Selbstversuch Gendercrossing: Männlichkeit kann man lernen

Mann, tut das gut!
Mann in Zeitschrift

Valerie Schmidt

Richtig sitzen, richtig stehen, lässig sein: Männlichkeit kann man lernen – ein Selbstversuch zusammen mit anderen Frauen

Da hab’ ich mir was eingebrockt. Die Männerhosen sind um die Hüfte alle zu eng, dafür schlabbert das Jackett um die Schultern. Also raus aus der Herrenumkleide, in die ich mich geschlichen hatte. Nun muss ich mich doch einer Verkäuferin offenbaren: Ich brauche original Männerklamotten, denn ich will auf der Straße als Mann durchgehen; das werde ich in einem Workshop lernen. Die Verkäuferin – jung, zierlich, Einwanderertochter – macht große Augen: boah, toll. Ob das nur für Journalistinnen sei, oder ob sie da auch mal...?

Wenigstens den Gürtel kann ich mir von meinem Mann leihen. Nach kurzem Disput. Ich: brauner Gürtel, weil die Hose braun ist. Er: nein, schwarzer Gürtel, weil die Schuhe schwarz sind. Die Schuhe habe ich aus der Kinderabteilung, Konfirmandenschuhe in Größe 38. „Schwindele dich nicht mit Reeboks für Frauen durch“, hatte Kursleiterin Diane Torr vorab gemailt. ­„Männerschuhe sind geräumiger. Sie geben dir das Gefühl, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und den Boden unter deinen Füßen zu besitzen.“

Um als Mann durchzugehen, reicht Männerkleidung allein ­allerdings nicht. Das, woran man einen Mann zu erkennen meint, ist sein Habitus: sein Gang, seine Gestik, seine Mimik, sein Blick. Deshalb sollen die Teilnehmerinnen schon vor dem Kurs einen Mann finden, den sie darstellen wollen.

Hausaufgabe: Männern hinterherlaufen und sie nachmachen

„Beobachte Männer, folge ihnen“, lautet die Hausaufgabe, die Diane Torr uns mailt. „Keine Angst, das merken die nicht, denn sie fühlen sich unbeobachtet.“ Also gehe ich in der Fußgänger­zone Männern hinterher. Männer meiner Statur spreizen gern die Arme ein wenig ab, drehen die Handrücken nach vorn, schaufeln beim Gehen. Das kriege auch ich hin.

Klar, männliches Auftreten liegt ja nicht in den Genen, sondern ist gelernt. Was haben meine Freundinnen und ich als Teen­ager trainiert, dass wir ausreichend weiblich erscheinen! Eine Hand seitlich an den Hals legen wie ein Schmuckstück. Im Sitzen die Beine umeinanderschlingen und dann seitlich kippen – elegant, aber unbequem. Das Gemachte an der Männlichkeit lässt sich ebenso imitieren. Und genau das werden wir im Wochenendworkshop „Man for a day“ in Berlin lernen. Mir ist schon ganz flau.

„Ihr seid mutig“, sagt Diane Torr zur Begrüßung zu den zehn Frauen, die sie groß anschauen. Sie trägt einen geringelten Rock über schwarzen Leggings, eine frohbunte Designerjacke, sie hat rote Haare und große grüne Augen. Als Mann ist sie übrigens genauso überzeugend. Aber wieso macht sie so was Verrücktes?

Diane Torr - 160 cm groß und ganz Mann

Vielleicht fing alles mit ihrem Vater an. Der war ein alkohol­kranker schottischer Marineoffizier und sehr gewalttätig. Als die Mutter starb, blieb Diane alleine mit dem Vater zurück. Wie alle Kinder gewalttätiger Eltern lernte sie, genau zu beobachten, um an kleinsten Gesten eine bedrohliche Stimmungsänderung ­vorauszusehen. Mit 16 riss sie von zu Hause aus, sie wurde aufgegriffen und in ein geschlossenes Heim gesteckt. Mit 20 kam sie endlich raus, ausgestattet mit Freiheitsdrang und Erfahrungslust. Sie studierte Soziologie und Tanz, ging nach New York, wurde Performancekünstlerin.

Einmal posierte sie für eine Fotokünstlerin als Mann, danach blieb keine Zeit, sich umzuziehen und abzuschminken, also ging die 1,60 Meter große Frau in ihrer Verkleidung durch New York – und wurde als Mann akzeptiert. Das begann sie zu interessieren. So wurde sie im New York der 80er zur bekanntesten Frau-zu-Mann-Performerin.

Wo sie ging und stand, beobachtete sie nun Männer. Auch auf den Elternabenden der teuren Schule, an der ihre Tochter ein Stipendium hatte. Gute Mutter, dachten die anderen ganz offensichtlich, wenn sie Diane Torr eifrig mitschreiben sahen. Tatsächlich notierte sie, wie die Väter – Anwälte, Manager, Ärzte – agierten.

