Das Wassertuch

Oktober 2014

Foto: Lothar Rühl

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Kontaktinformationen der Gemeinde: 

Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar, Bezirk Gnadenkirche

Am Anger 9
35578 Wetzlar-Büblingshausen
Tel: 06441 76342
eMail: christian.silbernagel@evangelisch-in-wetzlar.de

www.evangelisch-in-wetzlar.de/wps/kgwz/home/bezirk_gnadenkirche/

Bewertung

Liturgie: 
3
Predigt: 
4
Musik: 
3
Atmosphäre: 
4

Mitten in einem Wohngebiet am süd­östlichen Rand von Wetzlar steht die schlichte Kirche aus den 1950er Jahren. Ein rotes flächiges Kreuz an der runden Stirnseite aus Beton fängt drinnen den Blick. Ein riesiges blaugrünes Tuch auf dem Altar ergießt sich wie ein Fluss bis zu den Stufen zum Hauptschiff. Einige Frauen betrachten es bewundernd.

Punkt 9.30 Uhr betritt Pfarrer Chris­tian Silbernagel den Altarraum. Und schon ist er bei den Abkündigungen: Die Künst­lerin, die das Altartuch gehäkelt habe, werde im Gottesdienst ihr Werk erläutern. Daher stehe auch nicht der im ­Losungsbuch vorgesehene Predigttext im Mittelpunkt seiner Predigt, sondern das Thema des Tuches: Wasser.

Künstlerin Katharina Krenkel hält ein Redemanuskript von mehreren DIN-A4-Seiten in der Hand. Sie holt weit aus: Was es heißt, freie Künstlerin zu sein, wie sie zum Häkeln kam, Lutherdekade, Jahr der Taufe 2011. Oje, wann soll das enden?

Dann aber erfährt man, dass sie das Altartuch im Auftrag des Kirchenkreises Wetzlar häkelt, dass es von Woche zu Woche in einer anderen Kirche ausliege und sie ständig daran weiterarbeite. Jedes Mal sei der Stoff etwas länger. Sie erzählt, wie sie Erlebnisse in das Tuch hineinhäkele. Eine dunkle Stelle entstand nach der Meldung vom Tsunami in Japan.

Zwei wenig melodiöse Lieder rahmen die Predigt ein. Aber dank sicherer Orgel­begleitung und notenkundiger Gottesdienstgemeinde kommt man ganz gut durch. Und dann predigt Silbernagel. Zu 70 Prozent bestehe der Mensch aus Wasser, aufgelöst würde es uns bis zur Brust reichen. Manchmal stehe einem das Wasser auch bis zum Hals. Zügig und elegant kommt Silbernagel zur Sache.

Die Seele sei manchmal ein verschrecktes Wesen, das in der Ecke hockt. Der Verstand nehme ihr alle Hoffnung. Alles einst Erträumte werde auf später verschoben, weil Vernunftgründe da­gegensprächen. Silbernagel liest die ­Geschichte von der Samariterin am Brunnen vor (Johannes 4). Jesus verheißt der Frau lebendiges Wasser. „Wer mit Jesus spricht, bekommt Quellwasser, nichts Abgestandenes. Ich erfahre, was in meinem Leben schön und zauberhaft ist, und beginne es zu gestalten.“

Wenn es etwas an der Predigt auszusetzen gibt, dann dies: Sie ist schon nach fünf Minuten vorbei. Ansonsten kann man von diesem Prediger nur Gutes ­sagen: Er ist konzentriert und bei den Zuhörern, kommt schnell zum Punkt. Und man nimmt etwas mit. Punkt halb elf endet das Orgelnachspiel. Silbernagel eilt zum nächsten Gottesdienst.

Was erleben Sie im Gottesdienst?
Schreiben Sie uns an: chrismon plus, Stichwort Kirchgang, Postfach 50 05 50, 60394 Frankfurt/Main; Fax: 069/580 98-286; E-Mail: Kirchgang@chrismon.de

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