Ursula Ott erledigt "Das macht man heute gar nicht mehr"

Was man heute angeblich alles nicht mehr macht
Eine Liebingsfloskel aller Handwerker ist: "Das macht man heute nicht mehr" - aber was macht man denn dann? Macht "man" überhaupt noch was?

 Katrin Binner

Ich renoviere zurzeit mein Bad. Ich bin kein großes Einrichtungstalent, drum sehr empfänglich für professionellen Rat. Der erste Sanitärhandwerker sagte, große Fliesen auf dem Boden, das mache man heute gar nicht mehr. Der zweite − ein Fliesenleger − behauptete, man kachelt auch die Wände nicht mehr, man lässt sie ­unverputzt. Und im Bäderstudio, wo ich schließlich landete, sagte der Verkäufer: große Badewannen, das habe man heute gar nicht mehr. Ich war kurz davor zu fragen: Aber ­baden, duschen und Zähne putzen − das ist schon noch im Trend, oder? Hab ich da was verpasst? Nun ist das Badezimmer nicht 50, sondern 18 Jahre alt. Und ich nicht etwa 100, ­sondern 54. Aber die ­Häufigkeit ­dieses Satzes, "das hat man heute nicht mehr", nimmt zu.

Selbst meine alte Mutter, eine sehr ver­sierte gelernte Arzthelferin, benutzte ihn neulich. Ich fragte sie um Rat, wie ich dem Magen-
Darm-kranken Kind noch helfen könnte. Und sie sagte: "Früher hat man Haferflocken oder Reis gekocht, aber das macht man heute wohl nicht mehr." Dabei hat sich der menschliche Körper nicht wesentlich verändert in den letzten 50 Jahren. Reis hilft immer noch, um das Badezimmer mit oder ohne große Fliesen nicht dauerhaft zu frequentieren.

Bevormun
den passt gar nicht zu chrismon

Was "man" macht, ist so eine Sache. Auch dieses Heft haben wir vor genau einem Jahr umdekoriert − andere Spalten, neue Illustratoren, mehr kleine Texte, die Sie zum Lesen animieren wollen. Auch dabei wurden wir beraten von einem Profi, der weiß, was man so macht im modernen Layout. Fast alle Renovierungsmaßnahmen fanden Sie, liebe 
Leserinnen und Leser, sympathisch. Aber an zwei Stellen greifen wir Ihre Kritik auf. Sie vermissen auf der letzten Seite die "Anfänge" − ­
voilà, da sind sie wieder. Und viele haben ­­uns geschrieben, die Markierungen im Text 
wirkten wie eine Bevormundung. Bevormun
den passt gar nicht zu chrismon. Wir haben sie jetzt sehr zurückgenommen. Und freuen ­
uns weiter über Kommentare zu Form und Inhalt. ­Ist ja nie fertig, so ein Heft. Und das Bad übrigens auch nicht.

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Lesermeinungen

Liebe Chrismon-Redaktion,

mehrfach habe ich überlegt, ob ich Ihnen schreiben sollte, weil ich die "Anfänge" auf der letzten Seite vermisste... und immer wieder gedacht: Was soll's. Ich lese doch gerne auch die Kolumnen von Herrn Brummer, und die "Anfänge" sind ebenfalls nach wie vor im Heft... ist es nicht egal, wo sie stehen?

Nein, ist es nicht! "Anfänge" auf der letzten Seite - das hatte immer so etwas Hoffnungsvolles. Mit einem Ausblick und einer neuen Perspektive das Heft zu beschließen - das war einfach schön.

Insofern freue ich mich zu hören, dass es anderen Lesern offenbar ebenso ging, und dass Sie meinen Wunsch umgesetzt haben, auch ohne dass ich Ihnen geschrieben habe!

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen,
Anna Christians