In ihren Männerfiguren stecke viel von ihrem Vater, sagt sie, Fünfziger- und Sechzigerjahre-Männlichkeit also, doch junge Männer, die Manager werden, legten sich genau diese Gesten zu. Effektvoll etwa der gelegentliche schnittige Handkantenschlag in die Luft. Oder: ein einzelnes Wort sagen, dann den Kopf langsam wie ein Reptil zur anderen Hälfte der Zuhörerschaft drehen, das nächste bedeutsame Wort sagen.

Diane ist 65, sie gibt „Man for a day“-Kurse seit 25 ­Jahren. Die Nachfrage sei einfach da. Gerade war sie in Indien, auf Einladung des Goethe-Instituts. Die indischen Frauen wollten nicht für immer zum Mann werden, sie wollten ganz normale Dinge tun – eine Zigarette auf der Straße rauchen, in einem Lokal ein Bier trinken, nachts auf den Basar gehen. Geradeso wie die europäischen Frauen, die sich jetzt im Berliner Workshop einander vorstellen, mehr Verhaltensmöglichkeiten haben möchten.

Warum bloß wollen Frauen Männer spielen?

Susanne, 51, Kundenberaterin in einem Verlag, will nicht mehr dauernd nett sein, denn das koste so viel Kraft, Männer scheinen ihr anders, leichter ans Ziel zu kommen. Dokumentar­filmerin Daniela, 42, will in China in einem Bordell drehen ­können, und sie möchte erleben, wie es ist, als Mann die Straße entlangzu­gehen, sie erwartet ein Gefühl von Freiheit.

 Olga will sich von der Maske überraschen lassenValerie Schmidt
Geradezu mit Leidensdruck ist Olga, 23, gekommen. Die ­Studentin der Theaterwissenschaft, klein und blond, hat schon so viel versucht. Sich die Haare braun gefärbt, sich nicht geschminkt, flache Schuhe, „neutrale“ Kleidung – trotzdem werde sie auf der Straße von Männern lauthals bewertet. Mittlerweile laufe sie nur noch mit Sonnenbrille und Ohrenstöpseln durch die Gegend. ­Eigentlich sei sie kurz vorm Explodieren. Endlich mal ungestört durch die Stadt zu gehen, vielleicht funktioniere das ja als Mann?

Wir breiten unsere mitgebrachten Kostüme auf den Stühlen aus, Diane und ihre Assistentin begutachten. Mein Hemd sei zu farbig für den Beamten des Statistischen Landesamtes, als der ich unterwegs sein will. O. k., gehe ich halt als Medienberater. Ein mit Watte gefülltes Kondom kommt in die Hose (sieht beim Sitzen besser aus). Der Oberkörper wird straff mit einer elastischen Binde umwickelt – Shirt drüber, und wir scheinen einen trainierten Oberkörper zu haben. Fehlt nur noch die Gesichts­behaarung. Diane klebt mir Stoppeln auf die Wangen. Schließlich die Haare mit reichlich Pomade an den Schädel geklatscht.

„Super“, sagen die anderen, „also grauslich. Also super.“

Und nun? Was „tun“ Männer? Oder besser: Was lässt ein Mann bleiben?
Hört zu lächeln auf, sagt Diane. „Als Frauen lernen wir, häufig zu lächeln, damit sich die Leute in unserer Gesellschaft wohl­fühlen. Männer lächeln nur, wenn sie einen Grund dazu haben.“ Wir nicken, ohne zu lächeln. „Und hört auf, dauernd bestätigend zu nicken“, sagt Diane. Überhaupt: wenig gestikulieren, spärlicher Körperausdruck.

Bastel-Penis in die Hose und Klimpergeld in die Hosentasche

Was muss ein „richtiger“ Mann nicht alles unterlassen! Er darf zum Beispiel viele Gefühle nicht zeigen, weil er sonst schnell mal als exaltiert, manieriert, affektiert gilt. Das hatte mir Professor Stefan Hirschauer erzählt, Geschlechtersoziologe in Mainz. Männer haben, sagte der Professor, zwar im Schnitt ein höheres Einkommen, vermutlich auch noch immer mehr Entscheidungsfreiheiten, aber weniger emotionale Freiheiten als Frauen.

Chefiges Auftreten ist noch immer eine der Leitnormen. Und so lernen wir im Kurs „Man for a day“: Als Mann sitzen wir nicht vorn auf der Stuhlkante (dem Gegenüber freundlich-eifrig zugewandt), sondern zurückgelehnt auf der ganzen Stuhlfläche; wir machen uns nicht schmal (und nett) – sondern breit (und wichtig), im Sitzen wie im Gehen. Klimpergeld in der Hosentasche unterstützt die Coolness.

Öffentlich in der Nase bohren - das tun Frauen eher nicht

Sollten wir den Eindruck haben, dass jemand an unserem Mannsein zweifelt: hinstellen, Fersen heben und die Absätze mit einem satten Klack aufsetzen. Das tun Frauen nicht. Frauen fah­ren sich auch seltener mit der Zunge im ganzen Mund herum, dass die Backe ausbeult; sie pulen sich eher nicht öffentlich mit dem Fingernagel in den Zähnen. „Männer tun oft ganz selbstvergessen Dinge, die Frauen nie tun würden“, sagt Diane. Es könnte ja sein, dass jemand sie beobachtet, sie stehen auch mehr unter Beobachtung als Männer.

