Kreuze im Gerichtssaal: Ja oder Nein?

Ein gutes Zeichen
Das schlichte Wandkreuz im Gerichtssaal: Wen stört es eigentlich? Es ermahnt doch vor allem zur Menschlichkeit
Annette Kurschus

Annette Kurschus ist Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Herausgeberin von chrismon.

Foto: Christina Lux

Es sind nur zwei schmale Holzleisten, könnte man meinen. Kaum zwanzig Zenti­meter lang – den Fotos nach zu urteilen, die man im Netz findet. Auch passen sie sich farblich genau der Vertäfelung des Raumes an. Woher also die Aufregung – und wozu?

Fast möchte man sich wundern, dass ein so unscheinbares Symbol so zuverlässig derart heftige Emotionen freisetzt. Zuletzt, als der Präsident des Amtsgerichts Saarbrücken die Kreuze aus den Sitzungssälen entfernen ließ. Um der Neutralität des Rechtsstaats willen, hieß es. Um die Vertrauenswürdigkeit der Richter zu schützen und um einen reibungslosen Ablauf des Gerichtsalltags zu gewährleisten. Aha.

Die Reaktionen auf diese Maßnahme waren erwartbar. Die einen bejubeln einen überfälligen Schritt gegen den schädlichen Einfluss der Kirchen, die anderen sehen ein fatales Signal: Das Entfernen verleugne Herkunft und Tradition.

Ich selbst stutze. Denn ich bin in der ­reformierten, von manchen leicht verächtlich (und wenig zutreffend) calvinistisch genannten Tradition des Protestantismus aufgewachsen, wo man sogar in den Kirchen mit Bildern und Kreuzen äußerst zurückhaltend ist und genau in diesem Verzicht ein kräftiges Glaubenszeichen sieht.

Erstaunlich, wie leidenschaftlich das Kreuzessymbol Gegner und Befürworter verbindet. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es an Revers hängt und Hälse schmückt. Wir setzen es auf Kirchtürme und versehen Briefköpfe damit. Die Bibel nennt das Kreuz ein Ärgernis, eine Schande, gar einen Skandal. Ein Skandal? Wenigstens in Gerichtssälen scheint davon etwas übrig geblieben zu sein.

Die Holzleisten stehen für Humanität

Das Kreuz ist ein vieldeutiges Zeichen. Man kreuzt etwas durch und meint: „So geht’s nicht, das muss anders werden.“ Man kreuzt etwas an und sagt damit: „Das gilt, dazu stehe ich, das ist mir wichtig.“ Das Kreuz verbindet oben und unten, rechts und links. Es erinnert daran, dass manches quer kommt; es zeigt, dass es nie nur nach oben und nie nur nach unten geht. Als Glaubenssymbol erzählt es vom Sterben und vom Leben, von Leiden und Lieben, brutalstem Unrecht und seiner Überwindung. In all dem ist es ein hoch religiöses und tief menschliches Symbol.  

Längst nicht jeder, der einem Prozess beiwohnt, vor Gericht steht oder zu Gericht sitzt, misst dem Kreuz religiöse Autorität zu. Und im Gerichtssaal wird keineswegs im Namen dieser Autorität Recht gesprochen. Im Gegenteil. Es ist eine der großen humanen Errungenschaften, dass unsere Rechtsprechung nicht mehr so tut, als verfüge sie über höhere Wahrheiten, höchste Einsichten oder gar himmlische Gerechtigkeiten. In ihr verbinden sich höchste Verantwortung und begrenztes Wissen. Das ist ihre Würde und ihre Bürde, ihre Chance und ihre Gefahr – mit einem Wort: ihre Menschlichkeit. Ob es dem Recht und denen, die täglich darum ringen, guttäte, genau das zu zeigen und sich genau daran zu erinnern? Dann wären die gekreuzten Holzleisten und die Geschichte, für die sie stehen, womöglich doch nicht so nebensächlich.

Denn wen immer die Menschen in Jesus von Nazareth sehen mögen: Er wurde im Namen zweier altehrwürdiger Rechtstraditionen, der offiziellen Religion und der öffentlichen Meinung, „rechtmäßig“ ver­urteilt und war doch unschuldig – eine Mahnung vor Selbstüberhöhung und Selbst­überforderung, vor Unmenschlichkeit und Verantwortungslosigkeit.

Dass eine Gesellschaft und ein Staat unter dem Symbol des Kreuzes Recht suchen und Recht sprechen, ist deshalb ein gutes Zeichen!

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Frau Kurschus, 

ich möchte Ihnen als Leserbrief einige Worte zu Ihren Ausführungen zukommen lassen. 

Das Kreuz im Gericht kann man gut oder als überflüssig ansehen. Aber wenn ein Kreuz im Gericht noch Bedeutung haben soll, wird es für mich und sicher auch weitere Christen unverständlich, dass hier bei uns im Norden, Menschen über 90-jährig angeklagt und verurteilt werden, weil sie evtl. in ihrer Jugend, also vor über 70 Jahren, unrecht gehandelt haben. 

Wenn ein Kreuz in dem Gericht noch Bedeutung hat, müsste Jesus oder heute in der Nachfolge von Jesus die Bischöfe, die Worte eben von Jesus sprechen "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein". Gerade Mitleid wäre unter dem Kreuz angesagt. 

Aber hier werden Menschen nach einem besonderen Recht, bei dem sie ihre Unschuld beweisen müssen, angeklagt.

