Jeder Zweite besitzt eine Bibel, aber wenige lesen drin

epd-bild/Matthias Rietschel

Luther-Bibel von 1546

Luther-Bibel von 1546

Der Besitz der Heiligen Schrift zieht nach Erkenntnissen von Meinungsforschern nicht deren Lektüre nach sich. Das geht aus einer beim Christlichen Medienkongress präsentierten Umfrage hervor.

Knapp jeder Zweite in Deutschland besitzt einer Umfrage zufolge eine Bibel. Wie aus einer vom Meinungsforschungsinstitut Insa beim Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd am Freitag präsentierten Studie hervorgeht, führt der Besitz der Heiligen Schrift aber nicht automatisch zur Lektüre. Nur sechs Prozent der Bevölkerung gäben an, regelmäßig in der Bibel zu lesen. Bei dem am Donnerstag eröffneten Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd beraten Journalisten aus dem kirchlichen Umfeld bis Samstag über aktuelle Branchenthemen und diskutieren über die Bedeutung religiöser Themen in der Öffentlichkeit.

Drei von vier Befragten sagten dem Insa-Institut, sie hielten die Existenz Gottes für möglich. Andererseits besuchten selbst an Weihnachten nur 21 Prozent einen Gottesdienst. Sogar die Mehrheit der Kirchenmitglieder verzichte an den Festtagen auf den Kirchgang.

Reformationsjubiläum als Erfolg gewertet

Lars Harden von der Kommunikationsagentur Aserto schilderte das zurückliegende 500. Reformationsjubiläum unter dem Gesichtspunkt der Medienberichterstattung als Erfolg. Strategisch sei es von den Veranstaltern richtig gewesen, auf Prominenz zu setzen, etwa durch die Einladung des früheren US-Präsidenten Barack Obama zum evangelischen Kirchentag im Mai in Berlin.

Harden kritisierte aber, dass man vor allem die eigenen Zielgruppen und Milieus angesprochen habe. Dass der Protestantismus kein einheitliches Logo fürs Jubiläumsjahr verwendet habe, beweise eine "unfassbare Absenderorientierung". So sei das Verbindende der vielen Veranstaltungen für Außenstehende nicht erkennbar geworden.

Keine Zukunft der Kirche ohne Publizistik

Der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Jörg Bollmann, sagte: "Es gibt keine Zukunft der Kirche in einer pluralen Gesellschaft ohne ihre Publizistik." Ohne die evangelische Publizistik lasse sich Religion in einer säkularen Gesellschaft nicht vermitteln.

"Dieses Land benötigt die christliche Religion, auch als Träger der kulturellen Vielfalt", betonte Bollmann. Wie kaum eine andere zivilgesellschaftliche Institution förderten die beiden großen Kirchen "kulturelle Infrastruktur, kulturelles Gedächtnis und kulturelle Bildung in Deutschland". "Wenn wir unsere Kinder und Enkelkinder nicht in eine kulturlose Gesellschaft schicken wollen, müssen wir alles dafür tun, dass sich die Horrorszenarien eines sich glaubens- und religionsleerenden Staatsgebildes nicht realisieren", sagte der GEP-Direktor. Den evangelischen Publizisten komme dabei eine wesentliche Aufgabe zu.

Unabhängigkeit im Glaubensverständnis angelegt

Grundlegend sei die im reformatorischen Glaubensverständnis angelegte Unabhängigkeit der evangelischen Publizistik, die den Ansprüchen an Qualitätsjournalismus entspreche. "Wir sind in der evangelischen Publizistik verpflichtet zu einer unabhängigen Berichterstattung über das kirchliche Leben und die christliche Lebenswirklichkeit sowie zu einer kritischen Begleitung kirchlicher Vorgänge", sagte Bollmann.

Das GEP ist die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen. Zum GEP gehört unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.