Ernährungsreport 2018: Verbraucher wollen wissen, was sie essen

epd-bild/Steffen Schellhorn

Demo gegen Massentierhaltung (Archivbild)

Demo gegen Massentierhaltung (Archivbild)

Zum dritten Mal hat Landwirtschaftsminister Schmidt den Report vorgelegt. Er zeichnet das Bild vom verantwortungsvollen Verbraucher. Kritiker werfen dem CSU-Politiker vor, dass die Studien politisch folgenlos bleiben.

Die Verbraucher in Deutschland wollen möglichst viel über ihre Lebensmittel erfahren und würden für fair produzierte Nahrungsmittel auch mehr Geld ausgeben. Einkaufs- und Essgewohnheiten ändern sich aber kaum. Dieses Bild zeichnet der Ernährungsreport 2018, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Verbraucher- und Naturschutzorganisationen kritisierten den Bericht als belang- und politisch folgenlos.

Dem Ernährungsreport zufolge würden die meisten Verbraucher für Fleisch von besser gehaltenen Tieren mehr bezahlen. Bei einem Kilo Fleisch für zehn Euro würde die Hälfte der für den Report Befragten zwei bis fünf Euro drauflegen, wenn die Tiere besser gehalten würden, als es das geltende Recht vorschreibt. Insgesamt wären 47 Prozent auf jeden Fall und 43 Prozent tendenziell bereit, mehr Geld für Fleisch mit einem staatlichen Tierwohl-Label auszugeben. Dass sie sich heute schon an Siegeln oder bestimmten Marken orientieren, erklärten aber nur 41 Prozent der Befragten.

Tierwohl wichtig

Schmidt sagte, das Tierwohl stehe bei den Verbrauchern auf Platz 1. Vier von fünf Befragten wünschten ein solches Label. Er gehe davon aus, dass dies bei den Gesprächen von Union und SPD zur Regierungsbildung eine Rolle spielen werde, sagte Schmidt. Mit den Grünen und der FDP wäre es zur Einführung eines solchen Siegels gekommen.

Der CSU-Politiker hatte das Tierwohl-Siegel schon im vergangenen Jahr angekündigt, es aber nicht umgesetzt. Tierschutzverbände lehnen die Kriterien als zu wenig streng ab und kritisieren, dass das Siegel nicht verbindlich, sondern als freiwillige Zertifizierung eingeführt werden soll. 30 Prozent der Verbraucher essen laut dem Report weiterhin jeden Tag Fleisch oder Wurst, die Mehrheit mehrfach in der Woche. Da sei "mehr Kontinuität als Wandel" zu beobachten, sagte der Studienleiter Peter Matuschek vom Meinungsforschungsinstitut forsa.

Beim Einkaufen informieren sich etwa zwei Drittel der Verbraucher im Geschäft oder auf dem Markt über ihre Lebensmittel, 42 Prozent im Internet und ein geringerer Teil über Werbung oder die Verbraucherzentralen. Eingekauft wird weiterhin selbst. Nur sieben Prozent bestellen Lebensmittel im Internet, während bei allen anderen Produkten 60 Prozent der Verbraucher die Ware auch online bestellen. Zwischen 70 und 80 Prozent aller Verbraucher wollen dem Report zufolge Angaben über die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel, die Herkunft, die Haltbarkeit und ob ein Produkt fair oder umweltfreundlich erzeugt wurde.

Minister gegen Ampel

Schmidt lehnte eine von Verbänden und Verbraucherschützern geforderte Ampelkennzeichnung auf Verpackungen indes erneut als zu plakativ ab. Die Verbraucher wollten "vertiefte Informationen", sagte er. Ampel-Kennzeichnungen informieren leicht verständlich über gesundheitsrelevante Bestandteile wie Zucker, Fette oder Salz und werden unter anderem von "Foodwatch" gefordert.

"Foodwatch" bezeichnete den Report als "ebenso bunte wie belanglose Broschüre". Es sei längst bekannt, dass sich die Menschen bessere Kennzeichnungen der Lebensmittel oder eine gute Tierhaltung wünschten - doch hier werde Schmidt nicht aktiv oder bringe nur Scheininitiativen auf den Weg. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) kritisierte, das staatliche Tierwohl-Label, das Schmidt vorschlage, liege kaum über den gesetzlichen Vorgaben. Die Nachfrage nach umwelt- und tiergerecht produzierten Lebensmitteln müsse vielmehr genutzt werden, um verbindliche staatliche Haltungskennzeichen einzuführen, analog zu den Kennzeichnungen von Eiern für Käfig-, Boden- oder Freilandhaltung.

Für den Report hatte das Meinungsforschungsinstitut forsa im Herbst 2017 rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Es ist der dritte Ernährungsreport im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

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