Im Dritten Reich wurden so auch Menschen behandelt, leider heute für bestimmte Menschen nicht anders.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Wedekind

Hamburg

Sehr geehrte Frau Kurschus,

 

Ihre intelligenten und gut gemeinten Ausführungen zum Kruzifix im Gerichtssaal gehen leider an der Sache vorbei.

 

Ein Kreuz im Gerichtssaal wird von einem normalen Rechtssuchenden als Zeichen besonderer Nähe zwischen dem deutschen Rechtsstaat und der christlichen Religion (und zwar nur dieser) wahrgenommen, wie sie historisch betrachtet ja auch lange genug bestanden hat. Wenn z.B. eine muslimische Mutter unter diesem Zeichen mit einer christlichen Vater um das Sorgerecht für die Kinder streitet, liegt für sie die Befürchtung nicht fern, in einem mit einem christlichen Symbol versehenen Gericht werde der christliche Elternteil von vornherein bevorzugt.

Ein Richter, der selbst keiner christlichen Konfession angehört, wird sich fragen, ob er ein Zeichen seiner Religion oder Weltanschauung neben dem Kreuz oder an dessen Stelle an der Wand platzieren darf oder ob die von Ihnen für sinnvoll erachtete Mahnung zur Menschlichkeit nur durch Symbole der christlichen Religion ausgesprochen werden darf.

 

In einer vielfältiger gewordenen Welt sollte auch durch die Ausstattung der Gerichtsräume zum Ausdruck gebracht werden, dass Justitia ohne Ansehen der Person und insbesondere ohne Bevorzugung einer Religion oder Weltanschauung jedem Rechtssuchenden unvoreingenommen gegenüber steht, so wie es das Grundgesetz gebietet.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dorothee Granderath

Holger Steenhoff

Lahr

Sehr geehrte Damen und Herren!

Gerade zu einer Zeit, in der mancher durch den Flüchtlingsstrom eine Übermacht des Islam befürchtet, ist es wohl besonders wichtig, sich über ein Zeichen Gedanken zu machen, das für unser von christlicher Kultur geprägtes Land von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, das Kreuz. Es ist nicht nur ein sehr vielseitiges Zeichen, sondern in erster Linie ein "hoch religiöses" und "menschliches" Symbol, das man nicht verbergen sollte. Bei aller Tolreanz gegenüber Andersgläubigen und - denkenden dürfte ein Wandkreuz erst recht nicht im Gerichtssaal fehlen, mahnt es doch die Agierenden nach Auffassung der Autorin zur Menschlichkeit. Auch vor dem Hintergrund, dass die Präambel unseres Grundgesetzes und Art. 7 unserer Verfassung ausdrücklich den Gottesbezug aufweisen, ist die Präsenz des christlichen Kreuzes an dem Ort voll gerechtfertigt. 

MIt freundlichen Grüßen und 

guten Wünschen zu Pfingsten

Gabriele Gottbrath

Frankfurt am Main

Bitte mehr Objektivtität und keinen Weihrauch. Zitat: "...das für unser von christlicher Kultur geprägtes Land von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist". Das ist sicher positiv gemeint. Es gibt auch eine ganz andere Sicht, die entlarvend und frei von jeder Schönfärberei ist. So viel Leid (Kinderkreuzzüge!), wie es weltweit unter dem Kreuz und mit dessen Mißbrauch von ca. 400 bis 1945 (Fürstbischöfe, Spanier in Amerika, Zwangsmissionierung, Inquisition, Segnung der Waffen und Zustimmung zu den Nazis) gegeben hat, kann nicht einfach beiseite gewischt werden. Der kirchliche Mißbrauch des Kreuzes bis hin zur Pervertierung (Absolution gegen Geld) ist auch in weiteren 1000 Jahren nicht aus der Welt zu schaffen. Das Problem ist nicht das Kreuz und es sind nicht die Werte, die ursprünglich mit ihm verbunden wurden. Das Problem sind die Menschen und ihre Organisationen, die das Kreuz (auch in Gerichtssälen!) vor sich hertragen und selbst am allerwenigsten das Kreuz ohne eine persönliche Belohnung durch Macht und Geld (die Klöster war am reichsten) tragen wollten und nach wir vor wollen. Schließlich waren ca. 1500 Jahre lang Kirche, Knechtschaft, Kriege, Kreuz, Könige, Kaiser und Kapital unzertrennlich in Funktion und Personalunion verbunden. Das kann man nicht ungeschehen machen. 1500 Jahre sind eine lange Zeit.

Wenn ich recht verstanden habe, war 1500 Jahre der Wurm drin, weil das Kreuz angeblich missbraucht wurde. Seit 1945, das ist auch schon 71 Jahre her, wird das Kreuz jedoch nicht missbraucht, sondern gebraucht. Also freuen wir uns doch, dass die Christenheit endlich die Kurve genommen hat!