Klar, das sind Klischees. Keine dieser Beschreibungen trifft auf alle Männer zu, noch nicht mal auf die meisten. Wir stellen ja auch nicht „die“ Männer dar, sondern individuelle Männer. Nach dem Motto „Es gibt solche Typen“ oder „Ich kenne so einen“.

Unsere Männer sind mit breiten Pinselstrichen skizziert. Dabei sind wir gegenseitig durchaus kritisch: Dein Gang ist zu leicht, du gestikulierst noch zu viel, rede langsamer, halte den Kopf ruhig.

Übertreiben dürfen wir aber auch nicht. Als wir „Begrüßung“ üben, patschen wir einander ausgiebig auf die Schultern, schütteln heftigst Hände. „Klischee“, ruft Diane aus dem Hintergrund. Eine Begrüßung unter Männern sei eher kurz: Man reicht sich an geradem Arm eine schwere Hand, schaut dabei gern seitlich am anderen vorbei, schüttelt kurz. Fertig.

 Olga und Miriam als Männer unterwegsValerie Schmidt
Aber wir müssen nicht perfekt sein. Es reicht, wenn die Leute es für plausibel halten, dass der Mensch, der ihnen da entgegenkommt, ein Mann ist. Sie blenden jene Details aus, die der Vorstellung von Männlichkeit nicht ganz entsprechen. Ein bekannter Effekt. Wichtig scheint nur, dass man jeden Menschen einem Geschlecht zuordnen kann. Der Soziologe Hirschauer nennt das den geschlechtlichen Ausweiszwang.

Ein Traum wird wahr: Ich bin unsichtbar

Und jetzt raus! Ich verlasse das Haus als Lars, Medienberater, Mitte fünfzig, ein gefragter Experte. Ich gehe langsam. Wichtige Leute rennen nicht. Ich gehe breit. Ich weiche niemals aus. Sollte ich was interessant finden, drehe ich den Kopf ganz langsam. Nichts kann mich aus der Ruhe bringen.

Oh nein, ich stehe mitten in einem Park! Auf der Wiese lagern wochenendgestimmte Menschen, die Zeit zum Gucken haben! Das wird übel ausgehen. Die Männer werden sich provoziert fühlen und den gefälschten Mann anpöbeln. Aber jetzt einfach wegrennen – ein kleiner Mensch mit Bart, der rennt wie eine Frau – geht gar nicht. Ich kriege schlechte Laune. Na klar, Lars hat schlechte Laune! Er ist auf einer Tagung in Berlin und hat bisher nur langweilige Vorträge gehört. Ich schaue so übellaunig, dass mir fast das Gesicht abfällt, und stapfe zum Spreeufer. Niemand guckt. Gerettet.

Oh nein, die Spreeuferpromenade ist gefühlt nur einen Meter breit! Links auf dem Geländer sitzt ein junger Mann, rechts auf der Bank lümmelt sein Kumpel. Dazwischen soll ich durch. Ich bin kurz vor Schnappatmung. Erst mal die Sicherungsposition einnehmen: Hände auf den Rücken legen, Absätze heben und runterklacken lassen, mit einem Grunzen imaginären Schleim tief aus dem Rachen hochziehen. Dann richte ich den Blick gelangweilt in die Ferne und gehe gemächlich zwischen den Männern hindurch.

Sie unterbrechen ihr Gespräch nicht eine Millisekunde. Als sei ich unsichtbar. Natürlich bin ich nicht unsichtbar, sonst ­würden die Frauen nicht geschmeidig zur Seite weichen, wenn ich ziel­strebig daherkomme. Ich habe Platz um mich. Und Stille. Niemand stört mich. Das könnte schön sein. Gerade finde ich es nur anstrengend. Ich will zurück ins Körbchen, sofort.

Da trudeln auch schon die anderen ein. Alle sind durchgekommen. Olga, als Frau genervt von ständigen Männerkommentaren, hatte geradezu eine beglückende Zeit als Mann. Unterwegs als Sascha mit die Silhouette verbreiterndem Kapuzenpulli, Baggy-Hose, Mütze tief in der Stirn, dicken schwarzen Augenbrauen. „Das erste Mal, dass mir jemand ausgewichen ist – geil! Die Leute haben mich überhaupt nicht beachtet. Wunderbar!“

Als sie einen Uhrenladen betrat, wurde sie zu den Männeruhren geschickt und dort beraten. „Toll auch, mitten im Einkaufszentrum einfach mal dazustehen. Frauen laufen immer geschäftig rum, schieben was, tragen was, als bräuchten sie einen Grund, in der Öffentlichkeit zu sein. Eigenartig. Warum gibt es keine Frauen, die rumstehen und einfach beobachten?“

"Püppie, bring mir mal 'nen Espresso!"

Susanne war vor allem von sich selbst überrascht: wie leicht ihr der mackerige Sam fiel. Sam, einst Junkie, jetzt Fotograf.

