Wim Wenders über Blues und Glaube

Vom Herzschlag der Dinge
Der Filmemacher Wim Wenders kommt mit einer Ode an den amerikanischen Blues in die Kinos. "Diese Musik macht Menschen lebenstüchtig", behauptet er -­ und erklärt, warum sein christlicher Glaube ihm Freiheit und Freude gibt

Zu oft werden Grenzen gezogen, wo sie nicht hingehören. Grenzen stören mich im Allgemeinen, aber die willkürlichen am meisten. Ihre pure Existenz fordert schon heraus, gegen sie vorzugehen. Grenzen sind auch Begrenzungen, Einschränkungen von Freiraum, Limitierung von Ausdrucksmöglichkeiten. Sie definieren, kategorisieren, engen ein.

"Jungfilmer" -­ ein verkapptes Schimpfwort

Als ich angefangen habe, Filme zu machen, gab es in Deutschland die dummdreiste Kategorie "Jungfilmer" -­ ein verkapptes Schimpfwort. Inzwischen wird der Begriff "Autorenfilm" ähnlich limitierend angewendet, und meistens genauso abwertend. Irgendwie will man so wohl ein Kino eingrenzen, dem es darum geht, die Welt zu beschreiben und zu verstehen und nicht bloß "unterhaltend" zu funktionieren ­ also Filme mit dem Manko der Nicht-Kommerzialität. Nackte Willkür, so eine Kategorie.

Das Kino ist viel zu komplex und widersprüchlich, um es noch in solche Schubladen packen zu wollen. Alle Grenzen sind fließender denn je. Vor allem die zwischen "Film" und "Leben". Ich kann da immer weniger auseinander halten, besser gesagt, ich sehe immer weniger Grund, da etwas auseinander zu halten. Mein Leben ist von meiner Filmarbeit ausgefüllt, und wo das eine anfängt und das andere aufhört, weiß ich längst nicht mehr. Reine Zeitverschwendung, sich darüber überhaupt Gedanken zu machen!

Eine andere willkürliche Grenze ist die zwischen Musik und Film. Mit "Buena Vista Social Club", dem "BAP-Film" und nun dem Blues-Film "Soul of a Man" (siehe Seite 42) habe ich in den letzten fünf Jahren drei Filme über Musik gemacht. Nun soll ich immer definieren, was mir wichtiger ist, Musik oder Film. Als ob ich irgendeinen Grund hätte, das auseinander zu klamüsern. Wo es doch gerade herrlich ist, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen.

Man trennt in Deutschland eben so gern. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" Wie oft habe ich das meine Mutter sagen hören, und dabei, schon als Kind, immer nur gewusst, dass dort eine Kluft geschaffen wurde, wo keine sein sollte, durfte, musste. Oder dieses Auseinanderhalten von "ernster Musik" und "Unterhaltungsmusik". Warum zwischen Intellekt und Gefühl, zwischen dem so genannten Ernst des Lebens und der Freude daran, immer so tiefe Trennlinien gezogen werden müssen. Im Kern menschlicher Existenz haben wir zu allem gleichermaßen Zugang. Diese Freiheit zu beschneiden ist völlig unnötig und eben willkürlich.

Film und Musik sind für mich beides Mittel, Geschichten zu erzählen

Jedenfalls habe ich in meiner Arbeit Film und Musik nie getrennt gehalten. Beides sind für mich Mittel, Geschichten zu erzählen. Musik war für mich immer notwendiger Bestandteil dessen, was einen Film ausmacht, nicht bloß eine Zutat. Um was es in einem Film "ging", das war oft genug in der Musik am klarsten auf den Punkt gebracht. Wie zuletzt in meinem Blues-Film. Der ist, wie man aus seinem Titel schon erahnen kann, ein Film mit einem religiösen Unterton geworden. "The Soul of a Man" ist der Name eines Songs von Blind Willie Johnson, mit dem der Film beginnt und endet. Jener mysteriöse Blind Willie Johnson, dessen Lied "Dark was the Night" schon das musikalische Leitmotiv meines Films "Paris, Texas" vorgegeben hatte. Ende der 20er Jahre hatte er mit diesem Song einen Hit gelandet.

