Geht doch! Kopenhagen als fahrradfreundliche Stadt

Diesmal: Stadt ohne Autos
Radfahrer auf den Strassen Kopenhagens, Breiter Fahrradweg, Mai 2013

Auf Kopenhagens Straßen lässt sich prima radfahren

Thomas Rabsch/laif

Eine autofreie Stadt? Unmöglich. Oder doch nicht? Kopenhagen macht es vor und zeigt sich von einer besonders radfahrer-freundlichen Seite

Fahrräder, überall! Benji Cooper, Auslands­student aus England und zum ersten Mal in Kopenhagen, staunt. Autos? Ja, gibt’s auch, aber nicht so viele, und sie sind eher langsam. In viele Viertel dürfen sie gar nicht. Das wirkt. Ob zum Einkaufen, in die Schule oder zur Arbeit: Mehr als die Hälfte der Kopenhagener fährt Rad statt Auto. 90 000 Tonnen CO₂ spart ­Kopenhagen so pro Jahr. Also: Benji setzt sich den Helm auf die britischen Locken, und los geht’s Richtung Uni, auf den Cycle-Highway am Meer. Der ist breit und durch Randstreifen von der Straße getrennt. Komfortabel! Noch besser sind die neuen Superhighways zu den Vororten: Abgeschirmt von Autostraßen erreichen die Pendler bequem das Zentrum. Benji erspart sich mehrere Kreuzungen, indem er die 190 Meter lange Radbrücke nimmt. Hält er die 20 Stundenkilometer, hat er an den Ampeln grüne Welle. So ist er schnell an der Uni.

In Kopenhagen haben die Stadtplaner begriffen: Die Menschen zieht es weg vom Land, rein in die ­Städte, der Verkehrskollaps zeichnet sich ab. Autos aber nehmen Platz weg und machen schlechte Luft. Andere Städte versuchen es auf andere Weise: Mailand mit ­einer Stadtmaut. Für Helsinki entwickelt die Transport­ingenieurin Sonja Heikkilä eine App, die dem Nutzer aus Bus, Bahn und Rad die beste Verbindung sucht – das Voran­kommen muss einfach bleiben. Den Haag orientiert sich an den Dänen und schafft viele Anreize für Rad­fahrer.

Und die Autonation Deutschland? Nur ein Zehntel der Deutschen radelt regelmäßig. Was tun? Mitmachen, rät Professor Heiner Monheim: „Aufsteigen und losfahren.“ Im Fahrrad sieht der renommierte Verkehrsexperte ­die größte Chance gegen den Kollaps. „In deutschen Städten könnte leicht die Hälfte des Autoverkehrs ersetzt ­werden“, sagt er. „Nötig ist Werbung, die Lust aufs Rad­fahren macht – und die Kommunen müssen den Rad­fahrern Raum geben.“ Umfragen zufolge würden viele radeln, wenn der Verkehr für sie sicherer wäre. Wie in Kopenhagen.

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