AB:STIMMUNG

Sind Sie für eine Abschaffung des Paragrafen 219a?

Informationsverbot für Abtreibungen muss fallen

Weg mit dem Paragrafen 219a
Wer über Schwangerschaftsabbruch informieren will, darf nicht länger drangsaliert werden*

 Lena Uphoff

Wenn ich in eine neue Stadt umziehe – das ist bei Journalistinnen recht häufig der Fall –, suche ich als Erstes eine gute Frauenärztin. Hat sie genug Zeit für mich, auch nach 17 Uhr? Interessiert sie sich nicht nur für meine Eierstöcke, sondern für mein Leben als Gesamtkunstwerk? Hilft sie mir im Notfall? Ein Notfall kann eine ungewollte Schwangerschaft sein. Ich habe im Laufe meines Lebens alle Ärzte und Ärztinnen gefragt, wie sie dazu stehen, ob sie mir weiterhelfen, ob sie selber die Pille danach verordnen oder notfalls den Eingriff vornehmen. Ich wusste immer: Werde ich vor die Entscheidung gestellt, brauche ich eine sehr gute, gewissenhafte Ärztin an meiner Seite. Und zwar schnell, denn die Pille danach sollte innerhalb von 12 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Eine Abtreibung selbst darf – unter strengen Voraussetzungen – nur bis zur zwölften Woche vorgenommen werden.

Wie findet man eine gute Ärztin? Man fragt Kolleginnen, Freundinnen, und heutzutage guckt man auch ins Netz. Logisch, wie bei allen anderen Recherchen auch. Doch dort, also auf den Internetpräsenzen der Ärztinnen und Ärzte, Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu platzieren, ist hierzulande verboten – wie das Urteil gegen die Gießener Frauenärztin Kristina Hänel zeigt. Ich kenne sie nicht, aber wenn ich in Gießen wohnen und ihre Website googeln würde, das wäre eine Ärztin für mich. Ganzheitlich, Notärztin, Schwangerschaftsabbruch. Wegen des letzten Stichwortes auf einer äußerst sachlichen, nüchternen Website ist sie zu einer Geldstrafe verurteilt worden – wegen "unerlaubter Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft".

Das ist ein Skandal. Wer Frauen und ihren Körper im Netz mit den übelsten Sexismen beleidigt (unsere Social-Media-Managerin kann ein Lied davon singen), bleibt in diesem Land ungestraft. Wer sich medizinisch sorgfältig und verantwortungsvoll mit genau diesem weiblichen Körper befasst, bekommt eine Geldstrafe. Dabei zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern: Je besser Frauen informiert sind – über Verhütung, über Sexualität, über Abtreibung –, desto weniger Abtreibungen gibt es tatsächlich.

Der Paragraf 219a muss weg. Und zwar jetzt. Bitte nicht auf die Regierungsbildung warten. SPD, FDP, Grüne, Linke – wir zählen auf euch. Und falls es Neuwahlen geben sollte – wir merken uns, wer etwas getan hat für uns Frauen und wer nicht.

 

*In der ersten Version dieses Artikels stand im Untertitel fälschlicherweise "Wer über legale Abtreibungen informieren will, darf nicht länger drangsaliert werden". Abtreibungen sind in Deutschland nicht legal, bleiben aber bei "bestimmten Ausnahmen" straffrei. Genaue Informationen hier.

Information

Dieser Kommentar war auch Gegenstand von Diskussionen auf dem Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd 2018. Lesen Sie hierzu den Vortrag von GEP-Direktor Jörg Bollmann

Leseempfehlung

Jörg Bollmann, GEP-Geschäftsführer des GEP
Es gibt keine Zukunft der Kirche in einer pluralen Gesellschaft ohne ihre Publizistik, das ist die These von Jörg Bollmann. Aber wie viel Freiheit geben wir uns gegenseitig in der evangelischen Publizistik? Wie erkennen wir, was christlich ist und was unchristlich?
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat sich gegen eine Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen ausgesprochen.
Der Bundesrat hat sich am Freitag mit dem Vorstoß des Landes Berlin befasst, das Werbeverbot für Abtreibungen abzuschaffen. Dem Antrag haben sich die Länder Brandenburg, Bremen, Hamburg und Thüringen angeschlossen.
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Lesermeinungen

