Serie Profilgemeinden

Aus erfolgreichen, sehr unterschiedlichen Gemeinden im ganzen Bundesgebiet haben chrismon-plus-Reporter in den vergangenen fünf Monaten berichtet. Über die Serie "Kirche der Zukunft".

700 Jugendliche strömen zum Gebetsabend in eine Solinger Disko. Es ist ein gut gemachter Gottesdienst. Hier gibt es was zu erleben. Jeder versteht, worum es geht, jeder kann eine Anregung mit nach Hause nehmen. Kein Wunder, dass hier solch ein Andrang herrscht.

Ähnliche Szenen spielen sich bereits in sehr vielen Gemeinden ab. Über fünf dieser hochattraktiven Gemeinden in Deutschland hat chrismon plus in den vergangenen Ausgaben berichtet. Wer eine solche Gemeinde erlebt, fragt sich, warum Kirche nicht überall so ansprechend sein kann.

Die Kirchengemeinde in Solingen-Rupelrath (chrismon plus 2/2007) ist vor allem für ihre missionarische Jugendarbeit stadtbekannt. Auch Erwachsene fühlen sich inzwischen angesprochen: 260 Besucher hat eine durchschnittlicher Sonntagsgottesdienst. 220 Ehrenamtliche organisieren die Gemeindearbeit.

Die Bartholomäusgemeinde in Halle (chrismon plus 3/2007) ist familienfreundlich. Sonntags bietet man Kindergottesdienste nach Altersgruppen an. Ihre Bilanz: 400 Neumitglieder seit 1999, vor allem junge Familien, in einer schrumpfenden, überwiegend konfessionslosen Stadt.

Die evangelische Gemeinde in Stuttgart-Obertürkheim (chrismon plus 4/2007) ist für ihre Talkgottesdienste bekannt. Der Erfolg ist mit der Person des Pfarrers Ralf Vogel verbunden, ein Showtalent.

In der Arnsdorfer Kirchengemeinde (chrismon plus 5/2007) lockt ein Kino jedes Jahr Tausende Kirchenferne in eine eigens dafür hergerichtete Scheune. Mit ihm holt der Pfarrer Menschen auf den Pfarrhof und hilft ihnen, ihre tief sitzende Kirchenskepsis zu überwinden.

Die Andreasgemeinde in Frankfurt-Niederhöchstadt (siehe S. 52) hat neue Gottesdienstformen entwickelt, die einem fernsehgewohnten Publikum vertraut sind. Ein Heer von Ehrenamtlichen bereitet aufwendige Gottesdienste vor.

Selbstverständlich sagen Zahlen wenig über die Qualität einer Gemeindearbeit aus. Auch in einer überfüllten Kirche kann es lieblos zugehen, dann hätte die Gemeinde selbst mit viel Publikum wenig erreicht. Dennoch gibt es gemeinsame Merkmale attraktiver Gemeinden ­ keine hinreichenden Bedingungen, wohl aber notwendige Voraussetzungen für den Erfolg.

Eine Botschaft haben: Hinter jeder dieser Gemeinden steht jemand mit einer glaubwürdigen und klaren Botschaft, die er weitersagen will. Die Botschaft ist immer erkennbar evangelisch, keiner der Pfarrer biedert sich an. Sie ist aber nicht fordernd. In der Talk- und der Kinokirche sagen die Pfarrer, dass es für sie schon reicht, wenn für einen Abend eine Gemeinschaft zwischen den Besuchern entsteht. Und das vermitteln sie ihren Gästen glaubhaft.

Die Kräfte konzentrieren: Jede dieser Gemeinden konzentriert ihre Kräfte zunächst auf einen bestimmten Bereich ihrer Arbeit, der ihr wichtig ist: auf Jugend- oder Familienarbeit, als Talk- oder Kinokirche oder auf moderne Gottesdienste. Sie leistet darin sehr gute Arbeit. Durch Qualität zeigt sie, wie wichtig ihr die Botschaft ist. Anderes bleibt deshalb nicht liegen. Eine Profilgemeinde ist keine Zielgruppengemeinde, sie setzt in ihrer Arbeit lediglich einen Schwerpunkt.

Neugierig bleiben: In Solingen, Halle und Niederhöchstadt haben die Verantwortlichen in der Vergangenheit viel experimentiert. Sie haben aufgegeben, was sich nicht bewährt hat, und dafür Neues ausprobiert. Das ist für die Gruppe meist sehr schmerzhaft. Aber als Außenstehender gewinnt man den Eindruck: Diese Leute wollen wirklich wissen, was andere bewegt.

Einander vertrauen: Keine der porträtierten Gemeinden kommt ohne Ehrenamtliche aus. In riesigen Gemeinden wie in Solingen oder Niederhöchstadt gestalten Hunderte von Mitarbeitern das Gemeindeleben und bereiten Gottesdienste vor. Die Pfarrer trauen ihnen vieles zu. Das Schicksal dieser Gemeinden hängt nicht von der Person des Pfarrers ab. Dort arbeiten Ehrenamtliche eigenständig. Diese Pfarrer predigen nicht nur, dass Christus die Menschen zur Freiheit berufen hat. Sie lassen es auch in ihren Gemeinden zu.

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