Der politische Bazillus bohrt nach wie vor. So weit so gut? Dann könnte man ja zur Tagsordnung übergehen. Das alte Lied und Leid, die innige Verquickung von Religion und Politik, besteht nach wie vor. Nahezu in jeder Predigt, nahezu in allen Worten zum Tage (DLF) wird die Religion mit der Politk und umgekehrt erklärt. Die Kirchentage und die Berichte über sie sind häufig kaum noch von den von grünen Parteitagen zu unterscheiden. Den protestantischen demokratischen Sozialismus gibt es immer noch. Pfarrer, die sich als politisch konservativ (was auch immer das zu bedeuten hat!) und nur auf den Glauben konzentrieren, sind rar. Sowohl die Spitze der Grünen als die der EKD sind parteipolitische Aushängeschilder. Der Glaube allein reicht denen wohl für die Daseinserklärung nicht mehr. Dafür wird die Politik zur Hilfe gerufen. Die Kurve wurde nicht genommen.

Sehr geehrter Herr Joel Jamin, gerade wenn Sie die offensichtliche innige Verquickung von Religion und Politik beklagen, müssten Sie sie erklären. Sonst ist nicht klar, wer hier Brett und wer Bazillus bzw. Bohrer ist. Da Sie wohl nicht zufällig Joel Jamin heißen, ist Ihnen bekannt, dass eine Besatzungsmacht den Cousin Ihres Vaters zur Mitwirkung an der Vollstreckung eines rechtsstaatlichen Urteils gezwungen hat.
Sie empfehlen den Glauben für die Daseinserklärung. Könnten Sie mir bitte erläutern, was am Dasein erklärungsbedürftig sein soll?

Zitat Feger: „…die offensichtliche innige Verquickung von Religion und Politik.. müssten Sie ..erklären“. JJ: Ganz einfach. Die frühere beherrschende gesellschaftliche und politische Stellung der christlichen Religion (Fürstbischöfe) ist auch bis heute (Konkordatsverträge, der Staat zieht die Kirchsteuer ein und bezahlt die Bischöfe, Staatsreligion seit dem 4. Jahrhundert) ohne die gegenseitige Abhängigkeit von Politik (beruft sich auf christl. Werte) und Religion nicht vorstellbar. Zitat Feger: „…Sonst ist nicht klar, wer hier Brett und wer Bazillus bzw. Bohrer its“ JJ: Wie der Islam ist auch das Christentum der Bazillus im Staat, hat ihn bis vor einigen Jahrzehnten tief durchdrungen und ihn im Hintergrund geführt. Kirchtage sind zum Teil auch politische Gelegenheiten zur Weltverbesserung. Ev. Geistliche in der Politik sind wahrlich keine Ausnahme. Zitat Fegner: „..Sie empfehlen den …Glauben für die Daseinserklärung. Könnten Sie mir bitte erläutern, was am Dasein erklärungsbedürftig sein soll?“ JJ: Nichts ist einfacher als das. Ein Glaube hat schon so Manchen in Trauer und schweren Zeiten (Depressionen, Krieg und Not) geholfen, wieder die positiven Seiten des Lebens und Hoffnung zu schöpfen. Für viele ist das Dasein nur die Vorstufe zur paradiesischen Erlösung von allem Übel. Der Glaube bestärkt sie in dieser Vorstellung. Reicht die Erklärung? Es ist jedem überlassen, das zu begreifen. Zur Abstammungsfrage . JJ: Einige Jamins haben auch ausländische (Hugenotten) Wurzeln, die mit den hiesigen nichts zu tun haben.

Um die Struktur Ihrer Antwort zu verdeutlichen mache ich die Auslassungszeichen: "Die ... Stellung der christlichen Religion ... ist ... ohne die gegenseitige Abhängigkeit von Politik ... und Religion nicht vorstellbar." Das ist leider nur sehr bedingt eine Erklärung. Früher waren die Sachwalter des Glaubens selber die Herrscher. Heutzutage ist das in dieser Reinkultur nur noch beim IS (islamischer Staat, allen Gerüchten zum Trotz kein "sogenannter") der Fall. In den tonangebenden und nicht ganz zufällig christlichen Staaten der Jetztzeit herrscht hingegen bestes Einvernehmen zwischen Glaube und Macht. Das gilt ganz unabhängig davon, ob die Trennung von Kirche und Staat streng, mittelprächtig oder fast gar nicht besteht.
Was hat die Kirche vom Staat? Die ganze bekannte Latte von Privilegien wie Staatsknete bekommen und Geld von gewöhnlichen Leuten einsammeln, von der Schule bis zur Hochschule und von der Wiege bis zur Bahre präsent sein, Lärm veranstalten dürfen mit Muezzin-Rufen oder tonnenschweren Glocken, Gerichtssäle mit den entsprechenden Logos und Kennzeichen ausschmücken, anderen vorschreiben, wann die tanzen dürfen, sich die großen eigenen Werbeveranstaltungen bezuschussen lassen usw.
Da der Staat nicht blöd ist, wird er diese Privilegien nur dann so reichhaltig gewähren, wenn er auch tüchtig was von den Kirchen bekommt. Was ist das? Eine komplette Ideologie namens Glaube, der die Gläubigen zu selbstbewussten und gehorsamen Staatsbürgern und brauchbaren Gesellschaftsmitgliedern macht, im Normalfall also fleißigen und botmäßigen Arbeitskräften.
Wie bekommt der Glaube das hin? Da gibt es eine ganze Reihe von Varianten. Diejenige, die Sie, lieber Herr Jamin, unter der Bezeichnung Daseinserklärung vertreten, ist immerhin noch erfreulich leicht durchschaubar. Statt sich die Ursachen von Depression, Krieg und Not klar zu machen und gegen sie vorzugehen, einfach glaubensmäßig die positiven Seiten des Lebens sehen und Hoffnung schöpfen. Mit diesem heißen Tip können können die Urheber von Verzweiflung, Krieg und Not prächtig leben. Und die Opfer leider auch.
So funktioniert "die Vorstufe zur paradiesischen Erlösung von allem Übel". Da braucht tatsächlich niemand mehr eine Hölle.

