Buchtipps von Rainer Moritz: "Ein Festtag" und "Singapur im Würgegriff"

Made in Britain

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Brexit hin, Brexit her – schöner ist es, sich an die englische Literatur zu halten. An Graham Swift etwa, dem mit „Ein Festtag“ ein wahres Glanzstück gelungen ist. Im Rückblick erinnert sich die erfolgreiche Autorin Jane Fairchild an einen ihr unvergesslichen Tag im März 1924. Damals arbeitete sie als junges Dienstmädchen in der Grafschaft Berkshire, verstrickt in eine leidenschaftliche Affäre mit dem Gutsbesitzersohn Paul – bis ein heißer Sonntag in einem furchtbaren Unglück endet. Swift zeigt in seinem impressionistisch angehauchten, anrührenden schmalen Gesellschaftsroman, was eine Biografie prägt, worüber sich sprechen lässt – und worüber nicht. Ein einziger Tag, und Janes Leben ist mit einem Mal ein anderes.

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Episch breiter erzählt Swifts 1979 mit 44 Jahren beim Fischen verunglückter Landsmann James Gordon Farrell. Dessen „Empire Trilogy“ zählt zu den viel zu wenig bekannten Höhepunkten der englischen Literatur, und mit „Singapur im Würgegriff“ liegt endlich dessen Schlussteil auf Deutsch vor. Die Gummifabrikanten Blackett & Webb erfreuen sich im Singapur des Jahres 1937 hoher Umsätze, doch das Kriegsrumoren aus Europa und die Expansionspolitik Japans drohen den Erfolg zu gefährden. Farrell erzählt komisch, sinnlich und reflektierend zugleich von den Nachwirkungen des Kolonialismus, vom Versuch einer Familie, sich zu behaupten – bis die Briten 1942 in der Schlacht um Singapur eine historische Niederlage erleiden.

Produktinfo

Graham Swift: Ein Festtag. Übers. von Susanne Höbel. dtv. 144 Seiten, 18 Euro.

Produktinfo

James Gordon Farrell: Singapur im Würgegriff. Übers. von Manfred Allié. Matthes & Seitz. 828 Seiten, 30 Euro.

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