Blind Willie ist einer meiner drei Blues-Helden, von denen der Film handelt. Er war ein erstaunlicher Sänger, der die Plattenkarriere, die er hätte haben können, einfach ignoriert hat und weiter an Straßenecken und in Kirchen für Almosen gesungen hat. Er war ein Prediger, auch wenn er keine Kirche, keine Gemeinde hatte, gleichzeitig ein virtuoser Bottleneck-Gitarrist. Die weltliche Seite seiner Musik hat er komplett abgelehnt. Er ist in den 40er Jahren an Lungenentzündung gestorben, weil sie ihn im Krankenhaus nicht behandeln wollten.

Auch aus dem Leben meines zweiten Protagonisten ist die Religion nicht wegzudenken. Skip James hat sein Geld zuerst als Schnapsbrenner und Zuhälter verdient. Aber er war auch ein begnadeter Gitarrist und Songschreiber ­ leider gibt es nur eine einzige Aufnahme aus seinen jungen Jahren. Nach dem Konkurs seiner Plattenfirma hängte er den Blues an den Nagel und wurde Baptisten-Prediger, wie sein Vater. Erst gegen Ende seines Lebens entdeckten ihn ein paar Blues-Enthusiasten in einem Krankenhaus wieder und Skip erlebte eine kurze Karriere.

Der dritte schließlich, J. B. Lenoir, schrieb politische Protestlieder und sang über die Bürgerrechtsbewegung, in Amerika blieb ihm damit der kommerzielle Erfolg versagt. J. B. starb recht jung, Mitte der 60er Jahre, den tragischen Tod eines armen Mannes. Er wurde von einem Auto angefahren, aber das Krankenhaus, in dem er untersucht werden sollte, entließ ihn gleich wieder, weil man ihm äußerlich wohl nichts ansah. J. B. starb eine Weile darauf an inneren Blutungen. Er war ein zutiefst religiöser Mann, auch wenn das erst auf seinen beiden letzten Schallplatten zum Ausdruck kommt. Seine beiden letzten Songs sind nur als Text erhalten: "It must be the Lord" und "Let me rise from my grave", zwei außerordentliche Blues-Lieder, in denen einer seinen Tod voraussieht.

Die Gespaltenheit zwischen Religiösem und Profanem zieht sich durch die ganze Blues-Geschichte durch und hat fast alle Blues-Musiker auf die eine oder andere Weise betroffen. Viele haben sich irgendwann einmal stärker der sakralen Musik zugewandt, aber dann haben sie doch wieder angefangen zu trinken und in Bars zu spielen ­ um nach ein paar Jahren wieder eine Kehrtwendung zu versuchen. Andere haben samstags abends "Teufelsmusik" gespielt, sind in Spelunken aufgetreten, und am Sonntagmorgen haben sie wieder in der Kirche gesungen.

Für viele Blues-Musiker war das in der Tat ein richtiger Gewissenskonflikt und ein existenzielles Thema. Sie haben offenbar einen großen Druck verspürt, das Sakrale und das Profane auseinander zu dividieren ­ wahrscheinlich unter gesellschaftlichem Druck, aber auch weil die Kirchen da unbedingt eine Grenze ziehen wollten. Von heute aus gesehen mag einem das künstlich erscheinen. Im Blues gehören die seelischen Konflikte und das Gebrochen-sein in der Welt ja gerade zusammen wie in sonst keiner Musik.