Sehr geehrte Chrismon-Redaktion,
ich kann es gar nicht glauben, was ich von Frau Ott lese. Es bedarf keines Kommentars. Sie haben einen klaren Schwenk zur linken "political correctness" vollzogen. Wenn Sie sich als Redaktion nicht von aktiver Abtreibungsbefürwortung distanzieren und den Artikel zurücknehmen und bedauern, trägt das Magazin erstens den Namen "christlich" zu Unrecht. Im übrigen werde ich es nicht mehr lesen und empfehlen.
Mit freundlichen Grüßen, Peter Walter

Ein christliches Magazin gibt sich her, das zu verbreiten, was eindeutig gegen christlichen Glauben verstößt.../../
(Papst Franziskus) sagte gerade erst gestern vor Diplomaten aus aller Welt (welcher Mut!):
“….At a distance of seventy years, it is painful to see how many fundamental rights continue to be violated today. In our day, there are more subtle means: I think primarily of innocent children discarded even before they are born, unwanted at times simply because they are ill or malformed, or as a result of the selfishness of adults…..”

Natürlich hat er Recht, -----*

*Anmerkung Redaktion: In der Leserpost stimmten die Namen der angegebenen Autorin nicht, deshalb bearbeitet

Es macht mich traurig und sprachlos, einen solchen Artikel in einem Magazin zu finden, das sich "christlich" nennt.

An der egozentrischen Einstellung von Frau Ott kann ich auch nicht ansatzweise etwas christliches entdecken. Leider hat sie vergessen, dass ihr Körper nicht ihr, sondern Gott gehört und dass sie daher auch entsprechend damit umgehen sollte. Auch das Lebensrecht der ungeborenen Kinder scheint ihr egal zu sein.

Als Christin kann ich mich von einer solchen Haltung nur distanzieren! Ich hoffe sehr, dass sich auch das Magazin chrismon dieser Meinung anschliesst und den Artikel schnellstmöglich aus dem Netz nimmt!

Der Artikel von Frau Ott und einige der Leserbriefe machen deutlich, wie weit sich viele Christen vom Kern der Lehre Jesu entfernt haben. Dass sogar das eindeutige Gebot: "Du sollst nicht töten." infrage gestellt wird, zeigt, dass die Wahrheit der Bibel als Basis des christlichen Glaubens für viele nicht mehr im Bereich des Möglichen liegt. Stattdessen höre ich oft, dass die Aussagen der Bibel nicht mehr "zeitgemäß" seien und neu interpretiert werden müssten. Das ist sehr schade. Denn selbst Jesus revidiert die Aussagen des Alten Testaments nicht, sondern präzisiert sie stattdessen. Was Not tut, ist nicht die Legalisierung der Abtreibung, sondern ein Heranführen junger Menschen an den Sinn und den Wert für das eigene Leben, sich an Gottes Weisungen zu halten, wie sie in der Bibel geschrieben stehen. Denn darin kann jeder Mensch echte Freiheit finden und ein Großteil der betroffenen Frauen würde gar nicht erst in eine solche Notlage kommen.

Gott sei Dank haben viele meiner VorschreiberInnen schon benannt, dass Jesus immer alle Menschen im Blick hat: er liebt Frauen&Männer/Mütter&Väter und alle Kinder. Er spielt sie nicht gegeneinander aus, denn das ist gar nicht nötig.
Eigentlich dachte ich, es ist bekannt - aber scheinbar gehört das nicht zur Beratung dieser sonst so ganzheitlichen Frauenärztin Frau Hänel darauf hinzuweisen, dass eine normale elterliche Seele (und das betrifft Mütter wie Väter) mit der Abtreibung nicht gut klarkommt ... es gibt Statistiken, dass ca. 80% der abtreibenden Mütter (bei Vätern ist mir nicht bekannt, dass es Statistiken gibt) nach der Abtreibung psychosomatische Beschwerden haben. Haben Sie, Frau Ott, Ihre vielen Frauenärzte auch danach gefragt, was Ihnen als werdende Mutter oder auch einem werdenden Vater für Nebenwirkungen blühen können? Treten Sie dafür ein, dass das Wissen und die Erfahrung derer, die traumatisierte Frauen (und Männer) nach der Abtreibung begleiten auch ganz groß rauskommt?
Eine gesunde Mutter (Eltern) Seele kann man nicht folgenlos von der eigenen Kinderseele trennen, da redet nur kaum jemand drüber!