„Sonst, wenn ich komischen Leuten begegne, bin ich ein Schisser. Jetzt hab ich gedacht: Eine Zuckung, und ihr kriegt was auf die Fresse!“ Im Café sagte sie zur Bedienung: „Püppie, bring mir mal ’nen Espresso.“ Fürs Bezahlen reckte sie dann nicht wie als Frau den Hals, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern rief knapp durch den Raum: „Rechnung!“ Sofort war die Bedienung da. Zum Ausgleich für das „Püppie“ gab’s ein Extratrinkgeld.

Nur einmal fiel Susanne aus der Rolle. Sie sah einen kleinen Hund und zwitscherte: „Was bist du für ein Süßer!“ Die Hundehalterin zog das Tier eilig weg.

Für den zweiten Ausflug müssen wir an unseren Männern noch arbeiten, findet Diane. „Das ist nicht nur Spaß, das ist richtig Arbeit!“ Auch ein Hip-Hopper übe jahrelang abends vor dem Spiegel, sagt sie streng zu Olga. Olga hat verstanden: Auch der „neue“ Mann, der sie gerne sein möchte, ist eine Performance und muss also geübt werden. Oberste Regel für Olga: am Satzende nicht die Stimme heben. Sonst klingt das so: „Ich bin Sascha? Ich bin Bootsmechaniker?“

 Auch als Frau hängt unsere Autorin gerne bequem im Stuhl, als Lars sowiesoValerie Schmidt
Komischerweise finden die jungen Frauen meinen Lars sympathisch. Ha, ha, sage ich als Lars. Ich checke für Medienunternehmen das vorhandene Personal, wer bringt’s noch, wer muss gehen. Laut schleife ich einen Stuhl über den Boden, knalle ihn vor mich hin, bedeutungsvolle Pause, dann kippe ich den Stuhl. So geht das. Natürlich kostet meine Dienstleistung. Meine Frau hat eine Galerie. Meine Kinder studieren in den USA. Zahle alles ich. Wenn ich abends nach Hause komme, ist da nur die Katze. Die Katze kennt mich nicht.

Die jungen Frauen wollen am liebsten Softies spielen

Jetzt haben die jungen Frauen auch noch Mitleid mit mir. Und sympathisch finden sie mich immer noch. Harr, harr. Wollen wir doch mal sehen, wie weit sie kommen als neusanfte Männer, die sie sein wollen – solange es Männer wie mich gibt, wie Lars. Das will jetzt auch Diane Torr mal sehen. Lea, 25, angehende Sozialarbeiterin, und ich treffen als Männer aufeinander – als Florian und Lars.

Ich, also Lars, sitze im Büro, als der Sohn meines alten Freundes eintritt, der junge Mann ist fremd in der großen Stadt und braucht einen Erstkontakt. Ich sitze seitlich zur Tür, telefoniere in den Stuhl gefläzt mit einer Untergebenen, der junge Mann betritt den Raum – und bleibt unsicher stehen, weil ich ihn nicht anschaue. Natürlich schaue ich ihn nicht an! Stattdessen wedele ich ihn abwesend mit der Hand heran (von wem bloß habe ich mir diese Geste abgeschaut?), weise ihm einen Stuhl zu und beende erst allmählich mein wichtiges Telefonat. So, so, der junge Mann studiert also Geografie. Ah ja. Interessant. Der Student wird immer schmaler auf seinem Stuhl.

Wohl fühle ich mich dabei nicht. Denn eigentlich bin ich als Lars gerade ratlos: Was soll ich bloß mit diesem Jungspund ­ohne Biss anfangen, den mir mein alter Freund ins Büro geschickt hat? Ich hab auch keinen Schimmer, was ein Geografiestudium beinhaltet. „Aber du wirkst total überzeugend“, sagt Miriam beim Abendessen in einem Restaurant, „deine Unsicherheit hat man nicht gesehen.“

Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling

Über Miriam hatte ich am Morgen gedacht: Aus der wird nie ein Mann. Eine zurückhaltende junge Frau, die rot wurde, als sie sich vorstellte. 22, Kunststudentin. Und Männerkleidung hatte sie auch nicht dabei. In der Mittagspause raste sie mit ihrem Freund, der mit nach Berlin gekommen war, in einen großen ­Secondhandladen und kam wieder mit grauem Anzug, Seidensticker-Hemd, geflochtenen Slippern. Hände in die Hosentaschen, fettiger Män­nerzopf, ungeduldiges Fußgeklopfe – fertig war der Kunstkurator einer großen Ausstellungshalle, der die jungen Künstler in einen knallharten Wettbewerb für eine Einzelausstellung zwingt. Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling.

Ich könnte diesem Mark eine reinschlagen. Das sage ich ihm auch. Da lupft er arrogant-amüsiert eine Augenbraue. Wie macht Miriam das nur? „Als Frau bin ich immer nett, immer auf andere bezogen, immer ‚Wie geht es dir?‘“, sagt Miriam. „Als Arschloch ist mir das egal.“
Diese Haltung werde sie künftig auch als Frau mal an den Tag legen, sagt Miriam. Wenn die Professorin fragt, wer eine be­sondere Aufgabe übernehmen möchte, will Miriam nicht mehr denken: Vielleicht bin ich doch nicht gut genug für diese Auf­gabe? Vielleicht will jemand anderes die Aufgabe? Nein, Miriam wird sagen: „Ich mach das.“

Nachts arbeitet es weiter in den Köpfen. Am nächsten Morgen ist die erste Bilanz gemischt. War am Samstag Euphorie das vorherrschende Gefühl („Die Leute ­weichen mir aus!“), finden manche ihre Erfahrungen als Mann nun auch bedrückend.

