Bootsflüchtlinge im Mittelmeer retten

"Sonst macht es ja keiner"
Das Schiff 'luventa' der Nichtregierungsorganisation 'Jugend rettet e.V.'

picture alliance/Jugend rettet e.V.

Das Schiff „Iuventa“ von „Jugend rettet“ sucht vor der libyschen Küste in Seenot geratene Flüchtlinge und nimmt sie an Bord. Die meisten Frei­willigen auf der „Iuventa“ sind unter dreißig. Kai Kalte­gärtner ist Kapitän, Margarete Twenhoeven gehört zur Besatzung

chrismon: Was genau machen Sie im Mittelmeer?

Margarete Twenhoeven

Margarete Twenhoeven, geboren 1986, hat zuvor als Über­setzerin in einem Flüchtlingslager in Griechenland gearbeitet

Margarete Twenhoeven: Zwei Kollegen und ich fahren mit einem kleinen Speedboat voraus zu der Position, die uns die Küstenwache gegeben hat. Je näher wir einem Flüchtlingsboot kommen, des­to nervöser werde ich: Wie geht es den Leuten? Sinkt das Boot? Gibt es Tote? Weil ich Arabisch kann, nehme ich als Erste Kontakt auf. Wir verteilen Wasser und Rettungswesten.

Wer entscheidet, wer an Bord darf – und wer nicht?

Kai Kaltegärtner: Wenn ein Schlauchboot längsseits liegt, entscheiden der Chef der Mission und ich als Kapitän, wer wann an Bord kommt. Aber unser Schiff ist nur 33 Meter lang, da ist nicht immer viel möglich.    

Für Sie ein aufregendes Abenteuer?    

Twenhoeven: Nein. Es geht um Menschenleben. Des­wegen war ich beim allerersten Einsatz aufgeregt. Die EU schottet sich ab und zwingt die Flüchtlinge, die schwierigste Route über Libyen zu nehmen. Dort nehmen sie Folter in Kauf. Sie wissen auch, dass sie ihr Leben in den Schlauchbooten riskieren.     

Wie haben Sie sich auf solche Situationen eingestellt?

Kai Kaltegärtner

Kai Kaltegärtner, Jahrgang 1989, war vorher für eine Reederei auf Nord- und Ostsee unterwegs

Kaltegärtner: Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Ich bin vorher nie mit dem Tod konfrontiert gewesen. Jetzt sehe ich, wie Menschen in Panik ertrinken.

Twenhoeven: Bei einem Einsatz hatten wir einen toten Achtjährigen. Als ich zurück im Hafen war und die An­spannung fiel, habe ich ge­weint und mich gefragt: Was kann ich jetzt tun? Aber für Tote kann man nichts mehr tun. Ich weiß, wir haben das Allerbeste getan. Später habe ich erfahren, dass der Junge schon tot war, bevor ich bei seinem Boot ankam.

Locken private Hilfsorganisationen wie Ihre mehr Flüchtlinge aufs Mittelmeer?

Twenhoeven: Nein. Menschen machen ihre Entscheidung zu fliehen nicht davon abhängig, ob mehr oder weniger gerettet wird. Das zeigt sich, wenn man die Flüchtlingszahlen in den Zeiten staatlicher Seenotrettung mit denen ohne Missionen wie „Mare Nostrum“ vergleicht. Die Menschen warten in ihren Schlauchbooten nicht darauf, von uns gerettet zu werden: Manche haben sogar Angst vor uns und denken, wir seien die libysche Küstenwache.

Rufen manchmal Schlepper an und sagen, dass Flüchtlinge kommen?

Twenhoeven: Nein.

Warum tun Sie das überhaupt?

Kaltegärtner: Ich habe das nie gewollt. Aber sonst macht es ja keiner. 

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Lesermeinungen

Wer kommt den da übers Mittelmeer? Hilflose Frauen und Kinder? Nein, es sind doch über 70% junge, wohlgenährte Männer. Männer, die eigentlich in ihrer Heimat gebraucht werden.
Wenn alle wegrennen, haben die dortigen Machthaber doch gewonnen, können machen was sie wollen.

Die hohe Geburtenrate in der Vergangenheit und Zukunft ist eine bedeutende Ursache des Flüchtlingsproblems. Aber das Thema ist ja aus religiösen Gründen tabu. Dabei wird hier ein kollektiver Selbstmord begangen. Die Christen gefallen sich darin, die barmherzigen Samariter zu spielen. Die Muslime gefallen sich darin, den Westen zu unterwandern und scheibchenweise zu islamisieren. So, wie sie es mit zahlreichen anderen ehemals christlichen, buddhistischen oder hinduistischen Ländern gemacht haben.

Seenotrettung ok. Aber das kann doch nicht bedeuten, dass die "Flüchtlinge" 300 km nach Europa gefahren werden, statt 30 km bis zur nächsten Küste.

Wenn man mal genauer hinschaut, merkt man, dass die allermeisten gar keine Kriegsflüchtlinge oder Verfolgte sind. Viele haben ihren Job daheim gekündigt, ihr Haus verkauft, weil sie in Deutschland das gleiche Einkommen, jedoch ohne Arbeit, erhalten. Selbst wenn sie in Syrien geboren sind, leben sie oft nicht in Kriegsgebieten, sondern beispielsweise auch in Saudiarabien oder Dubai.