Was bedeutet Reformation?
Er predigte in seiner Landessprache und teilte beim AbendmahlDas Abendmahl vergegenwärtigt das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Beim Abendmahl bekomme man eine Vorstellung von der künftigen Mahlgemeinschaft im Reich Gottes, glauben Christen. Nach Matthäus 26,29 spricht Jesus von dem Tag, „an dem ich von neuem vom Gewächs des Weinstocks mit euch in meines Vaters Reich trinken werde“. Katholiken und Protestanten erkennen das Abendmahl als Sakrament an, als sichtbares Zeichen von Gottes unsichtbarem Handeln. Dennoch trennt der Streit um das Abendmahl die Konfessionen. Wie sind etwa Jesu Worte „Das ist mein Leib... und Blut“ zu verstehen? Verwandeln sich Brot und Wein in Christi Leib und Blut? Das ist die katholische Vorstellung. Früher herrschte auch innerhalb der Protestanten darüber Uneinigkeit. Reformierte Protestanten verstanden die Gleichsetzung symbolisch, Lutheraner bestanden auf einer wörtlichen Auslegung. Seit der „Leuenberger Konkordie“ von 1973 halten beide die früheren gegenseitigen Verwerfungen für überwunden: Damit leibliche Gegenwart entstehe, bedürfe es keiner Wandlung der Elemente. Sie bedeute vielmehr, dass Christus in der Mahlgemeinschaft geheimnisvoll gegenwärtig sei. nicht nur das Brot, sondern auch den Kelch aus – eine unerhörte Neuerung. Er akzeptierte nur die Autorität der BibelDie Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15. Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste Quelle., nicht die des Papstes. Er kritisierte die Raffgier des Klerus und seine Vorstellungen von der Sündenvergebung. Der Papst forderte ihn per Erlass auf, seine Lehre zu widerrufen. Dann wurde er exkommuniziert. Als man ihm freies Geleit zusicherte, willigte er in eine Anhörung vor König und Papst ein. Eine Falle. Am 6. Juli 1415 – gut ein Jahrhundert, bevor Martin Luther die 95 Thesen schrieb – starb Jan Hus auf dem Scheiterhaufen.
Zahlreiche Neuerer rebellierten im Mittelalter gegen eine moralisch verkommene Kirche. Petrus„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“: In goldenen Lettern ziert dieser Vers aus Matthäus 16, 18 die Kuppel des Petersdoms in Rom. Nach katholischer Auffassung begründet der Ausspruch Jesu die Autorität des Papstes über alle anderen Bischöfe und Priester. Als Bischof von Rom sei der Papst nämlich Nachfolger des Apostels Petrus. Dass Petrus tatsächlich Bischof von Rom war, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Zudem hatten die römischen Bischöfe bis ins fünfte Jahrhundert nur wenig Einfluss auf Lehrentscheidungen der Kirche. Erst Leo I. (440 bis 461) setzte den Primatsanspruch Roms durch. Die Bezeichnung „Papst“ stammt aus dem 11. Jahrhundert, das Unfehlbarkeitsdogma aus dem Jahr 1870. – Nach evangelischer Auffassung hat Jesus mit dem Ausspruch dem Apostel Petrus seine Aufgabe in der Urchristenheit zugewiesen. Und wenn Jesus ihm anschließend die Schlüsselgewalt gibt, Sünden zu vergeben, dann weist er diese zugleich der ganzen Kirche zu, nicht nur dem Papst. Waldes, Franz von Assisi, John Wyclif, Jan Hus, Martin Luther und Huldrych Zwingli sind nur einige von ihnen. Sie wollten, dass Priester und Bischöfe den Menschen im Geist der Bibel helfen – statt ihre seelische Not auszubeuten wie zu Luthers Zeiten durch den Verkauf von Ablassbriefen, die angeblich die Strafen für die Sünden verringerten. Sie wollten Kultur und Bildung unter die Leute bringen.
Spezial: was ist Reformation Henning Kiene vom EKD-Kirchenamt erläutert
Nur ein Reformversuch von vielen
Sie hatten keinen Namen für ihr Neuerungswerk, sie wollten lediglich die fehlgelaufene Geschichte korrigieren (lateinisch: corrigere), die Kirche der Frühzeit wiederherstellen (restituere), eine verkrustete Lehre erneuern (renovare) und die kirchlichen Ämter umgestalten (reformare). Im 18. Jahrhundert setzte sich für solche Neuerungsbestrebungen auch im Deutschen der französische Fachbegriff "Réforme" durch. Lediglich die „reformatio“ des 16. Jahrhunderts bekam einen lateinischen Namen – als sei sie mehr als nur ein Reformversuch von vielen.