„Ich hatte naiv erwartet, ich würde mich frei fühlen, stattdessen fühlte ich mich eher depressiv“, sagt Susanne über ihren Ausflug als Macho Sam. „Natürlich, nach außen gab ich vor: Ich hab alles im Griff, mein Easy Rider steht draußen vor der Tür, ­meine Freundin wartet auf mich. Aber ich war wie gefangen in mir selbst. Wie in einem Kokon. Nicht lächeln, nicht zwinkern, das fehlte mir. Mein ganzer Körper war so verschlossen.“ So ging es auch anderen Frauen: Sie fühlten sich begrenzt. Eine resümiert: „Die Regeln für Männer sind doch genauso dumm und begren­zend wie die für Frauen.“ Das Konzept der getrennten Geschlechter­rollen sei ärmlich.

Werden Männer etwa auch von ihrer Rolle geknechtet?

Hm, werden Männer geknechtet von ihrer Rolle? Das habe ich Stephanie Weber gefragt. Sie bietet ebenfalls Frau-zu-Mann-Workshops an. Beruflich arbeitet sie als Sexual- und Geschlechterpädagogin, zum Beispiel mit Studierenden. „Frauen dürfen Frauensachen machen und noch dazu die Männersachen, die sie sich angeeignet haben“, sagt Weber, „Männer dürfen nur Män­ner­sachen machen.“ Dass Männer Ärger bekommen können, wenn sie „Frauensachen“ machen, merkten auch Webers Studenten, als sie – das war ihre Aufgabe – in der Bahn offensiv Menschen ­anlächelten, nicht flirtend, sondern freundlich. Sie ernteten ­Kommentare wie: „Wenn du nicht sofort aufhörst, kriegst du eins in die Fresse.“

Stephanie Weber würde nicht mit einem Mann tauschen wollen. Wie einsam sie war, als sie das erste Mal als Mann unter­wegs war! „Die Männer guckten nur kurz, damit sie nicht als schwul gelten. Und die Frauen guckten nur kurz, damit ihr Blick nicht etwa Interesse signalisiert.“ Aber sie hat sich einiges von Männern abgeschaut: zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen betont langsam zu sprechen. Als wäre jedes Wort ein Juwel der Weisheit. Das beeindruckt.

Ein aufregendes Wochenende war das, als Lars. Aber jetzt will ich wieder als Frau unterwegs sein. Mit dieser Rolle kenne ich mich wenigstens aus. Und so entschieden zu gehen, dass mir auch Männer ausweichen, habe ich mir eh im Laufe meines Lebens angeeignet.
Sage ich und laufe zum Bahnhof und merke: Etwas hat sich doch verändert. Die Frauen, die mir entgegenkommen, scheinen mir verkleidete Männer zu sein; und die Männer wirken auf mich wie schlecht geschminkte Frauen. Als wenn alle nur einem Ideal­bild von Mann und Frau nacheiferten, das sie niemals erfüllen werden. Als wenn es den richtigen Mann und die richtige Frau gar nicht gäbe.

 Die Frauen des Workshops jetzt mal selbstbewusst und raumgreifendValerie Schmidt
Und die anderen Frauen aus dem Workshop? Die halten jetzt öfter inne und fragen sich: Was würden in dieser Situation Mark, Sascha, Sam oder Florian tun?

Olga geht sogar anders mit Männern um. Olga, die es so satt hatte, sich auf der Straße dauernd Bewertungen ihres Aussehens anhören zu müssen, Olga reagiert nun. Sie dreht sich um, geht mit ernster Miene auf den Mann zu und sagt: „’tschuldigung, was hast du gerade gesagt?“ – Er: „Nichts, nichts, ich hab nur gesagt, dass du eine süße Maus bist.“ – Sie: „Wer hat dich denn nach deiner Meinung gefragt? Kannste gern für dich behalten.“

Schon dass die Männer dann verwirrt sind, ist ihr Genug­tuung. Überhaupt sei sie nicht mehr so leicht einzuschüchtern.

Sie denkt dann: „Das ist nur Schauspielerei, ich kann das auch.“

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Lesermeinungen

Liebe Carmen, die Reportage ist in der Tat "humorvoll" gemeint. Dankeschön für Ihr Lob! Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Eine erstrebenswerte Freiheit soll die Verwandlung sein? [...] Wenn es aber lediglich ein Versuch war, um als Frau die Männerwelt besser verstehen zu können, dann mag das den Versuch ja wert sein. Dann hätte sie aber doch wesentlich besser einen Transvestiten verhören können. Oder noch besser, sie hätte die Mütter von Söhnen fragen können. Die müßten ja am besten wissen, wie man ein Kleinkind zum Mann macht. Allein die Vorstellung, dass es eine Erziehungs- oder Anpassungmethode für die Gesten, die Gangarten und Körperhaltungen gibt, die einen Mann erst zum Mann machen, ist absurd. Und dann kommt zur Rechtfertigung wohl noch der Anspruch, dass man alle Leser durch das Ergebnis zum Nachdenken animiert wollte. Dünner kann solch ein Anspruch ja wohl nicht sein. Kindergartenpsychologie. Ist die Kirche bzw, Chrismon schon so an christlichen Themen ausgedünnt, dass sie diesen Bericht bringen muß? Was soll der Bericht hier?

