Diskussion um Zukunft des Echo

epd-bild/Norbert Neetz

Johann Hinrich Claussen

Johann Hinrich Claussen

Die Empörung nach der Echo-Vergabe an zwei Rapper, die in ihren Texten auf Holocaust-Vergleiche reimten, zeigt Wirkung. Der Preis soll überarbeitet werden. Nicht Verkaufszahlen, sondern eine Jury sollten künftig entscheiden, lautet die Forderung des Kulturbeauftragten der EKD.

Über die Vergabe des Musikpreises Echo muss nach Ansicht des Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, künftig eine Fachjury entschieden. "Um einen Preis zu verleihen, braucht es Preiswürdigkeit. Das kann nicht Sache bloßer Verkaufszahlen sein", sagte Claussen am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bislang entscheidet der kommerzielle Erfolg, wer ausgezeichnet wird. Dass in diesem Jahr die Rapper Kollegah und Farid Bang deswegen zu den Geehrten zählten, stieß auf Empörung und wird voraussichtlich grundsätzliche Konsequenzen für den Preis nach sich ziehen. Einzelne Textstellen der Rapper werden als antisemitisch verstanden.

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, hatte am Sonntag erklärt, der Preis werde überarbeitet. Dies schließe eine umfassende Erneuerung der Mechanismen von Nominierung und Preisvergabe ein.

Es geht um Qualität

Claussen sieht keine Alternative zu einer Jury: "Die Entscheidung über Preisträger muss von ausgewiesenen Kennern der Populärkunst getroffen werden." Beliebtheit müsse berücksichtigt werden, "aber es geht hier um Qualität", betonte er. Die bisherige Regelung, nach der ein Ethik-Beirat über Fälle berät, in denen nach Verkaufszahlen ein Preis verliehen werden müsste, Bands oder deren Textinhalte aber für problematisches Gedankengut stehen, bräuchte man dann nicht mehr, sagte Claussen.

Die Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang sorgt seit der Preisverleihung am Donnerstagabend für Empörung. Am Sonntag erklärte das Notos Quartett auf seiner Facebook-Seite, dass es aus Protest seinen "Echo Klassik 2017" zurückgegeben hat. "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar", erklärten die früheren Echo-Gewinner. Die Auszeichnung sei für sie nun "nichts mehr als ein Symbol der Schande". Das Notos Quartet war im Oktober 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres mit dem "Echo Klassik" geehrt worden.

Live von Vox übertragen

Kollegah und Farid Bang waren für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. In ihrem aktuellen Album findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815" zudem: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Der Ethik-Beirat hatte Textzeilen der Rapper kritisiert, aber gegen einen Ausschluss von der Preisverleihung votiert. Diese wurde live vom deutschen Privatsender Vox übertragen. Bis 2016 war die Echo-Preisverleihung jeweils im Ersten zu sehen.

Der Rapper Kollegah hat Wissenschaftlern zufolge bereits in früheren Produktionen antisemitische Klischees und Verschwörungstheorien anklingen lassen, beispielsweise im mehr als 13 Minuten langen Stück "Apokalypse". Der Religionswissenschaftler Michael Blume schreibt in einem Beitrag für den Wissenschaftsblog "SciLogs" auf dem Portal "Spektrum.de", dass Kollegah dabei die Mythologie der "13 Illuminaten-Familien" wiedergibt, die der US-Verschwörungstheoretiker Fritz Springmeier entwickelt hat. In seinem Buch "Blutlinien der Illuminati" beschreibt dieser die 13 Familien - unter ihnen auch Familie Rothschild - als Juden, Satanisten und Freimauer. Die Namen der Familien sind auch im Video Kollegahs zu sehen.

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