Arnd Brummer will katholische Religionspraxis nicht kritisieren

Der evangelische Publizist Arnd Brummer verteidigt sein Buch "Unter Ketzern" gegen Kritik aus der katholischen Kirche. Bei seinem Band mit dem Untertitel "Warum ich evangelisch bin" handele es sich nicht um ein interkonfessionelles Manifest, sondern eine autobiografische Äußerung verbunden mit einem "Liebesbekenntnis zu meiner Kirche", sagte Brummer in einem epd-Gespräch.

Der Chefredakteur des evangelischen Monatsmagazins "chrismon" und von evangelisch.de war Anfang der 90er Jahre von der katholischen zur evangelischen Kirche konvertiert und schildert in dem zum Papstbesuch erschienenen Buch seine Glaubenserfahrungen. Der 54-jährige Brummer setzt sich kritisch mit der aus seiner Sicht auf den Vatikan zentrierten katholischen "Papstkirche" auseinander und stellt sie der evangelischen "Kirche der Freiheit" gegenüber.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, er habe sich gewundert, dass das Buch so unmittelbar vor dem Papstbesuch erschienen sei. Das sei dem Dialog nicht förderlich. Papst Benedikt XVI. kommt am 23. September mit den Spitzenrepräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Erfurt zu einem ökumenischen Treffen zusammen.

Brummer betonte im epd-Gespräch, "Unter Ketzern" sei keine amtskirchliche Erklärung aus der Leitung der evangelischen Kirche. An mancher Stelle sei das Buch zwar polemisch, jedoch vorwiegend heiter. Auch schildere er darin sehr ausführlich "voller Respekt, wie ihn das Engagement katholischer Geistlicher und Gemeindechristen vor Ort über Jahre vom Konfessionswechsel abgehalten" habe. Es liege ihm fern, die Religionspraxis dieser Menschen zu kritisieren. Doch teile er diese Praxis nicht.

"Ich glaube nicht, dass die katholische Kirche ihre Positionen aufgibt"

"Allerdings stört mich die Differenz zwischen tatsächlichem und angeblichen Leben in der katholischen Kirche", sagte Brummer mit Verweis auf die katholische Sexualmoral und den Zölibat. Die katholische Kirche sei geprägt von einer "amtsbezogenen autoritären Grundstruktur" und einem "konsequenten Weghören und Wegsehen, gerade was die Sorgen und Nöte der eigenen Aktiven angeht".

Impulse zu innerkirchlichen Reformen oder Fortschritten in der Ökumene erwartet Brummer nach eigenen Worten durch den Deutschlandbesuch des Papstes nicht. "Ich glaube nicht, dass die katholische Kirche ihre Positionen aufgibt", sagte er. Allerdings würde es ihn freuen, wenn er überrascht würde.

Das von Brummer verantwortete evangelische Magazin "chrismon" erscheint unter dem Dach des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP). Die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland trägt auch die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes und evangelisch.de.


Arnd Brummer

Arnd Brummer ist Chefredakteur und geschäftsführender Herausgeber von chrismon. Nach einem Tageszeitungsvolontariat beim "Schwarzwälder Boten" arbeitete er als Kultur- und Politikredakteur bei mehreren Tageszeitungen, leitete eine Radiostation und berichtete aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn als Korrespondent über Außen-, Verteidigungs- und Gesellschaftspolitik. Seit seinem Wechsel zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt", dem Vorgänger von chrismon im Jahr 1991, widmet er sich zudem...
Lena Uphoff

Leseempfehlung

Die Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt zu "Unter Ketzern"
Wie chrismon-Chefredakteur Arnd Brummer evangelisch wurde - und warum.

Neue Lesermeinung schreiben

Lesermeinungen

Daß Herr Brummer ein autobiografisches Buch veröffentlicht, ist seine Sache. Da gilt für mich dasselbe wie bei Bushido oder P. Lahm: Irgendwer wird sich schon dafür begeistern. Daß er aber hingeht und seine Stellung als Chefredakteur der ansonsten von mir regelmäßig und ganz gern gelesenen Zeitschrift Chrismon im Zusammenhang mit dem Papstbesuch durch einen antikatholischen und antiökumenischen Rundumschlag zur Auflagensteigerung des Buches mißbraucht, fällt natürlich leider auf Chrismon zurück und schadet dessen Ansehen.

