Gottesdienstkritik: Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Troisdorf

Schatzsuche
Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Troisdorf

Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Troisdorf

Birte Mensing

Mitten im Wohngebiet läuten die Glocken. Keine Kirche in Sicht, aber ein flacher Bau aus den Siebzigern. Darin: überraschend viele Menschen. Nur ­wenige der lindgrünen Stühle bleiben leer. Familiengottesdienst, wie jeden ersten Sonntag im Monat. Diesmal ­sogar mit Taufe, die erstaunlich un­spektakulär verläuft. Die Patin hält die mobile Taufschale, am ­interessiertesten scheint Sofia, neun Monate alt. Sie bleibt ganz still, schaut der Pfarrerin Wiebke Zöllich bei der ­Taufe tief in die Augen. Herzlichen Glückwunsch, Kerze anzünden, weiter im Text.

„Wir singen jetzt ein Lieblingslied von Karin“, kündigt die Pfarrerin an. Im Reformationsjahr dürfen sich Besucher ihre Lieder wünschen. Wer seine Telefonnummer auf dem Wunschzettel hinterlässt, wird informiert, an welchem Sonntag das Lied gesungen wird. Begleitet werden die Lieder heute von der Musikgruppe. Ein begnadeter Pianist, zwei Gitarren, eine Blockflöte. Die Pfarrerin erzählt, wie Jesus in Matthäus, Kapitel 13, das Himmelreich mit einem Schatz im Acker und der kostbarsten Perle vergleicht. Bauer und Händler geben alles auf, um den Schatz zu bekommen.

Was ist für euch wertvoll? Die Pfarrerin schickt die Gemeinde zu drei Stationen im Kirchenraum. Ein paar Leute bleiben verwirrt sitzen, alle anderen stehen beschwingt auf und spazieren umher. An der ersten Station erinnern sich die Besucher an eigene Schatzgeschichten mit Gott. „Die Geburt meiner zwei Kinder“ steht auf einem gelben Zettel, „Dass Gott mir Zuversicht gibt“ auf ­einem orangen. An der nächsten ­suchen Kinder in einem Sandberg nach Perlen. Und an der dritten Station sind Bibeln ausgestellt, die die Konfis am Samstag gestaltet haben. Das Highlight: „Die ­Keine-Ahnung-Bibel“. 

Das Leben hier ist ein Wunschkonzert. Selbst Elias’ Wunsch „Laudato si“ wird erfüllt. Die Fürbitten werden aus­gelagert in die Gemeinde. Erst meldet sich niemand, doch dann gehen immer wieder Hände hoch: für Kranke, für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, für Sofia und ihre Familie, für den Frieden. Ein flottes Orgelnachspiel entschädigt für den Einsatz der Piccoloflöte. Nach dem Gottesdienst bieten die Konfis Kuchen an, den sie aus biblischen Zutaten gebacken haben. Dazu Kaffee und Apfelschorle. Angekündigt war ein für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechender Gottesdienst. Kurzweilig war er auf jeden Fall.

Kontakt

Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Evangelische Kirche, Bonhöfferstraße 4, 53840 Troisdorf

Infobox

Was erleben Sie im Gottesdienst? Schreiben Sie uns an: chrismon plus, Stichwort Kirchgang, Postfach 50 05 50, 60394 Frankfurt/Main; Fax: 069/580 98 - 286; E-Mail: Kirchgang@chrismon.de

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