Der eine argumentiert vorsichtig, der andere brachial. Zwar im Großen und Ganzen, wenn auch mit persönlichen Abstrichen, so zu vertreten. Aber umgehend dann die Frage, Braucht eine Gesellschaft, egal welcher Art, braucht auch vielleicht ein Einzelner, der sich schwach fühlt, eigentlich eine ergänzende ihm helfende Ideologie, eine Wertegrundlage jenseits von nur Recht, Logik und Grundgesetz? Und was dann Hilfe ist, entzieht sich häufig jeder objektiven Bewertung. Und schon sind wir wieder bei den unvermeidlichen menschlichen Schwächen, die nur allzu oft nicht mit normaler Logik zu bewältigen sind. Da setzt dann ein Glaube an.

Sie fragen: "...braucht auch vielleicht ein Einzelner, der sich schwach fühlt, eigentlich eine ergänzende ihm helfende Ideologie, eine Wertegrundlage jenseits von nur Recht, Logik und Grundgesetz?" Wer sich schwach fühlt, braucht weder eine Ideologie noch eine Wertegrundlage. Er braucht zunächst Klarheit, ob er sich nur schwach fühlt oder ob er tatsächlich schwach ist. Als nächstes braucht er Wissen, woran seine nur gefühlte oder seine tatsächliche Schwachheit liegt, ob überhaupt und wenn ja, warum sie ihn stört.
Was ist bitte eine unvermeidliche menschliche Schwäche, die nicht mit normaler Logik zu bewältigen ist? Ist sie mit unnormaler Logik zu bewältigen? Bewältigt Logik Schwäche? Bewältigt Glaube Schwäche?
Als mir kürzlich ganz schwach war, weil ich zu lange nichts gegessen hatte, bewirkten zwei Wurstbrote ein überzeugendes Ende meines Schwächeanfalles.

Vor der Lektüre dieses Beitrags stand meine Meinung fest: Refligiöse Symbole haben in Räumen staatlicher Institutionen nichts zu suchen. Die Argumente der Verfasserin für ein schlichtes Wandkreuz im Gerichtssaal haben mich zwar nicht restlos überzeugt, aber nachdenklich gemacht. Auch wegen solcher Denkanstöße schätze ich ihr Magazin. 

Uwe Tünnermann

Lemgo

Sehr geehrte Frau Kurschus,
Sie schreiben, Jesus sei "im Namen zweier altehrwürdiger Rechtstraditionen, nämlich der offiziellen Religion und der öffentlichen Meinung" verurteilt worden.
Öffentliche Meinung: Ich nehme an, Sie beziehen sich auf die Barrabasszene in den Evangelien. Das geht in Ordnung - auch wenn ich nicht erkenne, dass irgendwo auf der Welt die öffentliche Meinung als ehrwürdige Rechtstradition gehandelt wird. Und was Pilatus da macht, ist eben nicht Recht, sondern der typische Gnadenakt eines Despoten.
Offizielle Religion: Welche meinen Sie denn? Das Judentum? Jesus wurde nicht im Namen einer Religion, sondern als politischer Aufrührer von den Römern auf römische Weise zu Tode gequält. Habe ich da was missverstanden, oder haben Sie gerade die berüchtigte alte Theorie ausgebuddelt, dass die Juden am Tode Jesu schuld sind?

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Schulz

EIN HEISSES EISEN!
Zitat Schulz: "...oder haben Sie gerade die berüchtigte alte Theorie ausgebuddelt, dass die Juden am Tode Jesu schuld sind?..

Da rühren Sie das heißeste Problem des Christentums an. Nach der reinen Lehre wurde Christus im Vollzug der alttestamentarischen und prophetischen Vorsehung und im Auftrag seines eigenen Vater als "Opferlamm" für uns alle getötet. Als "Gottessohn" hat er sein Schicksal selbst prophezeit. Ziel und Vollzug dienen dazu, uns mit dem Begriff der "Erbsünde" zu versöhnen. Diese Konstruktion auf Basis der Dreieinigkeit als göttlich zu bezeichnen, ist schon gewagt. Nimmt man diese Dimensionen tatsächlich und gläubig als göttlich und unabwendbar, ist es vollkommen egal, wer denn zum göttlichen Mordwerkzeug werden sollte. Folglich trifft kein Volk und keine Regierung irgendeine Schuld. Und es wird noch unentwirrbarer. Denn nach dem was wir gelehrt bekommen haben, sind Gott, der Heilige Geist und Jesus sinnbildlich identisch. Demnach hätte es ja einen göttlichen Suizid gegeben. Geht es noch unverständlicher? Es ist auch völlig abwegig, dass von Beginn an alle unsere "Fachleute" (Päbste, Theologen, Mönche, Jesuiten, Luther) diesen Knäuel der Verständnislosigkeit nicht gewußt haben. Wer als Gläubiger hierauf hingewiesen hätte, wäre der Häresie beschuldigt worden. Unter diesem Licht sieht die Schuldzuweisung an die Juden noch ungeheuerlicher aus. Was letzlich bleibt, ist das "Vaterunser" und die Gewißheit, dass nur die Werte des Christentums unsere Menschlichkeit erträglich machen.