Si tacuisses, philosophus mansisses. Diese "Rechtfertigung" hätte er sich sparen können. Es gibt in der Geschíchte unzählige Beispiele dafür, dass falsch verstandene Freiheit in die Irre führt. So sehe ich die vermeintliche Freiheit des Herrn Brummer. Mißbrauchsfälle gibt es nicht nur in der katholischen Kirche. Trotz des fehlenden Zölibats gibt es Kirchenaustritte auch aus den evangelischen Kirchen. Und so was wie die Weltjugendtage und die Veranstaltungen in Rom die Hunderttausende anziehen und begeistern und jubeln lassen gibt es in der Welt des Herrn Brummer auch nicht. Der Kreuzweg am Collosseum am Karfreitag mit dem Papst gehört zu den ergreifendsten Ereignissen meines Lebens. Das ist katholische Kirche. Wer das vermissen will, ist selbst dran Schuld.

Ein ehrliches Danke, Herr Brummer, für Ihren Mut, so viel Persönliches von sich mitzuteilen. Aufgrund Ihrer Erfahrungen mit der römisch-katholischen Kirche wird mir Ihr Schritt, evangelisch zu werden, plausibel. Ich habe, kurz nach dem Konzil geboren, meine Kirche anders erlebt und in ihr tiefe Wurzeln schlagen können. Sicher, vieles von dem, was Sie ansprechen, geht mir genauso gegen den Strich; doch aus meinen Wurzeln kommt genug Kraft, das auszuhalten. Denn es sind eben nicht nur römische. Was tragfähig christlich ist, was die "eine heilige katholische und apostolische Kirche" ausmacht, war im ausgehenden Mittelalter verschüttet, und erst die Reformation hat es wieder zutage gefördert. Fruchtbarer Streit (nicht ätzende Polemik) zwischen den Konfessionen festigt diese Grundlagen, gemeinsames leidenschaftliches Engagement für die Menschen macht in der Welt erfahrbar, um was es wirklich geht. Darum sind mir die Schwesterkonfessionen teuer und wert. Begegnungen mit evangelischen Christen tun mir neue Türen auf, und in der Feier gemeinsamer Liturgie (die zB im Stundengebet schon heute die Konfessionen verbindet) erleben wir uns als Glieder der einen Kirche Jesu Christi, in der Lebensnähe und Treue zur Tradition zusammengehören. Was Benedikt XVI. - Joseph Ratzinger persönlich betrifft, möchte ich dazu einladen, ihn wirklich zu lesen. So manches relativiert sich dann.

Bis jetzt habe ich Chrismon, das ich als Beilage der ZEIT beziehe, immer gerne in die Hand genommen. Jetzt müffelt es - da spricht mir der Vorredner St. Schmitz aus der Seele:pünktlich zum Papsbesuch nutzt der Chefredakteur das Magazin zur Auflagensteigerung seines Buches. Beim Überfliegen des Beitrags dann drängt sich mir der Begriff "Konvertitensyndrom" auf - die Übereifrigen, Hundertfünfzigprozentigen, die das Verlassene dringend schlechtmachen und das Gefundene hochloben müssen... Das enntspannte, lebensfrohe Gefühl der Gemeinschaft im Glauben, das Brunner von manchen, keinesfalls allen evangelischen Gemeinden beschreibt, erlebe ich in manchen, keineswegs allen katholischen Gemeinden. Aber wenn ich den Artikel lese, habe ich den Eindruck, das würde Herr Brunner gar nicht wissen wollen."in der Alltäglichkeit der Gemeinden hat das evangelische Modell, sich der Moderne zu stellen, die katholische Kirche längst in dier Tiefe erfasst. Nicht im organisatorischen Handeln, viel wichtiger: im Glaubensbewusstsein selbst derer, die sich für treue Söhne und Töchter ihrer Kirche halten", schreibt er stattdessen, als wäre das etwas Schlimmes - oder ein subversiver Akt der Übernahme. Werter Herr Brunner! Wo ist dann Ihr Problem?