Die Kaltschnäuzigkeit und Arroganz, mit der Sie sich und Ihr Wohlgefühl als Gesamtkunstwerk in den Vordergrund stellen, ist äußerst anstößig. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie offenbar kein Problem damit haben, für alle Frauen zu sprechen. Sie ignorieren völlig und verlieren nicht ein Wort über die Tatsache, dass Ihre Lebensqualität als Preis ein Menschenleben fordert. Fein säuberlich blenden Sie aus, dass am Ende eines "medizinisch sorgfältig und verantwortungsvoll"en Befassens mit dem weiblichen Körper ein getöteter Mensch steht. Das ist zynisch ohne Ende. Die Qualität einer Frauenärztin besteht für Sie offenbar darin, dass sie auf jeden Fall Kinder wegmachen kann. Dass Sie auch noch Chefredakteurin einer Zeitschrift mit christlichem Etikett sind, zeigt den Verfall der evangelischen Kirche insgesamt, deren geringstes Interesse dem ungeborenen Leben gilt. Glücklicher Weise handelt es sich bei beiden Kirchen um Rezessionsunternehmen, deren Ende hoffentlich eher kurz als lang bevorsteht. Oberflächlicher als Sie kann man das Thema kaum behandeln.

Es ist kein Skandal, wie Frau Ott meint, wenn Werbung für etwas Verbotenes unter Strafe gestellt wird. Ein Skandal ist es aber, wenn eine kirchliche Zeitschrift das Lebensrecht Ungeborener tot-schweigt und SPD, FDP, Grüne und Linke auffordert, den Rechtsbruch zu legalisieren und den ohnehin kaum vorhandenen Lebensschutz Ungeborener noch weiter zu schwächen. Ihr Artikel zeigt weder verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Sexualität noch den Einsatz für die Schwächsten in dieser Frage, nämlich die ungeborenen Mädchen und Jungen. Der Artikel zeigt leider nur den schrillen Einsatz für ein parteipolitisches Reizthema und für die Freigabe von Werbung, was der weiteren Kommerzionalisierung von Abtreibung gelegen kommt.

Liebe Frau Ott, ich stimme Ihnen in Teilen zu. Der § 219a verhindert Informationen über Schwangerschaftsabbruch-Angeboten. Ich bin dafür, dass Ärzt*innen darüber informieren und ihre Angebote bewerben sollen dürfen. Ärzt*innen dürfen auch Werbung für ihre anderen Leistungen machen. Wichtig ist hierbei ein verantwortungsvoller Umgang mit der Information / Werbung. Ich habe keine Bedenken, dass dadurch öffentlich massenhaft Werbung für Schwangerschaftsabbrüche gemacht wird. Aufklärungskampagnen hingegen könnten hilfreich sein. Der §219a sollte aus meiner Sicht nicht ganz abgeschafft, aber konkretisiert werden. Diese Haltung ist christlich! Sie sieht die Schwangere als Mensch in einer Notlage, die Hilfe bedarf und verweigert ihr diese Hilfe nicht, sondern bietet ihr die Möglichkeit zur Information.
Auf einem anderen Blatt steht der §219 an sich. Ich finde die Lösung der Illegalität aber Straffreiheit inakzeptabel. Frauen sollten sich frei entscheiden können, gerne mit einer verpflichtenden Beratung vorher. Keine Frau macht sich diese Entscheidung leicht.

