Junge Israelis und Palästinenser zusammen in Deutschland

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Die ersten Tage sind immer schwierig. Etwa 50 junge Palästinenser und Israelis essen dann an getrennten Tischen, es gibt Berührungsängste und Beklommenheit, erzählt Barbara Esser, Koordinatorin des Projekts „Ferien vom Krieg“. Seit zwölf Jahren lädt das Kölner Komitee für Grundrechte und Demokratie junge Leute aus der Westbank und Israel zu zweiwöchigen Dialogseminaren nach Deutschland ein.

In einer Jugendherberge wohnen sie fernab ihrer zweigeteilten Heimat zusammen und hinterfragen die Feindbilder, mit denen beide aufgewachsen sind: hier die Vertreter der brutalen Besatzungsmacht, dort die potenziellen Terroristen. Sie setzen sich in Gesprächsgruppen und Rollenspielen mit der jeweils anderen Situation auseinander und entwickeln (noch) utopische Lösungs­szenarien wie einen gemeinsamen Staat. Vor allem aber lernen sie einander als individuelle Menschen kennen, mit denen man reden und lachen kann – und offenbar sogar unter einem Dach wohnen. Spätestens ab der zweiten Woche mischen sich die Tische, sagt Barbara Esser. Damit ist der Nahostkonflikt nicht gelöst. Aber die Fronten haben sich ein bisschen aufgeweicht.

Barbara Esser

Barbara Esser ist die Koordinatorin der „Ferien vom Krieg“-Dialogseminare des Komitees für Grundrechte und Demokratie e.V.

Fragen an Barbara Esser,  Koordinatorin der „Ferien vom Krieg“-Dialogseminare

Was lernen die Teilnehmer voneinander?
Die Israelis sind anfangs oft schockiert darüber, wieviel Hass ihnen entgegenschlägt. Den meisten ist nicht klar, wie sehr die Pa­läs­tinenser unter der Besatzung leiden. Sie hören zu, was diese erzählen, beginnen mitzufühlen. So wird eine Annäherung möglich.

Und dann wird es immer leichter?
Nein, nach ein paar Tagen kommt oft eine kritische Phase. Dann, wenn die Juden vom Holocaust berichten und ihrerseits Verständnis erwarten, sich aber stattdessen ein Streit um den Opferstatus entwickelt. Da separieren sich beide Gruppen oft wieder.

Wie löst sich das wieder auf?
Das ist kein Selbstläufer. In den Seminaren arbeiten wir daran, immer wieder die eigene Sichtweise zu überdenken. Es hilft natürlich, dass die jungen Leute auch zusammen frühstücken und Ausflüge machen. Und da mal über ganz andere Dinge reden.

Spendenkontakt: 

Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.,
Aquinostr. 7 - 11, 50670 Köln
Koordinatorin: Barbara Esser
Tel.: 069 - 76 80 91 10
E-Mail: info@ferien-vom-krieg.de,
www.ferien-vom-krieg.de

Bankverbindung:
Volksbank Odenwald
IBAN: DE34 5086 3513 0008 0130 55
BIC: GENO DE 51 MIC
Stichwort: chrismon/Ferien vom Krieg.

Für die Spendenquittung bitte die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben.

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