//von der Redaktion bearbeitet. Bitte bleiben Sie sachlich!

Wer es geil findet, sich durch Hinterfragung der eigenen Identität(en) selbst zu finden, hat in unserer "Gesellschaft" (und das ist das gute an Deutschland im Vergleich zum Nordirak) alle Freiheiten dazu. Viel Erfolg beim wachsen in die geistige Selbstbefreiung.

Tu was DU willst! Alles ist erlaubt! DU bist der Maßstab, nicht die Gesellschaft!

Vielleicht ist es das, was auch Jesus uns mitteilen wollte. Schließlich hat er (sie) auch mit den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit gebrochen. Die wahre Nachfolge (im Geist, nicht im Buchstaben) besteht vielleicht gerade darin, gesellschaftliche Normen und natürliche Realitäten zu ignorieren und das eigene Selbst zum Maßstab zu machen.

Hier kann evangelische Kirche Helfen! Wenn man es so sieht, steht der Artikel mit voller Berechtigung in einem evangelischen Magazin.

Mann, Mann, Mann - wäre ich Mitglied der evang. Kirche, wäre dies einer der vielen Gründe in letzter Zeit, auszutreten!
Wollt ihr jetzt auch noch eine der letzten Bastionen der Christen, die ev. Kirche vergendern? Ihr habt sie doch nicht mehr alle!

Gruß - ein überzeugter Christ, aber erklärter Gegner der political correctness!

Hallo "Wutbürger", das Wort Gendergerechtigkeit klingt in der Tat nicht schön, bezeichnet aber etwas Gutes. Nämlich - zum Beispiel bei Maßnahmen des Staates, der Kommunen, der Kirchen - jeweils zu überlegen, welche Auswirkungen das auf Männer und Frauen hat. Wohlgemerkt: auch auf Männer. Herzliche Grüße, Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Die Männer gehen also völlig anders als Frauen nur weil sie anders sozialisiert sind und das hat nichts mit Genen zu tun. Da sieht man gleich, woher der Wind mal wieder weht, von der Gender-Ideologie.
Man sehe sich mal rennende Menschen an, Frauen haben einen anderen Laufstil als Männer. Und das Laufen wird bestimmt nicht Gender-mässig anerzogen. Es ist der andere Körperbau - definiert in den Genen, der Frauen anders laufen läßt als Männer. Frauen neigen dazu, beim Laufen mit den Füssen "seitlich auszuschlagen", wie ich es mit meinen bescheidenen Analysemöglichkeiten beschreiben würde, und das hat etwas mit ihrem anders gearteten Becken zu tun (oder den häufiger vorhandenen X-Beinen). Und so bestimmt eben der anders gestaltete und anders gewichtete Männerkörper auch einen anderen Gang der Männer.

Hallo Klaus, wenn Frauen x-beinig rennen - was heutzutage im Unterschied zu den 60er-Jahren - nur noch wenige tun, hat das nix mit den Genen zu tun, sondern mit engen Röcken. In Bleistiftröcken kann man nur x-beinig rennen. Leihen Sie sich mal so einen Rock, dann werden Sie das bestätigen können. Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Was hat diese Anekdote aus der 68er Klischeemottenkiste mit Kirche zu tun? Die Autorin, die Teilnehmer, die Redaktion - nur eine Ansammlung traurig-grauer Existenzen kann so einen belanglosen Mist drucken. Anscheinend hat die Kirche nichts besseres zu bieten. Mein Austritt aus dem Verein war begründet, wer will sich schon mit solchen Verlieren umgeben? Deshalb hättet ihr Jesus auch nicht selbst vor die Tür setzen müssen, er wäre freiwillig gegangen, bei diesem lauen Haufen.

Es geht doch nicht um Verunsicherung, sondern letztlich um Freiheiten, als Mann und Frau leben zu können, ohne sich in seinem Wesen einschränken zu müssen. Die "Psychospielchen" sind doch gerade die zwanghaften Attribute, die Mann oder Frau an den Tag legen soll. Oder anders gesagt: Die Gesellschaft akzeptiert mich nur, wenn ich mich verhalte, wie sie von mir erwartet. Damit entwertet sie mich in meinem Wesen.

Ich möchte nicht als Mann Klischees leben, denen ich nicht entspreche. Täte ich dies, hätte ich nicht die Menschen um mich, die mich als Mensch mögen, sondern nur die, die mich als Marionette, die nach ihren Regeln spielt, betrachten.

Nur wenn der Mensch in seinen Eigenheiten, Qualitäten und Fähigkeiten ernst und wichtig genommen wird, kann er sich entfalten. Das ist für jeden von uns von großer Bedeutung und für die Gesellschaft sehr wertvoll.