Liebe Frau Ott,
ich lese chrismon nicht regelmäßig, aber häufig (als Beilage der sz oder im Netz) und finde viele Artikel und Beiträge sehr interessant und engagiert und hilfreich für eine humane, tolerante und menschenfreundliche Gesellschaft. Besonders gefreut hat mich deshalb Ihr Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über den § 219a. Ich bin über Jahrzehnte in der Schwangerenberatung tätig gewesen. Schwangerschaftsabbruch ist für ungewollt schwangere Frauen die letzte Lösungsmöglichkeit in vielfältigen und vielschichtigen Problemlagen, wenn sie andere Lösungswege nicht für gangbar halten. Frauen treffen eine solche Entscheidung nicht leichtfertig. Sie entscheiden sich gegebenenfalls für einen Schwangerschaftsabbruch, obwohl dieser Weg schmerzlich und beschwerlich ist. Wenn ihnen dann Informationen über Verfahrensweisen und medizinische Optionen vorenthalten werden oder ihnen der Zugang zu solchen Informationen erschwert wird, werden diese Frauen nicht ihre Entscheidung revidieren, aber sie werden unnötig noch mehr unter Stress gesetzt und schlimmstenfalls nicht gut behandelt. Durch vorenthaltene Information werden Schwangerschaftsabbrüche nicht verhindert, sondern nur die Rahmenbedingungen verschlechtert, unter denen sie stattfinden. Niemand befürwortet Schwangerschaftsabbrüche, auch ich nicht. Welchen Grund sollte es dafür denn geben? Was ich aber befürworte: Frauen, die sich aus schwerwiegenden (jeweils aus der subjektiven Sicht der Betroffenen) Gründen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, sollten dabei die bestmögliche psychosoziale Begleitung und die bestmögliche medizinische Behandlung erfahren und sich darüber ungehindert informieren können. Ich danke Ihnen deshalb für Ihren Beitrag in chrismon und unterstütze die Initiative für die Abschaffung oder wenigstens Modifizierung des § 219a StGB.
Mit besten Grüßen
Jutta Franz

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Paragraph einfach wegfällt.
Aber ich könnte mir eine Präzisierung vorstellen: Dass jemand ihm Rahmen ihrer Aufklärung sagen darf, dass Abtreibungen durchgeführt werden. Diese Aufklärung müsste allerdings zwingend auch die Gesetzeslage referieren und warum diese Abtreibung zwar verboten, und dennoch straffrei ist.
Bei wiederholtem Lesen des Kommentars fällt mir auf, dass Frau Ott keinesfalls für Abtreibungen wirbt. Ich würde erwarten, dass diese Ärztin, zu der Frau Ott Vertrauen hätte, ganzheitlich die Notlage im Blick hat: Ungewollt schwanger zu sein, gleichzeitig um das werdende Leben wissend, auch um ein schlechtes Gewissen deswegen. Nicht einfach wegmachen, sondern gemeinsam über Folgen von Tun und Unterlassen nachdenken. Und dann dennoch den Weg mitgehen, der laut Gesetz straffrei möglich ist, wenn die Frau sich dazu entschließt.

Ich kenne bisher niemanden in der EKD, auch bei Frau Ott habe ich bisher nicht den Eindruck (und hoffe, dass ich den nicht revidieren muss), dass jemand Frauen zum Abtreiben auffordert.

Und ich finde, die diesbezüglichen Unterstellungen sind unerträglich. Wenn es wirklich um die Kinder geht, kenne ich weltweit kein besseres Abtreibungsrecht als in Deutschland. Mag sein, dass es anderswo "schärfer" ist. Aber werden dort im Verhältnis weniger Kinder abgetrieben?

Auch bei mir hat sich blankes Entsetzen eingestellt. Ich war zuerst wirklich sprach- und fassungslos, dass so eine Meinung von der Chefredakteurin einer kirchlichen Zeitschrift - auch mit so viel politischem Druck - abgedruckt wird. Ich schließe mich den Vorrednern an, die hier auf das Lebensrecht und Wohl des ungeborenen Kindes hinweisen.

Gott hat uns ein Leben geschenkt. Als Christen nennen wir uns nach Christus, der sein Leben dahin gegeben hat, damit wir leben.
In der Moderne geht es nur um Spaß und kurzfristige Erfüllung seiner Lüste (was steht denn dazu in der Bibel).
Die Einstellung, ich mache was ich will, auch mit sexuellen Kontakten mit jedem und jederzeit ist nicht christlich. Vor Unzucht (Pornea) und Wollust wird in der Bibel mehrmals gewarnt. In einer festen Partnerschaft ist ein Kind ein Geschenk Gottes, der damit das Leben weitergibt, auch über den Tod der Eltern hinaus.