Das habe ich gespürt, als ich der Urkraft des afroamerikanischen Blues zum ersten Mal begegnet bin, in einer denkwürdigen Musikstunde in meiner frühen Gymnasialzeit. Der Lehrer spielte uns eine Aufnahme des Golden Gate Quartet vor, und diese schwarze Musik schlug bei mir ein wie eine Bombe. Das waren deutlich komplett religiöse Songs, aber was die Musiker für einen Spaß dabei hatten und wie lustvoll das geswingt hat, das ging mit meinem katholischen Verständnis von Glauben und Religion überhaupt nicht zusammen. Das Blues-Feeling und die Blues-Strukturen, die unter diesen Songs lagen, gingen mir aber sofort ins Blut. Ich wollte mehr davon wissen und es hat nicht lange gedauert, da war ich, wie man in Amerika sagen würde, "hooked". John Lee Hooker (bezeichnend, sozusagen, sein Name), Muddy Waters, Howling Wolf und andere entführten mich in die weltliche Abteilung dieser schwarzen Musik, wo es vor allem um Alkohol, Frauen und Trübsal ging. Jedenfalls habe ich mich in dieser Musik wiedergefunden und war ihr schnell restlos verfallen.

Ich habe den Blues immer als beides gesehen, als religiöse und weltliche Musik, und ich finde es falsch, das zu trennen. Im Blues hat sich die Musik der westafrikanischen Sklaven, die auf den Baumwollfeldern der Südstaaten als Arbeitslieder gesungen wurde, mit Kirchenliedern untrennbar verbunden. Der Blues hat von den Lebensbedingungen dieser Unterdrückten erzählt, von ihrer Sehnsucht nach einem besseren Leben, ihrem Vertrauen auf Gott. Er hat ihnen eine Identität gegeben und damit eine Hoffnung, ein Durchhaltevermögen. Die meisten Geschichten des Blues vernachlässigen diesen religiösen Aspekt. Für diese Menschen damals war das aber ganz existenziell wichtig. Die haben das nicht getrennt.

Der Blues handelt von Kämpfen und Anfechtungen, von diesem Gefühl: "Jetzt kann ich nicht mehr, ich bin am Ende meiner Kräfte!" Aber er hat damit auch heilende Wirkung. Diese Musik bewältigt Trauer, Schmerz und Versagen, und sie transzendiert, was sie besingt, selbst wenn es manchmal nur um Alkohol und Frauen und Sex geht. Letztendlich macht sie die Menschen, die sich dieser musikalischen Form bedienen, lebenstüchtig. Und eben darin liegt die umfassende Kraft dieser Musik, die sie zur Grundlage quasi der gesamten Populärmusik hat werden lassen. Im Blues ist ein Lebenspuls drin, ein Herzschlag, der die gesamte Lebenswirklichkeit erfasst, weltliche Dinge genauso wie spirituelle oder geistliche.

In Deutschland ist es immer noch verpönt zu sagen: Ich bin ein religiöser Mensch. Ich habe lange in Amerika gelebt, da ist es ganz normal, sich zu seiner Religion zu bekennen. Ich meine nicht diese fundamentalistische Vermischung von Patriotismus und Religion im "Bible Belt", damit habe ich nichts am Hut, sondern die Selbstverständlichkeit, Offenheit und auch den Stolz, mit dem man von seiner Religion spricht. Ein Jude steht offener zu seinem Judentum, ein Christ zum Christentum, ein Black Muslim zum Islam.

Hierzulande gilt: Wer intellektuell mithalten will, kann nicht religiös sein. Die Linke fürchtet sich ja zum Teil vor der Religiosität wie der Teufel vorm Weihwasser

Hierzulande teilen einem die Leute oft nur unter der Hand mit, was für ein Bekenntnis sie haben. Da gibt es wohl eine Befürchtung, damit gleich klassifiziert und intellektuell abgestuft zu werden. Wer intellektuell mithalten will, kann nicht religiös sein ­ das ist ja so ein vor allem in der Linken verbreitetes Denkmuster. Die Linke fürchtet sich ja zum Teil vor der Religiosität wie der Teufel vorm Weihwasser. Mein Film "In weiter Ferne so nah" zum Beispiel, der ein deutlich christlicher Film war, hat jede Menge Kritiken bekommen mit dem Tenor: Ist der Wenders noch ganz dicht? Ist er einer Gehirnwäsche unterzogen worden? (Wenn sich ein Dylan, ein Van Morrison, ein Bono oder ein Nick Cave so geoutet haben, hat man darüber gnädig hinweggesehen.)