Das Wort „Reformation“ wurde zum Epochenbegriff. Für Geschichtsschreiber markiert das Zeitalter der Reformation den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In späteren Jahrhunderten überschüttete man die Reformatoren auch mit Ehrungen. Luther, Zwingli und Calvin feierte man als Kirchenväter, Luther im 19. Jahrhundert gar als deutschen Nationalhelden.
Die Reformation ist nie abgeschlossen. Das gilt bis heute
Dabei lag auch diesen Kirchenreformern nichts ferner, als neue Bekenntnisse oder gar eine nationale Kirche zu schaffen. Sie wollten wie die ersten Christen wieder über das predigen, was in der Bibel steht. Sie wollten Menschen durch Bildung kultivieren. In der Messe sollte sich eine geläuterte Gemeinde wieder um den Tisch des Herrn versammeln. Taufe und Abendmahl sollten wieder Symbole des Zuspruchs sein. Die Reformatoren wollten keine neue Kirche, sie wollten die Christenheit an ihre Ursprünge erinnern.
Noch anderthalb Jahrhunderte später befand der pietistische Prediger Philipp Jakob Spener, die Reformation sei nicht abgeschlossen. Er forderte seine Zeitgenossen auf, sich nicht mit frommen Worten zu begnügen. Wahre Gottesfurcht zeige sich in praktizierter NächstenliebeLiebe ist mehr als ein Gefühl für den Wonnemonat Mai. Liebe ist eine Grundkonstante menschlicher Beziehungen. Am Anfang steht die Liebe der Eltern zum Kind, dann folgen das Buhlen der Geschwister um die Liebe der Eltern, die freundschaftliche Liebe (griechisch: Philia) und schließlich die Liebe (Eros) zwischen jugendlichen und zwischen erwachsenen Partnern. Wo die Fähigkeit zu lieben über die Freundschaft und Partnerschaft hinauswächst, kann sie zur Nächstenliebe werden, manchmal sogar zur Feindesliebe. Im Hinduismus gilt die bedingungslose Hingabe an Gott (Bhakti) als vollendete Gottesliebe. Im Christentum schließt die Liebe zu Gott auch den Zweifel an oder das Hadern mit Gott ein.. Die Reformation sei nie abgeschlossen, sagte ebenfalls – Mitte des 20. Jahrhunderts – der für den Widerstand gegen die NS-Ideologie so wichtige evangelische Theologe Karl Barth. Die Kirche müsse sich ständig selbst erneuern und neuen Herausforderungen stellen.
"Einheit in Verschiedenheit" heißt: Miteinander, nicht gegeneinander arbeiten
Zum problematischen Erbe der Reformation zählt die Zersplitterung der Christenheit in viele Konfessionen. Eskaliert ein Streit, neigen Protestanten dazu, eine eigene Kirche aufzumachen. Dabei hatten sich die Christen der Frühzeit stets um organisatorische Geschlossenheit bemüht – auch wenn es zu keiner Zeit eine einzige weltweite Kirche gegeben hat.
Protestanten und Katholiken haben gelernt, offen und friedlich um den richtigen Weg zu streiten. „Einheit in Verschiedenheit“ lautet die Devise heute: Christen mögen verschiedene Bräuche haben und auch unterschiedlichen Organisationen angehören. Aber sie müssen sich gegenseitig respektieren und möglichst viel miteinander statt gegeneinander arbeiten.
Eine Kirche, die sich auf den Gott der Liebe beruft, braucht immer wieder frischen Wind. Es sollte aber niemand meinen, dass jede Reform auch eine Besserung sei. Gerade die Reformer des 16. Jahrhunderts waren in dieser Hinsicht sehr pessimistisch. Egal was Menschen tun, nie habe ihr Werk vor Gott Bestand, lehrten sie. Der Mensch sei ganz auf Gottes Gnade angewiesen. In ihrem Reformeifer ließen sie sich davon allerdings nicht bremsen.




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