Leben als Gesamtkunstwerk ist hedonistisch und egozentrisch, aber nicht christlich... was hat Christus noch einmal mit meinem Leben gemacht? Sein Leben war kein Kunstwerk, sondern durch seine Hingabe hat er uns das grösste Geschenk überhaupt gemacht.
Ich werde für Sie beten, dass ihnen Gott eine Eingebung gibt und sie umkehren von ihrer egozentrierten Sichtweise!

Liebe Frau Ott, vielleicht würde ich Ihnen im Kern sogar zustimmen. Aber solange in unserem Land Menschen, die gegen Abtreibung auf die Straße gehen diffamiert werden, finde ich Ihre Äußerungen als Vertreterin der EKD, die im Zweifel auch eher gegen die Lebensschützer schreibt, nicht hinnehmbar. Und wenn über Abtreibungen informiert wird, dann sollte auch gezeigt werden, wie sich der Fötus bei einer Abtreibung zu wehren versucht. Vielleicht würde das auch manche/n ins Grübeln bringen. Ich finde bei diesem Thema muss die EKD nicht in der Vorreiterrolle sein. Wer sein Kind nicht austragen möchte, hat in unserem Land die Möglichkeit dazu. Ich habe auch einmal einen Artikel im ZEIT Magazin gelesen, in dem eine Frauenärztin berichtet, was die Abtreibungen die sie an Patientinnen vornahm, mit ihr persönlich gemacht haben. Es waren eher negative Aspekte...damit sollte sich die EKD lieber mal beschäftigen, das beträfe dann mehr das Feld der Seelsorge.

Ich bin entsetzt über Ihren Artikel zum § 219a. Bei einer "Abtreibung" wird ein Kind getötet. Eine Abtreibung ist in Deutschland auch nicht legal.

"Leben als Gesamtkunstwerk" ist eine schöne Formulierung. Genau darum geht es. Und die erste Voraussetzung dafür ist, das es sich entfalten darf. Das Recht soll die Schwachen schützen, und die Schwächsten sind die, die noch nicht geboren wurden. Deswegen finde ich es völlig richtig, dass unser Recht verbietet, dafür zu werben, den Schwächsten das Leben zu nehmen.
Die Drohung am Ende des Artikel erscheint mir merkwürdig. Für welches "wir" spricht die Autorin denn ? Für mich jedenfalls nicht, für die Kirchen, die ihre Stelle finanzieren, auch nicht, und für "die Frauen" ebenfalls nicht. Ich kenne viele, die sich unter diesem "wir" nicht vereinnahmen lassen würden.
Aber, was noch relevanter ist: Spricht sie im Namen der Schwachen, die nicht für sich selber sprechen können ? Ich werde ich bei der nächsten Wahl anders fragen: Ich werde mir merken, wer sich für die Schwachen eingesetzt hat, für die, die den Klimawandel als erste und am heftigsten abbekommen, für die, die verfolgt werden, egal, aus welchem Grund, und für die, deren Leben bedroht ist, und sei es im Mutterleib.

Sehr geehrte Frau Ott,
ich glaube, Sie verkehren hier den grundsätzlich gesetzlich geregelten Sachverhalt. Abtreibung ist in Deutschland strafbar und wenn sie etwas fordern, dann müssten sie die Abschaffung dieses Gesetzes fordern. Abtreibungen sind also "de jure" nicht einmal legal, werden in den ersten drei Monaten nach Beratung aber straffrei gestellt. Daraus folgt: was nach dem Gesetz strafbar ist darf nicht beworben werden. Kann man als Journalistin so leichtfertig die gesetzlichen Fakten ignorieren? Sehr bedauerlich.
Was mich allerdings sehr erschreckt ist die Tatsache, dass die mit keinem einzigen Wort von den Kindern sprechen, die geschützt werden sollen. Sie reden von Frauen, zurecht. Kinder kommen in ihrem Kommentar nicht vor. Das spricht Bände- ich bin entsetzt.
Dr. Martin Knispel, Theologe und Pädagoge