Die von atheistischer Seite vorgetragene Forderung nach kreuzesfreien Gerichtssälen entbehrt nicht einer eigentümlichen Widersprüchlichkeit. Der Gerichtsprozess ist überhaupt nur deswegen von Interesse, weil das Urteil durch die überlegene staatliche Gewalt durchgesetzt wird. Diese Gewalt wurde früher ausschließlich durch den Bezug auf Gott legitimiert. Heutzutage gesellt sich zu dieser weiterhin bestehenden Legitimation eine, die ohne Transzendenz auskommt.
Wer wegen einer Restrukturierungsmaßnahme seines Arbeitgebers aus dem Job fliegt und die Miete nicht mehr zahlen kann, wird durch die vor Gericht verhandelte Räumungsklage auf die Straße gesetzt. Das ist von Gläubigen und Atheisten gleichermaßen anerkanntes rechtsstaatliches Vorgehen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob im Gerichtssaal ein Kreuz hängt oder nicht. Genau so unerheblich ist es, ob der Vermieter gläubig, der Mieter ungläubig, der Richter halbgläubig und der Gerichtsvollzieher in Glaubensangelegenheiten unentschlossen ist oder sich alles gerade umgekehrt verhält. Gewalt bleibt Gewalt.
Warum sollte also durch die Entfernung der Kreuze der falsche Eindruck erweckt werden, dass dieses erfolgreiche Rausschmeißen des Mieters sich nicht auf Gott berufen dürfte?
Hans Kurz

Auch als Nicht-Christliche lese ich Ihr Magazin gerne.

 

Jedoch als Agnostikerin bin ich absolut für die Tennung von Kirche und Staat.

 

Damit hat ein Symbol wie das Kreuz für mich in staatlichen Einrichtungen

z.B. Schulen und im Besonderen die Justiz (die ja neutral sein muss!) nichts

zu suchen.

 

Ausserdem können andere Religionen dann auf ihre Symbole bestehen!?

 

Herzliche Grüße

 

Neeltje M. Over de Linden

Offensichtlich ist es so, dass nur noch andersgläubige die Zeitschrift lesen, oder zumindest ihre Kommentare hier schreiben. das trifft sich gut, denn was wäre die Religion, wenn sie nur Insidern bekannt wäre ?

Mit freundlichen Grüßen,

Karoline F.

Das Kreuz tut nicht weh! Wir sind im christlichen Abendland. Unsere Kultur, unsere Werte, selbst alle weltweit anerkannten Menschrechte basieren auf den christlichen Werten und der Nächstenliebe. Gäbe es das Christentum nicht, gäbe es was anderes, aber kaum etwas, das als rücksichtsvoll bezeichnet werden könnte. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die vom Beginn als ursprünglich römische Staatsreligion. Seither haben sich alle, besonders ihre Orgnaisationsformen, die Kirchen, hemmungslos korrumpieren lassen. Es wurden eifrig Religion und Staaten zum Zweck des Machterhaltes und zum Aufbau der Latifundien unentwirrbar verquickt. Mit diesen Symbiosen wurden die Schrecken der Eroberung von Nord- u. Südamerika begründet. Mit dem Instrument der Erbsünde (ist sie nicht in Wahrheit zutiefts unchristlich?) wurde gnadenlos unterjocht. Putin macht sich jetzt die Orthodoxie gefügig. Die Queen glaubt, allein von Gottes Gnade beseelt zu sein. Hitler hat mit den Konkordaten gegen alle denkbaren Widerstände vorgesorgt. Für den orthodoxen Islam sind Staat und Religion untrennbar. Und auch bei uns und in den USA ist es zur Zeit nur graduell anders. Da stellt sich schon die Frage, ob nicht generell Staat und Religion getrennt sein müssen. Selbst für mein Grundstück muß ich Kirchensteuer bezahlen! Ist mein Grundstück evangelisch? Für alle Beteiligten ein Horror, sich vorzustellen, dass der Staat nicht die Bischöfe bezahlt, alle Pfarrer monatlich von Haus zu Haus um Brot betteln müssen und die Kirchensteuer nicht vom Staat eingezogen wird. Also lassen wir es wie es ist. Weil es bequemer ist.

Sehr geehrte Frau Kurschus,

eine kritische Anmerkung einer Richterin zu einem wesentlichen Aspekt Ihres o.g. Artikels:

Ihr Ansatz, das schlichte Wandkreuz als christliches Symbol in einem Sitzungssaal jedenfalls nicht für falsch zu halten, wenn nicht gar zu fordern, ist der der Verweltlichung des Daseins Jesus Christus' in dem Sinne einer Mahnung an die Richter: Verurteilt nicht den Unschuldigen!

So ist das Kreuz aber nicht gemeint, es ist das Symbol des christlichen Glaubens. Das mag der Glaube des jeweiligen Richters oder Richterin sein. Mit seiner/ihrer Arbeit, die in der Verantwortung vor dem Recht und den sich aus den grundlegenden Normen der Verfassung und der Menschenrechtskonvention ergebenden Menschenrechten steht, hat ein religiöser Glaube insoweit etwas zu tun, als er eine Quelle sein mag, aus der die Kraft gespeist werden kann, die uns angetragene große Verantwortung jeden Tag aufs Neue bei den zu treffenden Entscheidungen wahrzunehmen.

