Eichen statt Kiefern, das tut dem Klima gut

Mal so richtig reinhauen
Eichen pflanzen im Kiefernwald

Um sechs aufstehen, abends die Knochen spüren – sie wollten es so

Bergwaldprojekt e.V.

Im brandenburgischen Adamswalde pflanzen Freiwillige Tausende von Eichen und Buchen

Der Morgennebel hängt zwischen den Baumwipfeln. Die Sonne geht gerade auf, es riecht nach Regen, feuchter Erde, Harz und Kiefern. Mitten im Wald halten zwei Kleinbusse, 18 freiwillige Helfer steigen aus, noch etwas müde, in Jeans und wetter­festen Jacken. Erzieher, Studenten, Biologen, zwischen 19 und 65 Jahre alt. Sie werden eine Woche lang im branden­burgischen Adamswalde Bäume pflanzen. Denn der Kiefernwald soll nach und nach durch Eichen und Buchen ersetzt werden. 

Wald ist Wald, und Wald ist gut, oder? So einfach ist das nicht, erklärt Peter Naumann, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Bergwaldprojekt, der diese Freiwilligenwoche organisiert. Die Kiefer sei in Brandenburg nicht zu Hause, sagt er, man habe sie erst gepflanzt, als die heimischen Buchen und Eichen im 18. und 19. Jahrhundert abgeholzt wurden, um Holzkohle für die Glasherstellung zu gewinnen. Und die dann entstandene Kiefernmonokultur sei nicht gut für den Boden: Er versauere, und es mangele ihm an Nährstoffen. Außerdem ließen Kiefern viel weniger Regenwasser durch als Laubbäume, dadurch bekämen die Moore zu wenig Wasser. 

Alle Moore der Welt speichern doppelt so viel CO₂ wie alle Wälder der Welt

Moore sind nicht nur einzigartige Ökosysteme mit ­seltenen Pflanzen und Tieren, sondern auch ein be­deutender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Sie machen auf der weltweiten Landfläche nur drei Prozent aus, speichern aber doppelt so viel CO₂ wie alle Wälder der Erde zusammen.

Es gibt also gute Gründe, die 5500 Eichen zu pflanzen – so viele sollen es in dieser Woche werden. Der Verein ar­beitet mit der örtlichen Oberförsterei zusammen. „Die freuen sich über die Unterstützung“, sagt Jonathan Schüppel, Förster und Projektleiter der Woche in Adamswalde. „Denn so können sie den Waldumbau viel schneller voranbringen.“

Bergwaldprojekt e. V. hat seinen Sitz in Würzburg und schickt etwa 2000 Freiwillige pro Jahr zu Projektwochen an 51 Einsatzorte in ganz Deutschland. „Für die meisten Helfer ist das erste nicht das letzte Mal“, sagt Peter Naumann. Das Ganze hat 1991 mit einem kleinen Arbeitseinsatz im Harz begonnen, inzwischen hat das Bergwaldprojekt unter anderem mehr als drei Millionen Bäume gepflanzt, 140 Hektar Hochmoore wiedervernässt und 80 Kilometer Bachläufe renaturiert. 

Der Verein möchte aber nicht nur die Natur schützen, sondern vor allem auch Menschen in den Wald bringen. Es gibt verschiedene Einsätze, auch für Familien, Schulklassen oder für Belegschaften, die Teambuilding probieren ­wollen. „So können die Menschen erleben, wie abhängig wir vom Wald sind“, sagt Naumann. „Vielleicht beginnen sie dann, achtsamer und nachhaltiger zu leben.“

Ab in den Wald!

Mit dem Verein Bergwaldprojekt e.V. können Freiwillige an Projektwochen in fast ganz Deutschland teilnehmen. Es gibt auch spezielle Angebote für Familien, Geflüchtete, Menschen mit Behinderung und Unternehmen. Die Teilnehmer zahlen nur die Anfahrt. www.bergwaldprojekt.de., Veitshöchheimer Str. 1b , 97080 Würzburg, Telefon 0931-4526261, info@bergwaldprojekt.de. Spendenadresse: GLS Gemeinschaftsbank eG, IBAN DE87430609678022916200, BIC GENODEM1GLS

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