Nicht, dass ich mich immer schon als Christ definiert hätte. Da hat ein langer Weg hingeführt, der einmal in einem "gut katholischen" Elternhaus angefangen hat. Mit 16 noch habe ich es durchaus als Möglichkeit gesehen, Theologie zu studieren. Aber dann kamen der Rock 'n' Roll, das Kino, die Philosophie und Gott weiß was alles dazwischen. 1968 war ich politisch engagiert und lebte in einer Kommune, bin in München als Rädelsführer verurteilt worden und in den Knast gekommen. (Obwohl ich tatsächlich nur gefilmt hatte.) In den 70er Jahren glich mein Leben mehr einer Achterbahnfahrt zwischen Drogenerfahrung, Psychoanalyse und allen möglichen Versuchen, die Welt zu verstehen. In den Achtzigern ging das weiter, etwas weniger kurvenreich und mit weniger Loopings. Spiritualität wurde mir wichtiger. Ich habe mich in östlichen Religionen umgeschaut. Wenn ich zurückblicke, denke ich: Manchmal muss man wohl große Umwege machen, um schließlich wieder dahin zu kommen, wo man mal angefangen hat, und dort sagen zu können: Hier gehöre ich hin.

Ich sah, wie mein Vater sich langsam auf den Tod zubewegte, in völliger geistiger Klarheit und ohne einen Anflug von Angst. Im Sterben hat er mir seinen Glauben vorgelebt

Die letzten Lebensmonate meines Vaters waren für mich eine einschneidende Erfahrung auf diesem Weg. Ich war bei ihm und habe ihn gepflegt. Ich sah, wie er sich langsam auf den Tod zubewegte, in völliger geistiger Klarheit und ohne einen Anflug von Angst. Mein Vater war einer, der nie besonders viel geredet hat, auch nicht über seinen Glauben. Im Sterben hat er mir seinen Glauben vorgelebt. Alles war so klar und einfach. Er wusste schon ein Jahr vorher auf den Tag genau, wann er sterben würde, und hat ruhig weitergeplant: Für mich geht das zu Ende, aber für euch geht das weiter. Ohne Wehmut, nur mit dem Gefühl: "Das kann ich ja nicht mehr erledigen, weil ich dann woanders bin, da musst du dich drum kümmern."

Vielen Menschen macht der Tod ja Angst, dermaßen, dass sie oft gar nicht drüber nachdenken wollen. So wie meine Mutter, die das Sterben meines Vaters bis zum letzen Moment nicht wahrhaben wollte und am Ende völlig geschockt war, obwohl er es ihr jeden Tag versucht hatte klar zu machen. Für meinen Vater dagegen war es ganz evident, dass er nicht aufhören würde, sondern dass er in eine andere Existenzform übergeht, vor der er mit großer Neugier, fast freudiger Erwartung stand: Bald ist es so weit!

Dass Gott in dieser Weise lebendig und wirklich werden kann, war für mich eine neue Erfahrung. Und das hat viel von jener Unklarheit und Zerworfenheit mit der Religiosität meiner Kindheit weggewischt. Ich bin wieder offener geworden für die Kirche. Ich habe das Störende, das Restriktive, das Hierarchische, all das, was es mir unmöglich gemacht hatte, mich in einer direkten Beziehung zu Gott zu erleben, vergessen können und es, Jahrzehnte später, endlich als das sehen können, was es war: belangloses Beiwerk.

Ich bin Christ

Dass ich davon heute öffentlich spreche ­ damit stehe ich allerdings nicht allein. Inzwischen hat sich da was geändert in Deutschland. Eine ganze Menge Leute haben sich diese intellektuelle Deklassierung nicht mehr gefallen lassen und stehen zu ihrem Glauben. Da hat sich im öffentlichen Bewusstsein was getan. Allerdings: Wenn man in Deutschland sagt: Ich bin Christ, dann wollen alle gleich wissen: Bist du katholisch oder bist du evangelisch? Das ist die deutsche Frage.