Es gibt aber auch viele andere Kraftquellen. Wir, die Richter, müssen nicht glauben und bedürfen dafür der Mahnung des Kreuzes keineswegs.

Der Glaube der Christen gehört auch nicht symbolisch in den Sitzungssaal eines Gerichts. Glaube ist und bleibt die private - von Staats wegen zu schützende - Angelegenheit eines Jeden. Ein christliches Symbol in einem Sitzungssaal  übersieht alle Andersgläubigen und Agnostiker, sowohl auf der Richterbank, insbesondere aber auch bei den Menschen, die ihr Anliegen vor ein Gericht tragen müssen.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Die Richterin, die ein Kreuz als Halsschmuck trägt, offenbart ihren Glauben, dagegen ist nichts zu bemerken. Sie ist ja auch auf der Richterbank ein Mensch und muss sich auch als Christin ihrer Verantwortung vor dem Recht bewusst sein, diese Verantwortung wahrnehmen. Aber der Staat muss neutral bleiben. Das ist nicht schwer. In Schleswig-Holstein spricht man nicht schlechter oder besser Recht, weil in den Sitzungssälen das Landeswappen hängt.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Kreuder-Sonnen

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Kurschus,

was Calvinisten wie Sie über die Kreuzigung Jesu glauben, kann ich als ehemaliger Katholik natürlich nicht wissen. Mir wurde beigebracht, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, um durch sein freiwilliges Opfer, seinen qualvollen Tod, sein Krepieren am Kreuz, den an Jesus Glaubenden (und an seine Hirten Zahlenden) die Erlösung von den Sünden und der ewigen Verdammnis in der Hölle zu bringen. Das Kreuz, dieses brutale Hinrichtungsinstrument, sei ein Symbol für die unermessliche Gnade und Liebe dieses Gottes.

Sie, Frau Präses, schrieben davon nichts. Gott erwähnten Sie nie, Jesus nur einmal, sein Opfer und seine Lehren gar nicht. Stattdessen behaupten Sie, das Kreuz wäre ein Symbol für Menschlichkeit, „eine Mahnung vor Selbstüberhöhung und … Verantwortungslosigkeit“, kurz: ein Hinweis auf menschliche Irrtumsfähigkeit, und die daher zu empfehlende Vorsicht in der juristischen Urteilsfindung. Wenn dem wirklich so wäre, dann sollten in deutschen Gerichtssälen allerdings die Symbole der früher hierzulande verwendeten Richtinstrumente Schwert, Galgen und Scheiterhaufen aufgehängt werden.

Sie aber wollen stattdessen jenes Privileg der Christentümer aus den Zeiten von Thron&Altar behalten. Warum? Doch (un)wohl nur, weil auch unsere Demokratie die Mächte der Christentümer stärken soll. Das aber verstößt gegen das Prinzip der Gleichberechtigung der Religionen. Und ist daher unfair und kirchenegoistisch! Lohnend wäre das weiterhin nur für Sie: für Ihr sicheres Gehalt als eine von Jesu Ober-„Hirten“. Die ein wirklich allmächtiger Gott gewiss nicht brauchen oder gebrauchen würde: schon wegen des sicher ihm wie auch Ihnen bekannte Errare humanum est.

Ein „menschlicher“ Gott – wenn es ein hölzernes Eisen geben könnte – würde Menschen auch nicht bezeichnen als Schafe, Hunde, Fische, Bäume, Reben, Unkraut. Und nicht x-mal androhen, sie in ewiges Feuer zu werfen, wie der Jesus der drei frühen Evangelisten das immer wieder machte.

Der „Jesus“ im Evangelium des Johannes hat weniger Wunder gewirkt und andere Reden geschwungen. Eingeleitet hat er sie nicht mehr mit einem einfachen „Wahrlich“, sondern mit „Wahrlich, wahrlich“, und sich schon durch dieses Betonen als Lügner zu erkennen gegeben. Die Lehren des Johannes-„Jesus“ sind dann auch nicht mehr ganz so unmenschlich wie die des echten Jesus, aber leider ebenfalls widerlich widersprüchlich – und bei Gericht erkennt man, wie auch Sie sicher wissen, die Lügner an den Widersprüchen ihrer Aussagen.

Ich schreibe dies am „staatlichen“ Feiertag von „Christi Himmelfahrt“, die nur in zwei der vier Evangelien geschildert wird. Übernatürlich genauso widersprüchlich und dadurch unglaubwürdig wie fast alle „Berichte“ in jenen „Heiligen Botschaften“. [Anmerkung der Redaktion: Satz gelöscht. Bitte versuchen Sie, ohne Polemik auszukommen.] In der Hoffnung auf ehrliche Menschlichkeit: von Menschen für Menschen, ohne kirchenamtliche Umdeutungen angeblich Heiliger Schriften.

Manfred Schleyer

 

PS. Als Beleg für die erwähnten Widersprüche einige der wichtigsten evangelischen Ereignisse, im beliebten Quizstil:

Gab es Jesu Himmelfahrt? Und wann? A: Nein (Matthäus-Ev. 28) B: Ja, später (Markus-Ev. 16,14.19) C: Ja, am Tag der Entdeckung des leeren Grabes (Lukas-Ev. 24,13.36.50) D: Nein (Johannes-Ev. 21) E: Ja, nach 40 Tagen (Apostelgesch. 1,3.9) – Er lebe hoch, hoch, hoch! Sie hoben Jesus in den Himmel. Und kassierten von ihren Hörern. – Später zahlten Herrscher von Gottes Gnaden: für diese Gnade. Heute zahlen von Bürgern gewählte Politiker: bis in alle Ewigkeit?

