Synode im Rheinland, schließlich zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, der sie bis heute als stellvertretendes Mitglied angehört. In die Politik fand sie so: "Ich bin in die SPD eingetreten, weil das wertemäßig dem am nächsten kam, was ich in der christlichen Jugendarbeit getan habe."

Jetzt hat sie sich in Fahrt geredet. Am Eingang zur Parlamentarischen Gesellschaft, einer Edelmensa für Abgeordnete, läuft ihr eine Vertreterin des alten, konservativen SPD-Flügels über den Weg. Griese nutzt die Chance, um ihrem Ärger über einen Personalstreit Luft zu machen, der am Vortag die SPD-Fraktion entzweit hat. Nein, kein Wutausbruch natürlich, ein Klärungsversuch wie aus dem Lehrbuch: "Über das, was gestern gelaufen ist, bin ich ganz schön sauer." Griese lächelt verlegen.

Sie könne die Frommen am kirchlichen Stallgeruch erkennen

Wer in der Politik bestehen will, darf sich Niederlagen nicht zu Herzen nehmen, muss immer wissen, wem er was in welchem Tonfall sagt, muss Beziehungen aufbauen und nutzen können. Wer Kerstin Griese beobachtet, sieht die kirchliche Prägung in diesen Fertigkeiten immer wieder aufblitzen. Kein Wunder, dass eines ihrer Netzwerke aus Politikern mit ähnlicher Erfahrung besteht ­ parteiübergreifend, versteht sich. Sie könne die Frommen am kirchlichen Stallgeruch erkennen, verrät Griese augenzwinkernd.

Nur ein starker Glaube bewahre Politiker davor, dem Machtrausch zu verfallen, behauptet der langjährige Hauptstadtkorrespondent Jürgen Leinemann. Das müsse kein christlicher Glaube sein. Aber an gläubigen Politikern habe er oft eine "heitere Gelassenheit" erlebt. Der Abgeordnete Michael Roth, Europaexperte in der SPD, 35, ist vielleicht nicht immer heiter. Die Gelassenheit, aus Überzeugung abweichende Positionen zu vertreten, hat er schon. Zuletzt hat er sich für einen Gottesbezug in der europäischen Verfassung eingesetzt, gegen die Mehrheit in seiner eigenen Partei. "Ein Glaubensfundament ist das beste Mittel gegen Allmachtsallüren", sagt Roth. "Es erinnert daran, dass es eine Macht über, neben und unter uns gibt."

Damals im nordhessischen Heringen war er in der Jugendarbeit seiner evangelischen Heimatgemeinde aktiv, erzählt Roth. Damals hätten er und sein Bruder auch die sterbende Großmutter gepflegt. Er sei bei der kräftezehrenden Pflege an seine Grenzen gestoßen. Doch wolle er die Zeit nicht missen.

Edel, hilfreich und gut?

Edel, hilfreich und gut? Sind so die jungen Christen in der Politik, die jetzt Verantwortung übernehmen wollen? Legen sie die notorische Selbstgefälligkeit vieler Politstars ab? Schürfen sie tiefer? Nur eines ist sicher: Diese Nachwuchspolitiker sind keine Revolutionäre. Sie zerreiben sich nicht im Kampf gegen alles Alte, sondern nutzen die Kraft der abendländischen Tradition.

Aber macht nicht gerade das sie moderner als andere? Moderner jedenfalls als antireligiöse Eiferer und religiöse Fundamentalisten. Politik und Glauben können eine moderate und produktive Verbindung eingehen ­ das wollen die jungen Frommen zeigen. Nach dem 18. September dürfte fast jeder von ihnen noch näher ans Zentrum der Macht rücken. Egal, wie die Wahl ausgeht.

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