Leseraktion: Wiesenglück

Das Wiesenglück von der Verpackung - gibt's das wirklich?

Foto: Ralf Brunner / laif

„Auf, komm, weiter gehtʼs!“, ruft die Bäuerin. Ab in den Stall. Das war ein schöner Tag im Bio- milchkuhleben. Auf der Weide gewesen, Gras gefressen, ein paar Kräuter dazu. Rumgelegen. Wiedergekäut. Ein Idyll. Klar, dass Marketingleute gern eine glückliche Kuh auf die Butter- packung drucken, am besten noch ein Blümchen dazu. Der Kunde hat das gern. Nur dass die meis­ten Kühe kein frisches Gras, kein Tageslicht, kein Blümchen zu sehen kriegen. Oder nur selten. Die meis­ten Kühe, Schweine, Hühner leben in der Milch-, Fleisch- oder Eier­fabrik. Das hat der Kunde ­natürlich nicht so gern, sich so was auch noch vorstellen zu müssen. Deshalb die klingen­den Namen wie „Wiesenglück“ oder „Bauernliebe“, die hübschen Bildchen von der Landidylle oder vom Bauernhof. Kennen Sie das, Produkte oder Marken, die mit diesen Sehnsüchten spielen? Bestimmt kennen Sie das! Sieht man ja ständig im Supermarkt....

Lesermeinungen

Bauern brauchen einen gerechten Milchpreis.
Kühe brauchen Hörner und im Sommer Weidegang.
Kühe mit Hörnern können auch im Freilaufstall gehalten werden (Demeter-Bauern)
Milch von Hörnerkühen haben die bessere Qualität (Bioring Allgäu)

Wir fördern ein Umdenken in der Landwirtschaft für eine naturgerechte Tierhaltung.
Der fortschritliche und ethisch verantwortliche Bauer betrachtet die Kuh nicht als Milchmaschine, lässt ihr die Hörner und die Weide und verdient einen guten Milchpreis für die hohe Milchqualität.

Aktion Hörnerkühe

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte gerne zu der Leseraktion "Wiesenglück" eine andere Sichtweise geben und vielleicht auch den ein oder anderen zum Umdenken bringen. Betrachtet man die Tierhaltung vor 40-50 Jahren, wurden die Tiere in Anbindehaltung gehalten. Die Ställe waren sehr tief, da unter dem Dach Heu und Stroh eingelagert wurde, d.h. wenig Luftaustausch und -volumen im Stall. Die Fenster im Stall waren klein, da früher einfach vom Menschen auf das Tier geschlossen wurde, d.h. im Winter sollte es schön warm sein im Stall. Somit hatten früher die Tiere wesentlich weniger Licht im Stall und auch wenn mehr Weidehaltung betrieben wurde, verbrachten die Tiere weniger als die Hälfte des Jahres auf der Weide, da es die Witterung anders nicht zugelassen hat. In den heutigen Ställen ist wesentlich mehr Tierwohl und Tierkomfort eingebaut, nicht nur, weil es ein Tierschutzgesetz gibt, welche für das Licht eine Mindest-Lux-Zahl vorschreibt, sondern v.a. um die Produktivität und Gesundheit der Tiere zu fördern. Denn wie heißt es so schön: "Nur eine gesunde Kuh ist eine leistungsfähige Kuh". Ohne Licht könnten die Tiere keine Kälber bekommen (Vitamin D3-Mangel) und folglich keine Milch produzieren und dass wird wohl kein Landwirt riskieren. Die Tiere werden zwar nicht mit frischem Gras gefüttert, aber mit Grassilage und ähnlichen Futtermitteln, die der Ernährungsphysiologie der Wiederkäuer nachkommen. Und die Kühe kauen auch im Stall wieder, denn das gehört zu deren Verdauungssystem dazu, wenn eine Kuh nicht mehr wiederkaut, ist das über kurz oder lang deren Ende. Als Fazit, den Tieren geht es heutzutage sogar besser als in der "guten alten Zeit", das belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu Tierverhalten und Tierwohl und man muss sich doch Fragen, wer weiß heute noch Bescheid, wie es auf landwirtschaftlichen Betrieben läuft. Wer zahlt denn dem Landwirt die Mehrarbeit mit täglicher Grasernte, ganz zu schweigen von dem 3-fach höheren Flachenbedarf der damit verbunden ist? Man muss nur den Milchpreis für die Landwirte betrachten, seit Mitte der 70er Jahre pendelt der Preis zwischen 25 und 35 Ct./kg Milch, ohne erkennbare Steigerung, wie soll der Landwirt die Inflation und Mehrkosten für Produktion/Technik/Lebensunterhalt etc. stemmen, wenn nicht durch Optimierung der Produktion, d.h. statt Weidehaltung, Grassilage. Wenn der Verbraucher bereit ist das Doppelte für 1 Liter Milch im Laden zu zahlen, dann kann und wird der Landwirt der Letzte sein, der an noch mehr Komfort für seine Tiere denkt. Doch es ist einfach Fakt, dass die Mehrzahl der Verbraucher günstig bei Discountern einkäuft. Eine Alternative wäre doch, direkt zum Landwirt zu fahren und vor Ort die Milch abzuholen. Der Landwirt bekommt einen fairen Preis, man kauft regional ein und kann ganz nebenbei erfahren, wie die Tiere gehalten werden. Hinterher kann man sich dann Gedanken machen, ob man Vorurteilen aus Berichten einfach Glauben schenken sollte, ohne sich selbst darüber informiert zu haben bzw. diese eine Meinung zu hinterfragen, wie es unseren Kühen geht.

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