Für mich ist die nicht wichtig. Ich bin halt katholisch aufgewachsen, 1968 aber aus der Kirche ausgetreten, und bin dann Anfang der 90er Jahre zum Protestantismus konvertiert. Andererseits habe ich einige meiner wichtigsten geistlichen Erfahrungen in katholischem Umfeld gemacht, nicht zuletzt in Klöstern. Für mich ist das Konfessionelle kein Thema mehr. Wichtig ist mir nur noch, wie jemand seinen Glauben lebt und welche Konsequenzen das hat. Auch, wie eine Gemeinde das lebt. Manches an den Kirchen erlebe ich dabei als hinderlich. Ich spüre eine Sehnsucht, mich wieder an die primären Formen des Christseins anzunähern, also an Zeiten, bevor "die Kirchen" sich als feste Strukturen entwickelten, mitsamt theologischen Denkgebäuden, Kathechismen und Glaubenshierarchien.

Es geht mir dabei vor allem um Freiheit, das ist der Kern. Mein christlicher Glaube gibt mir eine unglaubliche Freiheit und eine umfassende Freude. "Den Kirchen" werfe ich vor, dass sie viel davon verstecken oder unzugänglich machen. Ich habe gerade, zum ersten Mal eigentlich, Luther-Texte gelesen, in denen es ihm ja darum geht, das Lebendige hinter den verkrusteten Strukturen wieder zugänglich zu machen. Die Gnade. Gottes Wirklichkeit.

Strukturen haben es so an sich, sich wichtig zu machen, sie nehmen sich für die Sache selbst. Die Sache selbst kann nur Gott sein, nicht die Kirche, die ihn vertritt. (Wie genau die deutsche Sprache manchmal unklare Dinge zum Ausdruck bringt. "Vertreten" kann man ja auch verstehen im Sinne von "sich den Fuß vertreten", also eher als "falsch repräsentieren" oder "danebenliegen".) Es geht mir darum, als "Christ" wieder zu der Freiheit zu finden, zu der ich von Christus so eindeutig aufgerufen bin. Auch heute kann "Kirche" durchaus wieder so erscheinen, wie sie es vor 2000 oder 1500 Jahren gewesen sein mag. Die Kirche sollte Mittler zwischen Mensch und Gott sein, wo es hilfreich ist. Jedenfalls sollte sie immer so bescheiden sein, nicht selber der "Inhalt" sein zu wollen.

Ich glaube, unsere Religiosität braucht mehr von dem, was diese frühen Blues-Musiker umgetrieben hat. Mehr Ehrlichkeit. Mehr Wissen um unsere Fehler, unsere Leiden, unser Scheitern. Der Blues ist eine grundehrliche Musik. Sie treibt einen von dem hohen Ross runter, auf dem man intellektuell oder spirituell gern sitzt. Man muss keine Noten lesen können, der Blues kommt aus dem Bauch. Er ist immer auch spontan. Und er ist äußerst demokratisch. Er ebnet Klassen und soziale Gegensätze ein, er macht die Menschen zu Gleichen, zu Brüdern, auf eine geradezu urchristliche Weise. Man muss sich den Blues nicht intellektuell erarbeiten. Er ist wohltuend unelitär und unprätentiös. Er ist ekstatisch. Und auch davon, von dieser Freude an der Entgrenzung und dem Loslassen, könnte unsere Religiosität oder "Frömmigkeit" mehr gebrauchen.

Ich zolle mit meinem Film dieser Komplexität des Blues Tribut. Ich ziehe meinen Hut vor diesen Musikern, die zu ihren Lebzeiten so wenig Achtung gefunden haben, uns aber so viel hinterlassen haben. Sie haben das Religiöse in dieser Musik bewahrt, ganz unprätentiös. Sie haben sich die Freiheit herausgenommen, in dieser so irdischen Sprache und diesem so weltlichen Rhythmus Gott nicht auszuklammern, sondern ihn im Gegenteil dort zu suchen. Sie haben damit auch uns einen Freiraum eröffnet und einen Weg gezeigt, Religiosität anders zu leben. Was aus mir geworden wäre, wenn ich dieser Musik nicht begegnet wäre, will ich gar nicht bedenken.

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