Was sahen die Jünger bei Jesu Himmelfahrt? A: Es gab keine (Matthäus-Ev. 28) B: Jesus sitzend zur Rechten Gottes (Markus-Ev. 16,19), des Unsichtbaren (Johannes-Ev. 1,18; 5,37; 6,46) C: Die Erde: sie fielen vor Jesus nieder (Lukas-Ev. 24,52) D: Es gab keine (Johannes-Ev. 21) E: Eine Wolke, die Jesus ihren Blicken entzog (Apostelgesch. 1,9) – In den Himmel fuhr später auch Maria. Dafür bekam sie in Bayern im Jahre 1916 den 15. August als Feiertag. Damit sie dieses Königreich ewiglich beschützen möge …

Und noch was zu Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit:

Wem hatte Jesus seine Auferstehung oft angekündigt? A: Den Jüngern (Matthäus-Ev. 16,21; 17,9; 17,23; 20,19; 26,32) B: Den Jüngern (Markus-Ev. 8,31; 9,9; 9,31; 10,34; 14,28) C: Den Jüngern (Lukas-Ev. 9,22; 18,33) D: Den Jüngern (Johannes-Ev. 2,19-22) – Aber Jesu Jünger glaubten ihm nicht: sie gingen nicht hin und wollten seine Auferstehung niemandem zeigen. – Aber später sie allen bezeugen: als sie Zeugengelder dafür erhielten (Apostelgesch. 2,44-45 u. 4,35-36 u. 5,2-11).

Wer ging als Erste zu Jesu Grab? A: Zwei Marias (Matthäus-Ev. 28,1) B: Zwei Marias und Salome (Markus-Ev. 16,1) C: Zwei Marias und Johanna und die übrigen Frauen (Lukas-Ev. 24,10) D: Eine Maria (Johannes-Ev. 20,1) – Konnten Frauen damals nicht bis drei zählen? Oder machten vier Angeber falsche Angaben: frech, fromm, christlich, kirchlich! – Bezeugte Geschichte? Erzeugte Geschichten! [Anmerkung der Redaktion: Satz gelöscht. Bitte versuchen Sie, ohne Polemik auszukommen.]

Wer ging in Jesu Grab hinein? A: Niemand (Matthäus-Ev. 28) B: Drei Frauen (Markus-Ev. 16,5) C: Mindestens fünf Frauen (Lukas-Ev. 24,3) D: Simon Petrus und der Jünger, den Jesus liebte (Johannes-Ev. 20,6.8.2) – Der Kirchen alte Lehren = Des Kaisers neue Kleider! [Anmerkung der Redaktion: Satz gelöscht. Bitte versuchen Sie, ohne Polemik auszukommen.] 

Wer erschien am oder im Grab Jesu? A: Ein Engel kam vom Himmel und wälzte den Stein weg (Matthäus-Ev. 28,2) B: Ein junger Mann saß innen rechts (Markus-Ev. 16,5) C: Zwei Männer traten hinzu (Lukas-Ev. 24,4) D: Zwei Engel saßen innen (Johannes-Ev. 20,12) – Diese 1 + 1 + 2 + 2 schienen scheinbar erschienen schmu schein, schmierten scheinheilige Schreiberlinge. – Apostolische Nachfolger haben 1 + 1 + 1 = 1 festgestellt, festgesetzt, festgelegt. Mit Gott rechnen? Besser nicht.

Als Erstes sagte/n ein/zwei Engel/Männer vor/im Felsengrab/Gartengrab zu der/den Frau/en: A: Fürchtet euch nicht! (Matthäus-Ev. 28,5) B: Erschreckt nicht! (Markus-Ev. 16,6) C: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? (Lukas-Ev. 24,5) D: Frau, warum weinst du? (Johannes-Ev. 20,13) – “Wort des lebendigen Gottes”? Stille Post des Teufels? Einbildungen von Eingebildeten! – Die vier Grundlagen des Christentums? [Anmerkung der Redaktion: Satz gelöscht. Bitte versuchen Sie, ohne Polemik auszukommen.]

Die zwei - drei - mehr als fünf - eine Frau/en vom Grab Jesu A: Verkündeten die Botschaft seinen Jüngern (Matthäus-Ev. 28,7-8.16) B: Sagten niemand etwas davon (Markus-Ev. 16,8) C: Berichteten alles den Elf und anderen Jüngern (Lukas-Ev. 24,9) D: Erzählte Simon Petrus und dem geliebten Jünger vom Wegnehmen und Verlegen der Leiche (Johannes-Ev. 20,2) E: Alles das F: Nichts davon – Historisch-kritische Berichte der Frauen? Hysterisch-christliche Gerüchte der Urkirchen!

Wer ging noch zu Jesu Grab? A: Niemand (Matthäus-Ev. 28) B: Keiner (Markus-Ev. 16) C: Petrus, dann einige Jünger (Lukas-Ev. 24,12.24) D: Simon Petrus mit dem Jünger, den Jesus liebte (Johannes-Ev. 20,2-8) E: Niemand (Apostelgesch. 13,30) – Jesu Auferstehung kann man nicht wegen, könnte man nur trotz jener “Botschaften” glauben. – “der Schatz der Wahrheit, den die katholische Kirche … ererbt hat” (Johannes XXIII. beim 2. Vatikanischen Konzil). [Anmerkung der Redaktion: Satz gelöscht. Bitte versuchen Sie, ohne Polemik auszukommen.]

