Ethikrat plädiert für gesellschaftliche Debatte über autonome Systeme

epd-bild/Friedrich Stark

Roboter

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Künstliche Intelligenz gehört längst zu unserem Alltag. Doch wie verändern autonome Systeme unser Leben? Experten diskutierten über die ethischen Folgen der neuen Technologien.
21.6.17 (aktualisiert)

Pflegeroboter, selbstfahrende Autos, der Kühlschrank, der neue Milch bestellt, oder die Heizung, die sich bei sinkenden Temperaturen selbst hochregelt: Autonome Systeme, künstliche Intelligenz, sind aus dem Lebensalltag der Menschen nicht mehr wegzudenken. Der Deutsche Ethikrat hatte die neuen Technologien zum Thema seiner Jahrestagung am Mittwoch in Berlin gemacht.

Der Vorsitzende des Gremiums, Peter Dabrock, plädierte für eine gesellschaftliche Diskussion über die Anwendung solcher Systeme. Ihre Entwicklung sei nicht aufzuhalten. Der evangelische Theologe sprach sich vor allem dafür aus, die unterschiedlichen Einsatzorte intelligenter Maschinen im Blick zu behalten.

Frage nach menschlicher Selbstbestimmung

Der Vorsitzende des Ethikrates forderte mehr Informationen über die technischen Hintergründe oder über die wirtschaftlichen Folgen der Anwendung autonomer Systeme. Es gehe um die Frage, nach welchen Kriterien in Notfällen entschieden werde, aber auch darum, wie Menschen auch weiterhin selbstbestimmt entscheiden könnten.

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin warnte vor einer Personalisierung von "humanoiden" Robotern und autonomen Systemen. Die Menschen als Akteure übernehmen Verantwortung, die sich nicht delegieren ließe, sagte der ehemalige Kulturstaatsminister.

Maschinen sind keine Rechtspersönlichkeit

Christiane Wendehorst, Juristin von der Universität Wien, ging dem rechtlichen Status von Algorithmen und Maschinen nach. Aus juristischer Sicht seien sie keine Rechtspersönlichkeit, sagte Wendehorst. Mit Blick auf Haftungsfragen tut sich für die Juristin ein "Verantwortungsvakuum" auf. Sie sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, in diesem Punkt Klarheit zu schaffen. Dabei riet sie von der Einführung einer "ePerson" ab, die rechtlich haftbar gemacht werden könnte.

Die Informatikerin Katharina Zweig von der Technischen Universität Kaiserlautern wies darauf hin, dass nicht das Handeln der Systeme an sich problematisch sei, sondern vielmehr die Auswahl der Daten. Verantwortlich seien sogenannte "data scientists", ein neues Berufsbild, für das es noch keine Ethikregeln gebe. Dies müsse sich in naher Zukunft ändern.

Autonome Systeme kommen beispielsweise in der Industrie zum Einsatz, wenn Roboter bestimmte Aufgabenbereiche der Arbeiter übernehmen. Auch in der Pflege kranker Menschen findet man sie, im "smart home", dem Haushalt, der über digitale Anwendungen gesteuert wird, oder in Autos, die selbstständig fahren. Auch in Militäreinsätzen übernehmen digitale Systeme die Kriegsführung.