Wer Regeln über den Menschen stellt, zeigt meiner Meinung nach nur, dass er mehr Angst vor dem Leben hat, als Mut es wahrhaftig zu leben. Im Extremfall ist das ein totalitäres System.

"Das Problem der heutigen Frauen ist eher die zunehmende Verunsicherung in ihrem Selbstbild. "

Eine gewagte These. Was ist denn das Selbstbild und wie komme ich denn dazu ? Indem ich mich regelkonform verhalte ? Damit erreiche ich nur, dass ich mich selber vergewaltige. Ich zwangsläufig gerade dann unsicher, weil ich ständig ängstlich kontrollieren muss, ob ich regelkonform, vulgo "normal" bin.

Man muss sich selber ausprobieren, andere Wege gehen, um zu erkennen, wer man wirklich ist. Dann verschwindet die Unsicherheit, weil man sich selber erkennen kann.

Oder wie würden Christen sagen: "Wie Gott mich gemeint hat ?".

Hallo Jürgen, Sie haben völlig recht: Nach Klischees leben zu müssen, macht keine Freude. Natürlich möchte jeder und jede so anerkannt werden, wie er oder sie ist. Und natürlich möchte man wahrhaftig leben. Nur: In der Arbeitswelt kann man so nicht überall bestehen. Da ist es nützlich, gelegentlich (nicht immer!) eine der im Betrieb üblichen Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Zum Beispiel gegenüber einem Chef deutlich und selbstbewusst und zur Not auch wiederholt die eigenen Leistung herauszustellen. Auch wenn einem im sonstigen Leben solch eine Verhaltensweise bescheuert vorkommt. Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Die Bibel meint, Lot sei in den beiden Nächten zu betrunken gewesen, um das mitzukriegen. Eine ziemlich maue Entschuldigung, wenn man bedenkt, was den Sodomitern widerfuhr.

Das "entschuldigende" Argument des Nichtwissens, der Nichtwahrnehmung, des Betrunkenseins kann die heutige Kirche nicht für sich in Anspruch nehmen.
Im Gegenteil, vielmehr ist Sie zum spiritus rector der Dekomposition geworden.

Wie "MIMI" vor mir schon schreibt: eine solche Kirche braucht niemand mehr.

Dass der Artikel ausgesprochen dumm ist, überrascht nicht, da es auch schon die Aufgabe ist, die frau sich in diesem Artikel gestellt hat. Wieso steht soetwas auf einer evangelischen Website. Wo in der evangelischen oder auch ganz allgemein christlichen Lehre wird gesagt, dass Frauen Männer sein sollen? Hier hat ja wohl die Redaktion völlig versagt. Ich schäme mich schon für so eine wortreiche Leserreaktion.

Hallo "Sinnsucher", falls Sie den Text nicht ganz gelesen haben sollten, bevor Sie Ihr Urteil abgaben: Da steht ausdrücklich, dass die Teilnehmerinnen dieser Workshops Frauen bleiben wollen, dass sie keinesfalls auf Dauer zu Männern werden wollen. Sie probieren nur für ein Wochenende (hallo, ein Wochenende!) aus, in den Schuhen einer anderen Person zu gehen. Das gibt - wie jedes Rollenspiel - Freiheit. Und Freiheit ist was sehr Evangelisches. Hier, im Workshop "Man for a day", entdecken die Teilnehmerinnen, dass sie sich auch ganz anders verhalten könnten. Deshalb spielen auch so viele Menschen so gern Theater. Es grüßt Sie Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Ich versteh absolut nicht warum die evangelische Kirche diesen Genderwahnsinn unterstützt. Gibt es denn nicht genug reale Probleme auf der Welt?

Hallo "Nowotnick", klar gibt es jede Menge Probleme in der Welt. Die greifen wir in chrismon auch laufend auf. Aber chrismon ist es auch wichtig, wie Menschen zusammenleben, wie sie feiern, was sie in ihrer Freizeit machen - selbst über Vereinsmeier haben wir schon geschrieben. Wir finden nicht, dass alles nur furchtbar ist - die Welt, das Leben, die Mitmenschen... Herzliche Grüße Christine Holch, Redaktion chrismon

Das ein christliches Magazin so einen Bericht veröffentlicht finde ich absolut beschämend! Wenn Christen die Bibel lesen würden, dann würden sie wissen, dass die Idee "Männlichkeit kann man lernen" dem heiligen Gott ein Greuel ist! 5.Mose 22,5
"Eine Frau soll nicht Männersachen tragen und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, der ist dem HERRN, deinem Gott, ein Gräuel. Gott lehnt jede Männlichkeit bei der Frau ab! Er hat die Frau wunderbar in ihrer Eigenheit geschaffen, darum brauchen Frauen die Männlichkeit nicht zu erlernen. So eine verdrehte Irrlehre gehört verboten!
Wenn Christen sich so daneben benehmen, ist es kein Wunder warum Moslems über die Christen dermaßen spotten!