Besser kann man es nicht ausdrücken. Ich glaube, die Bedeutung von Religionen wird stark überschätzt. Ob ich an den christlichen Gott oder an Allah glaube, nichts garantiert mir, dass ich dadurch ein besserer Mensch werde. Die meiste Arbeit an seinem Werden muss der Mensch selber tun. Außerdem denke ich manchmal, dass der Islam diesbezüglich viel höher entwickelt ist, als das Christentum.
Das Christentum scheint in vielen Teilen rückständig und im vorigen Jahrhundert stecken geblieben.
Der Glaube gehört nach Innen, äußere Symbole sind Zeichen, die ermahnen sollen, selbst wenn man sich an sie gewöhnt hat. Wer sich daran stört, ist noch im 21. Jh. nicht angekommen, doch sein Unwissen gibt ihm noch kein Recht, anderen seinen ungebändigten Willen aufzuzwingen, auch nicht unter dem Mäntelchen der " öffentlichen Meinung ".

Nein, auch schlichte Holzkreuze gehören nicht in Gerichtssäle und Klassenzimmer stattlicher Schulen. Deutschland ist ein säkularer Staat, die Religion ist die Privatsache der Bürger.  Recht wird in den Gerichten nach den Regeln des Gesetzgebers gesprochen, die Rechtsprechung hat sich am Grundgesetz zu orientieren. Das Kreuz ist das zentrale Glaubenssymbol des Christentums. Im Namen des Kreuzes gab es leider nicht nur humane Errungenschaften, sondern es wurde viel Leid erzeugt und Blut vergossen. Erinnert sei an die zahlreichen Glaubenskriege, die Inquisition oder die Umstände bei der Eroberung Amerikas.
 
Stefan Kaisers
Gießen

Dem gekonnten Plädoyer für eine Laizität von Stefan Kaisers, Gießen, möchte ich widersprechen. Was heißt es denn: Religion sei "Privatsache der Bürger»? Das war und ist christliche Religion seit den Aposteln des Neuen Testaments schon immer. In einer grandiosen Neuerscheinung bei Klett-Cotta hat Larry Siedentop (Oxford) - "Die Erfindung des Individuums" dargestellt, wie die Geschichte Europas vom Christentum nach der Antike durch: Kirchenväter, Kirchenrechtler , durch Päpste, durch Mönche und Klöster aus der Christologie des Apostels Paulus neu instrumentalisiert und entwickelt worden ist . Durch die Ablösung der vielen Götter mit dem Monotheismus der Bibel, durch die Befreiung jedes einzelnen Menschen von seinen Bindungen und seine Gleichstellung vor Gott, bis zur Unterscheidung der Machtausübung durch "Gewaltenteilung“ zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt. Der Missbrauch ändert doch das geschichtliche Erbe nicht! Daran darf und sollte jedes „Kreuz" symbolisch erinnern.

Peter Jensch

Lörrach

Das Kreuz besteht aus einem waagrechten und einem senkrechten Balken. Deshalb verbindet das Christentum Oben mit Unten und Rechts mit Links. Dieses wunderbare Beispiel für das Zusammenspiel von warmherzigen Glauben und analytischem Wissen hat mich sehr berührt und beeindruckt. Ich danke dafür!
Lisa Müller

Im Gerichtssaal wird Recht gesprochen, und zwar nach den Gesetzen, die sich ein Volk gegeben hat. Besinnliche Betrachtungen religiöser Art haben dort nichts zu suchen. Was würde Frau Kurschus sagen, wenn über sie unter dem Halbmond oder dem Davidsstern verhandelt würde?
Es tut auch der Religion nicht gut, sie so weich zu spülen, daß sie für Nicht- und Andersgläubige akzeptabel wird. Entweder ist das Kreuz ein christliches Symbol (eigentlich gehört ja der Gekreuzigte dazu!) oder ein bloßes Schmuckstück, man muß sich entscheiden. Die Waage der Justitia wäre im Gerichtssaal passender, wenn man denn unbedingt einen Wandschmuck braucht.

Sehr geehrte Frau Annette Kurschus, Ihre differenzierte Beschreibung des Kreuzes ist leider trotzdem nicht ausreichend vollständig. Sie nannten nicht die technische Funktion des Kreuzes als Hinrichtungsgestell. Würden Sie denn auch befürworten, dass statt oder neben dem Kreuz im Gerichtssaal ein Galgen, eine Guillotine oder ein Erschießungskommando abgebildet wären? Religiös ist das Kreuz ein Todessymbol. Gehen Sie doch mal auf einen Friedhof nachsehen. Und wenn Sie abstrakt auf die Religion abzielen, gehörte dann nicht auch der islamische Halbmond neben das Kreuz und die jüdische Menora, sowie weitere Religionszeichen? Für mich sind Ihre Argumente (die reichen von Verharmlosung: "Das Kreuz verbindet oben und unten, rechts und links" – bis Abwegiges: "Mahnung vor Selbstüberhöhung und Selbstüberforderung, vor Unmenschlichkeit und Verantwortungslosigkeit") in keiner Weise überzeugend.