Wer aufdeckt, hat verloren

Weiterbilden in Deutschland: Mortaza Rahimi bei einem Workshop für Blogger. Foto: David Vogt

Es sind mutige Menschen, die sich alle paar Wochen im Berliner Büro des Vereins „Reporter ohne Grenzen“ treffen. So mutig, dass sie in ihren Heimatländern nicht mehr sicher waren, wie der 28-jährige Journalist Itai Mushekwe aus Simbabwe, der Skandale unter Diktator Robert Mugabe aufdeckte. Oder die iranische Reporterin Negin Behkam, 27, die Auskunft über verhaftete regime­kritische Kollegen einforderte. „Reporter ohne Grenzen“ unterstützt sie und andere Journalisten, die nach Deutschland flohen und ermöglicht den Austausch in einem ­Arbeitskreis. Denn wie alle Flüchtlinge ­fangen sie hier wieder bei null an. „In den ersten Monaten geht es meist um Hilfe beim Asylverfahren“, sagt Koordinator Jens-Uwe Thomas. „Später um den Berufseinstieg.“ ­
Es sei extrem schwer für die Exilanten, bei den hiesigen Medien einzusteigen, da es dafür perfektes Deutsch brauche. Der Verein finanziert Sprachkurse und versucht, Prak­tika oder Kontakte zu Redaktionen zu vermitteln. Auch in unser aller Interesse, sagt Thomas: „Das Wissen der Leute ist eine große Chance für Deutschland. Sie könnten uns die Krisengebiete der Welt erklären, denn sie kommen genau daher.“

Leseempfehlung

HIlfe für die weißrussische Journalistin Iryna Khalip, die sich regimekritisch äußerte.

Fragen an Mortaza Rahimi,
afghanischer Journalist, der 2011 nach Deutschland floh

Warum haben Sie Afghanistan verlassen?
Ich habe dort für mehrere Zeitungen und Websites gearbeitet und setzte mich unter anderem für die Rechte der Hazara an, einer verfolgten Minderheit, der ich angehöre. Von den Taliban erhielt ich zwei Jahre lang Drohbriefe, zuletzt schrieben sie, sie würden mich und meine Familie umbringen.

Ist das ein Einzelfall?
Nein, vor allem islamistische Extremisten schüchtern Pressevertreter immer wieder ein. Kürzlich veröffentlichte eine solche Gruppe Fotos von einigen Journalisten und bezeichnete diese als Auslandsspione. 2013 wurden Dutzende afghanischer Reporter verletzt und drei getötet.

Wie leben Sie hier in Deutschland? 
Ich habe Asyl erhalten und lerne zurzeit intensiv Deutsch. Arbeit habe ich nicht. Nur manchmal schreibe ich Artikel für BBC ­Persien und afghanische Zeitungen in Kabul.

Spendenkontakt: 

Reporter ohne Grenzen e. V.
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