/../. Von den beratenden Geschwätzwissenschaftlern (neudeutsch: "Soziologie"), scheint keiner jemals einem lebendigen Mann gegenübergetreten zu sein. Denken die Damen denn im Ernst, ihnen hat auch nur eine Sekunde lang jemand den Mann abgenommen? Wie realitätsfremd kann man denn sein? Und: Was soll das Ganze eigentlich bringen? Als Mann finde ich das Ganze ehrlich gesagt diskriminierend bis hin zur Männerfeindlichkeit...

Lieber Jochen Weiland, es gibt auch Männer, die uns gemailt haben, dass sie sich köstlich amüsiert haben beim Lesen des Textes, dass sie sich gefreut haben. Genau so amüsieren sich Frauen, wenn sie in einer Show so genannten "Drag Queens" zuschauen. Das sind Männer, die - in ziemlich überdrehter Manier - als Frauen auftreten. Da quietschen die männlichen wie die weiblichen Zuschauer vor Vergnügen. Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Ist das wirklich das Problem der evangelischen Kirche? Sich als Mann verkleiden? Familien brechen auseinander, der Glaube lässt nach und Menschen verlieren ihre Identität...und ihr verkleidet euch als Männer?

Eine Kirche, die keiner mehr braucht.

Eine Frau muß doch keine Männer nachäffen, um mehr Lockerheit, Selbsbewußtsein und Achtung zu erhalten. Nein, sie kann, mit dem was sie von Natur aus ist selbstsicher und zufrieden umgehen und auch mit "weiblichen Waffen" zum Ziel kommen.
Frau sein ist klasse und zwar mit allen weiblichen (!) Eigenschaften.

Die richtige Diskriminierung der Frau findet nämlich da statt, wo man ihr ihre weibliche Identität schlecht redet, ihr einredet, sich männliche Attitüden und Verhaltensweisen aneignen und ihre Weiblichkeit leugnen zu müssen, um Erfolg, Annerkennung und Selbtbewußtsein zu erlangen.
Man schwatzt den heutigen Frauen ihre natürliche Weiblichkeit, Mütterlichkeit und Erziehungsfähigkeit ab, wertet ihre Weiblichkeit als Rolle ab und entmachtet sie damit durch die Hintertür. Man Nimmt ihnen die Erziehung der kommenden Generationen aus der Hand und will sie alle als Lohndrückerinnen in die Berufstätigkeit zwingen.

Das Problem der heutigen Frauen ist eher die zunehmende Verunsicherung in ihrem Selbstbild. Das macht nicht selbstbewußter, sondern unsicherer und manipulierbarer. Warum muß man so etwas wundervolles, wie unsere Weiblichkeit mit solchen demagogischen Psychospielchen in Frage stellen. Das haben wir Frauen nicht nötig!

Der Artikel wird auf div. fb-Gruppen schon heftig diskutiert bzw. im Kielwasser der Eine-Tür-EKD gesehen und entsprechend kommentiert. Damit auch hier ein Kommentar steht: das Männerbild, das hier durch die Hintertür hereingetragen wird, ist unterirdisch (ich habe noch nie einen Kaffee per "Püppie, bring' mir mal 'nen Espresso." bestellt und, jede Wette, mind. 100 Männer, die ich gut kenne, auch nicht - was ist also die Botschaft?) und sagt was über die Autorin und die Veranstalterin Diane Torr aus. Auf der Webseite zum Film heißt es: "Seit über 20 Jahren führt Diane ihren Workshop Man for a Day in Europa, Nordamerika, Brasilien, Istanbul und Neu-Delhi durch."

Warum springt Chrismon nach 20 Jahren auch noch auf diesen Zug auf? In was für ein Paradies soll die Befreiung der Frau (vom Mann?) führen? Ein Artikel und vor allem ein Selbstversuch von modernen Frauen Richtung Beziehungsparadies wäre eher mein Bedürfnis.

http://manforaday-film.com/biografie-diane-torr.html

Für den/die Admin: nur für den Fall, daß ich vorher den SPEICHERN-Button ganz unten vergessen hatte....

Ich frage mich ja immer warum Frauen glauben, sich so benehmen zu müssen. haben deren Eltern eigentlich soviel verbockt, dass sie sich nur geliebt fühlen, wenn sie sich artig benehmen? Das Argument "Es könnte ja jemand gucken" gilt für Männer genauso.
Vielleicht sollten, solche Frauen vielleicht lieber ihre Probleme mit ihrer Weiblichkeit therapieren lassen, als sich als Mann zu verkleiden, und dabei nur sämtliche dämlichen Cliches zu bedienen, denn auch eine Frau muss sich nicht so dämlich und unselbstständig verhalten. Und Frauen die Selbstbewusst durch die Straße gehen, denen wird auch ausgewichen.

Hallo "LBierend", genau, da haben Sie recht: Frauen, die selbstbewusst durch die Straße gehen, wird ausgewichen. Nur: Dieses Selbstbewusstsein hat nicht jede Frau einfach so. Das muss man üben. Zum Beispiel, indem man Männer beobachtet. Die gehen nämlich oft recht selbstbewusst durch die Straße. Herzliche Grüße Christine Holch, Redaktion chrismon

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