"Tschernobyl-Kinder" aus Weißrussland in Bad Hersfeld

Ferien ohne Geigerzähler
Mogilever Bad Hersfeld

Gruß aus der verstrahlten Heimat: Mogilever-Kinder tanzen in Bad Hersfeld

Foto: Stefan Odry

Erholung für Kinder aus Weißrussland

Mogilev ist nicht Tschernobyl. Die Region im Osten Weißrusslands liegt mehr als 200 Kilo­meter vom Atomkraftwerk entfernt. Aber direkt nach der Reaktorkatastrophe im April 1986 hatte der Wind die radioaktive Wolke hierhergetrieben, wo sie über Regengüsse den Boden verseuchte. Mogilev ist bis heute ein Gebiet mit erhöhten Strahlenwerten. Und so spricht man in Bad Hersfeld eben doch von den „Tschernobyl-Kindern“, wenn der Reisebus aus Mogilev erwartet wird.

Seit 1991 lädt der diakonische Verein für Internationale Jugendarbeit 36 Kinder zwischen acht und 14 Jahren zu einem Sommercamp in der evangelischen Bildungsstätte ein. Darunter seien immer wieder welche, deren Familienmitglieder an Krebs erkrankt oder gestorben sind, sagt Organisatorin Ros­witha Alterhoff. Und: Wenn die Kinder die großen Rasenflächen rund um die Unterkunft sehen, zögern sie erst mal und fragen: „Dürfen wir wirklich draußen an der Luft spielen?“

Viele Bad Hersfelder beteiligen sich am Programm, ein Ehepaar spendiert einen Res­taurantbesuch, ein anderes lädt in den Tierpark ein, Geschäftsleute schenken Schuhe und Kleider. Im Gegenzug führen die Kinder weißrussische Tänze vor, in einem Altenzentrum oder in der Fußgängerzone. Die „Tschernobyl-Kinder“ gehören hier mit zum Sommer.

Fragen an Roswitha Alterhoff, Prälatin i. R. und Organisatorin der Ferien

chrismon: Wie finanzieren Sie diese drei Ferienwochen?

Roswitha Alterhoff: Über Spenden. Wir sammeln das ganze Jahr über, schreiben Bettelbriefe, backen Waffeln auf Märkten, organisieren Basare, Bücher- und Floh­märkte. Unterkunft, Vollpension, Ausflüge – das ganze Paket kostet 32 000 Euro pro Jahr.

Andere Vereine arbeiten mit Gastfamilien, das ist günstiger. Warum Sie nicht?

Wir möchten, dass die Kinder zusammenbleiben und gleiche Bedingungen haben. Die eine Familie besucht tolle Vergnügungsparks, die andere hockt vielleicht immer zu Hause. Zudem hatten wir Bedenken, dass wir irgendwann keine Familien mehr finden. Woanders bröckelt es deswegen auch ab.

Wie lange wollen Sie weitermachen?  

Am besten die nächsten 10 000 Jahre noch. So lange wird die Erde dort verstrahlt sein. 

Spendenkontakt: 

Verein für Internationale Jugendarbeit Bad Hersfeld e. V.

Pappelweg 32

36251 Bad Hersfeld

Ros­witha Alterhoff: 06621/79 88 00

r.alterhoff@vodafone.de

www.vij-bad-hersfeld.de

 

Bankverbindung:

IBAN:  DE34 5325 0000 0001 0039 34,

BIC:  HELADEF1HER

Stichwort: chrismon/Tschernobyl-Kinder

Für die Spendenquittung auf der Über­weisung die eigene Anschrift angeben. 

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